Techno [] ist eine Musikrichtung, die in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre durch die Verschmelzung mehrerer Stilarten der elektronischen Tanzmusik entstanden ist. Als Basis dient insbesondere der minimalistische, bassdrum-betonte Grundrhythmus der House-Musik. Weitere essentielle Elemente zieht Techno aus den elektronisch generierten, meist in Europa entwickelten Stilen der 1970er und 1980er Jahre (wie Synthiepop, EBM und New Beat, aber auch Detroit Techno). Der in der Anfangszeit noch als Techno HouseWendy Blatt: The Morning After. In: SPIN Musikmagazin, Februar 1992, S. 47, New York.„Techno House […] achieved massive commercial success without losing contact to the underground. Derived from club music with all the heart and soul removed, Techno is cold, hard, uncompromising street music, mechanically precise and with bass that vibrates your bones.“Jerome Beck, Marsha Rosenbaum: Pursuit of Ecstasy: The MDMA Experience. State University of New York Press, 1994, ISBN 0-7914-1818-9, S. 54. „The centerpiece of the Rave experience is a style of music called "Techno House", the latest link in a never ending evolution of Dance music…“.Robert Klanten, Elsa for Toys: Localizer 1.0: The Techno House Book, Die Gestalten Verlag & Chromapark e. V., 1994, ISBN 3-931126-00-5Anz, P. & Meyer, A. Die Geschichte von Techno. In: Anz, P. & Walder, P. (Hrsg.), Techno, Zürich: Verlag Ricco Bilger, 1995 (ISBN 3-908010-14-4), S. 21 bezeichnete Stil erlebte im Verlauf der 1990er Jahre eine Blütezeit und brachte zahlreiche Unterarten hervor. Rund um die Musik existiert eine eigene Jugendkultur, die Technoszene.Jürgen Laarmann: The History of Techno. Booklet zur CD-Compilation, 1996, S. 3.„Techno hat an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten stets etwas anderes bedeutet. Ursprünglich tauchte der Begriff im Zusammenhang mit Kraftwerk auf. Techno als Musik, die mit den neuesten technologischen Maschinen hergestellt wurde: Computermusik, elektronische Musik. Danach stand Techno für das, was wir heute Industrial oder Electronic Body Music nennen, später für einen neuen Sound aus Detroit. Wenn wir heute von Techno reden, meinen wir vor allen Dingen „Technohouse“, die Fusion der amerikanischen House-Beats mit den europäischen Industrial-Sounds, die seit Anfang der 1990er-Jahre die Partys dieser Welt erreichten und eine Bewegung erzeugten, die nach wie vor zur wichtigsten ‚Move‘ zum Ende des Jahrtausends wurde.“Operation Techno. In: TOPteam Magazin, 1996, Ausgabe 1, S. 14„Hält man nach dem ‚Prototyp‘ dieser Richtung Ausschau, muss man das Rad der Zeit weiter zurückdrehen, als viele meinen. Denn der Boden wurde bereits in den 1970ern von Gruppen wie DAF, Tangerine Dream und Kraftwerk bereitet. Deutsche elektronische Musik vermischte sich allmählich mit belgischer Electronic Body Music, amerikanischem House und englischem Acid.“

„Techno“ wird auch als Oberbegriff für verschiedene miteinander verwandte Stilrichtungen der elektronischen Tanzmusik verwendet. In diesem Zusammenhang knüpft er an das Verständnis der 1980er Jahre an, als „Techno“ eine Funktion als Sammelbezeichnung für „technologisch-fortschrittliche Musik“ innehatte.

Stilistische Merkmale Der Musikstil Techno bezeichnet synthetisch produzierte, meist vordergründig rhythmusorientierte Tanzmusik. Charakteristisch ist der 4/4-Takt mit einer Betonung jedes Viertels durch eine elektronische Bass Drum und die (meist offene) Hi-Hat auf den geraden Achteln. Ergänzende Elemente sind die geschlossene Hi-Hat auf allen Sechzehntel-Noten und Snare Drum oder Handclap auf jedem zweiten Viertel. Der Harmonielehre folgende Akkorde sind von untergeordneter Bedeutung, stattdessen wird oft mit einzelnen Klängen und deren Zusammenwirken experimentiert. Die Klangfarben pendeln dabei zumeist im industriellen beziehungsweise metallischen Bereich. Die Kompositionen basieren auf sogenannten repetitiven Arrangements. Sie bauen sich jedoch häufig durch Hinzunahme von Effekten, Flächenklängen oder durch das Einstreuen einzelner Perkussionselemente, die sich nahtlos in das Rhythmusmuster einfügen, stufenweise auf.

