Der Zweite Krieg der Barone () war ein von 1264 bis 1267 geführter militärischer Konflikt zwischen dem englischen König Heinrich III. und einer von Simon de Montfort, 6. Earl of Leicester angeführten Adelsopposition. Nachdem es bereits im Sommer 1262 zu ersten Kämpfen gekommen war, begann im April 1264 ein offener Bürgerkrieg, der im August 1265 mit einem Sieg der Anhänger des Königs endete. Die weiteren Kämpfe zogen sich jedoch noch bis 1267 hin. Letztlich musste der König den Baronen gegenüber Zugeständnisse machen. Nach dem Ersten Krieg der Barone von 1215 bis 1217 war dies die zweite große Auseinandersetzung um die Macht im Staate zwischen dem englischen König und seinen Baronen.

Ursachen Gegen die Politik von König Heinrich III. bildete sich 1257 eine feste Adelsopposition, deren Ziel eine Reform der königlichen Herrschaft war. Die Barone waren mit der verschlossenen und willkürlichen Regierung des Königs nicht mehr einverstanden. Sie warfen dem König vor, nicht mehr ihren Rat einzuholen, stattdessen würde der König nur seinen eigenen Ratgebern und Beamten, von denen einige aus dem französischen Poitou kamen und mit ihm verwandt waren, vertrauen. Diese Freunde und Verwandte waren ab 1247 am Königshof sehr einflussreich geworden und die Barone warfen dem König vor, sie ihnen gegenüber zu bevorzugen. Gleichzeitig würde er seine Rechte als Lehnsherr, besonders bei Vormundschaften von minderjährigen Erben, bei der Erteilung der Erlaubnis von Heiraten und bei anderen Feudalpflichten missbrauchen. Vor allem aber war die Politik des Königs nicht mehr erfolgreich und die Barone fühlten sich schlecht regiert.Michael Altschul: A baronial family in medieval England. The Clares. The Johns Hopkins Press, Baltimore 1965, S. 80. Sie bemängelten seine Erfolglosigkeit im Kampf gegen den walisischen Fürsten Llywelyn ap Gruffydd, der in wenigen Jahren die englische Oberherrschaft abgeschüttelt und sich eine Vormachtstellung in Wales erkämpft hatte und nun ihre Besitzungen in den Welsh Marches bedrohte. Letztlich plante der König, beeinflusst von Papst Alexander IV., die Eroberung des Königreichs Sizilien für seinen Sohn Edmund. Für die Umsetzung dieses Plans investierte er große Summen Geld, ohne dass der Plan Erfolg versprechend erschien. Letztlich scheiterte das Vorhaben völlig. Die Ansprüche des Papstes konnten nicht befriedigt werden, und die englischen Barone verweigerten sowohl ihre militärische wie auch ihre finanzielle Unterstützung für dieses Abenteuer, wozu sie nach der Magna Carta auch berechtigt waren. Im Gegensatz zur Adelsopposition von 1215, die durch die Anerkennung der Magna Carta durch den König dessen Macht lediglich beschränken wollte, verlangten die Barone nun eine Reform und vor allem eine Beteiligung an der Herrschaft des Königs.Michael Altschul: A baronial family in medieval England. The Clares. The Johns Hopkins Press, Baltimore 1965, S. 81.

