Der Landkreis Bitterfeld, in Preußen Kreis Bitterfeld, war ein Landkreis, der zwischen 1816 und 1952 in Preußen, der SBZ und der DDR bestand. Das Gebiet des ehemaligen Landkreises liegt heute in den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld, Saalekreis und Wittenberg in Sachsen-Anhalt sowie im Landkreis Nordsachsen in Sachsen.
Verwaltungsgeschichte
Königreich Preußen Mit den preußischen Verwaltungsreformen nach dem Wiener Kongress wurde zum 1. Oktober 1816 der Kreis Bitterfeld im Regierungsbezirk Merseburg in der preußischen Provinz Sachsen eingerichtet. Der neue Kreis setzte sich im Wesentlichen aus den ehemals sächsischen Ämtern Bitterfeld, Düben, Gräfenhainichen und Zörbig zusammen.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Merseburg 1816, S. 333. Das Landratsamt war zunächst in Roitzsch und wurde 1827 nach Bitterfeld verlegt.
Norddeutscher Bund / Deutsches Reich Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und seit dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich.
Gegen Ende der 1920er Jahre fand im Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der nahezu alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Im Kreis Bitterfeld gab es mehrere Auflösungtermine in den Jahren 1928 und 1929.Amtsblatt der Regierung zu Merseburg 1928: Sonderbeilage zu Stück 41 und Stück 50; 1929: Stück 12 und 38 Digitalisat Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.
Am 1. April 1942 wurden Gebietsaus- und -einschlüsse zwischen Preußen und dem Land Anhalt beseitigt. Dabei gab es folgende Umgliederungen: Die Gemeinden Goltewitz, Möst b. Schierau, Pösigk, Priorau, Repau und Schierau wechselten aus dem Landkreis Bitterfeld in den Landkreis Dessau-Köthen im Land Anhalt. Die Gemeinde Wadendorf wechselte aus dem Landkreis Dessau-Köthen in den Landkreis Bitterfeld.
Nach der Auflösung der Provinz Sachsen zum 1. Juli 1944 gehörte der Kreis zur neuen Provinz Halle-Merseburg, Regierungsbezirk Merseburg. Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die amerikanischen Alliierten Streitkräfte besetzt.
Sowjetische Besatzungszone / Deutsche Demokratische Republik Der Landkreis Bitterfeld wurde 1950 um die Gemeinden Bobbau, Jeßnitz und Raguhn des Landkreises Dessau-Köthen und die Gemeinde Döbern des Landkreises Delitzsch vergrößert; gleichzeitig trat der Landkreis Bitterfeld die Gemeinden Kütten (mit Drobitz), Mösthinsdorf, Kösseln, Ostrau (mit Werderthau) und Plötz an den Saalkreis ab.
Im Zuge der Verwaltungsreform von 1952 wechselten die Stadt Gräfenhainichen sowie die Gemeinden Gossa, Gremmin, Gröbern, Jüdenberg, Krina, Möhlau, Schköna, Schwemsal, Söllichau, Tornau und Zschornewitz aus dem Landkreis Bitterfeld in den neuen Kreis Gräfenhainichen. Die Gemeinden Authausen, Durchwehna, Görschlitz und Kossa wechselten in den Kreis Eilenburg im Bezirk Leipzig. Die Stadt Bad Düben kam zunächst zum Kreis Gräfenhainichen, wurde aber noch im gleichen Jahr dem Kreis Eilenburg zugeordnet. Die verbliebenen Städte und Gemeinden bildeten den Kreis Bitterfeld, der wie auch der Kreis Gräfenhainichen dem Bezirk Halle zugeordnet wurde.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1816 27.676 1843 40.835 1871 48.189 1890 57.145 1900 67.036 1910 76.548 1925 95.219 1933 104.960 1939 118.843 1946 162.303 Volkszählung 1946
Kommunalverfassung Der Landkreis Bitterfeld gliederte sich in Stadtgemeinden, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständigen Auflösung – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881. mini|150px|Wappen Landkreis Bitterfeld, 1939
Landräte 1816–1817 Carl Ernst von der Lochau 1817–1822 Dr. von Starcke 1822–1865 Moritz von Leipziger (seit 1822 kommissarisch) 1866–1881 Oskar von Seydewitz 1881–1899 Hans von Bodenhausen 1900–1902 Wilhelm zu Solms-Sonnenwalde 1903–1920 Kraft von Bodenhausen (seit 1902 kommissarisch) 1920 August Kamscha 1920–1933 Franz Stammer 1933–1945 Rolf Habild 1945 Gustav Dietrich 1945–1950 Alfred Baudi 1950–1952 Kurt SpillerTullner, Mathias: Der Kreis Bitterfeld und seine Verwaltung 1816 – 2006. Bitterfelder Heimatblätter. Sonderheft 2006. Bitterfeld, 2006.
