Enterokokken (eingedeutschter Plural aus dem latinisierten Singular Enterococcus, der sich aus den beiden altgriechischen Bestandteilen énteron ‚Darm‘, ‚Eingeweide‘ und kókkos ‚Kern‘, ‚Korn‘ zusammensetzt)Wilhelm Gemoll, Karl Vretska: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. 10. Auflage. Oldenbourg, München 2010, ISBN 978-3-637-00234-0. wurden ursprünglich als Streptokokken der Lancefield-Gruppe DHerbert Hof: Medizinische Mikrobiologie. 3. Auflage. Thieme, Stuttgart 2005, ISBN 3-13-125313-4. eingeordnet, später jedoch als eigene Gattung von den Streptokokken abgetrennt.Luc Devriese, Margo Baele, Patrick Butaye: The Genus Enterococcus. In: The Prokaryotes. Band 4. Springer US, New York 2006, ISBN 0-387-25494-3, S. 163–174. Enterokokken kommen überall verbreitet in der Umwelt (Wasser, Erdboden), beim Tier und beim Menschen (in der normalen Darmflora) sowie in fermentierten Lebensmitteln wie Käse oder Rohwürsten vor.

Mikrobiologische Eigenschaften Enterokokken sind grampositiv, Katalase-negativ und aufgrund des Fehlens von Porphyrinen und Cytochromen als aerotolerante, anaerobe Bakterien eingestuft. Die kugelförmigen (kokkoiden) Bakterien sind in Paaren oder kurzen Ketten angeordnet.

Bei Menschen und Tieren spielen von den etwa 25 bekannten Enterokokken-Spezies unter anderem zwei Arten, nämlich E. faecium und E. faecalis, eine wichtige Rolle im Verdauungssystem. Sie werden daher auch in probiotischen Lebensmitteln zur Förderung der Darmflora des Verdauungssystems eingesetzt.

In Lebensmitteln spielen Enterokokken eine wichtige Rolle bei Fermentations- und Reifungsprozessen und tragen zum besonderen und gewünschten Geschmack der Lebensmittel (z. B. Büffel-Mozzarella, Camembert und Ziegenkäse) bei.

Weitere Spezies, die selten beim Menschen vorkommen können, sind E. durans sowie E. casseliflavus.Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-13-125314-9, S. 330.

Eigenschaften als Krankheitserreger Bestimmte Enterokokken-Stämme (insbesondere bestimmte E. faecalis-Stämme) können bei Menschen, deren Immunsystem stark geschwächt ist, Infektionen auslösen.

Enterokokken sind vor allem als Ursache für Harnwegsinfekte, postoperative Peritonitiden, Wundinfektionen, Bakteriämie und Sepsis sowie Endokarditis zu finden. Sie sind auch Erreger zum Teil schwerer nosokomialer Infektionen.Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Marburg 2009, S. 263.

Therapie Amoxicillin und Ampicillin sind zur antibiotischen Therapie geeignet, sofern keine Resistenzen dagegen vorliegen. Bei Enterococcus faecalis kommt Ampicillin mit oder ohne Gentamicin, alternativ auch Mezlocillin, Piperacillin und Vancomycin in Frage. Bei Enterococcus faecium Vancomycin, Teicoplanin, Daptomycin sowie alternativ Linezolid oder Tigecyclin. Gegen Cephalosporine, Aminoglykoside und einige Penicilline besteht eine natürliche Resistenz, man spricht diesbezüglich von der „Enterokokkenlücke“ dieser Antibiotika (Enterococcus faecium ist in der Regel Ampicillin-resistent, während Enterococcus faecalis Ampicillin-sensibel ist. Zur Behandlung von VRE eignen sich Tigecyclin, Linezolid sowie (wenn sensibel) auch Fosfomycin.).

GRE / VRE

Enterokokken, die gegen die gesamte Antibiotikagruppe der Glykopeptide oder speziell gegen das zu dieser Gruppe gehörende Vancomycin resistent sind, werden als Glykopeptid-resistente Enterokokken (GRE) oder Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) bezeichnet.

Über Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) wurde erstmals 1988 berichtet.Anne H. Uttley, C. Collins, Jay Naidoo, R. George: Vancomycinresistant enterococci (letter). In: The Lancet. 1988, Band 331, Nr. 8575/8576, , S. 57–58. Heute sind VRE einer der häufigsten Gründe einer Bakteriämie bei Krankenhauspatienten nach Antibiotikabehandlung, insbesondere bei Krebspatienten nach einer Chemotherapie.Carles Ubeda, Ying Taur, Robert R. Jenq u. a.: Vancomycin-resistant Enterococcus domination of intestinal microbiota is enabled by antibiotic treatment in mice and precedes bloodstream invasion in humans. In: Journal of Clinical Investigation. 2010, Band 120, Nr. 12, , , S. 4332–4341. Vancomycinresistenz tritt am häufigsten bei Enterococcus faecium auf. Ein häufiger Weg der Resistenzübertragung ist der sogenannte horizontale Gentransfer über den Austausch von VanA- oder VanB-Genclustern.W. Witte: Verbreitung multiresistenter Erreger. In: Trauma und Berufskrankheit. Mai 2008, Band 10, Nr. 1 Supplement, S. 125–132, .

Patienten mit Blutstrominfektionen verursacht durch E. faecium haben eine höhere Sterblichkeitsrate im Vergleich zu denen, die durch Enterococcus faecalis verursacht werden (37 % vs. 32 %).

Literatur Constanze Wendt, Henning Rüden, Michael Edmond: Vancomycin-resistente Enterokokken. Epidemiologie, Risikofaktoren und Prävention. In: Deutsches Ärzteblatt. Köln, Jgahrgang 95, 1998, Heft 25, , S. A1604–A1611. Mathias Kolbert, Pramod M. Shah: Multiresistente Enterokokken. Epidemiologie, Risikofaktoren, Therapieoptionen. In: Arzneimitteltherapie. Jahrgang 17, 1999, Heft 4, , S. 133 ff. G. Schulze, W. Schott, G. Hildebrandt: Vancomycin-resistente Enterokokken. Krankenhausküche als Vektor? In: Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. Band 44, 2001, Heft 7, , S. 732–737. Arne Simon, Nora Gröger, Steffen Engelhart, Ernst Molitor, Martin Exner, Udo Bode, Gudrun Fleischhack: Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE). Übersicht zu Bedeutung, Prävention und Management in der Pädiatrie. In: Hygiene und Medizin. Jgahrgang 29, 2004, Heft 7/8, , S. 259 ff. Barbara Murray: Diversity among multidrug-resistant enterococci. In: Emerging Infectious Diseases. Jahrgang 4, 1998, S. 37–47. Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 263.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Milchsäurebakterien