mini|hochkant=1.4|Kloster Himmelkron von Norden mini|hochkant=1.4|Kloster Himmelkron von Süden Das Kloster Himmelkron liegt in Himmelkron im Landkreis Kulmbach in Oberfranken. Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert war es eine Zisterzienserinnen-Abtei in der Diözese Bamberg. Danach diente es den Bayreuther Markgrafen bis zum 19. Jahrhundert als Sommerresidenz und Jagdschloss. Heute ist es Wohnheim und Tagesstätte für Menschen mit geistiger Behinderung.
Die ursprünglich gotische Klosterkirche wurde im 17. und 18. Jahrhundert barockisiert. Heute ist die Stiftskirche St. Maria eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche. Von den übrigen Gebäuden des Klosters ist nur noch ein Flügel des gotischen Kreuzgangs erhalten, die heutigen Gebäude stammen überwiegend aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Der gesamte Gebäudekomplex ist sowohl als Baudenkmal beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als auch als Bodendenkmal beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.
Geschichte Gründung mini|hochkant|Epitaph der Äbtissin Agnes von Weimar-Orlamünde († 1354) Das Kloster wurde 1279 durch Graf Otto III. (IV.) von Weimar-Orlamünde gegründet. Über seine Mutter Beatrix hatte der Orlamünder aus dem Erbe der Andechs-Meranier die Herrschaft Plassenburg erhalten, zu der auch das Dorf Pretzendorf gehörte. Otto ließ das Schloss Pretzendorf in ein Kloster umwandeln. Neben dem Schloss und dem Dorf Pretzendorf schenkte Otto dem Kloster die umliegenden Felder, Wiesen und Wälder sowie die Orte Hardt, Nemhards und Boschendorf. Das Gebiet gehörte zum Bistum Bamberg, dessen Bischof damals Berthold von Leiningen war.
Die Stiftungsurkunde vom 28. Dezember 1279Zinck: Himmelkron, S. 5. In dem Stiftungsbrief ist das Datum mit „innocentium martyrum MCCLXXX“ angegeben, also 28. Dezember (Tag der unschuldigen Kinder) 1280. Da damals das Jahr jedoch im Advent bzw. an Weihnachten begann, entspricht das nach heutigem Kalender dem 28. Dezember 1279. nennt als Zweck der Stiftung, dass Otto sein Gedächtnis der Nachwelt überliefern und etwas für sein Seelenheil tun wollte. In dem Stiftungsbrief wird auch der Name Himmelkron für das neue Kloster genannt. Die Übertragung dieses Namens auf das Dorf Pretzendorf erfolgte allerdings erst im 16. Jahrhundert. Als Zeugen sind neben Vertretern des lokalen Adels auch Persönlichkeiten aufgeführt, die die Verbindung zu den Klöstern Sonnefeld und Langheim deutlich machen. Dazu zählten der Gründer des Sonnefelder Klosters Heinrich II. von Sonneberg, der Magister Bruder Gottfried aus Sonnefeld und der Abt des Klosters Langheim, der die Entwicklung des Klosters Himmelkron als Visitator weiter begleitete.
Erste Nonnen des neu errichteten Klosters stammten wohl aus dem Kloster Sonnefeld, der nächstgelegenen Niederlassung der Zisterzienserinnen.Meißner: Stiftskirche…, S. 2. Die Überlieferung nennt Ottos Tochter Agnes als erste Äbtissin. Aufgrund des großen Zeitraums zwischen der Klostergründung 1279 und ihrem Tod 1354 und weil Agnes in dem Stiftungsbrief nicht erwähnt wird, wird jedoch angenommen, dass es in der Anfangszeit des Klosters zumindest eine weitere Äbtissin oder Priorin gegeben hat.Zinck: Himmelkron, S. 2.
Weitere Entwicklung mini|Gedenktafel an Elisabeth von Künsberg als Erbauerin des Kreuzgangs Für die Zeit von 1398 bis 1547 lässt sich die Grundherrschaft des Klosters als nahegelegener Streubesitz erfassen.Meißner: Himmelkron, S. 22. Er reichte im Süden bis in den Bayreuther Raum und grenzte im Südosten an die Warme Steinach. Während im Südosten der Rote Main eine weitere natürliche Grenze bildete, gab es darüber hinaus Besitz im Umfeld von Thurnau. Im Norden endete die Grundherrschaft an der Schorgast. Im Nordosten gab es Besitzungen in Stammbach, Mussen und bis in den Hofer Raum.
