miniatur|Die Rochuskapelle in Wangen Die Rochuskapelle (auch Kapelle St. Rochus) befindet sich in Wangen im Allgäu im Landkreis Ravensburg in Oberschwaben.
Geschichte Die Rochuskapelle befindet sich im Wangener Stadtpark Alter Gottesacker. Dieser ehemalige Friedhof wurde 1521 während einer Pestepidemie angelegt, um jenen bei der Pfarrkirche St. Martin zu entlasten. Die Anlage mit Grabkapellen und Epitaphen folgt italienischen Vorbildern. Die Kapelle wurde 1592/93 durch den städtischen Baumeister Jerg LoßherrInformationstafel erbaut und dem heiligen Rochus geweiht, dem Schutzpatron gegen die Pest. Abgesehen von einzelnen Ausstattungsstücken wurde die Kapelle seither nie verändert. 1991 oder 1992/93 wurde die Kapelle restauriert; dabei wurde auch der ursprüngliche Dachreiter wiederhergestellt.
mini|Epitaph für Maria Franziska Weigl († 1699) Beschreibung Die Kapelle ist ein kleiner Saalbau mit eingezogenem Chor und einem kleinen Dachreiter mit Zwiebelhaube. An der Südseite des Chors ist die Sakristei angebaut. Während die spitzbogigen Fenster und im Inneren das Sterngewölbe des Chors noch die Formen der Gotik zeigen, gehören die Rustikaquader-Fenstereinfassungen, die Portalumrahmungen und die Ecklisenen stilistisch der Renaissance an, obwohl alle zur gleichen Bauzeit entstanden sind. Dieses Stilgemisch ist bemerkenswert.Dehio-Handbuch 1997: „(...) die Bauformen ein Stilgemisch aus gotischen und Renaissanceformen.“ Eine Inschrift über dem Südportal gibt das Baujahr 1593 an. In einer Nische an der Südwestecke ist ein Sandsteinrelief mit der Schutzmantelmadonna angebracht.
Ein hochbarockes Sandsteinepitaph (für Maria Franziska Weigl bzw. Weigell, † 1699) zwischen den Fenstern der Südwand zeigt den heiligen Michael und vier Putti. Die obere Inschrift verkündet gegenreformatorische Theologie, die untere Inschrift enthält die Angaben zur Verstorbenen. Da das Relief nie als Grabstein auf dem Grab stand, ist die Grabstelle ausdrücklich angegeben: „(...) ligt begraben nechst der Thüer“ (liegt begraben neben der Türe).
Der Gesamteindruck des Innenraums wird geprägt von der leicht tonnengewölbten Holzdecke mit 66 bemalten Tafeln aus dem Jahr 1598. Die Tafeln stellen das Leben Jesu Christi und seiner Apostel dar, dazwischen Wappen von Wangener Familien. Der Künstler dieser Tafeln ist unbekannt.wangen.de:
Die drei Altäre oder zumindest der Hochaltar stammen von dem Lindauer Meister Esaias Gruber dem Älteren (1594), wurden aber später verändert: Da die Kapelle zunächst das Patrozinium Unserer Lieben Frau trug, enthielt der Hochaltar ursprünglich eine plastische Darstellung der Krönung Mariens, die um 1800 durch ein nazarenisches Gemälde mit Maria, Mutter Anna und JoachimNicht „Heilige Familie“ im eigentlichen Sinn, wie im Dehio-Handbuch 1997 angegeben. ersetzt wurde. In der Predella enthält der Altar ein Relief der Verkündigung, auf Volutenkonsolen links und rechts des Schreins stehen Figuren der Apostelfürsten Petrus und Paulus, im Aufsatz eine des hl. Rochus. Das Altarbild des nördlichen Seitenaltars zeigt die Heilige Familie, in der Predella die Vera Icon; jenes des südlichen Seitenaltars ist eine Darstellung der 14 Nothelfer aus dem 18. Jahrhundert.
Als „Kleinod“ gelten die 15 Rundmedaillons vom 1622 aufgestellten Hochaltar der Pfarrkirche St. Martin; sie zeigen die Rosenkranzgeheimnisse. Das Auferstehungsrelief ist signiert: „JZ“ = Johannes (Hans) Zürn (der Jüngere?).Alfons Kasper 1966: „Hans Zürn der Ältere“, Dehio-Handbuch 1997: „Hans Zürn“ (unklare Angabe), Thierer/Rückgauer 2010: „Hans Zürn der Jüngere“, allgaeu.de 2015: „Bildhauerwerkstätte Zürn aus Waldsee“.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Rochuskapelle Wangen Kategorie:Erbaut im 16. Jahrhundert Wangen Wangen Wangen Kategorie:Kulturdenkmal in Wangen im Allgäu