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Clément Marot (* 23. November 1496 in Cahors; † 12. September 1544 in Turin) war ein französischer Dichter. Er gilt als ein wichtiger Vertreter der Französischen Renaissance und der bedeutendste französische Lyriker der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.Clément Marot, French poet, Website britannica.com (aktualisiert am 28. August 2025, englisch, abgerufen am 5. Oktober 2025) Seine Sympathien und seine Hinwendung zum neuen evangelischen Glauben trugen ihm Nachteile und Verfolgung durch katholisch gesinnte Autoritäten ein.Edmund J. Campion: Clément Marot, Ebsco Knowledge Advantage, Website ebsco.com (englisch, 2022, abgerufen am 5. Oktober 2025)

Leben und Schaffen Kindheit und Jugend Clément Marot wurde geboren als Sohn des Kaufmanns und angesehenen Dichters Jean Marot. Sein Vater stammte aus der Normandie, seine Mutter aus Cahors in Südfrankreich. Hier verbrachte er seine Kindheit, wobei er zweisprachig aufwuchs, d. h. französisch und vor allem okzitanisch. 1506 zog die Familie nach Paris, denn der Vater hatte einen Sekretärsposten im Dienst von Königin Anna von Bretagne erhalten. Später wurde er zum Kammerdiener bei ihrem Gatten Ludwig XII. befördert und nach dessen Tod 1515 vom neuen König Franz I. übernommen. Durch seinen Vater erhielt der junge Marot früh Kontakt zum Hof und bekam eine Stelle als Page beim hochrangigen Adeligen Nicolas de Neufville, duc de Villeroy, der ihn auch weiterhin protegierte und ihm etwas später einen Schreiberposten in der Chancellerie, was in etwa dem Justizministerium entsprach, verschaffte. Eine solide Schulbildung genoss Marot offenbar nicht, doch lernte er Latein sowie Italienisch und konnte sich eine gewisse klassische Bildung in Rede und Dichtung durch seinen Vater aneignen.Clément Marot (1496-1544), Musée virtuel du protestantisme, Website museeprotestant.org (abgerufen am 5. Oktober 2025)

Ab etwa 1511 dichtete er, angeleitet vom Vater und von dessen Dichter- und Sekretärskollegen Jean Lemaire de Belges. Daneben schulte er seine Feder mit Übertragungen von Texten Vergils und Lukians. 1514 trat er erstmals an die Öffentlichkeit mit der Versepistel (épître) Le Temple de Cupido, die er verfasst hatte zur Hochzeit von Claude de France, der älteren Tochter Ludwigs XII., und ihres Cousins Franz von Angoulême, der aufgrund des Fehlens eines direkten männlichen Thronerben engster Anwärter auf die französische Krone war. Im selben Jahr wurde auch ein erstes Werk gedruckt, die Épître de Maguelonne.

Nachdem Franz seinem Schwiegervater schon 1515 auf dem Thron gefolgt war, schaffte es Marot, ihm, dem nur zwei Jahre Älteren, mit weiteren Gedichten zu gefallen und seine Sympathie zu gewinnen, z. B. einer witzigen Petite épître au Roi. 1519 empfahl ihn Franz seiner älteren Schwester, Margarete von Alençon, die ihn als Kammerdiener und Sekretär in ihre Dienste aufnahm.

Dies hinderte Marot nicht, Franz 1521 und 1522 auf Feldzügen gegen Kaiser Karl V. in Flandern und im Hennegau zu begleiten. Meist jedoch lebte er als vom König geschätzter Dichter und Unterhalter am Hof in Paris. Hier verfasste er zu den verschiedensten Anlässen und Gelegenheiten Texte in allen lyrischen Gattungen der Zeit. Eine Spezialität dieser frühen Schaffensphase waren, neben Vers-Episteln, kürzere Gedichte zum Thema Liebe, insbesondere Rondeaus und Chansons. Seine Texte verbreitete er in der Regel zunächst durch Lesung oder Vortrag vor seinem Zielpublikum, doch kursierten meistens rasch auch Abschriften Dritter.

Hinwendung zum evangelischen Glauben Unter dem Einfluss Margaretes und ihrer Umgebung öffnete Marot sich dem reformatorischen Gedankengut Martin Luthers, das sich um 1520 als „Evangelismus“ auch in Frankreich zu verbreiten begann. Dies, aber vermutlich auch ein etwas lockerer Lebenswandel und eine spöttische Zunge, trug ihm Anfeindungen und bald auch Probleme ein. Offensichtlich erzürnte er die konservativen Richter des Pariser Obersten Gerichts, des Parlement de Paris, und die orthodoxen Theologen der Sorbonne.

