Die Luftwaffe der Wehrmacht war von 1935 bis 1945 neben dem Heer und der Kriegsmarine eine der drei Teilstreitkräfte im nationalsozialistischen Deutschen Reich. Im Zweiten Weltkrieg war sie Luftstreit- und Flugabwehrkraft, daneben stellte sie auch Bodenstreitkräfte (Luftwaffen-Felddivisionen, Fallschirmjäger-Divisionen und Fallschirm-Panzerkorps Hermann Göring) zur Unterstützung des Heeres auf.

Organisation und Führung Oberkommando mini|hochkant|Hermann Göring im Gespräch mit Erhard Milch, 1940 Oberbefehlshaber der Luftwaffe war seit ihrer Gründung im Jahr 1935 Hermann Göring, bis dieser wenige Tage vor Kriegsende von Adolf Hitler entlassen und durch Robert Ritter von Greim ersetzt wurde. Der Oberbefehl ging vom Reichsluftfahrtministerium aus; im April 1944 wurde dann ein Oberkommando der Luftwaffe als befehlshabende Behörde gebildet. Dem Oberkommando unterstanden auch die Kampfstoff- und Hauptkampfstoffuntersuchungsstellen im Arbeitsstab Luftschutz, von denen die einschlägigen Dienstvorschriften herausgegeben wurden.Dienstvorschriftensammlung

Wichtig für die Entwicklung und die strategische Ausrichtung der neu geschaffenen Luftwaffe war auch Walther Wever. Er war seit 1. September 1933 Leiter des Luftkommandoamtes im Reichsluftfahrtministerium und von März 1935 bis zu seinem Tod am 3. Juni 1936 deren erster Generalstabschef. Er starb bei einem Flugzeugabsturz.

Während der gesamten Zeit ihres Bestehens war der Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium und Luftwaffenoffizier Erhard Milch (seit 1940 Generalfeldmarschall) Generalinspekteur der Luftwaffe. Nach dem Tod Wevers wurde Görings Vertrauter Ernst Udet als Nachfolger Wilhelm Wimmers zum Chef des Technischen Amtes im Reichsluftfahrtministerium ernannt. Dieser Posten wurde am 1. Februar 1939 in das neu geschaffene Amt eines Generalluftzeugmeisters umgewandelt. Udet war ein leidenschaftlicher Flieger, aber kaum ein fähiger Organisator und erwies sich auf dem Posten schnell als überfordert. Er nahm sich im November 1941 das Leben, worauf Milch bis 1944 die vakante Position des Generalluftzeugmeisters übernahm.

Ebenfalls Suizid beging der seit 1. Februar 1939 amtierende Generalstabschef der Luftwaffe Oberst (später Generaloberst) Hans Jeschonnek, als nach den schweren Luftangriffen auf Hamburg über seine Ablösung diskutiert wurde. Sein Nachfolger wurde General Günther Korten.

AdjutanturReichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe Luftwaffenpersonalamt Staatssekretär der Luftfahrt und Generalinspekteur der Luftwaffe Chef des Generalstabes der Luftwaffe 1a Abteilung (Operationen) 1c Abteilung (Fremde Luftmächte) Kartenwesen und Luftgeographie Organisationsabteilung Quartiermeisterabteilung Rüstungsabteilung Gr LwbGBK Seenotdienst Chef Wetterdienst Arbeitsstab Luftschutz Chef des Nachrichtenverbindungswesen General der Aufklärungsflieger General der Kampfflieger General der Jagdflieger General der Flakkräfte Luftwaffenfeldverbände Chef des Ausbildungswesens Ausbildungsabteilung Vorschriften- und Lehrmittelabteilung Abteilung Luftbildwesen Abteilung Technische Ausbildung Flugzeugführerschulen Erziehungs- und Bildungswesen Kriegswissenschaftliche Abteilung Chef der Luftwehr Zentralamtsgruppe Allgemeines Luftamt Luftwaffenverwaltungsamt Amtsgruppe Recht Luftwaffenwehrmachtsgruppe Abteilung Stärke und Ausrüstung Gruppe Organisation Chef für Flugsicherheit Technischer Truppendienst Kraftfahrzeugwesen Zivilluftschutz Sanitätswesen Luftwaffenbautruppen Generalluftzeugmeister Forschungsführung beim ObdL Industrierat Amtsgruppe Flugtechnisches Personal Amtsgruppe Flakentwicklung Abteilung Flakrüstung Planungsamt Technisches Amt Nachschubamt Industriewirtschaftsamt

Luftflotten und Luftgaukommandos Vor Kriegsbeginn gliederte sich die Luftwaffe in vier Luftflotten, denen die Luftgaukommandos als Territorialbereiche unterstellt waren. Der Luftflotte 1 (Berlin) unterstanden das I., III., und IV. Luftgaukommando, während die Luftflotte 2 (Braunschweig) die Luftgaukommandos VI. und XI. befehligte. Im Südwesten Deutschlands stand die Luftflotte 3 (München) mit dem VII., XII. und XIII. Luftgaukommando, während die Luftflotte 4 (Wien) mit dem VII. und XVII. Luftgaukommando den Südosten abdeckte.Franz Kurowski: Der Luftkrieg über Deutschland. Neuer Kaiser Verlag, ISBN 3-7043-4061-8, S. 37.

