Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der russischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Russland nahm als Teil der UdSSR bzw. der GUS an den Europameisterschaften 1960 bis 1992 teil. In der 1960er Europameistermannschaft stellten russische Spieler das größte Kontingent, während 1988 nur Rinat Dassajew, Wagis Chidijatullin und Sergei Dmitrijew russische Spieler waren und ukrainische Spieler, insbesondere von Dynamo Kiew den Großteil des Vizeeuropameisters stellten. Nach der Auflösung der Sowjetunion in mehrere selbständige Staaten nahm Russland erstmals an der Qualifikation zur EM 1996 teil und konnte sich auf Anhieb qualifizieren. Seitdem wurde lediglich die Qualifikation für die EM 2000 nicht geschafft, aber nur einmal die Vorrunde überstanden. Russland traf dabei bis einschließlich 2008 in der Vorrunde immer auf den späteren Europameister.

Übersicht

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzter Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1996England Vorrunde Tschechien – Oleg Romanzew Nach zwei Niederlagen und einem Remis als Gruppenletzter ausgeschieden 2000Niederlande und Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Weltmeister Frankreich und der Ukraine gescheitert, die sich ebenfalls nicht qualifizieren konnte. 2004Portugal Vorrunde Griechenland – Georgi JarzewNach zwei Niederlagen und einem Sieg gegen den späteren Europameister Griechenland als Gruppenletzter ausgeschieden. 2008Österreich und Schweiz HalbfinaleSpanien – Niederlage gegen den späteren Europameister 2012Polen und Ukraine VorrundeGriechenland – Nach einem Sieg, einem Unentschieden gegen Co-Gastgeber Polen und einer Niederlage als Gruppendritter ausgeschieden. 2016Frankreich Vorrunde Wales – Leonid SluzkiNach einem Remis gegen England und Niederlagen gegen die Slowakei und Wales als Gruppenletzter ausgeschieden. 2021 Europa Vorrunde Dänemark Stanislaw Tschertschessow Russland stellte mit der Gazprom-Arena eine Spielstätte für zunächst drei Gruppenspiele und ein Viertelfinalspiel, musste sich aber selber noch qualifizieren, was am 13. Oktober 2019 vorzeitig gelang. Russland hat zwei Gruppenspiele in Sankt Petersburg austragen, wo die Russen auf Belgien und Finnland trafen. Zudem spielten sie in Kopenhagen gegen Dänemark. Nach Streichung von Dublin wurden drei zusätzliche Gruppenspiele in der Gazprom-Arena durchgeführt. Nach Niederlagen gegen Belgien und Dänemark und einem Sieg gegen Finnland als Gruppenletzter ausgeschieden. 2024 Deutschland ausgeschlossen Die Mannschaft wurde wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine suspendiert.

Die Turniere

EM 1996 Für die EM 1996, die erstmals mit 16 Mannschaften ausgetragen wurde, mussten sich die Russen gegen Griechenland, Schottland, Finnland, die Färöer und San Marino qualifizieren. Russland wurde mit acht Siegen und zwei Remis gegen den Gruppenzweiten Schottland ungeschlagen Gruppensieger, da die Schotten ein Spiel in Griechenland verloren.

Bei der Endrunde wurden die Russen in eine Gruppe mit Vizeeuropameister Deutschland, Italien und den auch erstmals teilnehmenden Tschechen gelost. In ihren ersten EM-Spiel gerieten sie gegen Italien bereits in der fünften Minute in Rückstand. Ilja Zymbalar konnte zwar sechs Minuten später mit dem ersten EM-Tor für Russland ausgleichen, Pierluigi Casiraghi, der schon das 1:0 für Italien erzielt hatte, gelang aber in der zweiten Halbzeit der Siegtreffer für die Azzurri. Im zweiten Spiel gegen Deutschland hielten sie 55 Minuten lang das 0:0, dann gelang Matthias Sammer das 1:0 für die Deutschen. Nach einer Roten Karte für Juri Kowtun in der 71. Minute nutzten die Deutschen die Überzahl und legten noch zwei Tore nach. Damit benötigte Russland im letzten Spiel gegen Tschechien einen Sieg mit zwei Toren Differenz und musste zudem darauf hoffen, dass Italien gegen Deutschland verlor. Aber weder das eine noch das andere trat ein. Italien kam zwar trotz Überlegenheit nur zu einem torlosen Remis gegen Deutschland, wäre dabei aber bei einem Sieg der Russen für das Viertelfinale qualifiziert gewesen. Und Russland geriet schnell mit 0:2 in Rückstand, konnte dann zwar in der zweiten Halbzeit mit 3:2 in Führung gehen, ein Tor in der 90. Minute brachte den Tschechen aber den Ausgleich und den Einzug ins Viertelfinale, da sie den direkten Vergleich gegen Italien gewonnen hatten. Russland verabschiedete sich damit für 8 Jahre von der EM-Bühne und Nationaltrainer Oleg Romanzew wurde entlassen. Deutsche und Tschechen trafen sich im Finale wieder, wo den Tschechen fast die Revanche für die Auftaktniederlage gelungen wäre. Zwei Tore von Oliver Bierhoff drehten das Spiel aber noch und Deutschland wurde als erste Mannschaft zum dritten Mal Europameister, gewann danach aber bis 2008 kein EM-Spiel mehr.

