Der Begriff mHealth, auch Mobile Health, kurz M-Health ( für mobile Gesundheit), steht für die Unterstützung von medizinischen Verfahren und Maßnahmen der Gesundheitsfürsorge durch Geräte wie Smartphones, Tablets oder persönliche digitale Assistenten (PDA)World Health Organization: mHealth: New Horizons for health through mobile technologies. Geneva 2011, S. 6. sowie durch Lifestyle- und Gesundheitsapplikationen, die über Sensoren bedient werden können. M‑Health wird als ein der E-Health untergeordneter Bereich angesehen. Kabellose und mobile Technologien und ihr Einsatz in der Verbesserung der gesundheitsbezogenen Forschung, der Versorgung und des Gesundheitsstatus stehen im Mittelpunkt.

Definition mHealth entwickelte sich in den letzten Jahren aus dem Begriff e-Health. Während sich eHealth allgemein auf die Anwendung elektronischer Geräte in der medizinischen Versorgung beziehtSusan Adibi:mHealth Multidisciplinary Verticals. Boca Raton 2014, S. 1., stellt mHealth dabei elektronische Lösungen auf mobilen Geräten dar. Robert S. H. Istepanian, Professor des Londoner Imperial College für Elektronik und Ingenieurwesen, prägte den Begriff erstmals im Jahr 2006. Er definierte mHealth als „emerging mobile communications and network technologies for healthcare“Robert S. H. Istepanian, Costantinos S. Pattichis, Swamy Laxmiinarayan: Ubiquitous mHealth systems and the convergence towards 4G mobile technologies. In: mHealth. Emerging Mobile Health Systems. 2006, S. 3. (englisch für neu aufkommende mobile Kommunikations- und Netzwerktechnologien für das Gesundheitswesen).

mHealth gewinnt durch die steigenden Kosten im Gesundheitswesen mehr an Bedeutung. Eine Verbindung von Patient und Arzt wird ermöglicht, ohne dass sich beide am selben Ort aufhalten müssen.A. T. Kearney: Mobile Health. Who Pays?. New York 2013. S. 6. Jedoch sind auch gesunde Konsumenten, die Anwendungen zur Prävention oder Wellness nutzen, ein wichtiger Bestandteil der mobilen Lösung.A. T. Kearney: Mobile Health: Fata Morgana oder Wachstumstreiber?. Düsseldorf 2013, S. 8 f.

Mobile Health umfasst eine Reihe technischer Anwendungsmöglichkeiten. Darunter fallen beispielsweise die Ermittlung von Vitalwerten wie den Blutzucker oder die Körpertemperatur, aber auch Kommunikations- oder Motivationsanwendungen, die u. a. an die Einnahme von Medikamenten erinnern sollen. Die Verwendung von Apps spielt dabei eine große Rolle, denn über die in den Smartphones installierten Sensoren können eine große Menge an gesundheitsbezogenen Daten erfasst und verarbeitet werden.Europäische Kommission: Grünbuch über Mobile-Health-Dienste. Brüssel 2014, S. 3. Das Haupteinsatzgebiet von mHealth ist das Remote Monitoring. Darunter wird die Fernüberwachung von Patienten mit chronischen Beschwerden verstanden. Nach einer Publikation von A. T. Kearney wird für diese Anwendung am häufigsten der SMS-Versand und -Empfang genutzt. Ferner sind Therapien zur Prävention von Demenz ein großer Bereich, der sich zukünftig vergrößern wird, da zukünftig über 30 % der über 70-jährigen unter dieser Krankheit leiden werden. Denn laut einer Studie von PWC sollen im Jahr 2025 30 % der europäischen Bevölkerung 65 Jahre und älter sein. Die Studie prognostiziert, dass sich die Zahl der chronisch Kranken Menschen in den nächsten 20 Jahren ungefähr verdoppeln wird.

