Die Triebwagen der Reihen 4744, 4746 und 4748 der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sind elektrische Triebzüge, die im S-Bahn- sowie Regionalverkehr eingesetzt werden. Der Einsatz im Planverkehr der Reihe 4746 begann im Dezember 2015, der der Reihe 4744 im Oktober 2016 und jener der Reihe 4748 im Dezember 2022. Die Züge sind Teil der Fahrzeugfamilie Desiro ML von Siemens Mobility und wurden von ÖBB-Technische Services im Werk Jedlersdorf in Wien endmontiert.
Nahezu baugleiche Züge der gleichen Reihenbezeichnung kommen in Österreich bei der Raaberbahn als Ventus (4744/4746) sowie in Deutschland bei der ODEG (4746/4748) zum Einsatz.
Geschichte Um einerseits älteres Wagenmaterial im Regional- und S-Bahn-Verkehr zu ersetzen und andererseits das Nahverkehrsangebot in weiten Teilen Österreichs zu stärken, wurde Anfang 2007 eine Arbeitsgruppe gegründet, welche die Beschaffung neuer Fahrzeuge zur Aufgabe hatte. Nach mehreren Ausschreibungen erhielt der Hersteller Siemens Mobility einen Rahmenvertrag mit bis zu 200 Zügen des Typs Desiro ML.
Die Züge wurden zunächst in zwei Varianten beschafft: Als Reihe 4744 mit vier Außentüren pro Zugseite, für den Regionalverkehr vorgesehen und daher auch als R-Bahn bezeichnet sowie als Reihe 4746 mit sechs Außentüren pro Zugseite für Verkehre mit höherem Fahrgastwechsel (Variante S-Bahn). Die beiden Reihen unterscheiden sich durch die geänderte Türkonfiguration auch in der Innenausstattung, die Reihe 4744 verfügt über mehr Sitzplätze.
Die Fahrzeuge erhielten auch als erste ÖBB-Fahrzeuge das neue Cityjet-Markendesign für den Nah- und Regionalverkehr, weswegen der Name Cityjet anfangs auch für die Desiro-ML-Garnituren verwendet wurde. Durch die zunehmende Ausrollung des Designs, auch auf Bestandsfahrzeuge, ist der Begriff nicht mehr eindeutig und weniger für die Desiro-ML-Züge der ÖBB gebräuchlich. Erste Visualisierungen der Züge sahen diese im Schräg-Design vor, ähnlich der Vorgänger-Reihe ÖBB 4023/4024/4124.ÖBB will die ersten 100 Regionalzüge für 550 Millionen Euro bestellen. Pressemitteilung Siemens vom 30. Januar 2013, abgerufen am 18. November 2023
Nach dem ersten Abruf von 101 Einheiten wurden zunächst 2016 64 weitere abgerufen, 2019 weitere 24, bis 2020 mit weiteren 11 Einheiten der Rahmenvertrag ausgeschöpft wurde.
Zwischen 2016 und 2018 wurden 70 Züge der Reihe 4744 und in den Jahren 2014 bis 2021 insgesamt 130 Züge der Reihe 4746 von ÖBB Technische Services fertiggestellt. Am 27. Dezember 2021 verließ das 200. Desiro-ML-Fahrzeug für die ÖBB mit der Betriebsnummer 4746 130 das ÖBB-Technische-Services-Werk Jedlersdorf in Wien und ging in Betrieb.
Reihe 4748: Ersatzbestellung für Talent 3 Nachdem die Züge der Reihe 4758 (vom Typ Bombardier Talent 3) nicht zugelassen wurden, wurde Anfang 2021 eine Ersatzbeschaffung seitens der ÖBB veröffentlicht. Im August 2021 wurde bekannt gegeben, dass 21 Desiro-ML-Züge in längerer Ausführung (vier statt drei Wagen mit 101 statt 75 Metern Zuglänge) für Vorarlberg geliefert werden. Der Ersteinsatz dieser Fahrzeuge fand mit Fahrplanwechsel im Dezember 2022 statt.
Auch für Tirol wurden 20 dieser als Reihe 4748 bezeichneten Züge statt Talent 3 beschafft. Weitere fünf Triebzüge wurden für den Verkehr in Salzburg bzw. grenzüberschreitend nach Tirol abgerufen, womit bis Ende 2024 insgesamt 46 Einheiten der Reihe 4748 gebaut werden.
Weitere Anschlussbestellungen der Reihe 4746 Im März 2023 gaben die ÖBB bekannt, dass weitere 27 Triebzüge der Reihe 4746 bei Siemens beschafft werden und ab 2025 in Betrieb genommen werden sollen. Diese sollen vorrangig für die inneralpinen Strecken bestimmt sein (Interregio). Ein Jahr später, im April 2024, gaben die ÖBB bekannt, dass 21 weitere Triebzüge beschafft und ab dem Jahr 2026 im S-Bahn-Netz Wien eingesetzt werden sollen.
