mini|hochkant=1.4|Penrhyn Castle, Ansicht von Südwesten mini|hochkant=1.4|Penrhyn Castle, Ansicht von Nordosten

Penrhyn Castle ist ein Landschloss im Stil einer normannischen Burg in der nordwalisischen Gemeinde Llandygai, Gwynedd, rund zwei Kilometer östlich des Zentrums von Bangor. Seine Wurzeln liegen in einem mittelalterlichen festen Haus der Familie Griffith, das in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Richard Pennant, 1. Baron Penrhyn, durch einen Neubau im Stil des Scottish Baronials ersetzt wurde. Nachdem George Hay Dawkins das Anwesen geerbt hatte, ließ er das bestehende Gebäude zwischen 1821/1822 und 1837 durch die heutige Anlage nach Entwürfen des Architekten Thomas Hopper ersetzen, wobei die alte Bausubstanz in den neuen Bau integriert wurde. Seither ist die Anlage nur wenig verändert worden und gilt als Hoppers Meisterstück.

Das Schloss steht seit dem 3. März 1966 als Listed Building der Stufe I unter Denkmalschutz, wobei Nebengebäude wie zum Beispiel das monumentale Eingangstor oder die Ruine der ehemaligen Schlosskapelle separat denkmalgeschützt sind. Der Schlosspark samt -garten steht mit der Stufe II* ebenfalls unter Denkmalschutz. Die Anlage ist der wichtigste Landsitz in Wales und ein gutes Beispiel für den neonormannischen Stil des frühen 19. Jahrhunderts, der nur für eine kurze Zeit beliebt war. Mit seinen enormen Ausmaßen und etwa vier Hektar Grundfläche ist Penrhyn nach Windsor Castle das größte Schlossgebäude auf den Britischen Inseln.

Geschichte

Mittelalter Im 13. Jahrhundert erhielt Goronwy ap Ednyfed vom Fürsten von Gwynedd etwa 500 Acres (über 200 Hektar) Land, das schon damals umgangssprachlich Penrhyn (walisisch für Vorgebirge) genannt wurde. Unter seinen Nachfahren kam es zur Teilung des Besitzes, ehe Gwilym ap Gruffyd (später Griffith geschrieben) um 1380/1390 durch Heirat mit Morfudd den Besitz wieder in einer Hand vereinte. Zuvor hatte entweder Tudor ap Goronwy oder sein Sohn Goronwy ap Tudor ein erstes festes Haus auf dem Besitz erbaut. Gwilym ap Gruffyd schloss sich 1402 der Rebellion Owain Glyndŵrs gegen den englischen König an, mit der Konsequenz, dass er sich Heinrich IV. 1406 unterwerfen musste und all seine Güter konfisziert wurden. Es gelang ihm jedoch, im November 1407 seine Besitzungen zurückzukaufen. Später erwarb er nicht nur die konfiszierten Ländereien von 27 anderen Rebellen, sondern kaufte ab 1410 auch noch weiteren Landbesitz systematisch hinzu. Der alte Kernbesitz wurde nun offiziell Penrhyn genannt. Das Wohnhaus der Familie wurde 1413 in einem Pachtvertrag erstmals urkundlich erwähnt, und 1438 wurde eine Genehmigung zu seiner Befestigung () erteilt. Diese erhielt aber nicht mehr Gwilym ap Gruffyd, sondern sein Sohn aus zweiter Ehe, Gwilym Fycham. Er hatte 1431 die Nachfolge seines Vaters angetreten und fügte dem Besitz durch Ankauf weitere Ländereien hinzu. Über seinen Sohn kam Penrhyn an den Enkel William Griffith, der den Wohnsitz seiner Familie erneuern ließ. William wurde von seinem Sohn Edward beerbt, der bei seinem frühen Tod am 11. März 1540 drei Töchter aus seiner Ehe mit Jane Puleston of Bersham als Nachkommen hinterließ. Edwards jüngerer Bruder Rhys beanspruchte als nächster männlicher Verwandter das Erbe für sich und stritt darum mit den Familien seiner Nichten. Ein Gericht entschied 1542 schließlich, dass der Griffith-Besitz geteilt werden sollte: Aller Landbesitz in Anglesey ging an Edwards Töchter, während Penrhyn fortan Rhys gehörte. Wie sein Vater nahm auch er Veränderungen am Wohnhaus vor. Bei seinem Tod am 30. Juli 1580 folgte ihm Piers (auch Pyrs geschrieben), der älteste Sohn aus seiner dritten Ehe nach. Dieser war zu jenem Zeitpunkt aber erst 12 Jahre alt und konnte sein Erbe erst im Jahr 1591 antreten. Schon im Jahr darauf verpfändete Piers einen Teil des Landbesitzes, und weitere Verpfändungen folgten bis 1616. In jenem Jahr wurde er auf Betreiben seines Schwiegervaters Sir Thomas Mostyn im Londoner Fleet-Gefängnis festgesetzt. Grund dafür waren hohe Schulden aufgrund seines Heiratsvertrags. Nur wenig später kam Penrhyn vollständig an Jevan Lloyd of Iâl, der zuvor schon viele Teile des Besitzes erworben hatte. Er verkaufte Penrhyn 1622 an John Williams, Lord Keeper of the Great Seal und späteren Erzbischof von York.