Der Weg zum Bürgerkrieg Beginn der Adelsopposition Vor dem Hintergrund von Missernte und Hungersnot sowie der Niederlagen im Krieg in Wales, vor allem nach der katastrophalen Niederlage in der Schlacht von Cymerau gegen die walisischen Fürsten, sowie wegen seiner Schulden beim Papst, derentwegen sich seine Beziehungen zur englischen Kirche verschlechterten, rief der König für Anfang April 1258 ein Parlament nach Westminster. Er wollte einen neuen Feldzug nach Wales vorbereiten, dazu plante er weiter eine Expedition nach Sizilien. Vor allem das sizilianische Abenteuer stieß auf großen Protest. Seine Hoffnung auf finanzielle Unterstützung erfüllte sich nicht. Die Magnaten waren in einzelne Gruppen gespalten, eine Entwicklung, die sich abzeichnete, nachdem sein Halbbruder Bischof Aymer de Lusignan am 1. April John fitz Geoffrey, einen verdienten königlichen Gefolgsmann und Vertrauten der Königin, in Surrey angriff. Als Fitz Geoffrey Gerechtigkeit verlangte, verweigerte dies der König. Vermutlich mit Zustimmung von Königin Eleonore traf sich am 12. April eine kleine Gruppe von einflussreichen Magnaten. Ihr gehörten Peter von Savoyen, ein Onkel des Königs, Simon de Montfort, 6. Earl of Leicester, Richard de Clare, 5. Earl of Gloucester, Roger Bigod, 4. Earl of Norfolk, sein Bruder Hugh Bigod, sowie John fitz Geoffrey und Peter de Montfort, die mit Montfort befreundet waren, an. Sie schworen sich gegenseitige Unterstützung gegen die Lusignans, die Halbbrüder des Königs, und wegen der Unbeliebtheit des Königs gelang es den Verschwörern rasch, fast den gesamten Adel auf ihre Seite zu ziehen. Als der König am 28. April erneut Unterstützung für den Krieg in Wales forderte, stürmten sie unter Führung des Earls of Norfolk bewaffnet in die Westminster Hall und stellten dem König ein Ultimatum. Sie verlangten eine Reform der Herrschaft, eine Sanierung der königlichen Finanzen und die Beachtung ihrer angestammten Rechte. Die Barone schlugen dem König vor, ein aus 24 Mitgliedern bestehendes Komitee zu bilden, das den König beraten, bis Weihnachten das Reich reformieren und die Schulden des Königs regeln sollte. Die Mitglieder sollten zur Hälfte von den Baronen und zur Hälfte vom König bestimmt werden. Angesichts des Widerstands an seinem eigenen Hof und da er wegen des Krieges in Wales unter Druck stand, gab der König rasch nach und schwor am 2. Mai, das Komitee zu akzeptieren. Im Gegenzug gaben die Barone ein vages Versprechen, den Krieg in Wales fortzusetzen. Dieser Kompromiss war zum Scheitern verurteilt. Aufgefordert, die Hälfte des Komitees zu besetzen, wählte der König hauptsächlich seine Halbbrüder, die Lusignans und ihre Anhänger, dennoch war er so isoliert, dass er keine zwölf Mitglieder zusammenbekam. Ein weiteres Parlament wurde für Juni ausgemacht, doch in der Zwischenzeit wurden Heinrichs Einwände gegen einen Frieden mit Frankreich überstimmt. Am 8. Mai begannen Gesandte, darunter Simon de Montfort, Peter von Savoyen und auch die Lusigans, Verhandlungen mit dem französischen König Ludwig IX., um einen Frieden mit Frankreich zu schließen und den Streit über die englischen Besitzungen in Frankreich zu beenden. Sie waren zu einem endgültigen Verzicht auf die Normandie bereit und stellten rasch die Artikel für einen Friedensvertrag auf.

Erlass der Provisions of Oxford Am 11. Juni kam das Parlament in Oxford erneut zusammen, dazu ein großes Heer für einen Feldzug zu Land und See nach Wales. Die Barone mussten den König stark bedrängen, damit er mit Fürst Llywelyn, der ebenfalls Gesandte gesandt hatte, verhandelte. Vor dem Hintergrund eines Streits über Begünstigungen beschloss die Gruppe der Barone in dem Komitee, dass die Lusignans das Land verlassen mussten. Sie befragten das Parlament, versprachen eine generelle Reform der Herrschaft und machten die Lusignans zu Sündenböcken für die Misserfolge der königlichen Herrschaft. Eine Sammlung von Beschwerden der Barone wurde aufgeschrieben, und in der Dominikanerkirche von Oxford leisteten die Barone einen gemeinsamer Eid gegen Todfeinde des Reiches. Das Komitee beschloss die Provisions of Oxford, laut denen ein aus 15 Personen bestehender Staatsrat eingesetzt wurde, der den König beraten sollte. Die Befehlshaber der königlichen Burgen, aber auch der Kanzler, der Justiciar und der Treasurer sollten dem Staatsrat verantwortlich sein. In jedem Jahr sollten drei Great Concils oder Parlamente genannte Versammlungen stattfinden, an denen die Mitglieder des Staatsrates mit zwölf weiteren Vertretern der Barone teilnehmen sollten. Diese Parlamente sollten jeweils zu Lichtmess am 2. Februar, am 1. Juni und zu Michaelis am 29. September stattfinden.

