mini|Erich Stekovics (2022) Erich Stekovics (* 7. Mai Über uns. In: stekovics.at, aufgerufen am 4. Oktober 2019. 1966 Sophia Freynschlag: Der „Kaiser der Paradeiser“. In: Wiener Zeitung, 5. Mai 2011. in Frauenkirchen, Burgenland) ist ein österreichischer Bio-BauerPaul Axmann: . In: Institut für Ökologischen Landbau (IfÖL) an der Universität für Bodenkultur Wien, 2010: „Betriebssteckbrief ... Bewirtschaftungsweise: Organisch-biologisch (Kodex-Betrieb)“. Der früher geltende Begriff „Codex-Betrieb“ steht für Bio-Landwirtschaftsbetriebe, die zwar keinem Biobauern-Verband angehören, jedoch staatlichen Kontrollen oder staatlich beauftragten Kontrolleuren unterliegen: Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates vom 28. Juni 2007 über die ökologische/biologische Produktion. Seit dem 19. Januar 2018 gilt in Österreich nicht mehr der Österreichische Codex, Kapitel A8, den Biolandbau betreffend, sondern die „Richtlinie Biologische Produktion“, siehe: In: Austria Bio Garantie (ABG).Betriebsbesichtigung von Bio Austria: In: Bio Austria, 25. Juli 2015, Landesverbandsexkursion von Bio Austria ins Burgenland. in Frauenkirchen am Neusiedler See und bekannt als „Kaiser der Paradeiser“. Stekovics hat im Laufe der Jahre 3200 Tomaten- oder Paradeisersorten angebautMichael Grossenbacher: In: alimentaonline.ch, 8. Februar 2011. und damit die größte Sammlung an Tomatensaatgut weltweit.Erich Stekovics. In: austria.info, 2015, aufgerufen am 12. Juni 2015. Neben anderen Feldfrüchten kamen bis 2014 noch 600 Chili-Arten, bis 2011 auch 39 Arten/Sorten Basilikum sowie über 24 verschiedene Bio-ZwiebelraritätenSpar: Bio-Zwiebelraritäten. In: Mahzeit! Magazin, Heft 6, 16. November 2017, Interview, aufgerufen am 20. Februar 2018. 2016 dazu. Er gilt heute als ein „österreichisches Paradebeispiel für die Ideale der Slow-Food-Bewegung“.Fernseh-Reportage: In: 3sat / ORF2, 16. März 2007.
Leben Erich Stekovics' Eltern flüchteten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von Serbien nach Österreich. Mit dem Anbau von Paprika, Chili und Tomaten aus dem heimatlichen Saatgut traf sein Vater Ladislaus Stekovics den Geschmack der Exilserben. Die Nachfrage nach dem aromatischen Gemüse stieg so stark an, dass sich sein Vater 1958 dazu entschloss, einen professionellen Gemüseanbau als Nebenerwerbslandwirt zu betreiben.dpa: In: Schwäbische Zeitung, 1. Mai 2005, aufgerufen am 12. Juni 2015. Für den Verkauf fuhr er in ganz Österreich bis zu sechs Mal im Jahr in die Dörfer, in denen Emigranten aus Serbien wohnten.Monika Kirschner: In: WDR, Servicezeit: Kostprobe, 13. Juni 2005.„Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück, als wir Jahr für Jahr mit unserem alten Postbus nach Oberösterreich gefahren sind und die Früchte auf dem Markt verkauft haben. Den Duft des mit Chilis voll bepackten Wagens werde ich nie vergessen!“ In: . In: Spar, Mahlzeit Magazin, 2013, Heft 1, oder in: In: Spar, Mahlzeit Magazin, 2013, Heft 1, S. 20–23, Interview, (PDF; 68 S., 8,6 MB), aufgerufen am 20. Februar 2018. Sein Vater hatte bis in die 1980er Jahre die größten Chilifelder in Österreich.
Ursprünglich wollte Erich Stekovics, der gemeinsam mit sechs Geschwistern aufgewachsen war, Koch werden, worüber seine Mutter jedoch nicht glücklich war. Nach der Volks- und Hauptschule besuchte er das Oberstufenrealgymnasium der Diözese Eisenstadt in Eisenstadt, wo er 1984 die Matura ablegte.Maturanten: Oberstufenrealgymnasium der Diözese Eisenstadt, Klasse 8 A. In: BF, 20. Juni 1984, S. 16 (BF Online Archiv). Sodann begann er auf den Wunsch seiner Mutter hin in Wien ein Theologiestudium. In dieser Zeit gab es innerkirchliche Konflikte infolge der Bischofsernennungen von Kurt Krenn und Hans Hermann Groër. Die Umstände rund um diese Ernennungen hätten ihn nachdenklich gemacht, woraufhin er vieles zu hinterfragen begonnen habe, so Stekovics in einem Interview mit der katholischen Kirchenzeitung Der Sonntag über den Beweggrund, sein Theologiestudium nicht abzuschließen.Gemüsebauer Erich Stekovics: „Eine gute Paradeis hat nichts mit einer Tomate zu tun“ In: meinekirchenzeitung.at, 24. April 2020. Abgerufen am 4. April 2025.„Auf den Wunsch meiner Mutter habe ich Theologie studiert und wurde Religionslehrer.“ In: . In: Spar, Mahlzeit Magazin, 2013, Heft 1, S. 20–23, Interview. Danach arbeitete er mehrere Jahre lang für die Diözese Eisenstadt als Religionslehrer und als Referent für Laientheologen und -theologinnen. 1999 holte er den Zivildienst nach. Im Zuge dessen Ableistung transportierte er Krebspatienten zu ihrer Chemotherapie. Diese Tätigkeit führte ihn schließlich zu seinem Berufswechsel: „Die Patienten erzählten mir immer, was sie machen würden, wenn ihnen noch Zeit dafür bliebe.“Doris Maier: . In: Salzburger Nachrichten, 30. August 2003. Er brach Ende 1999 seine pastorale Arbeit ab und führte den Gemüseanbaubetrieb seines Vaters weiter.