Eigentum der Familien Griffith und Pennant mini|Penrhyn nach dem Umbau nach Plänen Samuel Wyatts, Zeichnung von Moses Griffith

John war ein entfernter Verwandter der Familie Griffith of Penrhyn, denn er war Nachkomme von Gwilym ap Gruffyds jüngerem Bruder Robin. Es ist bekannt, dass er plante, das alte Wohnhaus umzubauen, aber es existieren keine Dokumente darüber, ob dieses Vorhaben auch in die Tat umgesetzt wurde. Bei seinem Tod im Jahr 1650 vermachte er Penrhyn gemeinsam mit anderen Besitzungen seinem Neffen Griffith Williams († 1663), der 1658 von Oliver Cromwell zum Baronet, of Penrhyn, ernannt wurde. Dies wurde zwar nach der Cromwell-Ära wieder aufgehoben, jedoch erneuerte König Karl II. diese Ernennung 1661. Über Griffith Sohn Robert kam das Anwesen an dessen Sohn John, nach dessen kinderlosem Tod 1682 es sein Bruder Griffith, der 4. Baronet, erbte. Aber auch Griffith hatte keine Erben, sodass der Titel des Baronets an Hugh Williams of Marl, den dritten Sohn von Griffith Williams, ging, während Penrhyn an seine Schwester Frances kam. Sie hinterließ den Besitz 1714 ihren beiden Schwestern Gwen und Anne. Gwens Enkelin Anne Yonge verkaufte ihren Anteil 1767 an Edward Pennant, den reichen Eigentümer von Zuckerrohrplantagen auf Jamaika. Seine beiden Söhne John und Henry begannen damit, weiteres Land, das ehemals zu Penrhyn gehörte, wieder anzukaufen. Johns Sohn und Erbe Richard Pennant hatte bereits am 6. Dezember 1765 Ann Susannah Warburton geheiratet. Sie war die Enkelin von Anne Williams, die Sir Thomas Warburton of Winnington Hall geheiratet hatte. Zugleich war sie die Erbin von General Hugh Warburton, dem die andere Hälfte von Penrhyn gehörte. Nach dem Tod von Vater, Onkel und Schwiegervater waren ¾ der Penrhyn-Besitzungen wieder in der Hand von Richard Pennant vereint. Das übrige Viertel erwarb er schließlich 1785 von der Yonge-Familie. Richard und seine Frau wohnten jedoch nicht in dem alten Wohnhaus der Familie Williams, sondern residierten in Winnington Hall bei Northwich. Anstatt dessen nutzte Richards Bruder Samuel es als Wohnsitz. Für ihn ließ es Richard nach Entwürfen von Samuel Wyatt im Stil des Scottish Baronials umbauen und modernisieren. Der mittelalterliche Vorgängerbau wurde dabei in den Neubau aus gelben Ziegeln integriert. Aus der Halle wurde ein Vestibül, und das Haus erhielt einen weiteren Gebäudeflügel mit Wohnräumen. Außerdem wurde die alte Kapelle Stein für Stein abgetragen und am heutigen Ort im Park wieder aufgebaut. Auch die Ställe erhielten einen neuen Standort. Die alten Stallgebäude wurden abgerissen und nördlich des Wohnhauses neue Ställe aus Ziegeln errichtet. Hinzu kam ein imposanter Eingangsbau am Parkrand, der die Form eines Triumphbogens besaß. Die Umbauarbeiten waren vor 1780 beendet. Um 1800 ließ Pennant, der 1783 zum Baron Penrhyn erhoben worden war, das Gebäude noch einmal verändern. Als er 1808 in Winnington starb, waren aus seiner Ehe keine Kinder hervorgegangen, und so ging sein Besitz nach dem Tod seiner Witwe 1816 an den Enkel von Richards Schwester, George Hay Dawkins.