EM 2000

Für die EM 2000 musste sich Russland gegen Weltmeister Frankreich, die Ukraine, Island, Armenien und Andorra qualifizieren. Russland startete mit einer 2:3-Niederlage in der Ukraine, verlor dann auch das Heimspiel gegen Frankreich mit 2:3 und in Island mit 0:1. Daraufhin wurde Oleg Romanzew erneut Nationaltrainer. Unter ihm gelangen sechs Siege in Folge und nur das letzte Spiel gegen die Ukraine endete 1:1. Hierdurch fehlten den Russen aber zwei Punkte um die Playoffs der Gruppenzweiten zu erreichen, in denen die Ukraine an Slowenien scheiterte. Romanzew blieb zunächst im Amt und führte Russland zur WM 2002, trat aber nach dem Vorrundenaus zurück. Gruppensieger Frankreich wurde dann bei der EM 2000 als erster Weltmeister auch Europameister.

EM 2004 In der Qualifikation für die EM 2004 traf Russland, das nun von Waleri Gassajew trainiert wurde, auf die Schweiz, Irland, Albanien und Georgien. Russland begann mit Siegen gegen Irland (4:2) und Albanien (4:1), verlor dann aber in Albanien gegen die von Hans-Peter Briegel trainierten Albaner mit 1:3. Es folgten eine Niederlage in Georgien (0:1) und Remis gegen die Schweiz (2:2) sowie Irland (1:1), woraufhin Gassajew entlassen wurde. Unter dem neuen Coach Georgi Jarzew gelang es, das Ruder noch rumzureißen und mit Siegen gegen die Schweiz und Georgien Platz 2 zu erreichen. Damit hatten sie noch die Chance, über die Playoffs der Gruppenzweiten gegen Wales die EM zu erreichen. Nach einem torlosen Remis in Moskau gewannen sie durch ein Tor von Wadim Jewsejew mit 1:0 und durften damit zur EM fahren.

Bei der Auslosung wurden sie in eine Gruppe mit Gastgeber Portugal, Spanien und Griechenland gelost. Im Auftaktspiel verloren sie nicht nur mit 0:1 gegen Spanien, sondern auch Roman Scharonow durch eine Gelb-rote Karte. Auch das zweite Spiel beendeten sie in Unterzahl: nach einem frühen Rückstand erhielt Torhüter Sergei Owtschinnikow in der 45. Minute aufgrund eines Handspiels außerhalb des Strafraums die Rote Karte. In Unterzahl mussten sie dann eine Minute vor dem Ende noch das 0:2 hinnehmen. Damit waren die Russen bereits nach zwei Spielen ausgeschieden, gaben im letzten Spiel gegen Griechenland aber noch mal Alles und gewannen mit 2:1. Dabei erzielte Dmitri Kiritschenko das schnellste Tor der EM-Geschichte nach 67 Sekunden zum 1:0. Russland kassierte aber sechs Gelbe Karten. Die vom Deutschen Otto Rehhagel trainierten, unterlegenen Griechen waren aber für das Viertelfinale qualifiziert und gewannen letztlich sensationell den Titel.

EM 2008 links|mini|Russische Fans beim Spiel gegen Griechenland mini|1:0 durch Konstantin Syrjanow

Für die Europameisterschaft 2008 konnte sich Russland, das nun vom Niederländer Guus Hiddink trainiert wurde, ebenfalls qualifizieren. In einer Gruppe mit Kroatien, England, Israel, Mazedonien, Estland und Andorra begann Russland mit zwei Remis in den Heimspielen gegen Kroatien und Israel. Danach wurden aber vier Spiele ohne Gegentor gewonnen. Nach einem 0:0 in Kroatien und einem 0:3 in England wurde es aber wieder kritisch. Ein 2:1 gegen England brachte dann aber wieder Hoffnung, die aber durch ein 1:2 in Island wieder genommen wurde. Dank der bereits für die EM qualifizierten Kroaten, die in England mit 3:2 gewannen, wurde Russland dann aber doch noch Zweiter mit einem Punkt vor England und war damit für die EM qualifiziert.