Geschichte Frühe elektronische Musik Von Sala und Stockhausen zu Kraftwerk mini|Karlheinz Stockhausen 1994 Oskar Sala und Karlheinz Stockhausen gelten als die frühen Pioniere der elektronischen Musik. Ihre Ideen und Werke verbanden klassische Kompositionen mit Technologie. Ende der 1960er Jahre und Anfang der 1970er Jahre waren sie Inspiration für die zeitgenössische Musik der Formation Kraftwerk aus Düsseldorf. Kraftwerk legten mit ihrem vierten Album Autobahn (1974) den Grundstein für den Musikstil Elektropop. Als besonders einflussreich auf die spätere musikalische Entwicklung gelten ihre Alben Die Mensch-Maschine (1978) und Computerwelt (1981), die schon teilweise die für Techno typischen minimalistischen, tanzbaren Elemente aufwiesen.

1982 veröffentlichte Afrika Bambaataa den Titel Planet Rock, in dem er die Melodie des Kraftwerk-Titels Trans-Europe Express verarbeitete. Planet Rock gilt als Klassiker des frühen Hip-Hops, als Grundstein von Electro beziehungsweise Electro Funk und förderte die Popularität von Kraftwerk in den Vereinigten Staaten, wo die Formation zu einer wichtigen Inspirationsquelle für spätere Technopioniere wurde.

Europäische Innovatoren der 1970er und 1980er Jahre In München setzte der Euro-Disco-Produzent Giorgio Moroder bereits in den 1970er Jahren Synthesizer für repetitive Tanzrhythmen ein. Insbesondere der von ihm für Donna Summer im Jahr 1976 produzierte Track I Feel Love, welcher erstmals repetitive Synthesizer-Loops mit einer durchgängigen Four-On-The-Floor Bass Drum und einem Off-Beat Hi-Hat verband, gilt als Meilenstein der elektronischen Tanzmusik und als bedeutender Vorläufer der Techno- und House-Musik.

Jean-Michel Jarre, Tangerine Dream und Brian Eno sowie Ash Ra Tempel alias Manuel Göttsching leisteten in den 1970er und 1980er Jahren Pionierarbeit im Bereich melodiöser Synthesizer-Musik und waren eine wichtige Inspirationsquelle.

1979 erschien die erste Single von Yello. Diese Schweizer Formation brachte Innovationen im Bereich des Samplings und ungewöhnliche Rhythmusstrukturen. Techno-Produzenten wie Derrick May oder Oliver Lieb nennen sie als Inspirationsquelle.

Die 1980 gegründete britische Synthie-Pop-Band Depeche Mode wird von den Detroit-Techno-Begründern Derrick May, Kevin Saunderson und Juan Atkins noch regelmäßig als Inspiration genannt.

Der britische Industrial-Act Cabaret Voltaire wird von diversen Techno-Produzenten wie Tanith oder Richie Hawtin als Einflussfaktor angegeben und gilt als essentiell für die Entwicklung des Detroit Techno.

Die Bezeichnung „Techno“ in den 1980er Jahren

Hintergrund Anfang der 1980er Jahre wurde die Bezeichnung „Techno“ zumeist in Synthiepop/New-Wave- und Electro-Funk-orientierten Musikproduktionen verwendet.Anz, P. & Meyer, A. Die Geschichte von Techno. In: Anz, P. & Walder, P. (Hrsg.), Techno, Zürich: Verlag Ricco Bilger, 1995 (ISBN 3-908010-14-4), S. 21 "Jahrelang war Techno synonym für elektronische erzeugte Musik wie EBM oder gewisse Arten des New Wave. Ab 1990 bezeichnete Techno jedoch jene Art elektronischer Tanzmusik, die aus dem House heraus entstanden war." Einige Beispiele hierfür sind Man Parrish mit Techno Trax, Testpattern mit Techno Age, Ava Cherry mit Techno Love, The Techno Orchestra mit Techno Refugee (alle vier 1982) oder Kraftwerk mit Techno Pop (1983). 1982 wurde dem Backingduo von Soft Cell, Vicious Pink, nachgesagt, den Begriff Techno geprägt zu haben.Kanal Vicious Pink youtube.com bei Youtube

In Deutschland arbeitete zu dieser Zeit der Frankfurter Musikliebhaber Andreas Tomalla (alias Talla 2XLC) im Plattenladen „City-Music“ unter dem Frankfurter Hauptbahnhof. Ab 1982 sortierte er Schallplatten mit elektronisch produzierter Musik in eine eigenständige Kategorie und benannte diese mit „Techno“. DJs wie Sven Väth orientierten sich seinerzeit beim Plattenkauf an dieser Zusammenstellung. 1984 eröffnete Tomalla den Technoclub, wodurch der Begriff weiter an Popularität gewann.