Ausbau im neonormannischen Stil mini|hochkant|Bauherr der heutigen Schlossanlage: George Hay Dawkins-Pennant; Porträt von Charles J. Basébé, 1864

Der neue Eigentümer fügte das Wappen und den Namen der Familie Pennant seinem eigenen hinzu und nannte sich fortan Hawkins-Pennant. Er ließ das unmoderne Penrhyn-Wohnhaus nach Entwürfen des Architekten Thomas Hopper im neonormannischen Stil, einer Strömung der Neugotik, umbauen. Hopper hatte bereits zwei Schlösser dieses Stils in Irland erbaut: Shaneʼs Castle im County Antrim und Gosford Castle im County Armagh. Die Oberaufsicht über alle Arbeiten lag bei William Baxter. Der weitreichende Umbau wurde mit Gewinnen aus den jamaikanischen Zuckerrohrplantagen und walisischen Schiefersteinbrüchen finanziert. Zudem erhielten die Pennants £ 14.683 17s 2d (2021 etwa £ 1,3 Mio.) als Kompensation für die Abschaffung der Sklaverei und den daraus resultierenden Verlust ihrer Sklaven in Jamaika nach 1833. Diese Summe, ausgezahlt kurz nach Vollendung der Bauarbeiten, deckte einen großen Teil der Umbaukosten. Bereits ab 1819 ließ der Schlossherr den Schlosspark mit einer neuen Umfassungsmauer eingrenzen, die Bauarbeiten am Haus begannen jedoch erst 1821/1822. Der genaue Baubeginn ist nicht bekannt, doch als Hermann von Pückler-Muskau das Anwesen 1828 besuchte, sollen die Arbeiten bereits seit sieben Jahren im Gange gewesen sein. 1826 waren die Große Halle ( bzw. ), der Bibliotheksturm () und der Eichenturm () fertiggestellt. Auch scheinen die Arbeiten am Mauerwerk des Keeps und der übrigen wichtigen Türme beendet gewesen zu sein. Baubeginn für die große Eingangsgalerie war im Jahr 1829, ihre massive Eingangstür aus Eichenholz wurde erst 1835 eingesetzt. Die unter Richard Pennant errichteten Stallbauten wurden in der Zeit von August 1831 bis Juni 1833 erneuert und erweitert. Während des jahrelangen Umbaus wohnte die Familie des Schlossherrn in einem schlichten Haus in der Nähe von Colwyn, bezog jedoch schon während der noch andauernden Bauarbeiten ihr neues Domizil. Bis 1837 waren nicht nur sämtliche Gebäude fertiggestellt und eingerichtet, sondern auch der Schlosspark nach Norden hin vergrößert und in großen Teilen neu bepflanzt, unter anderem mit vielen exotischen Gewächsen. Bei allen Arbeiten in und an den Gebäuden kam sehr viel Schiefer zum Einsatz, denn George Hay Dawkins-Pennant besaß einen sehr lukrativen Schiefersteinbruch beim sieben Kilometer entfernten Bethesda. Die Kosten für den Neubau sollen angeblich 150.000 Pfund betragen haben. Als der Bauherr 1840 starb, erbte Juliana Isabella Mary, seine älteste Tochter aus der 1807 geschlossenen Ehe mit Sophia Mary Maude, Penrhyn Castle. Sie war seit 1833 mit Edward Douglas verheiratet und brachte den umfangreichen Besitz an seine Familie. Auch Edward Douglas fügte nach der Erbschaft das Wappen und den Namen Pennant den seinigen hinzu. Nach dem frühen Tod seiner Frau im April 1842 heiratete er 1846 in zweiter Ehe Maria Louisa Fitzroy, Tochter von Henry FitzRoy, 5. Duke of Grafton. Die Familie lebte nur einen kleinen Teil des Jahres auf Penrhyn, die meiste Zeit verbrachte sie in Wicken Park und ihrem Londoner Stadthaus Mortimer House in der Halkin Street. Im Oktober 1859 empfingen Edward und seine Frau hohen Besuch auf ihrem Landsitz: Queen Victoria und ihr Ehemann Albert weilten einige Tage in Penrhyn. Eigens zu diesem Anlass wurde für die Königin ein tonnenschweres Bett aus Schiefer angeschafft, das heute noch im Schloss zu sehen ist. Die Kinder der Gastgeber mussten für die Dauer des hohen Besuchs im Hotel Penrhyn Arms in Bangor untergebracht werden, um für die Unterbringung des Hofstaats ausreichend Platz im Schloss zu haben. Während ihres Aufenthalts pflanzte die Monarchin auf der Wiese westlich der Anlage einen Riesenmammutbaum, der genannt wird und heute noch dort steht.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts mini|Ansicht von Penrhyn Castle um 1866