Wappen Das Wappen wurde am 15. Februar 1939 durch das Preußische Staatsministerium verliehen und für den späteren Landkreis Bitterfeld am 28. Februar 1995 zur Weiterführung durch das Ministerium des Innern bestätigt.
Blasonierung: „Geviert; Feld 1 und 4: in Silber drei rote Seeblätter, Feld 2: in Gold ein schwarzer, rotbewehrter Löwe, Feld 3: in Gold zwei blaue Pfähle.“
Die Wappengestaltung geht auf die historische Zugehörigkeit des Kreisgebiets ein. Die drei Seerosenblätter greifen das Wappen der Grafschaft Brehna auf, der Meißner Löwe deutet die einstige sächsische Zugehörigkeit an und die zwei „Landsberger Pfähle“ symbolisieren die Markgrafschaft Landsberg. Das Wappen wurde vom Magdeburger Staatsarchivrat Otto Korn gestaltet.
Städte und Gemeinden Stand 1945 Der Landkreis Bitterfeld umfasste 1945 fünf Städte und 69 weitere Gemeinden: Altjeßnitz Authausen Beyersdorf Bitterfeld, Stadt Brehna, Stadt Brösa Burgkemnitz Drehlitz Drobitz Bad Düben, Stadt Durchwehna Friedersdorf Glebitzsch Golpa Görschlitz Gossa Göttnitz Gräfenhainichen, Stadt Gremmin Greppin Gröbern Großmöhlau Großzöberitz Heideloh Hohenlubast Holzweißig Jüdenberg Köckern Kossa Kösseln Krina Kütten Löberitz Löbersdorf Mescheide Mösthinsdorf Mühlbeck Muldenstein Niemegk Ostrau Petersroda Plodda Plötz Pouch Prussendorf Quetzdölsdorf Ramsin Renneritz Reuden Rieda Rödgen Roitzsch Rösa Salzfurtkapelle Sandersdorf Schköna Schlaitz Schmerz Schrenzsiegelsdorf Schwemsal Söllichau Spören Stumsdorf Thalheim Torna Tornau Wadendorf Werben Werderthau Wolfen Zörbig, Stadt Zschepkau Zscherndorf Zschornewitz Im Landkreis lag außerdem der gemeindefreie Gutsbezirk Dübener Heide.
Vor 1945 aufgelöste oder ausgeschiedene Gemeinden Alaunwerk Schwemsal, 1936 zu Düben Goltewitz, 1942 zum Landkreis Dessau-Köthen Grötz, 1928 zu Löberitz Kitzendorf, 1930 zu Brehna Möhlau, Tannepöls und Zöberitz, 1936 zur Gemeinde Großzöberitz zusammengeschlossen Möst b. Ostrau und Hinsdorf, 1936 zur Gemeinde Mösthinsdorf zusammengeschlossen Möst b. Schierau, 1942 zum Landkreis Dessau-Köthen Pösigk, 1942 zum Landkreis Dessau-Köthen Priorau, 1942 zum Landkreis Dessau-Köthen Quetz und Dölsdorf, 1931 zur Gemeinde Quetzdölsdorf zusammengeschlossen Repau, 1942 zum Landkreis Dessau-Köthen Rodigkau, 1928 zu Löberitz Salzfurth und Capelle, 1936 zur Gemeinde Salzfurtkapelle zusammengeschlossen Schierau, 1942 zum Landkreis Dessau-Köthen Schrenz und Siegelsdorf, 1928 zur Gemeinde Schrenzsiegelsdorf zusammengeschlossen Zschiesewitz, 1936 zu Jüdenberg
Literatur Emil Obst: Beschreibung und Geschichte des Kreises Bitterfeld. Bitterfeld 1888 (Digitalisat)
Weblinks
Landkreis Bitterfeld Verwaltungsgeschichte und die Landräte auf der Website territorial.de (Rolf Jehke), Stand 15. April 2014.
Einzelnachweise
Bitterfeld Bitterfeld Kategorie:Ehemalige Verwaltungseinheit (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) Bitterfeld Kategorie:Aufgelöst 1952