mini|Kloster und Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen Die Bayerische Franziskanerprovinz vom heiligen Antonius von Padua (Bavaria) war eine Ordensprovinz der Franziskaner. Sie entstand 1625 durch Ausgliederung von sieben bayerischen Konventen aus der Straßburger Ordensprovinz, die sich der neu entstandenen Reformbewegung der Reformaten angeschlossen hatten. Die bayerische Provinz schloss sich mit den anderen deutschen Ordensprovinzen 2010 zur Deutschen Franziskanerprovinz von der hl. Elisabeth zusammen.

Geschichte Kustodie der Straßburger Provinz (bis 1625) Nach einem ersten erfolglosen Versuch im Jahr 1217 gelang es den Brüdern des 1209 von Franz von Assisi gegründeten und 1210 von Papst Innozenz III. bestätigten Franziskanerordens 1221, in Deutschland Fuß zu fassen. In diesem Jahr entstand in Augsburg die erste deutsche Niederlassung, es folgten Würzburg und Regensburg. Weil sich die franziskanische Bewegung auch in Deutschland mit erstaunlicher Schnelligkeit entfaltete, wurde die 1221 gegründete Ordensprovinz Teutonia bereits 1230 in eine rheinische (Provincia Rheni) und eine sächsische Provinz (Provincia Saxonia) geteilt. Eine weitere Neuumschreibung der deutschen Provinzen erbrachte nach 1239 die Teilung der rheinischen in die oberdeutsche Provincia Argentina (Straßburg) und die niederdeutsche Provincia Colonia.Willibald Kullmann: Die Sächsische Franziskanerprovinz, ein tabellarischer Leitfaden ihrer Geschichte. Düsseldorf 1927, 9.14-20.

Wegen des schnellen Wachstums wurde die Straßburger Provinz bald in „Kustodien“ genannten Verwaltungsbezirken organisiert, darunter eine „bayerische Kustodie“. Im Gebiet des heutigen Bayerns wurden neben Augsburg, Würzburg und Regensburg in den 1220er-Jahren bereits Niederlassungen gegründet in Bamberg, Nürnberg, Lindau und München, bis 1350 entstanden die Klöster in Nördlingen, Coburg, Ingolstadt, Landshut, Rothenburg ob der Tauber, Hof, Amberg, Tölz und Cham.Raynald Wagner: Zur Geschichte der Bayerischen Franziskanerprovinz von 1625 bis 1802. In: Bayerische Franziskanerprovinz (Hrsg.): 1625 – 2010. Die Bayerische Franziskanerprovinz. Furth 2010, S. 6–29, hier S. 6f.

Die Franziskaner in Bayern standen von Anfang an in der Gunst des Adelsgeschlechts der Wittelsbacher. Herzog Ludwig der Strenge hatte die Minderbrüder nach Ingolstadt und Landshut gerufen; 1284 konnten sie ihre Niederlassung in München vom Anger in einen neuen Konvent in der Nachbarschaft der herzoglichen Residenz im Alten Hof verlegen. Im 14. Jahrhundert erhielt die Nähe der Franziskaner zu Herzog Ludwig dem Bayern politische Bedeutung und Brisanz. Einerseits lag Ludwig der Bayer im Streit mit dem in Avignon residierenden Papst Johannes XXII., da dieser ihm nach der Königswahl von 1314 und der Schlacht bei Mühldorf die Anerkennung als römisch-deutscher König versagte und ihn 1324 exkommunizierte. Andererseits stand der Franziskanerorden im Armutsstreit mit dem Papst, der das strenge Armutsideal der Franziskaner ablehnte und als häretisch erklärte. Der Ordensgeneral Michael von Cesena und sein theologischer Berater Wilhelm von Ockham mussten 1328 vor dem Papst aus Avignon fliehen und konnten unter dem Schutz König Ludwigs für einige Jahre im Franziskanerkloster München wohnen und wirken.Raynald Wagner: Zur Geschichte der Bayerischen Franziskanerprovinz von 1625 bis 1802. In: Bayerische Franziskanerprovinz (Hrsg.): 1625 – 2010. Die Bayerische Franziskanerprovinz. Furth 2010, S. 6–29, hier S. 7f.

