Groß-Rohrheim (älter Groß Rohrheim) ist eine Gemeinde im südhessischen Landkreis Bergstraße. Groß-Rohrheim besteht nur aus einem Ortsteil und auch nur aus einer Gemarkung (Gmk.-Nr. 63000).

Geographie Groß-Rohrheim liegt innerhalb der Oberrheinischen Tiefebene in der Mitte des Hessischen Rieds. Es befindet sich etwa 2,5 km südöstlich des Rheins – stromabwärts betrachtet zwischen Biblis im Südsüdwesten und Klein-Rohrheim im Nordnordosten, das zum jenseits davon gelegenen Gernsheim gehört; östlicher Nachbarort ist der Bensheimer Ortsteil Langwaden. Rechtsrheinisch erstreckt sich im Groß-Rohrheimer Gemeindegebiet und im Stadtgebiet von Gernsheim der Hammerauer Altrhein mit dem Naturschutzgebiet Hammer Aue von Gernsheim und Groß-Rohrheim.

Groß-Rohrheim grenzt im Norden an die Stadt Gernsheim (Kreis Groß-Gerau), im Osten an die Gemeinde Einhausen, im Süden an die Gemeinde Biblis sowie im Westen, auf der linksrheinischen Seite, Worms-Ibersheim und Hamm am Rhein.

Geschichte Historische Namensformen Historische Namensformen für Groß-Rohrheim waren (in Klammern das Jahr der urkundlichen Erwähnung): „Rorheim“ (782, 791, 1276) „Raureheim“ (782) „Rorheim superior“ (793) „superior Rorheim“ (1071) „Rorheim maior“ (um 1200) „superior Rorheim“ (1287) „villa Rorheim“ (1324) „Rorrheim“ (1463) „Ober-Rorheim“ (1521) „Groß Rorheim“ (1579) „Ober Rohrheimb“ (1686) „Groß Rohrheim“ (1689)

Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung von Groß-Rohrheim aus dem Jahr 782 befindet sich im Lorscher Codex unter dem Namen „Raureheim“, als ein Eberhold seinen Besitz dort dem Kloster Lorsch schenkte. Bis ins 12. Jahrhundert befand sich Groß-Rohrheim im Besitz des Reichsklosters Lorsch, das aber Grundbesitz und Rechte an verschiedene Herren als Lehen vergab. So werden die Groschlag von Dieburg, die Grafen von Henneberg und die Herren von Bickenbach genannt.

1333 wurde Rohrheim als Zubehör des Bickenbachischen Amtes Tannenberg genannt. 1347 erhielt Agnes von Katzenelnbogen den Mittelteil des Dorfes aus dem Nachlass Ulrichs von Bickenbach. 1368 verpfändeten Graf Johann von Wertheim und dessen Frau Margarete ihren Teil an Rohrheim an Eberhard von Katzenelnbogen. Am Ende des 14. Jahrhunderts war das Dorf unter vier Herren aufgeteilt. 1479 fiel der Katzenelnbogener Anteil nach dem Aussterben des Geschlechts an die Landgrafen von Hessen und nach der hessischen Teilung von 1567 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. 1568 gehörte die Hälfte des Dorfes dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt, ein Viertel den Schenck von Erbach und ein Viertel gemeinschaftlich den Grafen von Leiningen-Westerburg und den Ulner von Dieburg. Im späten 16. Jahrhundert teilten sich Hessen-Darmstadt und die Schenck von Erbach Dorf, Rechte und Gericht. Auch das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015, ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).

Frühe Neuzeit 1553 wurde die Reformation in Groß-Rohrheim eingeführt und die ehemalige Filiale der Pfarrei in Gernsheim erhielt eine eigene Pfarrei. Im Jahr 1547 vernichtete ein Feuer fast das gesamte Dorf. 1579 war das Dorf hessisch-darmstädtisch und die Schenck von Erbach besaßen ein Viertel der Niederen Gerichtsbarkeit. Aus dem Jahr 1580 ist für Groß-Rohrheim der erste Schulunterricht für Knaben überliefert.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) hatte auch Groß-Rohrheim hohe Verluste zu beklagen. So plünderten 1621 spanische und bayerische Truppen das Dorf und brannten ein Viertel davon nieder.Heinrich Künzel: Geschichte von Hessen, insbesondere Geschichte des Großherzogthums Hessen und bei Rhein, Scriba 1856, Seite 222 () Das Gebiet zwischen Rhein und Bergstraße blieb 10 Jahre von den Spaniern besetzt, bis sich diese 1631 vor den anrückenden schwedischen Truppen zurückzogen. Der Schrecken dieses Krieges war aber für die Groß-Rohrheimer noch lange nicht vorbei. Nach der Niederlage der Evangelischen bei Nördlingen am 6. September 1634 zogen sich die schwedischen Truppen 1635 von der Bergstraße zurück. Letztlich veranlasste der katholische Sieg bei Nördlingen Frankreich, an der Seite der nun geschwächten Schweden in den Krieg einzugreifen. Damit begann ab 1635 das blutigste Kapitel des Dreißigjährigen Krieges. Aus der Region berichteten die Chronisten aus jener Zeit: „Pest und Hunger wüten im Land und dezimieren die Bevölkerung, sodass die Dörfer öfters völlig leer stehen“.

