mini|Willem Jansz. Blaeu, Porträt von Jeremias Falck mini|Titelseite von Het licht der zee-vaert (1608) mini|Titelseite von Zeespiegel (Ausgabe von 1627) Willem Jansz. Blaeu (* 1571 in Alkmaar oder Uitgeest, Niederlande; † 21. Oktober 1638 in Amsterdam) war ein niederländischer Kartograf und Verleger. Leben und Wirken Willem Jansz. Blaeu war ein Sohn von Jan Willemsz. (1527–1594) und dessen zweiter Frau Stijntge. Im jungen Alter wurde er nach Amsterdam geschickt, um dort den Heringshandel zu erlernen. Blaeu arbeitete dort zunächst als Tischler und Angestellter im Handelsbüro seines Cousins Pieter Corneliszoon Hooft. Er interessierte sich jedoch mehr für Mathematik und Astronomie. Blaeu wurde Student von Tycho Brahe und verbrachte den Winter 1595/1596 auf der Insel Ven an dessen Sternwarte Uraniborg. Anschließend ließ er sich in Alkmaar nieder. Dort heiratete er, wahrscheinlich 1597, Maritgen Cornelisdr aus Uitgeest. Am 21. Februar 1598 beobachtete Blaeu in Alkmaar eine Mondfinsternis. Diese wurde ebenfalls von Tycho Brahe in Wandsbeck bei Hamburg beobachtet. Aus den beiden Beobachtungen wollten sie den Längengradunterschied zwischen den beiden Orten bestimmen.Jean-Pierre Luminet: Blaeu, Willem Janszoon. In: Thomas Hockey et al. (Hrsg.): The biographical encyclopedia of astronomers. 2. Auflage, Springer, New York / Heidelberg / Dordrecht / London 2014, ISBN 978-1-4419-9918-4, S. 242–243.
1599 ließ er sich mit seiner Familie als Globen-, Instrumenten- und Kartenmacher in Amsterdam nieder. Sein erster Erdglobus stammt aus dem Jahr 1599.Edward Luther Stevenson: Willem Janszoon Blaeu, 1571–1638; a sketch of his life and work, with an especial reference to his large world map of 1605. New York 1914, S. 46 (online). Für Adriaan Anthonisz fertigte er 1599 einen Himmelsglobus mit einem Durchmesser von 34 Zentimetern an, der auf unveröffentlichten Daten Brahes beruhte.Jean-Pierre Luminet: Blaeu, Willem Janszoon. In: Thomas Hockey et al. (Hrsg.): The biographical encyclopedia of astronomers. 2. Auflage, Springer, New York / Heidelberg / Dordrecht / London 2014, ISBN 978-1-4419-9918-4, S. 243.
1600 bemerkte er im Sternbild Schwan (Cygnus) einen neuen Stern, dessen Helligkeit sich mit der Zeit veränderte. Er wird heute als P Cygni bezeichnet. Auf einem Himmelsglobus, der sich im Museum der Hauptstadt Prag befindet, ist seine Entdeckung beschrieben: „Der neue Stern im Sternbild Cygnus, den ich erstmals am 8. August 1600 beobachtete, hatte zunächst eine Helligkeit der dritten Magnitude. Ich bestimmte seine Position, indem ich seinen Abstand zu Vega und Albireo maß. Er befindet sich nach wie vor an dieser Position, ist jedoch mittlerweile nicht heller als die fünfte Magnitude.“Jean-Pierre Luminet: Blaeu, Willem Janszoon. In: Thomas Hockey et al. (Hrsg.): The biographical encyclopedia of astronomers. 2. Auflage, Springer, New York / Heidelberg / Dordrecht / London 2014, ISBN 978-1-4419-9918-4, S. 243.
1605 zog Blaeu nach Damrak,Cornelis Koeman, Günter Schilder, Marco van Egmond, and Peter van der Krogt: Commercial cartography and map production in the Low Countries, 1500–ca. 1672. In: David Woodward (Hrsg.): The history of cartography. Band 3, Teil 2, 2007, ISBN 978-0-226-90732-1, S. 1314. damals ein Kanal im Zentrum von Amsterdam, wo sich die meisten Amsterdamer Buchhändler und Kartografen niedergelassen hatten, darunter Johannes Janssonius und Jodocus Hondius. Schon bald stellte er auch Land- und Seekarten her, darunter eine Weltkarte (1605). Seine erste Veröffentlichung, das Nieuw graadboek (Neues Gradbuch), erschien ebenfalls 1605. Es beruhte auf Brahes genauen Beobachtungen und wurden von Blaeu auf den Meridian der Niederlande umgerechnet.
