mini|Eine der ältesten Darstellungen der Himmelfahrt als Elfenbeinrelief, Mailand oder Rom um 400 (sogenannte „Reidersche Tafel“, Bayerisches Nationalmuseum, München) mini|hochkant|Darstellung der Himmelfahrt im Rabbula-Evangeliar (sechstes Jahrhundert, Folio 13v)

Christi Himmelfahrt ( „Análēpsis tou kyríou“‚ die Aufnahme des Herrn‘, ‚Aufstieg des Herrn‘), in der Deutschschweiz und in Liechtenstein Auffahrt (auch Auffahrtstagso auch bei Grotefend. und Auffahrttag;Vgl. auch Gundolf Keil Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 356 (Auffarttag: Himmelfahrtstag; dort „unsers herren auffarttag“ im Gegensatz zu „unser frauen auffarttag“ oder „auffahrt unser frauen“ am 15. August). alemannisch Uuffert) genannt, bezeichnet im Christentum die Aufnahme und Erhöhung Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel. Christi Himmelfahrt wird am 40. Tag der Osterzeit, also 39 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag.

Die Zeit vor dem Fest Christi Himmelfahrt verbindet sich in Liturgie und Brauchtum der römisch-katholischen Kirche mit den Bitttagen, vielerorts auch mit Bittprozessionen (auch Öschprozessionen genannt).

mini|hochkant|Himmelfahrtskapelle auf dem Ölberg in Jerusalem (um 1150)

Neues Testament Eine „Himmelfahrt“ wird nur vom Autor des Lukasevangeliums () und der Apostelgeschichte () als sichtbarer Vorgang erzählt: Der auferstandene Christus sei vor den Augen seiner Jünger entschwunden und in den Himmel erhoben worden. Eine Erhebung in den Himmel fehlt in wichtigen griechischen Handschriften.Uta Ranke-Heinemann: Anleitung zum Glaubenszweifel. Hoffmann und Campe, Hamburg 1992, S. 346. Nur in der Apostelgeschichte findet sich die Zeitangabe von vierzig Tagen, während derer der Auferstandene sich zuvor seinen Jüngern gezeigt habe.

Eine Himmelfahrt findet kurze Erwähnung in , und und – nach christlicher Deutung – in Psalm 47  und Psalm 68,19 . Die anderen drei Evangelien enthalten keine Himmelfahrtserzählung, die Erwähnung in ist eine spätere Erweiterung des Evangelientextes aus dem 2. Jahrhundert.Uta Ranke-Heinemann: Anleitung zum Glaubenszweifel. Hoffmann und Campe, Hamburg 1992, S. 345. Auch in den Briefen des Paulus von Tarsus findet sich kein Hinweis auf eine Himmelfahrt unabhängig von der Auferstehung.Gerhard Lohfink, Catholica 1/1963, S. 49.

Lukanische Darstellung Die zwei zentralen Stellen zur Himmelfahrt sind Lk 24,50–51 und Apg 1,3.9–10:

Exegese der Darstellung der „Himmelfahrt“ bei Lukas In der heutigen Theologie herrscht dahingehend Übereinstimmung, dass „Himmelfahrt“ kein „Ortswechsel“,Gerhard Ludwig Müller: Katholische Dogmatik: für Studium und Praxis der Theologie. 2. Auflage der Sonderauflage (7. Gesamtauflage), Herder, Freiburg 2007, ISBN 978-3-451-28652-0, S. 305. keine Art „Weltraumstart“Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.): Katholischer Erwachsenenkatechismus. Band 1: Das Glaubensbekenntnis der Kirche. 4. Auflage. Butzon & Bercker, Kevelaer 1989, S. 210 (online). ist und Jesus nicht als „Raketenmann“Stefan Oster: Das Credo. Gebrauchsanweisung für das Leben. Stuttgart, Katholisches Bibelwerk 2019, ISBN 978-3-460-25603-3, S. 228. dargestellt werden soll. Die von Lukas gewählten „40 Tage“ werden als symbolische Darstellung angesehen, da die 40 Tage einen hohen biblischen Symbolwert haben. „Die Wolke, die Jesus den Blicken der Jünger entzieht, ist schon im Alten Testament ein Symbol der machtvollen Erscheinung und Gegenwart Gottes. Gemeint ist also, daß Jesus in die raum- und zeitübersteigende Welt Gottes, in die Herrlichkeit Gottes eingegangen ist.“ Der „Himmel“ steht nicht für die Atmosphäre, für das Weltall oder für eine „Hinterwelt“ (Nietzsche), sondern symbolisiert den „endgültigen Eintritt der menschlichen Natur in die göttliche Herrlichkeit“.Katechismus der Katholischen Kirche (1997), Nr. 659 (online). „Gemeint ist nicht ein räumlicher Ort jenseits der Welt, sondern die Lebensgemeinschaft Jesu mit dem Vater und die gemeinsame Ausübung der Gottesherrschaft des Vaters und des Sohnes.“Gerhard Ludwig Müller: Katholische Dogmatik: für Studium und Praxis der Theologie. 2. Auflage der Sonderauflage (7. Gesamtauflage), Herder, Freiburg 2007, ISBN 978-3-451-28652-0, S. 304.