Bei der Endrunde wurde Russland wieder in eine Gruppe mit Spanien und Europameister Griechenland sowie Schweden gelost. Im Auftaktspiel verloren sie mit 1:4 gegen Spanien, gegen Griechenland gelang dann ein 1:0. Damit war der Titelverteidiger, der auch das erste Spiel gegen Schweden verloren hatte, bereits nach zwei Spielen ausgeschieden. Russland und Schweden spielten im letzten Spiel um Platz 2 und durch ein 2:0 erreichte Russland erstmals das Viertelfinale. Hier trafen sie auf die Niederlande, die in ihrer Gruppe die beiden Finalisten der WM 2006 Italien und Frankreich souverän ausgeschaltet hatte und daher als Favorit galt. Im besten EM-Spiel der Russen konnten diese aber mit 3:1 nach Verlängerung gewinnen. Im Halbfinale trafen sie erneut auf den Gruppengegner Spanien und verloren mit 0:3. Spanien konnte dann im Finale erstmals nach 44 Jahren wieder den Titel gewinnen und wurde zwei Jahre später auch Weltmeister.

EM 2012 mini|Russische Fans beim Spiel gegen Polen links|mini|Die Mannschaft vor dem Spiel gegen Polen

Für die EM 2012 hatte sich auch Russland beworben. Am 18. April 2007 erhielt aber Polen zusammen mit der Ukraine den Zuschlag. Weitere Konkurrenten bei der Bewerbung waren Aserbaidschan, Griechenland, Italien, Rumänien und die Türkei sowie Kroatien und Ungarn ebenfalls mit einer Gemeinschaftsbewerbung. Russland musste damit erneut in die Qualifikation. In einer Grupe mit Irland, überraschend starken Armeniern, der Slowakei, Mazedonien und Andorra verloren die nun von Dick Advocaat trainierten Russen nur das Heimspiel gegen die Slowakei. Mit sieben Siegen und zwei Remis in den anderen Spielen wurde aber Platz 1 vor Irland belegt, das sich in den Playoffs der Gruppenzweiten gegen Estland durchsetzte.

Bei der Auslosung der Endrundengruppen wurde Russland in eine Gruppe mit Co-Gastgeber Polen, wieder Ex-Europameister Griechenland sowie Tschechien gelost. Im Auftaktspiel gegen die Tschechen gewannen sie mit 4:1, wobei Alan Dsagojew zwei Tore erzielte. Gegen Polen gelang ihm zwar auch wieder das 1:0, die Polen konnten aber noch ausgleichen und dabei blieb es bis zum Schluss. Vor dem letzten Spiel gegen die Griechen lagen die Russen damit auf Platz 1 der Tabelle, die Griechen auf dem letzten Platz und Russland benötigte nur noch einen Punkt um das Viertelfinale zu erreichen. Dem griechischen Kapitän Giorgos Karagounis gelang aber in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit das 1:0 und das verteidigten die Griechen bis zum Ende. Beide waren damit punktgleich, die Russen hatten zwar die bessere Gesamttordifferenz, da aber der direkte Vergleich bei Punktgleichheit zählte, lagen die Griechen vor Russland und da Tschechien im Parallelspiel gegen Polen gewann, waren die Tschechen trotz der 1:4-Auftaktniederlage gegen Russland Gruppensieger. Griechen und Tschechen scheiterten dann aber im Viertelfinale an Deutschland und Portugal, die ihrerseits das Halbfinale nicht überstanden. Mit dem Vorrundenaus endete auch die Tätigkeit von Dick Advocaat als Nationaltrainer, der aber schon vor der EM seinen Rücktritt angekündigt hatte. Ihm folgte der Italiener Fabio Capello, der Russland dann zur WM 2014 führte und auch nach dem Vorrundenaus im Amt blieb.

EM 2016 mini|Die russische Mannschaft vor dem Spiel gegen Österreich am 15. November 2014

An der EM nehmen erstmals 24 Mannschaften teil. Für die Auslosung der Qualifikationsgruppen, die am 23. Februar 2014 erfolgte, waren die Russen in Topf 1 gesetzt. Russland wurde in Gruppe G gelost und als Gruppengegner Schweden, Österreich, Moldau und Liechtenstein sowie erstmals auf Montenegro.

Die beiden Gruppenersten qualifizieren sich direkt für die EM-Endrunde. Sollte die drittplatzierte Mannschaft bester Gruppendritter sein, ist sie ebenfalls direkt qualifiziert. Die übrigen Gruppendritten spielen in Playoffs vier weitere Teilnehmer aus.