Altenburg ist ein Ortsteil der Stadt Nienburg (Saale) im Salzlandkreis des deutschen Landes Sachsen-Anhalt.
Geografie Geografische Lage Altenburg findet sich nördlich der Stadt Bernburg (Saale) in Sachsen-Anhalt im unteren Saaletal an den Flüssen Saale und Bode. Der Ort gehört zur Stadt Nienburg an der Saale und liegt auf dem Rand einer etwa einen Kilometer breiten und bis zu drei Kilometern langen Hochfläche, die sich inselartig in die weite Niederungslandschaft im Mündungsgebiet von Bode und Saale vorschiebt. Auf dem anderen Rand liegt der Bläs.
Geschichte Mittelalter In Altenburg wird die ursprüngliche fränkische Burg zum Schutz der Bodemündung in die Saale vermutet. Die Saale stellte damals die Grenze des germanischen Altsiedellandes gegen die Germania Slavica dar. Zudem bildete die Bode die Grenze zwischen dem Schwabengau und dem Nordthüringgau. Der Name der Nienburg („Neue Burg“) soll sich auf Altenburg beziehen.Heinrich Lindner, Geschichte und Beschreibung des Landes Anhalt, Dessau bei Chr. G. Ackermann, 1833, S. 417
Nienburg wurde 961 in einer der Gründungsurkunden des Klosters Gernrode und um 970 von dem jüdischen Reisenden Ibrahim ibn Jaqub erwähnt: „Diese Burg ist aus Stein gebaut und liegt ebenfalls an dem Fluss S.láwa und in diesen fällt der Fluss Búda“. Der Bau dieser steinernen Burg wird zwischen die Jahre 930 und 950 datiert. Am 10. Mai 927 fiel die Bernburg (slawisch Dupzk). (abgerufen am 23. April 2015) Damit wurde der Weg für eine weitere Expansion der Liudolfinger in Richtung Osten frei.
Bereits 975 konnte die 970 in Thankmarsfelde im Harz gegründete Benediktiner-Abtei in das Kastell Nienburg verlegt werden, da die Saale ihre jahrhundertealte Grenzfunktion verloren hatte. Die Umbauarbeiten an der Nienburg dauerten über 30 Jahre. Am 8. August 1004 wurde der Vorgängerbau der bis heute erhaltenen Klosterkirche Nienburg im Beisein König Heinrichs II. geweiht. Somit wurden sowohl die Altenburg als auch die Nienburg von Profanbauten zum Schutz der Elbe-Saale-Linie zu Sakralbauten zur römisch-katholischen Missionierung der Sorben umgewidmet.
Ein Indiz für die Existenz einer alten fränkischen Burg in Altenburg ist auch die fast quadratische Form des romanischen Kirchturms von Altenburg, in welchem noch heute ein romanischer Eckkamin mit rundem Mantel zu sehen ist. Dieser romanische Wohnraum war über einen erhöhten Zugang zu erreichen, so dass es sich hierbei um einen ehemaligen Wohnturm handelt, der zur Kirche umgebaut wurde. Noch heute sind die verschiedenen Umbauphasen deutlich zu erkennen.Franz Büttner Pfänner zu Thal: Die Kunstdenkmale der Kreise Ballenstedt, Bernburg, Köthen, Dessau, Zerbst. Richard Kahle Verlag, Dessau 1892 und 1894; Nachdruck Fliegenkopf Verlag, Halle 1998. ISBN 3-910147-85-2
Die Altenburg wurde wahrscheinlich während des sehr späten 8. oder des frühen 9. Jahrhunderts zur Unterstützung des nahegelegenen Königshofes Waladala (Waldau) angelegt. Diese fränkische Befestigung fand 782 erstmals urkundliche Erwähnung.Otto Schlüter, Oskar August (Hrsg.) unter Mitwirkung zahlreicher Fachwissenschaftler: Atlas des Saale- und mittleren Elbegebietes. Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1958–1960, Beiheft (Teil 2), S. 151: „Hier lag ein 782 genannter fränkischer Königshof“
Der fränkischen Altenburg gegenüber lag auf der anderen Saaleseite die sorbische Wallburg Budizko (heute Grimschleben), das sorbische Pendant zu Waladala war die Burg Dupzk (heute Bernburg).
961 wurde das Mönchskloster Frose durch Markgraf Gero in ein Kanonissenstift umgewandelt und dabei Altenburg als Klosterbesitz in der Form Alneburg ersterwähnt. Frose war 869 oder 870 als Reichskloster mit Cyriakus-Patrozinium durch Ludwig dem Deutschen gegründet worden und kam kurz nach 888 an die Vorläufer der Askanier. Vermutlich befand sich Altenburg als damals bedeutende Grenzfeste bereits im Gründungsgut des Reichsklosters, welches zur weiteren Etablierung der Königsmacht in der Nähe der damaligen Ostgrenze des fränkischen Reiches entstand. Ab 961 gehörten Altenburg wie auch das Stift Frose zum damals durch Gero neugegründeten Stift Gernrode.
