mini|Eine Statue Bobby Moores vor dem Wembley-Stadion.

Robert Frederick Chelsea „Bobby“ Moore (* 12. April 1941 in Barking, London; † 24. Februar 1993 in London) war ein englischer Fußballspieler und -trainer.

Er war mehr als zehn Jahre Mannschaftskapitän bei seinem Heimatverein West Ham United und führte die englische Nationalmannschaft im Jahre 1966 als Kapitän zum Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft. Er gilt aufgrund seiner Integrität als Sportsmann als einer der angesehensten englischen Nationalmannschaftskapitäne und sportlich als einer der weltweit besten Abwehrspieler seiner Zeit.

Sportliche Laufbahn Frühzeit seiner Karriere Bereits als Schüler schloss sich Moore 1956 West Ham United an und absolvierte, nachdem er zuvor in den Jugendmannschaften agiert hatte, am 8. November 1958 gegen Manchester United sein erstes Spiel für die erste Mannschaft des Vereins. Er übernahm dabei das Trikot mit der Nummer 6 von seinem frühen Förderer Malcolm Allison, der an Tuberkulose erkrankt war.

Da Allison nie wieder für West Ham – oder eine andere Erstligamannschaft – spielen konnte, wurde Moore schnell zum Stammspieler. Als spielerisch versierter zentraler Verteidiger lagen seine Stärken früh in der Antizipation gegnerischer Offensivaktionen und in einem guten Stellungsspiel. Dadurch unterschied er sich deutlich von dem vorherrschenden Typ des Innenverteidigers, der sich durch große Zweikampfhärte und Stärken im Kopfballspiel auszeichnete. Seine Qualitäten in den zuletzt genannten Bereichen waren schließlich auch bestenfalls als durchschnittlich einzustufen, aber aufgrund seiner Fähigkeiten, ein Spiel „lesen“ und eine Mannschaft führen zu können – sowie seinem Timing bei Tacklings – wurde er zu einem Abwehrspieler auf Weltklasseniveau. Pelé beschrieb Moore als den wohl fairsten Verteidiger, gegen den er in seiner Karriere gespielt hatte.

Aufstieg zum englischen Spitzenspieler und Sieg im Europapokal Im Alter von nur 19 Jahren wurde Moore erstmals in den Kader der englischen U-23-Nationalmannschaft berufen. Aufgrund seines Durchbruchs und sportlichen Aufstiegs bei West Ham wurde er sogar kurze Zeit später noch von Walter Winterbottom und dem Nominierungskomitee der FA während der WM-Vorbereitungszeit und kurz vor Turnierbeginn in den Kader für die Weltmeisterschaftsendrunde des Jahres 1962 im Sommer in Chile berufen. Moore flog somit nach Südamerika, ohne zuvor ein Länderspiel für die A-Nationalmannschaft bestritten zu haben. Dies änderte sich am 20. Mai 1962 bei einem 4:0-Testspielsieg gegen Peru in Lima. Gemeinsam mit Maurice Norman, der ebenfalls seinen Einstand gab, beeindruckte er derart, dass diese Formation auch für das Turnier selbst – bis einschließlich zu der Viertelfinalniederlage gegen den späteren Weltmeister Brasilien in Viña del Mar – beibehalten wurde.

Am 29. Mai 1963 führte Moore bei seinem zwölften Länderspiel erstmals die Nationalmannschaft als Kapitän auf das Feld, nachdem Johnny Haynes zurückgetreten und sein Vertreter Jimmy Armfield wegen einer Verletzung ausgefallen war. Die Partie verlor England gegen die Tschechoslowakei mit 2:4. Armfield übernahm danach wieder kurzzeitig die Mannschaftsführerbinde, bis dann der neue Trainer Alf Ramsey während einer Reihe von Freundschaftsspielen im Sommer 1964 – England war zuvor bereits in der Vorrunde der EM 1964 an Frankreich gescheitert – das Amt dauerhaft an Moore verlieh.

Das Jahr 1964 war insgesamt sehr ereignisreich für Moore. Neben der neuen Verantwortung als Kapitän der englischen Nationalmannschaft gewann er mit West Ham United den FA Cup und besiegte im Finale des Wettbewerbs im Wembley-Stadion den Gegner Preston North End – dank eines Treffers von Ronnie Boyce in der letzten Minute – mit 3:2. Dazu konnte Moore, der an Hodenkrebs erkrankt war, vollständig genesen und wurde von den britischen Fußballjournalisten zu Englands Fußballer des Jahres gewählt. Als persönliche Kränkung empfand es Moore jedoch, dass kein offizielles Vereinsführungsmitglied der Ehrungszeremonie am Vorabend des Pokalendspiels beiwohnte, was sein Verhältnis zu West Ham United nachhaltig schädigte.