Im Mai 2025 verkündeten die ÖBB die Auslieferung des 250. Desiro ML. Insgesamt werden von den ÖBB 294 Fahrzeuge des Typs Desiro ML in den drei verschiedenen Reihen beschafft.
Übersicht der Serien +ReiheNummerierungAnzahlFertiggestelltWagenBaujahreSonstiges4744001–070707032016–20184746001–13013013032014–2021049 sowie 095-130 mit verstärktem Mittelwagen vorbereitet für Akkubetrieb4748001–046464642022–20244746 (Interregio)131–157272732024–2025temporäre Fernverkehrsausstattung (Interregio) – Sollen nachher zum Nahverkehr gehen4746 (S-Bahn)158–17821≥ 1832025–2026Zusätzlich zu vorherigen Tranchen: Akustische Ausgabe Status der WC-Anlagen, Neues Türöffnensignal mit Blindenleitton, USB-A, USB-C, Schukostecker unter den Sitzen, Spaltüberbrückung an jeder Tür, Automatischer Seifenspender + Wickeltisch an beiden WC's
Details Ausstattung Die Ausstattung der Züge umfasst eine barrierefreie sowie eine Standardtoilette. Der Fahrgastbereich ist mit einer tageszeitgesteuerten Beleuchtung, Tischen und Monitoren ausgestattet. Die Züge sind mit WLAN ausgestattet.
Reihe 4744 (3 Wagen / 4 Türen pro Seite) Die Triebzüge der Reihe 4744 bestehen aus drei Wagen, einem Endwagen mit Stromabnehmer 4744.0, einem Mittelwagen 7044.0 und einem zweiten Endwagen 4744.5. Sie haben insgesamt vier Einstiegsbereiche (vier Türen pro Zugseite) und bieten 254 Sitzplätze. Sie bieten drei Mehrzweckbereiche, beispielsweise für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder.
Reihe 4746 (3 Wagen / 6 Türen pro Seite) Die Triebzüge der Reihe 4746 bestehen aus drei Wagen, einem Endwagen 4746.0 mit Stromabnehmer, einem Mittelwagen 7046.0 und einem zweiten Endwagen 4746.5. Sie haben insgesamt sechs Einstiegsbereiche (sechs Türen pro Zugseite) und bieten 224 Sitzplätze. Sie bieten drei Mehrzweckbereiche, beispielsweise für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder.
Zudem erhielten die 35 Züge 4746 095 bis 130 Mittelwagen mit verstärkter Kastenstruktur, welche den nachträglichen Einbau von Akkumulatoren auf dem Dach ermöglichen, um die Züge auch auf nichtelektrifizierten Strecken einsetzen zu können. Dieser Plan wurde jedoch nicht umgesetzt.
Später wurden einzelne Sitze und Tische ausgebaut und die Sitzanordnung geändert. Auch wurden gläserne Trennwände entfernt, um den Fahrgastwechsel zu beschleunigen. Alle darauffolgenden Züge erhielten die geänderten Einrichtungen bereits ab Werk.
Reihe 4748 (4 Wagen / 8 Türen pro Seite) Die Triebzüge der Reihe 4748 bestehen aus vier Wagen, einem Endwagen mit Stromabnehmer (1950 mm) 4748.0, einem Mittelwagen 7048.0, einem weiteren Mittelwagen 7048.5 und einem zweiten Endwagen 4748.5. Die 21 Triebzüge der Reihe 4748 für Vorarlberg besitzen am Endwagen 4748.5 (4748 501–521) einen weiteren Stromabnehmer mit einer schmaleren Palette (1450 mm) um sie auch in der Schweiz einsetzen zu können.
Sie haben insgesamt acht Einstiegsbereiche (acht Türen pro Zugseite) und bieten maximal 290 Sitzplätze. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Serien verfügen die Fahrzeuge über eine Spaltüberbrückung sowohl bei 55 cm als auch 38 cm Einstiegshöhe bei jeder Türe. Die bis dahin ausgelieferten Fahrzeuge der Reihe 4744 und 4746 verfügten diese bei 38 cm bei jeder, bei 55 cm allerdings nur an der ersten und letzten Türe. Sie bieten vier Mehrzweckbereiche, beispielsweise für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder, außerdem einen Mehrzweckbereich mit Fahrradstellplätzen (im Sommer 39, im Winter 16). Ein Teil der Fahrradstellplätze wird im Winter für den Transport von Wintersportausrüstungen umgerüstet.