Im Jahre 1106 wurde erstmals ein Gut Altenburg erwähnt, welches damals durch die Wettiner kurzfristig an das nahegelegene Reichskloster Nienburg verpfändet werden musste. Heinrich I. von Eilenburg war erst etwa 33-jährig 1103 beim Kampf gegen die Elbslawen an der Neiße gefallen, weswegen ihm sein vermutlich erst posthum geborener Sohn Heinrich II. von Eilenburg als Markgraf der Lausitz und Markgraf von Meißen zunächst unter der Vormundschaft seiner Witwe Gertrud die Jüngere von Braunschweig nachfolgte. Das im Altsiedelland im Schwabengau liegende Gut Altenburg hatte vermutlich bereits zum Eigengut des Wettiners Dedos I. gehört, des Vaters von Heinrich I. von Eilenburg. Dedo I. bekleidete ab 1046 das Grafenamt im südlichen Schwabengau.
Im Jahre 1130 wurde die Burg Altenburg durch Truppen des heiligen Norbert von Xanten zerstört. Der Gründer des Prämonstratenserordens war zu dem Zeitpunkt Erzbischof von Magdeburg. Neben der zerstörten Burg wurde in den Jahren danach ein Wartturm aufgebaut. Um 1180 wurde am Standort der einstigen Burg unter offensichtlicher Nachverwendung des ehemaligen Wohnturms und wahrscheinlich auch der Burgkapelle die heutige Kirche St. Blasien errichtet.
1336 erwähnte das Lehnbuch des Fürsten Bernhard III. von Anhalt-Bernburg eine wahrscheinlich zum Rittergut gehörende Mühle.
1421 stiftete Fürst Bernhard VI. von Anhalt-Bernburg (1420–1468) in Altenburg die Kapelle zu Unseren Lieben Frauen und 1462 in dieser Kapelle eine Messe mit der Auflage, dass sie nicht hastig, sondern vernehmlich und verständlich gesungen und gelesen wird. Durch das Weiterverpachten von Pfarrrechten war damals die Unsitte aufgekommen, dass Messen nur noch sehr verkürzt gehalten wurden. Mit Bernhard VI. starb am 2. Februar 1468 die Alte Bernburger Linie der Askanier aus.
Neuzeit 1609 wurde ein Wilhelm von Peschwitz, Erbsasse zu Altenburg und Hauptmann zu Nienburg, als Rittergutsbesitzer erwähnt. Vorbesitzer war das askanische Adelsgeschlecht Hoym. Wilhelm von Peschwitz legte einen Kalksteinbruch an und verpachtete ihn für drei Jahre an Joachim Schmalen und Michael Rehbein zu Magdeburg. Nach dem Tod von Wilhelm von Peschwitz 1610 fiel der Kalksteinbruch an den Landesherrn, den Fürsten zu Anhalt-Bernburg, seinerzeit Christian I.Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Gesamtbergwerkssachen, zu 1609, Z 44, B 2g Nr. 4 (Benutzungsort: Dessau) (abgerufen am 28. April 2015) Das Rittergut wurde als eingezogenes Lehen vom anhaltischen Seniorfürsten Johann Georg I. (Anhalt-Dessau) an Burkhard von Erlach verkauft., (abgerufen am 28. April 2015)
1614 war der Steinbruch durch Christian I. von Bernburg an Rudolph Miehe verpachtet, welcher die Förderung des Sparkalks steigerte. (abgerufen am 28. April 2015)
1641 fand dieser Gipssteinbruches im Bernburger Salbuch Erwähnung.
Im Dreißigjährigen Krieg zogen 1642 Truppen des kaiserlichen Generalleutnants Matthias Gallas durch Altenburg, welches dabei geplündert und verwüstet wurde. Auch die Kirche ging in Flammen auf. Gallas war auf dem Wege gegen den schwedischen Feldherrn Lennart Torstensson. Erst sechs Jahre nach dem Westfälischen Frieden von 1648 wurde die Kirche im Jahre 1654 wieder aufgebaut. Die Bauarbeiten zogen sich durch die Not der Zeit begründet bis 1670 hin.
1753 kaufte der Anhalt-Bernburger Fürst Viktor II. Friedrich den Ort Altenburg von der adligen Familie von Erlach. August Leberecht von Erlach (* 12. Januar 1680; † 16. Dezember 1754) war Hofmarschall des Fürsten.