Der Pokaltriumph war der erste von Wembley-Endspielerfolgen in drei aufeinander folgenden Jahren. Im Jahre 1965 gewann er an der gleichen Stelle den Europapokal der Pokalsieger und schlug mit seiner Mannschaft – nach zwei Toren von Alan Sealey – den deutschen Vertreter TSV 1860 München mit 2:0. Seine führende Stellung in der englischen Nationalmannschaft war nach mittlerweile 30 Länderspielen unumstritten und Ramsey stellte um ihn herum eine Mannschaft zusammen, die im eigenen Land die Fußball-Weltmeisterschaft gewinnen sollte.

Das Jahr 1966 begann dabei für Moore zunächst wechselhaft. Im Länderspiel gegen Polen, das 1:1 endete, schoss Moore sein erstes Tor für England. Mit West Ham zog er ins Endspiel des Ligapokals ein, das in diesem Jahr letztmals in Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde. Obwohl Moore in der ersten Partie einen Treffer erzielen konnte, unterlag er mit seiner Mannschaft nach beiden Partien mit insgesamt 3:5 Toren. Es folgte zwei Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaftsendrunde das zweite – und auch letzte – Nationalmannschaftstor von Moore in einem Freundschaftsspiel gegen Norwegen.

Das Weltmeisterschaftsjahr 1966 Das Jahr des großen Erfolgs begann mit Spekulationen in der britischen Medienlandschaft über einen bevorstehenden Wechsel von Moore zum Lokalrivalen Tottenham Hotspur. Moore hatte sich schon seit längerer Zeit mit der Vereinsführung von West Ham United – darunter auch mit dem Trainer Ron Greenwood – überworfen und so ließ Moore seinen Vertrag bei West Ham nach der Saison 1965/66 auslaufen. Erst das persönliche Einschreiten von Alf Ramsey und die Aussicht, dass Moore für die Weltmeisterschaft nicht spielberechtigt hätte sein können, überzeugte Moore zu einem Gespräch mit Greenwood, in denen die beiden ihre Differenzen ausräumten und einen neuen Vertrag aushandelten.

Die von Moore angeführte Mannschaft absolvierte ihre gesamten Spiele während der Weltmeisterschaft im Wembley-Stadion und überstand die Gruppenphase relativ problemlos, schlug anschließend erst im Viertelfinale die äußerst aggressiv spielende argentinische Mannschaft und schließlich im Halbfinale die zum Geheimfavoriten avancierten Portugiesen, bis dann im Endspiel Deutschland als Gegner wartete.

Nach Angaben von Geoff Hurst in seiner Autobiografie soll der englische Außenverteidiger George Cohen eine Besprechung von Ramsey mit seinem Trainerstab mitgehört haben, in der überlegt wurde, auf Moore im Endspiel zugunsten des körperlich stärkeren Norman Hunter zu verzichten. Diese überraschende Überlegung – vor allem vor dem Hintergrund, dass er in den Spielen zuvor nicht enttäuscht und sich durch die Vertragsverhandlungen nicht abgelenkt gezeigt hatte – besaß ihren möglichen Ursprung darin, dass der deutsche Gegner über äußerst schnelle Stürmer verfügte. Dadurch befürchtete man, dass sich Moores Mangel an Schnelligkeit negativ auswirken könnte. Zudem bildete Hunter, der zu diesem Zeitpunkt – obwohl in etwa gleich alt wie Moore – nur vier Länderspiele absolviert hatte, mit Moores Defensivpartner Jack Charlton im Verein ein eingespieltes Duo. Insgesamt wurde dieses Planspiel jedoch wieder verworfen und so verblieb der Kapitän in seiner Mannschaft.

Im Endspiel selbst geriet England zunächst nach einem Treffer von Helmut Haller mit 0:1 in Rückstand, bevor dann Moore maßgeblich am Ausgleich beteiligt war. Er wurde in der Mitte der deutschen Spielhälfte von Wolfgang Overath gefoult, nahm den Ball schnell auf und flankte auf Geoff Hurst, der per Kopf den 1:1-Ausgleich erzielte – eine Variante, die zuvor bei West Ham United einstudiert worden war. Mit dem 2:1-Führungstreffer von Martin Peters war erneut ein Spieler von Moores Verein beteiligt. Dies reichte jedoch noch nicht für den Sieg nach 90 Minuten, da kurz vor Ende der regulären Spielzeit Wolfgang Weber das 2:2 erzielen konnte – Moore reklamierte bei dieser Aktion erfolglos auf Handspiel – und somit die Verlängerung erzwang.