Gemüse- und Obstanbau mini|Romana-, Green-Zebra-Tomaten. In: wand-und-beet.de, aufgerufen am 12. Juni 2015. und hellgelber Typ mini|Cherry-Tomaten mini|Chilisorte Fiesta Bereits 2001, im zweiten Jahr seiner landwirtschaftlichen Selbständigkeit, In: a3ECO, 6. November 2003. wurden seine eingelegten Tomaten, Paprika- und Chili-Schoten vom deutschen Versandhändler Manufactum ins Feinkostsortiment aufgenommen.Im Portraitfilm: In: ServusTV, 3. November 2009. In: Manufactum, 2005, (PDF; 2 S., 7,3 MB), aufgerufen am 12. Juni 2015. Im Jahrhundertsommer 2003 entdeckte er, dass seine Tomatenpflanzen auch ohne Gießen gedeihen und sich dadurch ihr Geschmack intensiviert.Im Dokumentarfilm: In: NZZ Format, 7. Juni 2009. Agrarwissenschaftler der Universität Innsbruck fanden 2006 heraus, dass das Wurzelgeflecht einer Tomatenpflanze von Stekovics durchschnittlich 800 Meter Länge misst und eine Wurzeltiefe bis zu 1,70 m erreicht.Marlis Heinz: . In: gartenbau profi, 2015.
Freilandtomaten werden daher seit 2003 von Erich Stekovics nie gegossen, In: stekovics.at, 16. Juni 2014. nur beim Einpflanzen: „Gießen ist das Schlimmste, was Sie Paradeisern antun können. Es verwässert das Aroma und verhindert, dass die Pflanzen tiefe Wurzeln bilden.“N. N.: In: HAZ, 16. Mai 2015. Seine Paradeiser werden auch nicht ausgegeizt (kein Abschneiden von Seitentrieben), nicht aufgebunden an Stäben oder Schnüren, und es werden keine welken Blätter abgezupft. Diese Methode widerspricht allen „deutschsprachigen Gartenbaubüchern der letzten 50 Jahre“.Peter Zipser (Arche Noah): Garten-Tipp Tomatenkultur: Am Boden kriechend oder am Stab. In: tomatenundanderes.at, 2005, aufgerufen am 12. Juni 2015. Stattdessen vertraut er ganz auf die Vitalität und Widerstandskraft der Pflanzen. Zusätzlich bedeckt er die Erde um die bodenkriechenden Pflanzen herum mit Mulch aus Weizenstroh, der am Tag das Erdreich feucht hält und nachts die tagsüber gespeicherte Wärme hält.Peter Sempelmann: In: profil, 21. Juni 2013.
Mit dem Anbau von Chili machte er im Jahr 2003 drei Mal so viel Umsatz wie mit Tomaten: von 400.000 Euro Umsatz entfielen 60 Prozent auf Chilis und je 20 Prozent auf Paradeiser sowie Marmeladen. Bis 2014 änderte sich der Umsatzanteil seiner Chilis nicht; Stekovics erklärt dies mit dem hohen Anbaurisiko von Freilandtomaten: „Im Gegensatz zu den Paradeisern, bei denen alle sechs Jahre mit einem Ernteausfall zu rechnen ist, kommt es bei Chili nur alle 20 Jahre dazu.“Markus Stingl: In: WirtschaftsBlatt, 19. Mai 2014. Nahezu vollständige Ernteausfälle gab es im Jahr 2005 bei den Paradeisern und 2010 bei den Chilis.Gerald Heschl: Lebensmittel sind die Mitte des Lebens. In: Kärntner Kirchenzeitung – Der Sonntag, 2. März 2012, Gespräch. Daher ist er heute der einzige Gemüsebauer in Österreich, der noch Tomaten im Freien anbaut. Alle anderen Produzenten sind Gartenbaubetriebe und verwenden daher Folien- und Glashäuser.Stefan May: Im Paradies der Paradeiser. In: Deutschlandfunk, 10. Oktober 2009. Nur zur Anzucht von Einzelexemplaren einer jeweiligen Sorte setzt Stekovics Gewächshäuser ein, um das Saatgut gegen Ernteschaden und Fremdbestäubung zu sichern.