Cityjet Eco Im September 2018 stellten die ÖBB den Cityjet eco vor. Es handelte sich um die Garnitur 4746 049, die mit zusätzlichen Traktionsbatterien ausgerüstet wurde. Der Mittelwagen trug auf dem Dach drei Lithiumtitanat-Akkumulatoren, die bei Fahrt unter der Oberleitung aufgeladen werden konnten und damit auch Fahrten auf nicht elektrifizierten Strecken möglich machten. Die Akkumulatoren mit einer Kapazität von 528 kWh speisten die elektrische Energie über zwei Zweiquadrantensteller in den Gleichstromzwischenkreis der Traktionsstromrichter.
So konnte die Einheit mit einer verminderten Anfahrbeschleunigung von 0,77 m/s² auf bis zu 100 km/h beschleunigt werden (im Oberleitungsbetrieb: 1,0 m/s² bzw. 140 km/h). Zwischen September 2019 und Dezember 2020 erfolgte der Probebetrieb mit Fahrgästen auf elf verschiedenen Strecken der ÖBB. Dazu zählten beispielsweise die Kamptalbahn und die Aspangbahn.
Die Reichweite betrug 80 km und reduzierte sich bei aktiver Heizung auf 65 km.Karl Strasser: Desiro ML Cityjet eco über ein Jahr im Fahrgastbetrieb erfolgreich eingesetzt. Siemens Mobility Austria GmbH, 5. November 2021; abgerufen am 28. März 2022
Die Garnitur wurde inzwischen in den Serienzustand zurückgebaut. Der Plan, die Einheiten 4746 095–130 mit solchen Traktionsbatterien auszustatten und einzusetzen, wurde nicht umgesetzt. Stattdessen wurden im Jahr 2023 Flirt Akku bei Stadler Rail bestellt.
Technik Mechanischer Teil Die Triebzüge sind als festgekuppelte Einheiten aus zwei angetriebenen Endwagen und einem oder zwei antriebslosen Mittelwagen aufgebaut. Die Wagenkästen ruhen auf Drehgestellen des Typs SF6500, wodurch die Radsatzlast unter 17 Tonnen liegt. Diese Drehgestelle sind als geschlossene Rahmen ausgeführt und mit Stahlfedern sowie Gasdruckfedern abgefedert. Jedes Drehgestell besitzt eine unabhängige Gleitschutzregelung, um ein Durchdrehen und Rutschen der Radsätze zu verhindern. Die Wagenkastenstruktur ist in Mischbauweise gefertigt: Der tragende Hauptrahmen besteht aus Aluminium, während die Frontpartien aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellt sind. Zur thermischen und akustischen Dämmung sind Seitenwände und Dach mit 60 Millimeter Mineralwolle isoliert. Für die Innenverkleidungen werden glasfaserverstärkter Kunststoff und Hochdrucklaminate verwendet. Die Wagenübergänge sind mit textilen Doppelwellenbalgen abgedichtet. Für die mechanische Verbindung zwischen den Wagen werden Kurzkupplungen mit Kuppelstangen verwendet. Zwischen den Drehgestellen ist der Wagenkasten um den Niederflureinstieg zu ermöglichen mit Stahlträgern verstärkt.
Elektrische Ausrüstung Auf dem Dach eines Endwagens sind ein Stromabnehmer, Hauptschalter, Erdungsschalter sowie ein Transformator, Stromrichter und deren Kühlung sowie Klimageräte und Fahrmotorenlüfter montiert. Für den Betrieb in der Schweiz sind die Triebzüge der Reihe 4748 mit Stromabnehmern mit schmalerer Schleifleiste und einem zweiten Hauptschalter sowie Erdungsschalter auf dem anderen Endwagen ausgestattet. Die Batteriekästen und Druckluftbehälter sind zwischen den Drehgestellen unter dem Wagenboden angeordnet.
Vom Stromabnehmer wird die elektrische Energie über einen elektropneumatisch betätigten Vakuumhauptschalter und ein zentrales Hochspannungskabel zu den Hochspannungswicklungen der beiden Haupttransformatoren auf den Dächern der Endwagen geleitet. Die Trafowicklungen können zwischen 15kV und 25kV umgeschaltet werden. An der Niederspanungswicklung der Trafos sind die Traktionsstromrichter und die Hilfsbetriebe angeschlossen. Jedem Haupttransformator ist ein Traktionsstromrichter zugeordnet, der ebenfalls auf dem Dach angeordnet ist. Diese auf IGBT-Technik basierenden Stromrichter arbeiten in mehreren Stufen. Zunächst stellen Vierquadrantensteller aus der Wechselspannung der Traktionswicklung eine stabile Gleichspannung für den Gleichspannungszwischenkreis bereit. Aus dem Gleichspannungszwischenkreis speisen die Pulswechselrichter die vier Drehstrom-Asynchronmotoren jedes Endwagens.