Dort gelang England zunächst das 3:2, das in die Fußballgeschichte als Wembley-Tor eingehen sollte. Als Moore nur wenige Sekunden vor Spielende den Ball an der eigenen Strafraumecke eroberte, schoss er ihn nicht mittels Befreiungsschlags heraus, sondern schlug einen 35-Meter-Pass auf Hurst, der durch seinen dritten Treffer die Entscheidung zum 4:2 markierte (das Spiel endete im direkten Anschluss).

Die Bilder der Siegerehrung, bei der Moore auf dem Weg zum Podest seine schmutzigen Hände abwischte, der Königin Elisabeth II. die Hand schüttelte und von ihr schließlich den Jules-Rimet-Pokal entgegennahm, gingen schließlich um die Welt.

Moore als Star und Vorbild Moore wurde nach dem großen Erfolg zu einem landesweiten Vorbild. Er präsentierte in der folgenden Saison mit zwei seiner Mannschaftskameraden den gewonnenen Weltmeisterschaftspokal in all den Stadien, in denen West Ham United zu Gast war. Am Ende des Jahres 1966 wurde er als erster – und für die nächsten 24 Jahre auch einziger – Fußballspieler mit dem Titel als Sportler des Jahres in Großbritannien ausgezeichnet. Am Neujahrstag erhielt er zudem die Ehrung des Order of the British Empire als „OBE“.

Die äußerst positive Wahrnehmung von Moore und seine Popularität in der Öffentlichkeit vermarktete Moore nun zunehmend in mehreren geschäftlichen Tätigkeitsfeldern. Dabei eröffnete er ein Sportgeschäft in Upton Park, Newham – in der Nähe der Heimspielstätte von West Ham United – und war mit seiner Frau Tina, gemeinsam mit Martin Peters und seiner Frau, in einer bekannten Fernsehwerbung für den Gastronomiebereich („Look in at the local“) zu sehen.

Moore spielte weiterhin für West Ham und die englische Nationalmannschaft. Zum Ende des Jahres 1966 absolvierte er beim 5:1-Sieg in der British Home Championship gegen Wales sein 50. Länderspiel, das gleichzeitig Qualifikationsspiel für die Europameisterschaftsrunde 1968 in Italien war. England erreichte schließlich das EM-Halbfinale (an dem Turnier selbst nahmen nach dem damaligen Regelwerk nur vier Mannschaften teil), stand dort Jugoslawien gegenüber und verlor in Florenz mit 0:1. Als amtierender Weltmeister musste sich England nicht für die nächste Weltmeisterschaft qualifizieren, und Moore blieb während dieser Zeit Stammspieler in Ramsey erster Elf. Vor dem Abflug nach Südamerika, wo sich das englische Team an die Höhenlage vor der Endrunde in Mexiko gewöhnen wollte, hatte Moore bereits zum 78. Mal in der Nationalmannschaft gestanden.

Das Weltmeisterschaftsjahr 1970 Auch für die nun folgende WM 1970 sollte Moore das Amt des englischen Mannschaftsführers ausüben. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft wurde Moore in eine Diebstahlaffäre verwickelt, in der er beschuldigt wurde, bei einem Juwelier im kolumbianischen Bogotá – wo sich die englische Mannschaft zu einem Vorbereitungsspiel zu diesem Zeitpunkt aufhielt – ein Armband entwendet zu haben. Ein junger Mitarbeiter des Geschäftsmannes behauptete, dass Moore das Armband in einem Hotelgeschäft mitgenommen hatte, ohne es schließlich zu bezahlen. Im Nachhinein konnte bestätigt werden, dass Moore mit Bobby Charlton tatsächlich den Laden aufgesucht hatte, um ein Geschenk für Charltons Frau auszusuchen. Die weiteren Vorwürfe stellten sich aber als vollständig erfunden heraus. Moore wurde verhaftet, kurze Zeit später aber wieder freigelassen und reiste gemeinsam mit der Mannschaft zur nächsten Freundschaftspartie gegen Ecuador nach Quito, wo er beim 2:0-Sieg zu seinem 80. Länderspiel kam. Als der gesamte Stab zurück nach Mexiko flog, musste ein Zwischenstopp in Kolumbien eingelegt werden, bei dem Moore erneut verhaftet und schließlich vier Tage unter Hausarrest gestellt wurde. Erst der zunehmende diplomatische Druck und die schwache Beweislage sorgten dafür, dass Moore vollständig entlastet wurde und seiner Mannschaft zur Weltmeisterschaftsvorbereitung nach Mexiko folgen konnte.