Die Liliengewächse (Liliaceae) sind eine Pflanzenfamilie der Monokotyledonen (Einkeimblättrigen Pflanzen). Die etwa 16 Gattungen mit etwa 630 Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel verbreitet, besonders in Ostasien und Nordamerika.
Beschreibung miniatur|links|Feuerlilie (Lilium bulbiferum) mini|Samen der Liliaceae Liliengewächse sind fast immer ausdauernde krautige Pflanzen. Das Überdauerungsorgan ist immer eine Zwiebel (lateinisch früher auch als Bulbus bezeichnetOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 165 („Bulbus – eyn cyppolle“, dort bezüglich der Zwiebel von Narzissen und Liliengewächse).). Die Laubblätter sind einfach, parallelnervig und glattrandig.
Die Blüten stehen einzeln oder in Blütenständen zusammen. Die zwittrigen Blüten sind dreizählig (wie bei fast allen Einkeimblättrigen Pflanzen). Die sechs gleichgestalteten Blütenhüllblätter (Tepalen) sind meist frei und nur selten verwachsen. Es sind je Blüte sechs Staubblätter und drei Fruchtblätter vorhanden. Die Früchte sind entweder dreikammerige Kapseln oder Beeren.
Systematik mini|Schachblume (Fritillaria meleagris) mini|Lilium duchartrei mini|Calochortus nuttallii mini|Borstige Krötenlilie (Tricyrtis hirta) Früher wurden bis zu 3.500 Arten zu den Liliengewächsen gezählt. Viele dieser Arten gehören heute zu den Familien Agavengewächse (Agavaceae) (inzwischen: Agavoideae Unterfamilie der Asparagaceae), Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae), Spargelgewächse (Asparagaceae), Affodillgewächse (Asphodelaceae), Zeitlosengewächse (Colchicaceae), Hyazinthengewächse (Hyacinthaceae) (inzwischen: Scilloideae, Unterfamilie der Spargelgewächse) und Mäusedorngewächse (Ruscaceae) (inzwischen: Nolinoideae, Unterfamilie der Spargelgewächse). Synonyme für Liliaceae nom. cons. sind: Calochortaceae , Compsoaceae , Cymbanthaceae nom. inval., Fritillariaceae , Medeolaceae , Scoliopaceae , Tricyrtidaceae nom. cons., Tulipaceae
Die Liliaceae werden heute oft in zwei Unterfamilien unterteilt mit insgesamt etwa 16 Gattungen und etwa 635 Arten:
Unterfamilie Lilioideae : Sie enthält elf Gattungen mit etwa 535 Arten: Riesenlilien (Cardiocrinum ): Die etwa drei Arten sind vom Himalaja bis Russlands Fernen Osten verbreitet. Clintonia (Syn.: Hylocharis , Xeniatrum ): Die etwa fünf Arten auf der Nordhalbkugel im gemäßigten bis subtropischen Asien und in Nordamerika verbreitet. Zahnlilien (Erythronium , Syn.: Dens-canis nom. inval., Mithridatium ): Die etwa 27 Arten sind fast alle in gemäßigten Gebieten Nordamerikas verbreitet, nur eine kommt in Europa vor. Fritillaria (Syn.: Korolkowia , Petilium , Imperialis , Amblirion , Rhinopetalum , Baimo , Corona , Melorima , Eucrinum , Theresia , Tozzettia , Liliorhiza , Lyperia , Monocodon , Sarana , Ochrocodon ): Die etwa 140 Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel verbreitet. Gelbsterne (Gagea , Syn.: Lloydia nom. cons., Upoxis , Rhabdocrinum , Ornithoxanthum , Nectarobothrium , Cronyxium , Hemierium , Hornungia , Reggeria , Bulbillaria , Plecostigma , Boissiera , Solenarium , Szechenyia , Giraldiella ): Die etwa 200 Arten sind auf der Nordhalbkugel verbreitet. Lilien (Lilium , Syn.: Lirium nom. illeg., Martagon , Martagon nom. illeg.): Die etwa 110 Arten sind auf der Nordhalbkugel verbreitet. Medeola (Syn.: Gyromia ): Sie enthält nur eine Art: Indianer-Schlangenwurzel (Medeola virginiana ): Sie ist vom östlichen Kanada bis in den östlich-zentralen und östlichen USA verbreitet. Prachtlilien (Nomocharis , manchmal in Lilium): Die etwa zehn Arten sind vom Himalaja bis ins südlich-zentrale China verbreitet. Notholirion : Die etwa vier Arten sind vom östlichen Irak bis in den westlichen Iran und von Afghanistan bis Zentralasien verbreitet. Tulpen (Tulipa ): Manche Autoren gliedern eine Gattung Amana aus. Die etwa 150 Arten sind von Nordafrika über Europa bis Mittel- und Zentralasien verbreitet.
Unterfamilie Calochortoideae : Sie enthält fünf Gattungen mit etwa 100 Arten: Mormonentulpen (Calochortus , Syn.: Cyclobothra , Mariposa ): Die 60 bis 73 Arten sind vom kanadischen British Columbia bis Guatemala verbreitet. Elfenglöckchen (Prosartes ): Die etwa sechs Arten sind in Nordamerika verbreitet. Scoliopus : Die nur zwei Arten sind in den westlichen USA von Oregon bis Kalifornien verbreitet. Knotenfuß (Streptopus , Syn.: Hexorima , Hekorima , Kruhsea , Tortipes ): Die etwa elf Arten sind in den Gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel verbreitet. Krötenlilien (Tricyrtis , Syn.: Compsoa , Compsanthus , Brachycyrtis ): Die etwa 23 Arten sind vom Himalaja und im gemäßigten Ostasien bis Taiwan und Japan verbreitet.
Quellen Beschreibung der Familie der Liliaceae bei der APWebsite. (Abschnitte Systematik und Beschreibung) Die Familie der Liliaceae bei DELTA von L. Watson, M. J. Dallwitz. (Abschnitt Beschreibung) APG III: An Update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG III. In: Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 161, Issue 2, 2009, S. 105–121.
Einzelnachweise
M. Teksen, Z. Aytaç: The revision of the genus Fritillaria L. (Liliaceae) in the Mediterranean region (Turkey). In: Turkish Journal of Botany, Volume 35, 2011, S. 447–478. Maarten J. M. Christenhusz, Rafaël Govaerts, John C. David, Tony Hall, Katherine Borland, Penelope S. Roberts, Anne Tuomisto, Sven Buerki, Mark W. Chase, Michael F. Fay: Tiptoe through the tulips – cultural history, molecular phylogenetics and classification of Tulipa (Liliaceae). In: Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 172, Issue 3, 2013, S. 280–328.
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