1606 erhielt Blaeu das Privileg „ein bestimmtes Buch mit Seekarten, das er zusammengestellt und herausgegeben hat, im Interesse und zur Förderung der Seefahrt zu drucken“.Günter Schilder, Marco van Egmond: Maritime cartography in the Low Countries during the Renaissance. In: David Woodward (Hrsg.): The history of cartography. Band 3, Teil 2, 2007, ISBN 978-0-226-90732-1, S. 1399. Sein Navigationsführer Het licht der zee-vaert erschien 1608 und erinnerte an Lucas Janszoon Waghenaers Thresoor der zeevaert (1592). Das Werk sollte aus vier Teilen bestehen: den Routen nach Westen, den Routen nach Osten, dem Mittelmeer und den Küsten Guineas, Brasiliens sowie Ost- und Westindiens. Die Erstauflage enthielt nur die ersten beiden Teile. Der dritte Teil mit 33 Mittelmeerkarten erschien erst 1618. Der geplante vierte Teil wurde nie veröffentlicht. Es erschienen zahlreiche Neuauflagen. Het licht der zee-vaert wurde ins Englische (The light of navigation, 1612) und Französische (Flambeau de la navigation, 1619) übersetzt. Als 1620 das Privileg erlosch, veröffentlichte Johannes Janssonius einen Raubdruck von Het licht der zee-vaert.
Willem Jansz. begann ab etwa 1621 den Namen „Blaeu“ zu verwenden, um Verwechslungen mit seinem Konkurrenten Johannes Janssonius (für Jan Jansz.) zu vermeiden.Cornelis Koeman, Günter Schilder, Marco van Egmond, and Peter van der Krogt: Commercial cartography and map production in the Low Countries, 1500–ca. 1672. In: David Woodward (Hrsg.): The history of cartography. Band 3, Teil 2, 2007, ISBN 978-0-226-90732-1, S. 1314.
1623 erschien der Navigationsführer Zeespiegel. Dieser bestand aus drei Teilen. Der erste Teil war eine Einführung in die Kunst der Navigation, der zweite Teil befasste sich mit den östlichen und nördlichen Routen und der dritte Teil mit den westlichen Routen. Er enthielt 111 neue Karten in einem größeren Maßstab. Der Zeespiegel konnte mit dem dritten Teil von Het licht der zeevaert ergänzt werden. Er behandelte das Mittelmeer und wurde 1638 unter dem Titel Vierde deel der Zeespiegel nachgedruckt.Günter Schilder, Marco van Egmond: Maritime cartography in the Low Countries during the Renaissance. In: David Woodward (Hrsg.): The history of cartography. Band 3, Teil 2, 2007, ISBN 978-0-226-90732-1, S. 1399.
1629 gelang es ihm, zahlreiche Druckplatten aus dem Nachlass von Hondius zu erwerben. Diese dienten ihm zur Herausgabe eines eigenen Atlas. Von den anfänglich 60 Karten stammten 37 aus dem Hondius-Nachlass. Auf allen Druckplatten wurde der Name Hondius durch Blaeu ersetzt.
1633 ernannte man Blaeu zum „“, und er wurde damit offizieller Kartograph für die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC). 1635 erschien der zweibändige Atlas Theatrum orbis terrarum sive Atlas novus. Sein Verlag gab Arbeiten von Willebrord van Roijen Snell, Adriaan Metius, Gerhard Johannes Vossius und Pieter Corneliszoon Hooft heraus.
Seine Söhne Joan Blaeu und Cornelis Blaeu (1610–1642) führten nach seinem Tod den Verlag weiter. Nach der Vernichtung der Werkstatt im Amsterdamer Brand von 1672, und dem Tod seines Sohns Joan im Jahr 1673, wurde der Verlag 1698 aufgelöst.
Globen
34 Zentimeter Durchmesser Erdglobus, 1599 Himmelsglobus, etwa 1598 10 Zentimeter Durchmesser Erdglobus, vor 1602 Himmelsglobus, 1602 23 Zentimeter Durchmesser Erdglobus, 1602 Himmelsglobus, 1602 13,5 Zentimeter Durchmesser Erdglobus, 1606 Himmelsglobus, 1606 68 Zentimeter Durchmesser Erdglobus, 1617 Himmelsglobus, 16l6 5,3 Zentimeter Durchmesser Erdglobus, nach 1618
Einzelne Karten (Auswahl)
Nova Universi terrarum orbis mappa ex optimis quibusque geographicis hydrographicisq tabulis summa industria accuratissime delineata, et duobus planisphariis graphice depicta. 1605 (Reproduktion von 1914). Nova regni Hispaniae descriptio, de novo multis in locis. Amsterdam 1605 (Digitalisat). Nova totius terrarum orbis geographica ac hydrographica tabula. 1606 (Digitalisat). Gallia: Nova Galliae descriptio multis in locis de integro emendata, simulq effigies Principum, praecipuas Gallorum urbes ac habitus exhibens. 1607 (Digitalisat). Novus XVII Inferioris Germaniae Provinciarum Typus de integro multis in locis. 1608. Amsterdam 1634 (Digitalisat). Amsterdam 1638 (Digitalisat). Comitatus Hollandia. ’t Graefschap Hollandt. 1608 (Digitalisat). De Hertochdommen Gulick, Cleve, Berghe en de Graeffschappen van der Marck en Ravensbergh. 1610 (Digitalisat). Magni Ducatus Lithuaniae, caeterarumque regionum illi adiacentium exacta descriptio. 1613 (Digitalisat, Digitalisat) Europa recens descripta a Guiliel: Ianssonio. 1617 (Digitalisat). Asia noviter delineata. 1617 (Digitalisat). Africae nova descriptio. 1617 (Digitalisat). Americae nova Tabula. 1617 (Digitalisat der Ausgabe von 1621).