Frühchristliche Theologie Der Glaube an die Himmelfahrt wird in frühchristlichen Texten und Glaubensbekenntnissen bezeugt, z. B. bei Polykarp von Smyrna, Justin und Irenäus von Lyon. Der Glaube an die Himmelfahrt wird bereits im Romanum, dem Vorläufer des Apostolicums und des Nicäno-Konstantinopolitanums ausgedrückt:

Auferstehung und Himmelfahrt Das Verhältnis von Auferstehung und Himmelfahrt Christi war und ist Gegenstand theologischer Debatte. In traditioneller Theologie gibt es eine deutliche Abgrenzung zum Osterfest, an dem die Auferstehung Jesu Christi am dritten Tag nach seinem Tode gefeiert wird. Jesus stieg nach seinem Kreuzestod zunächst in ein „in der Tiefe“ lokalisiertes Jenseits hinab („hinabgestiegen in das Reich des Todes“, siehe auch Höllenfahrt Jesu), aus dem er am dritten Tage wieder zu den Lebenden auferstand. Die Himmelfahrt Jesu bezeichnet demgegenüber das später folgende Ereignis, dass Jesus leiblich ins Jenseits gelangte, ohne (nochmals) zu sterben und ohne einen Leichnam zurückzulassen. Bei dieser Himmelfahrt stieg er in ein „in der Höhe“ gelegenes Jenseits auf (siehe Himmel). Hält man sich an die einzige konkrete Zeitangabe in der Bibel, so vergingen zwischen Auferstehung und Himmelfahrt 40 Tage , wenngleich eine Himmelfahrt am Ostertage nahezulegen scheint. Daher wird das Fest Christi Himmelfahrt 40 Tage nach Ostern gefeiert.

Viele Theologen betonen heute umgekehrt die Gemeinsamkeit von Auferstehung und Himmelfahrt. Nach Conzelmann/Lindemann besteht kein prinzipieller Unterschied zwischen Auferweckung und Erhöhung Jesu: „Generell gilt, daß Jesu Auferweckung niemals als bloße Wiederbelebung seines Leichnams […] verstanden worden ist; das Ostergeschehen bedeutet Jesu Einsetzung in eine einzigartige Würde (vgl. ), also im Grunde Auferweckung und Erhöhung zugleich. Das gilt auch dort, wo wie im Hymnus nur von der Erhöhung, nicht aber von der Auferweckung die Rede ist, oder wo umgekehrt eine explizite Erhöhungsaussage fehlt (vgl. ). Zwar ist jeweils der Akzent verschieden gesetzt; aber ein prinzipieller Unterschied besteht nicht.“Conzelmann, S. 49.

„Erst später werden Auferweckung und Erhöhung (Himmelfahrt) bewusst voneinander getrennt, ohne dass es jedoch zu einer einheitlichen Sicht gekommen wäre (nach erfolgte die Auffahrt in den Himmel am Ostertag, nach erst vierzig Tage danach). […] Später wird unterschieden zwischen den eigentlichen Ostererscheinungen auf Erden (; ) und den anderen Erscheinungen Christi vom Himmel her (; ).“ Das Grundereignis ist der Sieg. Gott zieht seinen Sohn heraus und empor. Dies ist ein Triumph über alle Mächte dieser Welt, ein Triumph, an dem alle Christen Anteil haben.

„Erhöhung“ Christi „zur Rechten Gottes“ Aus Sicht der heutigen Theologie meinen „Erhöhung“ Christi und „Himmelfahrt“ Christi „sachlich dasselbe“. „In der lukanischen Christologie werden Auferstehung und Himmelfahrt durch ein zeitliches Interstitium von 40 Tagen voneinander abgehoben, nicht aber sachlich voneinander abgelöst. Die Himmelfahrt fällt zusammen mit der letzten Ostererscheinung“.

