Wolfgang Krach (* 5. Juni 1963 in Regensburg) ist ein deutscher Journalist. Er war von April 2015 bis Dezember 2025 gleichberechtigter Chefredakteur, zuerst mit Kurt Kister, seit Juli 2020 mit Judith Wittwer, bei der Süddeutschen Zeitung in München.
Tätigkeiten Nach dem Abitur 1982 am Gymnasium in Hilpoltstein und anschließendem Zivildienst absolvierte Wolfgang Krach von 1984 bis 1986 ein Redaktionsvolontariat beim Donaukurier in Ingolstadt. Danach arbeitete er ein Jahr als Lokalredakteur und Rathaus-Reporter für die Zeitung. Von 1987 bis 1989 studierte er Philosophie an der von Jesuiten geführten Hochschule für Philosophie München. 1989 übernahm er einen Posten als landespolitischer Korrespondent des Donaukuriers in München. Nach Mutmaßungen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel wurde ihm nach kritischer Berichterstattung 1992 auf Druck des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl gekündigt.Der Spiegel, 20. Juli 1992: Passionierte Kripperlfigur Hierauf wurde Krach politischer Reporter bei der Illustrierten Stern. Krach wechselte 1997 zum Spiegel. Nach dem Regierungsumzug nach Berlin wurde Krach stellvertretender Leiter des Spiegel-Büros in Berlin. Anschließend übernahm er die Leitung des Deutschland-Ressorts in der Spiegel-Zentrale in Hamburg.
2003 wurde Krach geschäftsführender Redakteur und Chef des neu geschaffenen Newsdesks bei der Süddeutschen Zeitung in München. Zum 1. Juni 2007 erfolgte die Berufung zum stellvertretenden Chefredakteur der SZ. Ab 2011 bildete er gemeinsam mit Kurt Kister und Heribert Prantl die Chefredaktion der Zeitung. Der Herausgeberrat der Süddeutschen Zeitung berief Krach mit Wirkung zum 1. April 2015 zum gleichberechtigten Chefredakteur neben Kister.
Von Juli 2020 bis Dezember 2025 führte er gemeinsam mit Judith Wittwer die Chefredaktion, wobei die bis dahin bestehenden getrennten Zuständigkeiten für Print und Online entfielen. Zum Jahreswechsel 2025/26 schied Krach nach 23 Jahren bei der SZ aus.In eigener Sache: Wolfgang Krach scheidet aus der SZ-Chefredaktion aus, sueddeutsche.de, erschienen und abgerufen am 11. Dezember 2025
Kontroversen Am 10. Januar 2016 entschuldigte sich Krach für ein Titelbild zum Thema sexuelle Gewalt, das Leser als „sexistisch und rassistisch“ kritisiert hatten.„Focus“ und „Süddeutsche“ in der Kritik: Angriff, Boykottaufruf und eine Entschuldigung kresss.de, 10. Januar 2016.
Am 20. Oktober 2020 entschuldigte sich Krach gemeinsam mit der Co-Chefredakteurin Judith Wittwer für einen von Lesern als antisemitisch kritisierten Artikel des Musikkritikers Helmut Mauró über den Pianisten Igor Levit.Igor Levit ist müde sueddeutsche.de, 16. Oktober 2020.Chefredaktion bittet Igor Levit und SZ-Leser um Entschuldigung sueddeutsche.de, 20. Oktober 2020. Allerdings hatte Krach zuvor in einer Mail an Levit betont, „hinter dem Text zu stehen“, was diesen nach eigenen Worten „am meisten getroffen“ habe.SZ-Chefredaktion entschuldigt sich bei Levit, br-klassik.de, 22. Oktober 2020.Igor Levit @igorpianist, 19. Oktober 2020. Andere Zeitungen warfen Krach daraufhin vor, mit der „hochnotpeinlichen“ und „unglaubwürdigen“ Entschuldigung (Berliner Zeitung)Scharfe Kanten und spitze Formen perlentaucher.de, 22. Oktober 2020., dem „hasenfüßigen Kotau“ (Neue Zürcher Zeitung)Wenn Gefühle die Debatte verdrängen: Die «Süddeutsche Zeitung» wirft sich vor Igor Levit in den Staub, nzz.ch, 21. Oktober 2020., vor einem „Shitstorm zurückgewichen“ zu sein (Die Welt)Wer Journalismus betreibt, sollte nicht beim ersten Shitstorm einknicken welt.de, 20. Oktober 2020, dem Autor „den Schutz entzogen“ (FAZ)Der Druck der Masse faz.net, 21. Oktober 2020. und den Journalisten seiner Zeitung eine „künftige Grenze“ aufgezeigt zu haben (The European).Wie Cancel Culture den herrschaftsfreien Diskurs zerstört hat theeuropean.de, 22. Oktober 2020. Die Zeitung habe „Stolz und Unabhängigkeit“ verloren, Krachs Reaktionen seien eine „Bankrotterklärung der eigenen Lese- und Urteilskompetenz“ (Focus).Angst vorm linken Strafgericht: Wie die „Süddeutsche Zeitung“ Stolz und Unabhängigkeit verlor focus.de, 25. Oktober 2020.