Als 1525 König Franz bei der Schlacht von Pavia in die Gefangenschaft von Kaiser Karl geraten war und seine Schwester Margarete zu Freilassungsverhandlungen nach Madrid gereist war, wurde Marot von einer rachsüchtigen Frau beschuldigt, er habe in der Fastenzeit Speck gegessen. Seine Feinde und Neider nutzten die Abwesenheit seiner fürstlichen Gönner, ihn im Februar 1526 inhaftieren und im berüchtigten Pariser Stadtgefängnis Le Châtelet einkerkern zu lassen. Dank der Fürbitte eines Freundes schaltete sich jedoch der Bischof von Chartres ein und ließ ihn in sein eigenes, humaneres Gefängnis überstellen. Im Mai kam Marot durch einen Gnadenerlass des soeben zurückgekehrten Königs frei. Seine misslichen Erlebnisse im Châtelet schilderte er sehr realistisch und mit bissigem Humor in einer Epistel mit dem sprechenden Titel L’Enfer (deutsch: Die Hölle). Er veröffentlichte sie aber vorsichtshalber nicht, weil sie allzu leicht als Attacke auf die Pariser Justiz und deren Gehilfen verstanden werden konnte.

Ebenfalls 1526 wurde Marot zum Nachfolger seines kürzlich verstorbenen Vaters Jean im Kammerdieneramt ernannt. Als er 1527 erneut im Kerker landete, weil er einem von der Polizei festgenommenen Bekannten zur Flucht verholfen hatte, befreite ihn König Franz umgehend selbst. Die betreffende Anordnung und der vorangehende Hilferuf Marots in Gedichtform sind erhalten, ebenso ein humorvolles Dankgedicht.

Arbeiten als Dichter und Schriftsteller Die Jahre nach 1526 waren sehr fruchtbar für Marot, zunächst auch dank seiner Verliebtheit in Anne d’Alençon, eine junge Nichte von Margaretes erstem Gatten, die ihn zu vielen Gedichten, insbesondere Rondeaus und Chansons, inspirierte. Vor allem jedoch fungierte er wie schon vorher als Hofdichter mit Gelegenheitsgedichten aller Art und zu allen möglichen Anlässen, wobei er u. a. die Gattung Epigramm entwickelte, d. h. witzige, oft bissige, einstrophige Texte. Finanziell ging es ihm ebenfalls gut, so dass er 1529 (?) heiraten konnte und angeblich seine bald vorhandenen drei Kinder täglich dankbar für den König beten ließ. 1529 wurde er der Häresie bezichtigt und ins Gefängnis geworfen, König Franz befreite ihn erneut und machte ihn zum Hofdichter.Clément Marot (1496-1544), Musée virtuel du protestantisme, Website museeprotestant.org (abgerufen am 5. Oktober 2025)

Nachdem 1531 eine erste Sammlung seiner Gedichte als Raubdruck in Lyon erschienen war, gab Marot 1532 unter dem etwas burschikosen Titel L'Adolescence (= Jugendzeit) clémentine erstmals selber einen Sammelband heraus, dem er 1534 eine Suite (= Fortsetzung) de l'adolescence clémentine folgen ließ.

Schon um 1525 hatte er die Idee gehabt, nach quasi humanistischen Editionsprinzipien Werke der älteren französischen Literatur gedruckt herauszugeben. So hatte er 1526 den Roman de la rose (Rosenroman, 13. Jahrhundert) in leicht modernisierter Sprache ediert. 1533 ließ er eine Ausgabe der Dichtungen von François Villon (15. Jahrhundert) folgen.

Flucht nach Nérac, Ferrara und Venedig Der Oktober 1534 brachte einen tiefen Einschnitt im Leben Marots. Er wurde in die Affaire des Placards verwickelt, eine Plakataktion protestantischer Aktivisten (vielleicht aber auch verkappter katholischer Scharfmacher), die bewirkte, dass König Franz seine bis dahin geübte religiöse Toleranz oder auch Gleichgültigkeit aufgab, Partei auf Seiten der konservativen Kräfte des Katholizismus bezog und einer scharfen Repression des Protestantismus freien Lauf gewährte, was zu einer Reihe von Ketzerprozessen vor dem Parlement und zahlreichen Todesurteilen und Hinrichtungen führte sowie eine erste Fluchtwelle auslöste (der z. B. auch Jean Calvin angehörte).