Noch 1867 befand sich in Altenburg eine Zollhebestelle. In dem Jahr ist neben dem herzoglichen auch ein privater Gipsbruch verzeichnet. Neben der herzoglichen Domäne hatte sich noch das Hagemannsche Freigut gehalten. Insgesamt wurden in Altenburg 594 Morgen Ackerland und 90 Morgen Wiese bewirtschaftet. Im Ort gab es 26 Pferde, 209 Rinder, 1044 Schafe, 237 Schweine und 91 Ziegen.Ferdinand Siebigk Das Herzogthum Anhalt. Historisch, geographisch und statistisch dargestellt. Verlag von A. Desbarats, Dessau 1867, S. 578
Altenburg konnte sich nach Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 zunächst noch gegen die große Eingemeindungswelle vom 1. Juli 1950 verwahren. Im Monat vor dem Mauerbau ereilte die alte Gemeinde dann am 14. Juli 1961 doch noch das Schicksal der Eingemeindung in das jüngere, aber mittlerweile größere Nienburg. Am gleichen Tage wurde im damaligen Landkreis Bernburg auch Piesdorf nach Belleben (heute zu Könnern) eingemeindet. Auch in anderen Teilen des damaligen Bezirkes Halle kam es in dieser Zeit zu Eingemeindungen wie die von Sieglitz nach Molau (heute Molauer Land im Burgenlandkreis) vom 1. Juli 1961. Bis zur Wende hatten dann die Gemeinden Ruhe vor weiteren politisch bedingten Zwangsfusionen. Am 1. Januar 2010 musste sich Nienburg dann mit fünf weiteren Gemeinden mit acht Ortsteilen zusammenschließen.
Einwohnerentwicklung 1710 gab Johann Christoph Bekmann (1641–1717) für Altenburg 54 Häuser mit 277 Bewohnern an.Historie des Fürstenthums Anhalt, 7 Tle. Zerbst 1710; Ergänzungsband u.d.T. Accessiones. Zerbst 1716 (Ndr. Dessau 1995) 1833 wurden laut Heinrich Lindner in Altenburg 362 Einwohner in 56 Häusern verzeichnet. Nach demselben waren es 1821 noch 329 und 1827 noch 327 Einwohner gewesen.Heinrich Lindner, Geschichte und Beschreibung des Landes Anhalt, Dessau bei Chr. G. Ackermann, 1833, S. 416 1867 führt Ferdinand Siebigk 553 Einwohner in 86 Häusern an.Ferdinand Siebigk Das Herzogthum Anhalt. Historisch, geographisch und statistisch dargestellt. Verlag von A. Desbarats, Dessau 1867, S. 577 Nach einem Zwischenstand von 638 EinwohnernAngaben der Stadt Nienburg, abgerufen am 4. Mai 2015. sank die Bevölkerungszahl kontinuierlich auf 320 im Jahre 2013 (2009: 344, 2010: 341, 2011: 328, 2012: 324).IGEK/Nienburg(Saale) (abgerufen am 9. Mai 2015)
Gebäude mini|Kirche Altenburg mini|Domäne Altenburg mini|Altenburg, Windmühle Kirche Die Kirche ist ein romanischer Bruchsteinbau aus der Zeit um 1180 mit großen Ähnlichkeiten zu der romanischen Stephanskirche in Waldau, welche etwa zur gleichen Zeit ausgebaut wurde. Während die Waldauer Kirche aus einem ottonischen Vorgängerbau aus der Zeit nach 960 hervorging, wurden in Altenburg die Reste der alten Burg zum Kirchbau benutzt. Demzufolge besitzt der für diese Epoche typisch wehrhafte Westquerturm einen fast quadratischen Grundriss und bauliche Reste eines romanischen Wohnturms. Die Kirche fand 1288 erstmals Erwähnung, das Patrozinium St. Blasien 1392. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurde das Kirchenschiff erhöht und mit Strebepfeilern versehen. Bis 1670 entstand auch ein zweigeschossiger Anbau auf der Südseite.
Gutshaus Auf dem bereits 1106 erwähnten Gut befindet sich heute ein um 1750 errichteter zweigeschossiger Barockbau mit Satteldach. Dieses imposante Gebäude diente als Wohnhaus des Gutsverwalters. Nach den Jahrzehnten des Verfalls in der DDR wurde es nach der deutschen Wiedervereinigung denkmalgerecht saniert.
Windmühle Zwischen 1870 und 1880 wurde die Altenburger Windmühle gebaut. Sie ist schon lange außer Dienst. Ihrer Flügel beraubt hat sie im Volksmund den Namen „Wasserturm“ erhalten und stellt aufgrund der guten Sichtbarkeit nicht nur ein Wahrzeichen von Altenburg, sondern von ganz Nienburg dar.
Religion Das Gebiet von Altenburg gehörte kirchlich ursprünglich zur sorbischen Siedlung Lepenitz. Genau wie im westlich der Saale liegenden Ilberstedter Ortsteil Cölbigk wurden die Sorben als sogenannte Heiden Anfang des 11. Jahrhunderts kirchlich verdrängt. Zu diesem Zeitpunkt war vermutlich die Waldauer Stephanskirche Pfarrkirche für Altenburg. Das Kloster Nienburg hatte eine eher überregionale Rolle. Um 1450 mussten die Bewohner von Lepenitz ihr Dorf verlassen und wurden unter der Ägide der Stadt Bernburg unterhalb des Schloßberges in der sogenannten Freiheit angesiedelt.