Im April 2022 berichtete das Medium Magazin über „harte interne Kritik“ aus der Redaktion am Führungsstil Krachs und Wittwers. Ihnen wurde ein Mangel an „Wertschätzung“ gegenüber der Redaktion sowie an „publizistischem Weitblick“ vorgeworfen.Nach harter interner Kritik: SZ-Chefredakteure Wittwer und Krach nehmen erstmals Stellung kress.de, 9. Mai 2022.
Im November 2023 räumte Krach ein, dass die Berichterstattung der Zeitung über Jens Söring, der in den USA als Doppelmörder verurteilt worden ist, nicht die nötige Distanz zu dem Fall eingehalten habe, und entschuldigte sich bei den Lesern dafür; zuvor hatten sich Redakteure der Zeitung intern „sehr unzufrieden“ über sein Krisenmanagement geäußert.„Süddeutsche“ räumt fehlende Distanz zu Jens Söring ein – aber nur intern uebermedien.de, 9. November 2023. Der Medienkritiker Stefan Niggemeier hatte der SZ einen einseitigen Kampagnen-Journalismus zugunsten von Söring vorgeworfen,Die erstaunliche Medienkarriere des verurteilten Doppelmörders Jens Söring uebermedien.de, 22. November 2023. die FAZ schrieb von „Kumpanei“ mit diesem.Der Fall Jens Söring. Wie Journalisten an seiner Unschuldslegende mitstrickten faz.net, 25. November 2023.
Im Dezember 2023 verteidigte Krach seine Stellvertreterin Alexandra Föderl-Schmid gegen den Vorwurf, in Artikeln Textfragmente aus anderen Quellen ohne Kennzeichnung übernommen zu haben, und bezeichnete einen entsprechenden Bericht des Branchendienstes Medieninsider als „Verleumdung“. Vom Redaktionsausschuss wurde angemerkt, dass sich viele Mitglieder der Redaktion nicht trauten, sich offen mit Kritik zu Wort zu melden. Medieninsider warf der SZ unter Krach daraufhin vor, in der Causa eine Verschwörungstheorie zu spinnen. Der Medienkritiker Stefan Niggemeier bezeichnete Krachs Reaktion auf die Abschreibvorwürfe als „unterirdisch“. Bei einer Redaktionskonferenz Ende Januar 2024 musste Krach zugeben, dass er die Anweisung gegeben habe, Festnetzanschlüsse und E-Mail-Kontakte von Redaktionsmitgliedern zu überprüfen, um den Informanten des Medieninsiders zu ermitteln. Die Vorstandssprecherin der deutschen Abteilung der NGO Reporter ohne Grenzen, Katja Gloger, erklärte dazu: „Das Vorgehen der SZ-Chefredaktion wirft hinsichtlich des journalistischen Grundprinzips des Quellenschutzes ernsthafte Fragen auf. Es ist bedenklich, dass die Quellen von Medieninsider ins Visier dieser Suchaktion rückten.“Skandal bei Süddeutscher Zeitung: Chefredaktion durchsucht eigene Redaktion berliner-zeitung.de, 3. Februar 2024.
Laut einem Bericht des Spiegels konnte während des Bundestagswahlkampfes 2021 der enge Vertraute des SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz, Wolfgang Schmidt, über Krach Einfluss auf die Berichterstattung der SZ über Scholz’ Rolle im Cum-Ex-Skandal nehmen. Demnach beschwerte sich Schmidt bei Krach persönlich per Mail an Krach über einen Autor der Zeitung, woraufhin Krach geantwortet haben soll: „Ich habe ihm gesagt, dass ich einen Teil deiner Kritik nachvollziehen kann und berechtigt finde. Wenn du magst, können wir gerne dazu telefonieren“. Der Kollege und weitere Kollegen, so Krach weiter, „wollen noch mal was machen zu der Causa in den nächsten Wochen“: „Ich habe ihn gebeten, dich/euch in jedem Falle vorher zu kontaktieren, wenn es konkrete Fragen gibt.“
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