Am 4. Februar 1659 verlieh Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt „seinen getreuen Untertanen Im Flecken Groß-Rohrheim einen freien und offenen Jahrmarkt“, den heute noch existierenden Maimarkt. In den Jahren 1687/88 wurde die baufällige Kirche abgebrochen und unter Leitung der Kirchenbaumeister Johann Mohr und Peter Graff durch einen Neubau ersetzt. Im Jahr 1699 wurde in der Groß-Rohrheimer Kirche eine Orgel eingebaut und 1705 erhielt die Kirche drei Glocken. Auf der zu diesem Zeitpunkt größten Glocke befindet sich der Name des Rentmeisters Johann Philipp Lichtenberg; er war von 1697 bis 1739 Amtmann des Amtes Jägersburg. 1712 stiftete das „Groß-Rohrheimer ledige Manns- und Weibsvolk“ der Kirche drei geschnitzte Bilder. 1711 verkaufte Graf Georg von Erbach „Gericht, Recht und Gerechtigkeit; so wie er sie vorher in Groß- und Klein-Rohrheim hatte“ an den Landgrafen Ernst Ludwig. Unter diesem Landgrafen entstand das Neue Jagdschloss Jägersburg an der heutigen Kreuzung Jägersburger Wald. Der Standort auf der Groß-Rohrheimer Gemarkung an der Grenze zu Einhausen ist heute überwachsen und nur noch an dem schwachen Umriss des sechseckigen Grabens zu erkennen, der das Jagdschloss einst umgab.

Infolge der Kaiserkrönung von Karl VII. am 12. Februar 1742 in Frankfurt am Main und des Österreichischen Erbfolgekriegs zogen französische, russische und 1744 auch ungarische Truppen durch Biblis und Groß-Rohrheim. Am 11. November 1757 brannten in Groß-Rohrheim 14 Scheunen ab und 1771 wurde der erste Anbau von Kartoffeln in der Region durch die Obrigkeit erlaubt. 1778 hatte Groß-Rohrheim wieder einmal mit dem Rheinhochwasser zu kämpfen, als ein Damm brach, und in den Jahren 1787 und 1799 kam es erneut zu Überflutungen.

Im Jahr 1787 war die Verwaltung so organisiert, dass Groß-Rohrheim zum „Amt Zwingenberg und Jägersburg“ der „Oberen Grafschaft Katzenelnbogen“ der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gehörte. Diese Einteilung hatte bis zum Lunéviller Frieden von 1801 Bestand.

19. Jahrhundert 1806 erhob Napoleon die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zum Großherzogtum Hessen. Danach gehörte Groß-Rohrheim infolge einer Reihe von Verwaltungsreformen zum Landratsbezirk Heppenheim, sowie zu den Kreisen Bensheim und Worms, bis es 1945 zum heutigen Landkreis Bergstraße kam.

Das Industriezeitalter kündigte sich für Groß-Rohrheim auf dem Rhein an, als ein Wormser Unternehmen ab 1842 die „Adler des Oberrheins“ genannten Dampfboote zwischen Mannheim und Mainz verkehren ließ. Weitere Verbesserungen der Infrastruktur ergaben sich durch den Bau der Eisenbahnlinie Darmstadt–Worms, der Ludwigsbahn, die 1869 begonnen und 1877 fertiggestellt wurde.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 fielen drei Männer aus Groß-Rohrheim.