Die Herrschaft des Königs zerfiel, als die Magnaten das lange vakante Amt des Justiciars mit Hugh Bigod wieder besetzten, um Gerechtigkeit für alle Schichten zu sichern, während mit Fürst Llywelyn Waffenstillstand geschlossen wurde. Am 22. Juni musste der König seine wichtigsten Burgen an Kastellane der Magnaten übergeben, und am selben Tag wählten vier Wahlmänner die fünfzehn Mitglieder des neuen königlichen Rats, der die Macht übernahm. Diesem Rat gehörten Erzbischof Bonifatius von Savoyen von Canterbury, John de Plessis, 7. Earl of Warwick und der königliche Berater John Mansel an, aber auch die Earls of Norfolk, Hereford, Peter von Savoyen, Peter de Montfort, John fitz Geoffrey, Roger Mortimer of Wigmore, James Audley und Bischof Walter de Cantilupe von Worcester, aber vor allem Richard de Clare und Simon de Montfort. mini|Parlamentsversammlung von Heinrich III. und den Baronen. Historisierende Darstellung von 1864

Erste Herrschaft der Barone Mit diesen Bestimmungen hatte sich die Adelsopposition die Macht in England erkämpft. Um den 28. Juni flohen die Lusignans und der Thronfolger Lord Eduard in einer tollkühnen, trotzigen Geste aus Oxford zu Amyer de Valences Burg nach Winchester. Die Magnaten verfolgten sie, und ihr Widerstand brach zusammen. Am 10. Juli schwor Lord Eduard die Einhaltung der Provisions of Oxford, und vier Tage später verließen die Lusignans das Reich, womit die Niederlage des Königs vollständig war.

Während der nächsten 18 Monate herrschte faktisch der fünfzehnköpfige königliche Rat in England, während die königliche Macht stark eingeschränkt blieb. Sie wurde weiter eingeschränkt, indem jede Grafschaft am 4. August 1258 aufgefordert wurde, durch Abgesandte Beschwerden gegen königliche und grundherrschaftliche Beamte zu sammeln und diese im Oktober dem Parlament zu berichten. Dazu bereiste der neue Justiciar Hugh Bigod mehrere Grafschaften, hörte sich selbst Beschwerden an und gewann rasch eine hohe Popularität. Damit kam der königliche Rat der Ritterschaft, den Freibauern und dem Bürgertum entgegen, die auch auf lokaler Ebene Reformen im Bereich der Verwaltung und der Justiz forderten. Die im Herbst 1259 erlassenen Provisions of Westminster kamen den Beschwerden entgegen und waren der Versuch, die lokale Verwaltung und Justiz zu reformieren. Dadurch gelang es Hugh Bigod und seinem Nachfolger Hugh le Despenser, weiter das Vertrauen und die Unterstützung der Ritter, Freibauern und Bürger zu gewinnen. Die Provisions of Westminster sollten die richterliche Gewalt der königlichen Sheriffs und anderer Beamter, aber auch die Machtfülle der Bailiffs der Barone begrenzen. Dazu führte der königliche Rat zahlreiche Alltagsgeschäfte, bei denen der Justiciar und vor allem Montfort die Führung übernahmen. Allerdings scheiterte der Versuch Montforts, im November die englisch-französischen Verhandlungen in Cambrai zu dominieren, da der französische König die Gesandten Montforts nicht anerkannte und nur mit direkten Gesandten König Heinrichs verhandelte.

Machtkampf zwischen dem König und dem königlichen Rat