Die Geschichte des Klosters ist meist nur über Kriegsereignisse oder größere Bautätigkeiten der Äbtissinnen fassbar. In den Hussitenkriegen gelangten die Hussiten 1430 in die Gegend und brandschatzten unter anderem das nahegelegene Kulmbach. Größere Schäden am Kloster Himmelkron sind aber nicht überliefert. So wurden in der Folge keine größeren Wiederaufbauarbeiten erwähnt und viele Kunstwerke überdauerten die Zeit. Die Äbtissinnen Elisabeth von Künsberg (1460–1484) und Magdalena von Wirsberg (1499–1522) entfalteten eine rege Bautätigkeit, von der noch Wappensteine und Inschriften zeugen. Die bedeutendste Baumaßnahme Elisabeths war wohl 1473 die Errichtung des Kreuzganges mit seinen vielen künstlerischen Elementen. Magdalena erweiterte die Klosterkirche um einen Flügel. Unterbrochen waren diese beiden Bauphasen von der Zeit Margaretas von Zedtwitz (1484–1499), als das Kloster unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen litt. Klostergebäude wurden ruinös und die Bewirtschaftung der Ländereien gelang nur unvollständig. Vom Bauernkrieg ab 1524 war der Oberland genannte Teil des Markgraftums Brandenburg-Kulmbach weniger betroffen. In Bayreuth sammelten sich offenbar einige Aufrührer, die Schäden des Klosters, z. B. die Entwendung eines silbernen Kreuzes, blieben jedoch gering, und Personen nahmen keinen Schaden. Auch im Zweiten Markgrafenkrieg führten Plünderungen nur zu einigen Verlusten aus dem Inventar.
Niedergang mini|hochkant|Epitaph der letzten Äbtissin Margarethe von Döhlau († 1569) In der Zeit der Äbtissin Apollonia von Waldenfels zog die Reformation in die Region ein und fand in der Bevölkerung und bei den Geistlichen Zuspruch. Markgraf Georg, ein früher Anhänger Martin Luthers, forcierte die Übertritte zum Protestantismus und ließ eine gewaltsame Vertreibung von Nonnen aus Himmelkron und Hof zu, sofern sie nicht die neue Konfession annahmen. Der Bamberger Bischof Weigand von Redwitz legte deswegen 1529 Beschwerde beim Schwäbischen Bund ein. Die Entwicklung war aber nicht aufzuhalten. Der in Himmelkron eingesetzte markgrafenfreundliche Prediger Johannes Behaim kritisierte von der Kanzel die Äbtissin Apollonia und die Priorin Dorothea von Wirsberg.
Die letzte Äbtissin von Himmelskron, Margarethe von Döhlau, wurde 1544 unter Albrecht II. Alcibiades eingesetzt. Dies gab dem Markgrafen Gelegenheit, der Äbtissin Auflagen für ihre Amtsführung zu machen und Einblick in das Leben im Kloster und dessen Ausstattung zu nehmen. Bereits 1545 wurde Margarethe als Äbtissin abgesetzt und mit einer Rente versorgt. Mit den Einkünften des Klosters sollte nun Prinzessin Barbara († 17. Juni 1591), eine Cousine Albrechts, die sich zuvor im Kloster Heilsbronn aufhielt, unterhalten werden. 1548 wurde Margarethe wieder als Äbtissin eingesetzt; sie ging zum Protestantismus über. Die Anzahl der Nonnen ging bis 1560 auf zwei zurück. Margarethe wandelte schließlich einen Teil des Klosters in eine Schule für adelige Mädchen um. Die Schule bestand nur bis zum Ende des 16. Jahrhunderts und nahm zuletzt auch Bürgerliche und Jungen auf.
Äbtissinnen mini|hochkant=0.5|Siegel der Anna von Nürnberg, Äbtissin 1370–1383 Listen der Äbtissinnen von Kloster Himmelkron stellten 1739 Johann E. TeichmannTeichmann: Historische Beschreibung… , Cap. XV u. XVI und 1925 Pfarrer Theodor ZinckZinck: Himmelkron S. 16–32. auf. Beide nannten 16 Äbtissinnen und begannen ihre Liste mit Agnes von Weimar-Orlamünde.
Es gibt spärliche Hinweise auf weitere Äbtissinnen, ihre Namen sind zum Teil ungesichert. So konnte Wielandnach Zinck: Himmelkron, S. 18f. in einer Urkunde vom 27. Juni 1401 eine „Lawke“ und eine „Leukardis“, die nach pfarramtlicher Registratur der Katharina von Schaumberg nachfolgte, nennen. In der Gründungsphase des Klosters ist davon auszugehen, dass vor der minderjährigen Agnes bereits eine weitere Äbtissin oder Verwalterin tätig war. Ähnlich der Überlieferung der Gründerzeit des Klosters Hof könnte die Fokussierung auf Agnes als letztes Glied des Familienverbandes entstanden sein. Wieland nennt aus einer Urkunde des Klosters Sonnefeld vom 15. September 1287 eine „Rihze“ und für 1357, also nach dem Tode der Agnes, eine „Reitzgk II.“Meißner: Himmelkron, S. 23.