Werke Nieuw Graedt-boeck nae den ouden Stijl uyt de alder correcktste observatien van den vermaerden Astronomo Tycho Brahe, ghecalculeert ende ghestelt op den Meridiaen deser Nederlanden. Mitsgaders nieuwe Tafelen ende Constructie van ’t recht ghebruyck der Noort-sterre ende andere fixe Sterren alle Zeevarende luyden te nut ghedaen […]. Willem Jansz., Amsterdam 1605. Het licht der zee-vaert daerinne claerlijck beschreven ende afgehbeeldet werden, alle de Custen ende Havenen, vande Westersche Noordsche, Oostersche ende Middelandsche Zee’n. Oock van vese Landen, eylanden ende plaetsen van Guinea, Brasilien, Oost ende West-Indien […]. Willem Janszoon, Amsterdam 1608 (Digitalisat). Willem Janszoon, Amsterdam 1610. Willem Janszoon, Amsterdam 1613. Willem Janszoon, Amsterdam 1617. Willem Janszoon, Amsterdam 1618. Willem Janszoon, Amsterdam 1620 (Digitalisat). Jan Janssoon, Amsterdam 1620 (Digitalisat). Willem Janszoon, Amsterdam 1623. Jan Janssoon, Amsterdam 1623. Jan Janssoon, Amsterdam 1627. Jan Janssoon, Amsterdam 1629. Willem Janszoon, Amsterdam 1629. The light of navigation. Amsterdam 1612 (Digitalisat). Johannes Janssonius, Amsterdam 1620. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1622. Johannes Janssonius, Amsterdam 1625. Flambeau de la navigation. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1619. Johannes Janssonius, Amsterdam 1620 (Digitalisat). Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1625. Le nouveau phalot de la mer, nommé la clef du Thresor, miroir, & colomne flamboiante […]. Johannes Janssonius, Amsterdam 1635 (Digitalisat). Johannes Janssonius, Amsterdam 1637. Teerde deel van ’t Licht der zee-vaert, inhoudende de beschryvinghe der zeecusten van de Middelandtsche Zee. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1618. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1621 (Digitalisat). Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1623 (Digitalisat). Eerste deel der zeespiegel, inhoudende een korte onderwysinghe inde konst der zeevaert. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1623 (Digitalisat, Digitalisat Teil 2). Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1627. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1631. Willem Iansz Blaeu, Amsterdam 1638 (Digitalisat). Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1639. Joan Blaeu, Amsterdam 1640. Joan Blaeu, Amsterdam 1643 (Digitalisat). Joan Blaeu, Amsterdam 1644. Joan Blaeu, Amsterdam . Joan Blaeu, Amsterdam 1650 (Digitalisat). Joan Blaeu, Amsterdam . The first part of the sea-mirrour containing a briefe instruction in the art of navigation. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1625 – übersetzt von Richard Hynmers. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1635. Joan Blaeu, Amsterdam 1643. Tafelen van de declinatie der Sonne en voornaemste vaste sterren. Willem Jansz Blauw, Amsterdam 1625 (Digitalisat). Joan Blaeu, Amsterdam . Onderrichtinge ende ’t Ghebruyck van de West-Indische Pas-Kaert met de vergrootende graden der breete. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1630. Appendix Theatri A. Ortelii et Atlantis G. Mercatoris, continens tabulas geographicas diversarum orbis regionum, nunc primum editas cum descriptionibus. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1631 (Digitalisat, Digitalisat). Haven-wyser van de Oostersche, Noordsche en Westersche zeen. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1634. Het nievwe licht der zeevaert ofte havenwyser van de Oostersche, Noordsche en Westersche zeen. Willem Jansz Blaeu, Amsterdam 1634 (Digitalisat).