Klassifikation Mobile-Health-Lösungen lassen sich entlang des gesamten klassischen Pfades einer Behandlung anwenden. So können sie in der Wellness-, Präventions-, Diagnostik-, Therapie- oder Kontrollphase eingesetzt werden. Hinsichtlich der Anwendergruppen lassen sich aus dem Behandlungspfad drei verschiedene Kategorien der Anwendung ableiten:

Bürger-Bereich Hierbei werden mHealth-Anwendungen benutzt, die keinen medizinischen Zweck erfüllen und die eher auf freiwilliger Basis des Konsumenten genutzt werden. Zu dieser Kategorie gehören Lösungen, die u. a. die Fitness, das Wohlbefinden oder die Selbstentfaltung erhöhen sollen.Rainer Endl, Thomas Jäschke, Christian Thiel, Diana Victoria Wickinghoff: 2015, S. 7. Eine Veröffentlichung der research2guidance, eines strategischen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens, zeigt, dass rund 30 % der mHealth-Applikationen aus dem Bereich Fitness kommen.Research2Guidance: mHealth App Developer Economics 2014. Berlin 2014, S. 11.

Patienten-Bereich Diese Anwendungen sind für Patienten ausgelegt, die unter einer akuten oder chronischen Erkrankung leiden. Hierbei erfüllt die Anwendung einen medizinischen Zweck und muss gewissen Qualitäts- und Sicherheitsstandards genügen. Unter diese Kategorie fallen beispielsweise die Nutzung non-invasiver Sensoren für die Messung von Vitalparametern wie Blutzucker, Herzfrequenz, Bewegungsabläufe oder Temperatur.Robert Diemer: Mobile Technologie. Non-invasive Sensoren machen Telehealth mobil. Nun ist es an der Zeit, das Potenzial der zahlreichen Technologieprojekte zu bündeln und in mHealth-Dienste umzusetzen. Frankfurt 2008, S. 18.

Administrativer Bereich mHealth-Anwendungen sind ebenfalls in der Lage, das Krankenhaus- bzw. Praxismanagement zu unterstützen. Die Gruppe der Anwender ist dabei nicht nur auf die Patienten beschränkt, sondern auch das Fachpersonal aus dem Gesundheitswesen. Beispielsweise können elektronische Patientenakten auf mobilen Geräten genutzt oder Lösungen für Patienten zur Verfügung gestellt werden, die den Behandlungspfad erleichtern und unterstützen können.

mHealth-Markt Die drahtlose Vernetzung und Kommunikation durch mobile Geräte hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Beinahe jede fünfte Person auf der Welt besitzt ein Smartphone.Worldwide Smartphone Usage to Grow 25% in 2014. Webseite der Forschungsfirma emarketer. Abgerufen am 25. Mai 2015. Diese Tatsache ermöglicht vielen Nutzern, mHealth-Applikationen zu bedienen. Schätzungen zufolge werden bereits im Jahr 2017 weltweit 3,4 Milliarden Menschen ein Smartphone besitzen. Jeder Zweite davon wird eine mHealth-Anwendung installiert haben.Research2Guidance: Mobile Health Market. Report 2013–2017. The commercialization of mHealth Applications (Vol.4). 2013, S. 104.

Laut einer Studie der globalen Industrievereinigung der Mobilfunkbetreiber (GSMA) wird der mHealth-Markt in den kommenden Jahren sehr stark wachsen. Im Jahr 2013 wurden mit mHealth weltweit rund 2,4 Milliarden US-Dollar (ca. 2,1 Milliarden Euro) eingenommen.Research2Guidance: mHealth App Developer Economics 2014. Berlin 2014, S. 13. Bis zum Jahr 2017 soll diese Zahl auf 23 Milliarden Dollar (ca. 21 Milliarden Euro) ansteigen.GSMA; PwC: Touching lives through mobile health. Assessment of the global market opportunity 2012, S. 5 (PDF; 2,7 MB) In Deutschland wurden laut A. T. Kearney im Jahr 2012 rund 906 Millionen Euro mit mHealth erwirtschaftet. Die Einnahmen werden laut Schätzungen bis zum Jahr 2017 auf 3 Milliarden Euro ansteigen. Das Hardware-Segment (dieses Segment umfasst sowohl medizinische Geräte als auch mobile Sensoren) konnte 2012 den höchsten Umsatz mit 427 Millionen Euro verzeichnen.A.T. Kearney: Mobile Health: Fata Morgana oder Wachstumstreiber?. Düsseldorf 2013, S. 19 Zwar sind einkommensstarke Industrienationen aktiver im Einsatz von mHealth, trotzdem gewinnen zunehmend die drahtlosen Gesundheitsanwendungen in Entwicklungsländern an Bedeutung. Diese konzentrieren sich hauptsächlich auf eine effizientere Planung des Gesundheitspersonals und des Gesundheitssystems im Allgemeinen.Europäische Kommission: Grünbuch über Mobile-Health-Dienste. Brüssel 2014, S. 7.

