Markus Schleicher (* 25. April 1884 in Mögglingen; † 11. März 1951 in StuttgartWerner Breunig: Schleicher, Markus. In: Datenhandbuch Länderparlamentarier 1945–1953. Band 2 von Verfassungspolitik. Heidelberger Studien zur Entstehung von Verfassungen nach 1945, Lang, Frankfurt am Main 1985. S. 168.) war ein deutscher Gewerkschafter und Politiker der SPD.
Schleicher war der Sohn des Josef Schleicher, Bauer in Mögglingen und dessen Ehefrau Maria Anna geb. Breitmeier. Sein älterer Bruder Eugen Schleicher (Mögglingen 1878–Schelklingen 1969), Bauer, heiratete in Schelklingen 1912 Kreszentia Keller (1877–1974) auf den ehemaligen Pfarrhof. Sein jüngerer Bruder Alois Schleicher (Mögglingen 1896–Sigmaringen 1947), Eisenbahnsekretär, heiratete in Schelklingen 1922 die jüngste Schwester Mathilde Keller (Schelklingen 1897–?) der Ehefrau des ältesten Bruders Eugen.
Eugen Schleichers Tochter Elisabeth wurde langjährige Haushälterin bei dem Architekturprofessor Otto Ernst Schweizer in Baden-Baden. In ihren Lebenserinnerungen, aufgezeichnet von Klaus Jonski, berichtet sie auch über ihre Kontakte zu ihrem Onkel Markus Schleicher. Die Schelklinger sehr katholische Verwandtschaft war besonders empört über den Kirchenaustritt des Onkels Markus mit gerade 18 Jahren (rechnerisch im Jahre 1902) und versuchte ihn zur Rückkehr in die katholische Kirche zu bewegen. Aber er lehnte noch an seinem Sterbebett den Besuch eines Pfarrers ab.
Schleicher, der den Beruf des Tischlers erlernte, trat 1901 in den Deutschen Holzarbeiterverband und 1904 in die SPD ein. 1909 wurde er zum Leiter der Stuttgarter Verwaltungsstelle des Deutschen Holzarbeiterverbandes ernannt, von 1920 bis 1933 gehörte er dort dem Hauptvorstand an.
Am 2. Mai 1933 wurde Schleicher in Berlin von der SA verhaftet, misshandelt und am anderen Tag wieder freigelassen. Im Juli 1933 wurde er aus dem gleichgeschalteten Deutschen Holzarbeiterverband ausgeschlossen.
Nach dem Krieg wurde er 1946 Mitglied im Vorstand des neu gegründeten Gewerkschaftsbundes Württemberg-Baden. Ebenfalls 1946 gehörte er der Vorläufigen Volksvertretung für Württemberg-Baden als Vertreter der Gewerkschaften an. Darüber hinaus übte er das Amt des geschäftsführenden Vorsitzenden des gewerkschaftlichen Zonenausschusses für die amerikanische Zone aus. 1949 wurde er zum ersten Bundesvorsitzenden der Industriegewerkschaft Holz gewählt, 1950 zum Vorsitzenden des neu gegründeten DGB-Landesbezirks Württemberg-Baden. Beide Posten hatte er bis zu seinem Tode inne.
Literatur Klaus Jonski: Elisabeth Moll aus Mittelbiberach. Eine „Perle“ berichtet aus ihrem Leben. In: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach. Jg. 19, Heft 1, 1996, S. 28–47, (Erinnerungen der Nichte Elisabeth Moll, geb. Schleicher, an ihren Onkel Markus Schleicher) Klaus Jonski: Eine „Perle“ berichtet aus ihrem Leben: Elisabeth Moll, geb. Schleicher, aus Mittelbiberach. In: Ders.: Lebensbilder. Bd. 1: Aus dem Arbeitsleben von Dienstboten und Handwerkern. 2., veränderte Aufl. Biberach: Biberacher Verlagsdruckerei, 1997, S. 113–148 (1. Aufl. 1996). (Erinnerungen der Nichte Elisabeth Moll, geb. Schleicher, an ihren Onkel Markus Schleicher) Klaus Jonski: Eine „Perle“ berichtet aus ihrem Leben: im Haushalt feiner Leute. In: Aquae: Arbeitskreis für Stadtgeschichte Baden-Baden. Jg. 1997, Heft 30, S. 68–97. (Erinnerungen der Nichte Elisabeth Moll, geb. Schleicher, an ihren Onkel Markus Schleicher)
Weblinks Kurzbiografie über Markus Schleicher im Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung
Einzelnachweise
Kategorie:IG-Metall-Funktionär Kategorie:DGB-Funktionär Kategorie:Mitglied der Vorläufigen Volksvertretung für Württemberg-Baden Kategorie:SPD-Mitglied Kategorie:Tischler Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1951 Kategorie:Deutscher Kategorie:Mann