Der Ausdruck, dass Christus „zur Rechten Gottes sitzt“, ist „selbstverständlich bildlich gemeint“.Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.): Katholischer Erwachsenenkatechismus. Band 1: Das Glaubensbekenntnis der Kirche. 4. Auflage. Butzon & Bercker, Kevelaer 1989, S. 209 (online). Das Bild knüpft an die antike Vorstellung an, dass zur Rechten eines Königs etc. „gewissermaßen der Kanzler oder der Regierungschef sitzt“.Stefan Oster: Das Credo. Gebrauchsanweisung für das Leben. Stuttgart, Katholisches Bibelwerk 2019, ISBN 978-3-460-25603-3, S. 243. „Es soll damit gesagt werden, daß Jesus Anteil erhalten hat an der Herrlichkeit, Herrschaft, Macht und Göttlichkeit Gottes. Er ist nun ‚der Herr‘ bzw. ‚unser Herr‘ (vgl. 1. Kor 1,9; 6,17 u. a.). Die Erhöhung bedeutet also die Einsetzung Jesu in Gott-gleiche Machtstellung.“

Dies wird als Erfüllung der Vision des Propheten Daniel (Dan 7,14)Katholische Kirche: Katechismus der Katholischen Kirche. Oldenbourg [u. a.], München [u. a.] 1993, ISBN 3-486-55999-0, Nr. 664 (online). und in eschatologischer Analogie als „Fortsetzung“Katholische Kirche: Katechismus der Katholischen Kirche. Oldenbourg [u. a.], München [u. a.] 1993, ISBN 3-486-55999-0, Nr. 662 (online). der Erhöhung Christi am Kreuz interpretiert:

Aus diesem Grund wird in evangelischen Kirchen Philipp Friedrich Hillers (1699–1769) Choral Jesus Christus herrscht als König dem Fest Christi Himmelfahrt zugeordnet.

Liturgie und Brauchtum mini|hochkant|Letzter Fußabdruck Christi in der Himmelfahrtskapelle

Das Hochfest der Ascensio Domini ist in der Liturgie von Jerusalem seit 383/384 durch das Itinerarium der Pilgerin Egeria bezeugt. Gemäß den lukanischen Texten ist der Termin vierzig Tage nach Ostern bzw. zehn Tage vor Pfingsten. Die drei Tage vor Christi Himmelfahrt werden als Bitttage (lateinisch Rogationes oder Litaniae minores „kleine Litaneien“) mit den sogenannten Bittprozessionen begangen, Feldumgängen als Fürbitte um eine gute Ernte. Die Bitttage stehen in einer gewissen Spannung zum freudigen Charakter der Osterzeit, die liturgisch mit dem Pfingstfest endet. In Schwaben werden feierliche Bittprozessionen am Himmelfahrtstag „Oeschprozession“ (von altdeutsch esch „Getreideteil der Gemarkung“Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23. Auflage. De Gruyter, Berlin / New York 1999, S. 233.Dieter Manz: Die fromme Stadt. Die Bischofsstadt Rottenburg a. N. im Spiegel ihrer Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2009, ISBN 978-3-89870-596-7, S. 211.) genannt. Bis 1955 wurde der Vortag von Christi Himmelfahrt als Vigil begangen.

In Erftstadt-Gymnich findet zu Christi Himmelfahrt der Gymnicher Ritt statt, eine Flurprozession, an der Reiter und Fußpilger teilnehmen. Auch am Freitag nach Christi Himmelfahrt, dem „Hagelfreitag“ oder „Schauerfreitag“, oder am folgenden Sonntag waren mancherorts Prozessionen üblich. Die Himmelfahrtswoche wurde deshalb auch als Gangwoche, Betwoche, Bittwoche oder Kreuzwoche bezeichnet, weil den Prozessionen das Kreuz vorangetragen wurde. Neben „Bewahrung der Schöpfung“ in Weiterführung der ursprünglich agrarischen Ausrichtung können heute auch Arbeit für alle, Frieden, Brot für die Welt und Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben Motive der Bittprozessionen sein.Andreas Heinz: Bittprozessionen. In: Wolfgang Meurer (Hrsg.): Volk Gottes auf dem Weg. Bewegungselemente im Gottesdienst. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1989, ISBN 3-7867-1433-9, S. 130.

Im katholischen Brauchtum einiger Gegenden (z. B. im bayerischen Mittenwald oder im Kloster Neustift in Südtirol) wird die Statue des Auferstandenen an Christi Himmelfahrt durch das „Heiliggeistloch“ auf den Kirchenspeicher gezogen. Mancherorts rieselten anschließend aus dem Heiliggeistloch Blüten, Blumen oder Heiligenbildchen auf die Gläubigen in der Kirche hinab.Andreas Wiedenhaus: Tod, wo ist dein Sieg? In: Kirche+Leben, 5. Mai 2024, S. 24. Die neun Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten sind die Zeit der Pfingstnovene, in der besonders um die Gaben des Heiligen Geistes gebetet wird.

mini|hochkant|Christus in der Mandorla, von Engeln getragen. Tempera auf Holz von Andrea Mantegna (um 1461) mini|hochkant|Entschwindender Christus mit der Inschrift „Omnes traham ad me ipsum“ („Alle werde ich an mich ziehen“, 1597), Dom zu Ribe