Die Luftgaukommandos der Luftwaffe waren ähnlich wie die Wehrkreise des Heeres Dienststellen, die bestimmte territoriale Aufgaben übernahmen. Diese waren vor allem der Unterhalt aller Einrichtungen und Flugplätze der Luftwaffe in den jeweiligen Gebieten und die Ausbildung des Personalersatzes. Mit Stand vom 1. September 1939 gab es in Deutschland zehn Luftgaukommandos, die mit römischen Zahlen bezeichnet wurden. Die Nummerierung war nicht durchlaufend, da zuvor einige Luftgaukommandos zusammengelegt worden waren.Dadurch fehlten die Nummern II, V, IX, X, XIV, XV und XVI, siehe:

Später im Krieg befehligten die Luftflotten, deren Zahl von 1940 bis 1944 auf sieben stieg, die Verbände der Luftwaffe an den Fronten. Die Luftflotten waren von 1 bis 6 durchnummeriert und wurden jeweils an die verschiedenen Kriegsschauplätze verlegt. Außerdem gab es den Luftwaffenbefehlshaber Mitte, ab Februar 1944 umbenannt in Luftflotte Reich, der für die Verteidigung des Reichsgebietes zuständig war. Die Luftflotte 10, ab Juli 1944 eingerichtet, führte alle Ausbildungseinrichtungen der Luftwaffe. Auch richtete die Luftwaffe in den besetzten Ländern Luftgaukommandos und Feldluftgaukommandos ein, welche die gleichen Aufgaben wahrnahmen wie die Luftgaue in der Heimat.

Luftgau Hauptquartier Zeitraum I Königsberg 1938–1945 III Berlin 1937–1945 IV Dresden 1937–1941 VI Münster 1937–1945 VII München 1937–1945 VIII Breslau 1937–1945 XI Hannover 1937–1945 XII Wiesbaden 1937–1944 XIII Nürnberg 1937–1945 XVII Wien 1938–1945 Luftgaukommando Zeitraum Belgien-Nordfrankreich 1940–1944 Charkow 1942–1943 Finnland 1941–1943 Holland 1940–1944 Kiew 1941–1942 Moskau 1941–1942 Norwegen 1940–1944 Petersburg 1941–1943 Rostow 1941–1943 Westfrankreich 1940–1944 Feldluftgaukommando Zeitraum Bereich XXV 1943–1944 aus Luftgau-Kommandos Rostow und Charkow XXVI 1943–1944 aus Luftgau-Kommando Petersburg XXVII 1943–1944 aus Luftgau-Kommando Moskau XXVIII 1941–1943 Italien XXIX 1943–1944 Griechenland XXX 1943–1944 Balkan

Organisation und Bezeichnung der Geschwader Die fliegenden Einheiten der Luftwaffe waren in Geschwader, Gruppen und Staffeln organisiert: Ein Geschwader bestand in der Regel aus einem Stabsschwarm mit vier bis sechs Maschinen und zwei bis vier Gruppen mit jeweils 30 bis 40 Flugzeugen. Die Gruppe war in der Regel in drei bis vier Staffeln von üblicherweise zwölf Flugzeugen unterteilt. Kleinere taktische Verbände waren die Kette mit drei (vor allem bei Kampffliegern), der Schwarm mit vier und die Rotte mit zwei Flugzeugen (vor allem bei den Jagdfliegern).