Radio Moderator François Mürner des nationalen Schweizer Radiosenders DRS 3 (seit 2012 Radio SRF 3) benutzte das Wort "Techno" in seiner täglichen, zweistündigen Sendung "Sounds!" ab 1983, um Bands wie Depeche Mode, Front 242, Heaven 17, Kraftwerk and New Order zu kategorisieren. https://francoismuerner.ch/?page_id=314 https://francoismuerner.ch/?page_id=2643https://www.e-newspaperarchives.ch/?a=d&d=NZZ19840601-01.2.60.1 Schweizer Tageszeitung Neue Zürcher Zeitung zeigt das Wort "Techno" im Radioprogramm vom 1. Juni 1984, um 21.00 Uhr.

Die neu entstandene Sammelbezeichnung umfasste neben elektronischer Popmusik (Depeche Mode, Anne Clark), und Electro-Funk (A Number Of Names, Cybotron) bald auch Sparten wie (Post-)Industrial (Cabaret Voltaire, Clock DVA), EBM (Front 242, Nitzer Ebb) und generell elektronisch arrangierte Spielarten der New-Wave-Ära (siehe Electro Wave),Sue Fink: Hot Wire. Technopop & Women’s music, Chicago, November 1985, Ausgabe 1, S. 14.„Artists as diverse as the Thompson Twins, […] Eurythmics, and Laurie Anderson are all dabbling in the Techno world. It’s music that is heavily synthesizer-based. Synthesizers crept in as frosting on the cake in the 1970s. In pop music, they are to the 80’s what guitars were to the 60’s. Synthesizers are now the center of arrangements.“ später auch den Detroit Techno, der stark durch europäische Musikrichtungen geprägt wurde. New Statesman & Society Publishing Company, 1988, S. 49.„Techno music breaks with previous forms of black music by turning to Europe for inspiration. British groups like New Order, The Art of Noise and Cabaret Voltaire, and European synthesizer groups like Kraftwerk and Yello are the Motown sound was built on…“ In dieser Form konnte sich „Techno“ als Dachbezeichnung für elektronische Musik international – und vorzugsweise im deutschen Sprachraum – bis in den Beginn der 1990er Jahre weiträumig etablieren.

Einen wesentlichen Unterschied zur späteren Techno-House-Welle in den 1990er Jahren stellten dabei die Beweggründe dar, die zur Herausbildung der unter „Techno“ zusammengefassten Musikrichtungen in den 1970er und 1980er Jahren führten. Etliche Künstler zeigten sich sozialkritisch und versuchten – thematisch wie auch klanglich – dystopisch geprägte Zukunftsvisionen, den post-industriellen und städtischen Verfall, emotionale Kälte oder Ängste vor atomaren Katastrophen zu verarbeiten. Das teils in sich widersprüchlich anmutende Bestreben, mit Hilfe moderner Technologie auf die unmittelbare Gefahr derselben hinzuweisen, bildete innerhalb der späteren Techno-House-Bewegung, die (vergleichbar mit Acid House) vordergründig als Partykultur entstanden war, kein zentrales Thema.

Status einer Parallelerscheinung Als sich in den späten 1980er Jahren unter der Bezeichnung „Techno“ zunehmend ein stark von der House-Musik beeinflusster Stil herauskristallisierte, kam es beispielsweise in Deutschland zu Konfusion und Spannungen. Im Juni 1992 teilte sich die Redaktion des Magazins Frontpage, das ursprünglich als Fanzine für Electric Body Music gestartet war und sich unter dem Einfluss der Berliner Redaktion um Jürgen Laarmann immer mehr zu einem Magazin für Technohouse entwickelt hatte.Frontpage. Ausgabe Juni 1992, S. 3. Die Berliner Redaktion um Laarmann legte den Schwerpunkt auf House und Technohouse und führte das Heft als Frontpage: The Next Generation weiter. Die Frankfurter Redaktion um Talla 2XLC und Armin Johnert reaktivierte das New Life Soundmagazine, das in der Tradition des 1988 eingestellten Fanzines über Elektro, EBM, Industrial und Indiepop/-Rock berichtete.