miniatur|Fuchshardtkapelle, Rückansicht (2015) Die Fuchshardtkapelle ist eine Waldkapelle in Bad Honnef, einer Stadt im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Sie wurde 1872 zu Ehren der Schmerzhaften Mutter (Mater Dolorosa) errichtet.

Lage Die Fuchshardtkapelle liegt knapp ein Kilometer östlich des Stadtzentrums auf einer Angabe laut Digitalem Geländemodell (abrufbar im Kartendienst TIM-online) hohen Anhöhe („Fuchshardt“Cläre Pelzer: Lage und Relief der Stadt Bad Honnef am Rhein. In: August Haag (Hrsg.): Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren. Verlag der Honnefer Volkszeitung, Bad Honnef 1962, S. 3–14 (hier: S. 4).) am südlichen Rande des Siebengebirges, die sich naturräumlich jedoch den Honnefer Terrassenhügeln als einer Untereinheit des Rheinwesterwälder Vulkanrückens (Niederwesterwald) zuordnen lässt. Zugänglich ist sie nur auf Fußwegen, die unter anderem von der Bergstraße sowie von Hohenhonnef ausgehen. Der Gewann-Name In der Fuchshardt bedeutet „Fuchswald“.Helmut Arntz (unter Mitarbeit von Adolf Nekum): Urkataster und Gewannen: am Beispiel der Gemeinde Honnef 1824/1826 (=Heimat- und Geschichtsverein „Herrschaft Löwenburg“ e. V.: Studien zur Heimatgeschichte der Stadt Bad Honnef am Rhein, Heft 13, Bad Honnef 2000; Gesellschaft für Geschichte des Weines e. V.: Schriften zur Weingeschichte, , Nr. 133, Wiesbaden 2000). S. 162.

Geschichte Anstelle der späteren Kapelle befand sich zunächst ein schlichtes Holzkreuz, ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein auf Veranlassung des Honnefer Kaplans Dohmen († 1849) errichtetes Heiligenhäuschen mit einem Bild der Schmerzhaften Mutter (Mater Dolorosa). Es wurde mit ein paar Bänken ausgestattet. Das Heiligenhäuschen verwitterte zuletzt rasch und war zudem dem sonn- und auch wochentäglichen Pilgerstrom nicht gewachsen.

Zum Bau des Gotteshauses führte das Gelübde des Schlossermeisters Wilhelm Lemmerz um 1870, eine Kapelle zu erbauen, sofern seine Frau wieder gesunden sollte. Ein Verein zur Errichtung einer Bethalle auf der Fuchshardt wurde gegründet und zu dessen Präsidenten der Dechant Johann Heinrich Emans († 1880)Hubert Wüsten: Die katholische Gemeinde Honnef in den letzten hundert Jahren. In: August Haag (Hrsg.): Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren. Verlag der Honnefer Volkszeitung, Bad Honnef 1962, S. 151–165 (hier: S. 157)., Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde, gewählt. Gemeinsam mit Bekannten sammelte Lemmerz Gelder in der Gemeinde und bewegte die Eigentümer der bei dem Heiligenhäuschen gelegenen Waldparzellen, den für den Bau der Kapelle benötigten Grund und Boden von 3 Ar 65 m² an die Kirchengemeinde abzutreten. Nachdem Dechant Emans die Baugenehmigung beantragt hatte, erfolgte am 8. Juli 1872 durch ihn die Grundsteinlegung. Die Arbeiten wurden durch Lemmerz und weitere Handwerker, die überwiegend dem Verein St. Josef-Bauhandwerker (später in St. Josef-Meisterverein umbenannt) angehörten, im Wesentlichen ehrenamtlich durchgeführt und nahmen Kosten von 700 Reichstalern in Anspruch. Am 15. Dezember 1872 konsekrierte Emans die fertiggestellte Kapelle. Am 3. August 1873 folgte die Einweihung einer von Reichsfreifrau Augusta von Waldbott-Bassenheim geborene Bongart (* 1807), Schwester der Stifterin der Rommersdorfer Annakapelle Odilia Carolina von BongartJoseph Strange: Genealogie der Herren und Freiherren von Bongart. Commissions-Verlag der L. Schwann’schen Verlagshandlung, Cöln und Neuss 1866, S. 68. (online), gestifteten und von Nikolaus Elscheidt geschaffenen Pietà. In der Kapelle wurde wöchentlich eine Messe für die katholischen Patienten der 1892 fertiggestellten Lungenklinik Hohenhonnef abgehaltenKarl Günter Werber: Erinnerungen an Honnefs „Zauberberg-Epoche“ 1892 – 1911 (PDF), S. 4., bis diese 1914 an die Landesversicherungsanstalt Rheinland verkauft wurde und eine eigene Hauskapelle erhielt. Aus dem Jahr 1901 entstammt ein nicht ausgeführter Entwurf des Honnefer Architekten Ottomar Stein für einen Turmanbau an die Kapelle.Jörg Schulze: Kirchenbau des 19. Jahrhunderts im alten Siegkreis (= Landeskonservator Rheinland, Arbeitsheft 21). Rheinland-Verlag, Köln 1977, ISBN 3-7927-0320-3, S. 247 u. Anm. 957. (zugleich Dissertation RWTH Aachen, 1972) Nachdem sie über längere Zeit dem Verfall ausgesetzt war, renovierte der katholische Frauenbund die Kapelle im Jahre 1927 mithilfe privater Spendengelder umfassend und ließ sie künstlerisch neu ausschmücken.Honnefer Volkszeitung, 20. August 1927, S. 2 (zeitpunkt.nrw); General-Anzeiger für Bonn und Umgegend, 23. August 1927, S. 9 (zeitpunkt.nrw)General-Anzeiger für Bonn und Umgegend, 4. September 1928, S. 9 (zeitpunkt.nrw) 1929 wurde der bis dahin steile Aufstiegsweg zur Kapelle verlegt.Honnefer Volkszeitung, 11. Juli 1929, S. 5 (zeitpunkt.nrw) 1932 wurde sie nochmals innen und außen renoviert.Honnefer Volkszeitung, 2. September 1932, S. 3 (zeitpunkt.nrw)

