Naglfari ist der Name einer mythischen, literarischen Figur in der Prosa-Edda (Gylfaginning Kap. 9) des Snorri Sturluson.

Snorri schildert Naglfari als ersten Ehemann der Nótt, die personifizierte Nacht; ihr gemeinsamer Sohn war Auðr. Die Figur des Naglfari ist Snorris Invention, da sie nur hier einem Einschub gleich erwähnt ist und sonst in der gesamten nordisch-germanischen Mythographie entfällt.

Der Name Naglfari ist vieldeutig, er erscheint in den Quellen neben dieser an zwei weiteren Stellen. Die Grundbedeutung ist zu deutsch „Nagelreihe“ aus den altnordischen Kompositionsgliedern nagl- für Nagel mit einer l-Bildung wie des Öfteren für Begriffe von Körperteilen und aus dem Glied mask. -fari zu fara „Fahrt, Spur, fahren, Fahrer“.Jan de Vries: Altnordisches Etymologisches Wörterbuch. Brill, Leiden/Boston 1977, S. 112, 403–404. In der Gylfaginning in Kapitel 51 in der Form „Hrymr stýrir Naglfara“ als Name des Totenschiffs des Riesen Hymir, das aus den Nägeln der Toten gebaut ist. Naglfari ist beim Skalden Bragi Boddason ein Schwertheiti mit der Bedeutung „mit einer Nagelreihe geschmücktes Schwert“.Jan de Vries: Altnordisches Etymologisches Wörterbuch. Brill, Leiden/Boston 1977, S. 404. Er umschreibt in der Ragnarsdrápa (Strophe 5)Skaldic Poetry of the Scandinavian Middle Ages: Ragnarsdrápa 5 den Begriff „die Krieger“ durch die Kenning „segls naglfara siglur saums andvanar“ („die einer Umsäumung entratenden Masten des Segels des Schwertes“).Wolfgang Krause: Die Kenning als typische Stilfigur der germanischen und keltischen Dichtersprache. In: Ders.: Schriften zur Runologie und Sprachwissenschaft. (= Reallexikon der Germanischen Altertumskunde – Ergänzungsbände Band 84). De Gruyter, Berlin/Boston 2014, S. 573. (kostenpflichtig Germanische Altertumskunde Online bei de Gruyter) Die beiden Verwendungen durch Snorri und Bragi stehen in Bezug zum Seewesen, der Schifffahrt, sodass die Verwendung als Personenname hier wohl nicht von der Semantik der beiden Anderen zu trennen ist.

Literatur Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 293. Jan de Vries: Altnordisches Etymologisches Wörterbuch. 2. unveränderte Auflage, Brill, Leiden/Boston 1977.

Anmerkungen

Kategorie:Germanische Mythologie Kategorie:Germanische Sagengestalt