Seit 2013 baut Stekovics für die Handelskette Spar auf 24 Hektar (2016) acht Sorten Bio-Knoblauch an, darunter die alte Sorte Weingartenknoblauch.Bernd Kajtna: Der Weingartenknoblauch. In: Arche Noah Magazin, 2008, Nr. 3, (PDF; 131 kB). Durch die aufwendige Behandlung der Knollen nach alter Art bleibt der Knoblauch bis zu einem Jahr lang haltbar: In: Kurier, 31. August 2016, mit Video. durch behutsames Herausheben der Knollen aus der Erde per Hand; Trocknenlassen auf dem Boden, damit sich die Erde von selbst löst; kein Abwaschen wegen Pilzbefall; das Flechten der Knollen zu Zöpfen für eine wochenlange Lufttrocknung und durch lichtschützendes Verpacken.. In: Spar, 2017. Aktuelle Seite zu Stekovics mit Video. In: Spar, aufgerufen am 3. März 2019.
2013 stand sein Betrieb kurz vor dem Aus: Die EU-Kommission legte dem EU-Parlament in Straßburg den Entwurf einer neuen EU-Saatgutverordnung vor. Allein für Stekovics hätte diese Verordnung bedeutet, dass er für die 4000 von ihm kultivierten Sorten circa 65.000 Seiten an Formularen ausfüllen und dazu fünf bis sechs Millionen Euro für deren Zertifizierung hätte aufwenden müssen. Stekovics’ Betrieb wurde häufig in den österreichischen MedienPeter Sempelmann: In: profil, 21. Juni 2013. Elisabeth Schmidbauer: EU-Saatgutverordnung: „Das ist purer Lobbyismus.“ In: Der Standard, 2. Mai 2013. Alexander Rabl: In: Kurier, 14. Dezember 2013. und bei einer Unterschriftenkampagne als Beispiel für den Schaden angeführt, den diese Regelungen angerichtet hätten. Besonders sein größter Handelspartner, die österreichische Handelskette Spar,. In: heute.at, 23. August 2013. unterstützte ihn bei der Verteidigung der Sortenvielfalt.. In: Spar, 2013, S. 14, (PDF; 2,3 MB) . In: Spar, März 2015. Im Februar 2014 lehnte der Landwirtschaftsausschuss des EU-Parlaments und im März 2014 das Parlament selbst den Entwurf ab.
Mit dem Netzwerk des Vereins Arche Noah unterhält er seit 2002Paul Axmann: . In: Institut IfÖL, 2010. eine Kooperation für den Erhalt von Sortenraritäten. Neben der Anzucht und Samengewinnung von seltenen Sorten lässt er auch eine Fotografin für je drei Monate im Jahr ganze und aufgeschnittene Früchte fotografisch dokumentieren.Peter Hämmerle: Das Paradeiser-Paradies. In: À la carte, 18. Februar 2010: Erich Stekovics betreibt auf seinem Seewinkler Hof aktiven Artenschutz für mehr als dreitausend Paradeisersorten. Gleichzeitig ist diese „Arche Noah“ zum Kultlieferanten für gemüsige Spitzenprodukte avanciert. Sein Hauptaugenmerk liegt in der Sortenpflege: „Ich möchte 100 Sorten in guter Qualität für die Nachwelt erhalten“. Stekovics bedauert, dass es für Gemüse und Obst – im Gegensatz zum Wein – noch keine „Sprache zur Beschreibung von Aromen“ gibt. Eines seiner Lebensziele ist es daher, ein solches Vokabular zu finden und zu verbreiten.
Gemüse und Obst werden bei Stekovics erst zum letztmöglichen Zeitpunkt geerntet und sind damit nicht mehr transportierbar und lagerbar. Die Verarbeitung nahezu aller Feldfrüchte erfolgt noch am Tag ihrer Ernte. Das Gemüse wird in Tomatenessig oder in Essigen von hoher Qualität aus Weinen der burgenländischen Region eingelegt. Ein Teil davon stammt aus dem Frauenkirchener Weingut Umathum. Damit beliefert er neben Feinkostgeschäften und Vinotheken auch die Küchen der Spitzengastronomie wie das Tantris in München und das Steirereck im Wiener Stadtpark.
Außerdem hat Stekovics einen Bestand von 400 Maulbeerbäumen, die er besonders schätzt. Deren süße Beerenfrüchte können wegen der Empfindlichkeit auch nicht transportiert werden. Sie sind jedoch ein Genuss für Mensch und Tier und daher füttert er damit seine Gänse.Bernadette Bayrhammer: Die Maulbeeren des Paradeiserkaisers Stekovics. In: Die Presse, 27. Mai 2018, nur Artikelanfang.
Verschiedenes