Potentiale von mHealth Effizienz und Kosteneinsparungen in der Gesundheitsversorgung Häufig ist eine Verbesserung des medizinisch-technischen Fortschritts mit Kostensteigerungen verbunden. mHealth verhält sich jedoch anders, da oft bereits vorhandene Technologien, wie das mobile Internet, genutzt werden können. Somit ist mHealth in der Lage, die Patientenversorgung zu verbessern und enorme Kosten im Gesundheitsmarkt einzusparen.

Durch die Anwendung von mHealth-Technologien kann die Kommunikation zwischen allen Beteiligten immer und überall stattfinden. Insbesondere in entlegenen Gebieten können mehr Menschen einen Zugang zu Gesundheitsdiensten erlangen.Doro Deutschland: Zur Zukunft des Deutschen Gesundheitssystems: Die Rolle von mHealth und Technologie bei der Bereitstellung nachhaltiger Gesundheitsversorgung für eine alternde Bevölkerung. Köln 2012, S. 20. Sowohl Ärzte als auch medizinisches Fachpersonal können sich über Diagnosen und Behandlungsmethoden austauschen und einen optimalen Behandlungsplan ausarbeiten. Hierdurch könnten unnötige Sprechstunden vermieden, der Aufwand durch nicht wahrgenommene Termine reduziert und Zeit eingespart werden. Patienten können ihre gesundheitsbezogenen Parameter in Echtzeit und so oft wie möglich an den Arzt oder die zuständige Institution weiterleiten. Dies ermöglicht eine effizientere Personalplanung auf der einen und Kosteneinsparungen auf der anderen Seite. Weiterhin kann ein effizienterer Umgang mit chronischen Erkrankungen dadurch erreicht werden, dass Fernüberwachungen und -beratungen eingeführt werden. Dies kann einfach und schnell vom Zuhause des Patienten aus erledigt werden und führt zu einer Reduzierung der Behandlungskosten.Europäische Kommission: Grünbuch über Mobile-Health-Dienste. Brüssel 2014, S. 5. Der ambulante Sektor kann ebenfalls von mHealth profitieren. In größeren Praxen mit mehr als nur einem Sprechzimmer können Patientendaten inklusive aller erforderlichen Informationen bequem von einem mobilen Gerät abgerufen werden. Medikationen und verordnete Therapien können erfasst und strukturiert werden. Dadurch entsteht ein Effizienzgewinn bei den Erfassungs- und Administrationsarbeiten und eine Verbesserung der internen Prozesse.Rainer Endl, Thomas Jäschke, Christian Thiel, Diana Victoria Wickinghoff: 2015, S. 19.

Verbesserte Mitwirkung des Patienten mobile-Health-Dienste geben dem Patienten die Möglichkeit, sich besser mit der eigenen Krankheit auseinanderzusetzen. Patienten gewinnen dadurch ein allumfassendes Verständnis über relevante Symptome und ihren Behandlungsablauf. Dadurch entsteht eine Gesundheitsversorgung, die den Patienten nicht nur in den Vordergrund stellt, sondern ihn mit einbezieht und Verantwortung über die eigene Gesundheit übergibt. Durch selbstmotivierende Applikationen sind Patienten in der Lage, ihre eigene Behandlung zielgerichtet zu kontrollieren. Es können Motivationsanreize bei Erzielung von Therapieergebnissen, wie beispielsweise die Gewichtsreduktion bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, gegeben werden.Rainer Endl, Thomas Jäschke, Christian Thiel, Diana Victoria Wickinghoff: 2015, S. 17f. Applikationen können den Patienten bei seinem individuellen Behandlungspfad begleiten, diese optimal steuern und eine Verbesserung der Koordination mit den einbezogenen Leistungserbringern implizieren. Ferner wird die Adhärenz der Therapie und Compliance verbessert.

Einfachere, häufigere, zugänglichere und günstigere Tests und Datenerfassungen

Laut Forschern ist eine genaue Messung des Hämoglobin-Inhalts im Blut mittels Smartphone-Fotos des inneren Augenlids möglich. Ein Team arbeitete an einer entsprechenden App, wobei sie den Quellcode nicht veröffentlichten.

Barrieren von mHealth Datenschutz und -sicherheitsproblematiken