Die Bezeichnungen der Verbände setzten sich aus der Abkürzung für die Einsatzart sowie aus arabischen Ziffern für das Geschwader und die Staffel und aus römischen Ziffern für die Gruppe zusammen. Die Geschwaderbezeichnung für vor Kriegsbeginn aufgestellte Verbände ergab sich aus dem Aufstellungsort des Geschwaders. Lag dieser im Bereich der Luftflotte 1, war es mit einer Nummer von 1–25 bezeichnet. Bei Aufstellungsorten im Bereich der Luftflotte 2 (Nummer 26–50), Luftflotte 3 (Nummer 51–75) und Luftflotte 4 (Nummer 76–100) war es ebenso. Zum Beispiel wurde das Jagdgeschwader 1 mit JG 1 bezeichnet, I. Gruppe des JG 1 mit I./JG 1 und 1. Staffel des JG 1 mit 1./JG 1. Es gab Kampfgeschwader (KG), Jagdgeschwader (JG), Sturzkampfgeschwader (StG), Zerstörergeschwader (ZG), Nachtjagdgeschwader (NJG), Schlachtgeschwader (SG), Schnellkampfgeschwader (SKG), Lehrgeschwader (LG) und Transportgeschwader (TG). Bei speziellen Einsatzarten, wo eine Gliederung in Geschwader nicht sinnvoll war, wurden selbstständige Fliegergruppen aufgestellt. Hier gab es Kampfgruppen (Kgr), Küstenfliegergruppen (KüFlGr), Aufklärungsgruppen (AufklGr) und Nachtschlachtgruppen (NSG). Auch auf der Ebene der Staffel gab es selbstständige Fliegereinheiten, insbesondere im Bereich der Aufklärungs-, Kurier- und Verbindungsflieger.

mini|Junkers Ju 88 des Geschwaderkommodore des Lehrgeschwaders 1

Mit Ausnahme der einmotorigen Jagdverbände waren die Flugzeuge im Geschwader mit einer Geschwaderkennung gekennzeichnet. Diese war vor dem Balkenkreuz am Flugzeugrumpf und unter den Tragflächen angebracht und setzte sich aus einer Zahl und einem Buchstaben zusammen. Nach dem Balkenkreuz folgte eine zweistellige Buchstabenkombination, welche die Stellung des Flugzeugs innerhalb des Geschwaders beschreibt. Aufgrund dessen ergab sich eine vierstellige Zahlen-/Buchstabenkombination, die je Flugzeug, zu einem bestimmten Zeitpunkt, nur einmal vergeben war.

Gewöhnlich hatte ein (Geschwader-)Kommodore die Verantwortung für ein Geschwader, ein (Gruppen-)Kommandeur für eine Gruppe und ein (Staffel-)Kapitän für eine Staffel. Es handelt sich dabei nicht um Dienstgrade, sondern um Dienststellungen der Luftwaffe. Der Geschwaderkommodore war gewöhnlich ein Oberstleutnant (oder in Ausnahmefällen ein Oberst), während der Gruppenkommandeur meist ein Major oder Hauptmann war. Eine Staffel wurde in der Regel von einem Oberleutnant oder Leutnant befehligt. Im taktischen Verband der Rotte hatte der erfahrenere Pilot als Rottenführer das Sagen. Sein Rottenflieger – im Sprachgebrauch der Flieger auch Kaczmarek genannt – konnte durchaus ranghöher sein. Er hatte den Rottenführer bei dessen Vorhaben zu unterstützen, beispielsweise bei einem Angriff Deckung zu geben.

Flugzeugbestand Flugzeuggattung 26. August 1939Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 5/1, dva, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 963. 4. Mai 1940 26. April 1941 30. April 1942 30. April 1943 30. April 1944 9. April 1945Jagdflugzeuge, Zerstörerflugzeuge, Nachtjagdflugzeuge 1230 1736 1757 1807 2234 2571 2581 Kampfflugzeuge 1210 1758 1476 1319 1711 1201 184 Sturzkampfflugzeuge, Schlachtflugzeuge 400 466 461 530 876 1242 1157 Aufklärungsflugzeuge 661 666 803 703 756 682 653Transportflugzeuge 544 531 768 896 807 892 unbekanntsonstige FlugzeugeVerbindungs- und Kurierflugzeuge, Wetterflugzeuge, Minensuchflugzeuge, Seenotflugzeuge und andere Sonderflugzeuge. 243 411 542 564 767 1044 150 Gesamt4288556858075819715176324725

Personalbestand TruppengattungFrühsommer 1939Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 5/1, dva, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 909.Spätherbst 193920. Mai 19411. Dezember 19411. Juli 1942Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 5/1, dva, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 959.1. November 1943Fliegertruppe208.000366.000526.000588.000Flakartillerie107.000258.000500.000571.000Luftnachrichtentruppe58.000138.000243.000296.000Luftwaffenbaueinheiten---118.000153.000146.000Landesschützeneinheiten------36.00038.000Gesamt373.000880.0001.458.0001.639.0001.900.0002.089.000

Beim Personalbestand am 1. November 1943 handelt es sich ausschließlich um Soldaten. Dazu kamen noch 430.000 Luftwaffenhelfer (Flakhelfer, Nachrichtenhelfer und -helferinnen) und 475.000 weitere Zivilpersonen, die im Dienst der Luftwaffe standen.

Geschichte Nach dem Ersten Weltkrieg