20. Jahrhundert Aus dem Ersten Weltkrieg kamen etwa 50 Gefallene und Vermisste nicht mehr zurück nach Groß-Rohrheim.

Im November 1938 brachte die sogenannte Reichskristallnacht den jüdischen Mitbürgern Not und Elend, die Wohnungen und Geschäfte jüdischer Familien wurden verwüstet. Die Synagoge in Groß-Rohrheim wurde schon bald nach 1933 von der israelitischen Gemeinde verkauft. Von den 15 Personen, aus denen die Gemeinde des Orts 1924 bestand, lebten 1933 nur noch wenige in Groß-Rohrheim und diese zogen, infolge der zunehmenden Repressalien, weg oder wanderten aus. Von den in Groß-Rohrheim geborenen oder längere Zeit dort lebenden Juden kamen 12 durch die NS-Gewaltherrschaft ums Leben.

Im Zweiten Weltkrieg war besonders ab 1944 der verstärkte Luftkrieg gegen Deutschland auch in Groß-Rohrheim zu spüren. Große Fliegerverbände überflogen den Ort bei ihren Angriffen auf die umliegenden Industriestädte Ludwigshafen, Mannheim und Worms. Groß-Rohrheim blieb davon weitgehend verschont. Allerdings kamen am 29. Januar 1944 vier Jungen durch abgeworfene Fliegerbomben ums Leben. In diesem Jahr wurde die Arbeit auf den Feldern durch die fortgesetzten Tieffliegerangriffe lebensgefährlich. Groß-Rohrheim hatte etwa 200 gefallene oder vermisste Soldaten in diesem Krieg zu beklagen.

Nach dem Krieg stieg die Bevölkerungszahl durch die Ansiedlung vieler Heimatvertriebener innerhalb kürzester Zeit von 2300 auf über 3000 an. Noch bis in die 1960er Jahre blieb der Charakter des Ortes als Bauern- und Arbeitnehmergemeinde erhalten. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden durch die Ausweisung von Gewerbeflächen erfolgreich Industrie und Gewerbe angesiedelt. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe ging seit den 1950er Jahren von etwa 500 auf nur noch 15 Betriebe zurück. Wurden im Jahr 1970 etwa 300 Arbeitsplätze in Groß-Rohrheim angeboten, so war diese Zahl auf über 800 im Jahr 2001 angestiegen.

Verwaltung ab 1803 Vor 1803 gehörte Groß-Rohrheim zum Amt Zwingenberg und Jägersburg. Auch im Großherzogtum Hessen blieb diese Zuordnung erhalten. Nach der endgültigen Niederlage Napoléons wurden 1816 im Großherzogtum Provinzen gebildet. Dabei wurde das vorher als Fürstentum Starkenburg bezeichnete Gebiet, das aus den südlich des Mains gelegenen alten hessischen und den ab 1803 hinzugekommenen rechtsrheinischen Territorien bestand, in Provinz Starkenburg umbenannt. Das Amt Zwingenberg wurde um die Orte des Amtes Seeheim vergrößert.

1821 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums aufgelöst und Landratsbezirke gebildet, wodurch Groß-Rohrheim zum Landratsbezirk Heppenheim kam. Diese Reform ordnete auch die Verwaltung auf Gemeindeebene neu. So war die Bürgermeisterei in Groß-Rohrheim eine von 12 Bürgermeistereien im Landratsbezirk, wobei seit 1820 die Bürgermeister durch die Gemeinde gewählt wurden und die staatlich eingesetzten Schultheißen abgeschafft waren.

1832 wurden die Verwaltungseinheiten weiter vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Nach der am 20. August 1832 bekanntgegebenen Neugliederung sollte es in Süd-Starkenburg künftig nur noch die Kreise Bensheim und Lindenfels geben; der Landratsbezirk von Heppenheim sollte in den Kreis Bensheim fallen. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde dies aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels neben dem Kreis Bensheim der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet wurde. Groß-Rohrheim wurde dem Kreis Bensheim zugeordnet.

Am 31. Juli 1848 wurden die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, wobei die bisherigen Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim vereinigt wurden. Bereits vier Jahre später, im Laufe der Reaktionsära, kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück und Groß-Rohrheim wurde wieder Teil des Kreises Bensheim.

Die im Dezember 1852 aufgenommenen Bevölkerungs- und Katasterlisten ergaben für Groß-Rohrheim: Großrohrheim, ein Marktflecken in der Rheinebene mit 1622 Einwohnern, die zum größten Teil lutherisch sind. Zu Großrohrheim gehören das Forsthaus Jägersburg, die Hammeraue und die Rheininsel Sandwörth. Die Gemarkung bestand aus 6896 Morgen, davon waren 3607 Morgen Ackerland, 1944 Morgen Wiesen und 264 Morgen Wald.