Als Marot erfuhr, dass er auf einer Liste Verdächtiger stand, floh auch er, zunächst zu Margarete nach Nérac im Béarn, das als Hauptort des kleinen Königreichs (Rest-)Navarra diente, dessen Titularkönig Henri d’Albret sie inzwischen geheiratet hatte. Nachdem er 1535 vom Pariser Parlement in Abwesenheit verurteilt worden war, ging er auf Anraten Margaretes nach Ferrara an den Hof der Herzogin Renée d’Este, der mit Luthers Lehren sympathisierenden jüngeren Tochter von Ludwig XII., die schon andere französische Flüchtlinge beherbergte.

Von dort aus richtete er eine Bitt-Epistel an König Franz, worin er den Vorwurf, er sei luthériste (deutsch: Lutheraner), zu entkräften versuchte und sich sarkastisch über seine Feinde in der Pariser Justiz und an der Sorbonne beklagte. Er bekam aber keine Antwort, so dass er eine weitere Epistel, nunmehr an den Dauphin (Kronprinz), verfasste.

Als er in Ferrara wenig später mit Duldung des Herzogs, der de jure Lehensmann des Papstes war, von der Inquisition bedrängt wurde, floh er 1536 weiter nach Venedig.

Rückkehr nach Lyon und Paris In Venedig erreichte ihn 1536, nach anderer Quelle 1537, die Nachricht, dass er amnestiert worden war. Clément Marot kehrte nach Frankreich zurück und nahm an einer öffentlichen Abjurationszeremonie teil, die im Dezember 1536 in Lyon stattfand. Der Verzicht auf den Protestantismus im Einvernehmen mit den Sympathisanten von Lyon ermöglichte es ihm, nach Paris zurückzukehren und seine Familie wiederzufinden. Wieder aufgenommen am Königshof 1537, wurde er dort zunächst in eine Fehde mit Gedichten verwickelt von einem alten Rivalen namens François de Sagon, der sich inzwischen als Platzhirsch betrachtete. Marot setzte sich jedoch durch und erreichte hiernach den Höhepunkt seiner Anerkennung.

1538 ließ er unter dem schlichten Titel Les Œuvres bei dem bekannten Drucker Étienne Dolet in Lyon eine erste Gesamtausgabe seiner Werke herausgeben. Im selben Jahr übertrug er Gedichte Francesco Petrarcas, darunter sechs Sonette.

1539 bekam er vom König ein Haus in Paris als Geschenk. Seine Stellung als bester Dichter seiner Zeit schien gesichert.

Psalmdichtungen Schon 1531 hatte er einen ersten Bibel-Psalm in Gedichtform übertragen und in Verse und Strophen strukturiert, damit er als geistliches Lied gesunden werden konnte. Er hatte diese Arbeit mit der Hilfe von Vatable, der nach 1530 am Collège Royal oder königlichen Kollegium Hebräisch unterrichtete, begonnen. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil hatte er, auf Vorschlag des Königs, diese Arbeit wieder aufgenommen und fortgeführt. 1539 schenkte er die Handschrift von dreißig Psalmen dem König Franz I., 1541 gab er das Ergebnis unter dem Titel Trente psaumes de David mis en français in Druck und durfte das Buch sogar Kaiser Karl widmen, der gerade während einer Kriegspause auf der Durchreise in Paris weilte.

Nachdem ihm die Trente Psaumes zunächst viel Lob eingebracht hatten als der erste gelungene Versuch einer künstlerisch adäquaten Nachdichtung der Psalmen in französischen Versen und Strophen, wurden sie 1542 auf Betreiben der Sorbonne überraschend verboten. Ein Grund war, dass soeben der inzwischen eindeutig protestantische Dolet ohne Genehmigung Marots dessen L’Enfer veröffentlicht hatte; ein anderer war der Umstand, dass der in Genf gerade an die Macht gelangte Reformator Calvin die Psalmen-Nachdichtung ebenfalls lobte und seinen Anhängern empfahl. Bis zu seinem Tod schrieb er 49 Psalmen in Versform auf.

Flucht nach Genf und Tod in Turin