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im März 1945 wurde die Kapelle bei den Kampfhandlungen im Siebengebirge beschädigt. 1951 erfolgte daher eine umfangreiche Sanierung der Kapelle durch den St. Josef-Meisterverein, nach deren Abschluss sie am 16. September des Jahres neu geweiht wurde.Honnefer Volkszeitung, 3. August 1950, S. 3 (zeitpunkt.nrw) Ebenfalls um diese Zeit wurde sie durch die Fällung umliegender Bäume freigelegt, sodass sie zeitweise im Stadtbild sichtbar war.Honnefer Volkszeitung, 8. September 1950, S. 5 (zeitpunkt.nrw) 1955 erfuhren die Anlagen um die Fuchshardtkapelle eine Neugestaltung und diese selbst einen Neuanstrich.Honnefer Volkszeitung, 21. März 1955, S. 3 (zeitpunkt.nrw)Honnefer Volkszeitung, 20. März 1956, S. 5 (zeitpunkt.nrw) Von 1970 bis 1971 fand eine Generalüberholung des Gebäudes, erneut durch Handwerker des St. Josef-Meistervereins statt.Honnefer Volkszeitung, 12. September 1970, S. 2 (zeitpunkt.nrw)Honnefer Volkszeitung, 30. April 1971, S. 2 (zeitpunkt.nrw) Ein neuer Anstrich folgte durch ehrenamtliche Helfer im Jahre 2008. Zweimal jährlich hält die örtliche Kolpingfamilie eine Messe in der Kapelle ab.Eine Messe mitten im Wald, General-Anzeiger, 26. Mai 2015

Architektur Die Kapelle ist ein vier Meter breiter und neun Meter langer Saalbau, der ausweislich der Spitzbogenfenster und des Maßwerks in neugotischen Formen errichtet ist. Der Chor ist mehrfach abgewinkelt, die Außenwand wird durch Strebe- und Stützpfeiler gegliedert. Eine Nische des Chors beinhaltet die steinerne Pietà des Kölner Bildhauers Nikolaus Elscheidt von 1873. Die Kreuzwegtafeln im Innern stammen von 1929/30 und sind das Werk einer Berliner Bildhauerin.General-Anzeiger für Bonn und Umgegend, 5. März 1930, S. 9 (zeitpunkt.nrw)

Literatur

Weblinks

Ulrike Ziskoven: Waldkapelle der Bürger. In: rheinkiesel, Magazin für Rhein und Siebengebirge, 10. Jahrgang, Mai 2006, S. 4–6.

Einzelnachweise Ulrike Ziskoven: Waldkapelle der Bürger. J[ohann] J[oseph] Brungs: Die Stadt Honnef und ihre Geschichte Heimat- und Geschichtsverein Rhöndorf (Hrsg.); August Haag: Bilder aus der Vergangenheit von Honnef und Rhöndorf. Gesamtherstellung J. P. Bachem, Köln 1954, S. 105.

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