Die Äbtissinnen stammten aus lokalen Adelsgeschlechtern, den herrschenden Grafen von Orlamünde und den ihnen gefolgten Burggrafen von Nürnberg. Damit gibt es Parallelen zur Entwicklung des nahegelegenen Klarissenklosters Hof, siehe Liste der Äbtissinnen von Hof.
Nr. Name Amtszeit Anmerkung Wappen1Agnes von Weimar-Orlamündebis 1354 Agnes stammte aus der Familie der Grafen von Weimar-Orlamünde. Sie war eine Tochter Ottos III. (IV.), des Stifters des Klosters. Ihr Epitaph befindet sich in der Kirche.60px|Familienwappen2Kunigunde von Nothaftbis 1370Kunigunde, auch Katharina genannt, stammte aus der Familie von Nothaft.60px|Familienwappen3Anna von Nürnberg1370–1383Anna stammte aus der Familie der fränkischen Hohenzollern. Sie war die Tochter des Nürnberger Burggrafen Johann II., der von den Grafen von Orlamünde die Herrschaft auf der Plassenburg und damit auch das von ihnen gegründete Kloster übernahm. Ihre Mutter war Elisabeth von Henneberg († 1377), Tochter von Berthold VII. Anna war zuvor Äbtissin im Kloster Birkenfeld. Ihr Epitaph befindet sich in der Kirche.60px|Familienwappen4Ruth von Mosbach-Lindenfelsnach 1383Ruth stammte aus der Familie Mosbach-Lindenfels.60px|Familienwappen5Agnes von Wallenroth bis 1409Agnes stammte aus der Familie von Wallenroth. Ihr Epitaph befindet sich in der Kirche.60px|Familienwappen6Katharina Förtsch von Thurnau1409–1410Katharina stammte aus der Familie der Förtsch von Thurnau.60px|Familienwappen7Katharina Rieter1410Katharina stammte aus der Familie der Rieter. Sie starb unmittelbar nach ihrer Ernennung.60px|Familienwappen8Katharina von Schaumberg1410–1411Katharina stammte aus der Familie von Schaumberg.60px|Familienwappen9Longa von Kotzau1411–1428Nach dem Genealogen Alban von Dobeneck stammte Longa aus einem Zweig der Familie von Kotzau, der in Rehau und Leimitz begütert war und von ihrem Vater Goßwein begründet wurde. Eine weitere Äbtissin des Geschlechtes war Katharina von Kotzau im nahegelegenen Klarissenkloster Hof.60px|Familienwappen10Adelheid von Plassenberg1428–1460Adelheid stammte aus der Familie von Plassenberg. Ihr Epitaph befindet sich in der Kirche.60px|Familienwappen11Elisabeth von Künsberg1460–1484Elisabeth stammte aus der Familie von Künsberg. Sie entwickelte eine rege Bautätigkeit, darunter die Errichtung des Kreuzganges. Ihr Epitaph befindet sich in der Kirche.60px|Familienwappen12Margareta von Zedtwitz1484–1499Margareta stammte aus der Familie von Zedtwitz. Ihr Epitaph befindet sich in der Kirche.60px|Familienwappen13Magdalena von Wirsberg1499–1522Magdalena stammte aus der Familie von Wirsberg. Eine Inschrift mit ihrem Familienwappen und dem Wappen der Redwitz zeugt im Innenhof des Klosters von ihrer Bautätigkeit von 1516. Ihr Epitaph befindet sich in der Kirche.60px|Familienwappen14Ottilia Schenk von Siemau1522–1529Ottilia stammte aus der Familie der Schenk von Siemau. Ihr Epitaph befindet sich in der Kirche.60px|Familienwappen15Apollonia von Waldenfels1529–1543Apollonia stammte aus der Familie von Waldenfels.60px|Familienwappen16Margarethe von Döhlau1543–1569Margarethe, die letzte Äbtissin des Klosters Himmelkron, stammte aus dem Adelsgeschlecht von Dölau. Mit Äbtissin Veronika von Dölau war die Familie von Dölau auch im nahegelegenen Klarissenkloster Hof vertreten. Da Margarethe und mit ihr das gesamte Kloster zum Protestantismus übergetreten war, stellt ihr Epitaph in der Kirche sie mit einem Kruzifix als Zeichen des neuen Bekenntnisses an Stelle des bisher üblichen Krummstabes dar.60px|Familienwappen
Von den Nonnen sind nur wenige namentlich bekannt. Sie stammten wie die Äbtissinnen zu einem guten Teil ebenfalls aus den Adelsgeschlechtern der näheren Umgebung. Häufig ist die Familie von Guttenberg vertreten, Dobeneck und Feilitzsch sind mit je einer Person nachweisbar.
Spätere Nutzung mini|Das Schloss zu Himmelkron, 1890