Als Papst Leo X. infolge des Armutsstreits 1517 in seiner Bulle Ite et vos die Teilung des Franziskanerordens in Konventualen (heute „Minoriten“ genannt) und Observanten vornahm, teilte sich auch die Straßburger Provinz in eine Observantenprovinz (Provincia Argentina de Observantia) und eine Konventualenprovinz (Provincia Argentina Conventualium); die Observanten hielten 1517 in München ihr erstes Provinzkapitel und bildeten aus den 28 Klöstern, die sie aus der Ursprungsprovinz übernehmen konnten, drei Kustodien: eine rheinische, schwäbische und bayerische. Mehrere Klöster wurden durch die Reformation bald aufgelöst. Zur bayerischen Kustodie gehörten danach neun Klöster: München, Nürnberg, Bamberg, Ingolstadt, Landshut, Amberg, Kelheim, Riedfeld und Möningerberg.Raynald Wagner: Zur Geschichte der Bayerischen Franziskanerprovinz von 1625 bis 1802. In: Bayerische Franziskanerprovinz (Hrsg.): 1625 – 2010. Die Bayerische Franziskanerprovinz. Furth 2010, S. 6–29, hier S. 9.

Von der Provinzgründung 1625 bis ins 18. Jahrhundert mini|Kloster Hedingen (1750); das Kloster der Bavaria bestand hier von 1624 bis 1816. Im März 1625 wurde gegen den Widerstand der Observanten in der Mutterprovinz aus der Kustodie der Straßburger Provinz eine selbständige Reformatenprovinz, die Bayerische Franziskanerprovinz vom heiligen Antonius (Bavaria); der Provinzpatron ergab sich aus dem Patrozinium des Klosters in München, das zum Sitz des Provinzials wurde. Papst Urban VIII. erließ am 1. März 1625 die diesbezügliche Bulle „Sacrosanctum Apostolatus Ministerium“. Am 29. März 1625 trat das erste Provinzkapitel zusammen und wählte Antonius a Galbiato zum Provinzialminister, einen italienischen Reformaten aus der Mailänder Provinz, der bereits im Auftrag des Papstes die Straßburger Provinz visitiert hatte und das Reformkonzept der Reformaten umsetzen sollte. Bei einer Visitation im Jahr 1620 hatte er mit der Reform der Bayerischen Klöster begonnen, zunächst in München und Landshut. Nur 32 Patres und 10 Laienbrüder der Bayerischen Kustodie waren bereit, die Reform anzunehmen, und unterschrieben feierlich eine Verzichtserklärung aus allen Einkünften aus Stiftungen. Neun Novizen traten aus, und die von Antonius a Galbato abgesetzten Oberen wandten sich an Herzog Maximilian – allerdings erfolglos, da dieser die Reform befürwortete. Hinzu kamen Freising, Ingolstadt und Kelheim, 1624 zwei neugegründete Reformatenklöster in Tölz und Hedingen. Mit 7 Konventen waren die Voraussetzungen gegeben, dass aus der Kustodie eine Provinz werden konnte.

Die Bavaria war die erste Reformatenprovinz im Franziskanerorden überhaupt. Zu ihr gehörten die Klöster in München, Freising, Ingolstadt, Kelheim, Landshut, Tölz, Hedingen, bis zu den 1660er-Jahren wuchs die Provinz mit Amberg und Pfreimd, Weilheim und Dingolfing, Schrobenhausen, Stadtamhof, Eggenfelden und Altötting, Reutberg, Neuburg (Donau), Kemnath, Cham, Neukirchen im Bayerischen Wald und Dietfurt auf über 20 Niederlassungen. Dabei leistete die Provinz durch ihre Klostergründungen vor allem in der Oberpfalz einen wichtigen Beitrag zur Rekatholisierung.Raynald Wagner: Zur Geschichte der Bayerischen Franziskanerprovinz von 1625 bis 1802. In: Bayerische Franziskanerprovinz (Hrsg.): 1625 – 2010. Die Bayerische Franziskanerprovinz. Furth 2010, S. 6–29, hier S. 11–19.26. 1695 kam Berchtesgaden hinzu, 1702 Schleißheim.

Das 18. Jahrhundert bedeutete für die Provinz eine Blütezeit. Sie wurde zunächst unterstützt von den Wittelsbacher Kurfürsten, auf deren Seite die Franziskaner beim Spanischen Erbfolgekrieg gestanden hatten, und auch von den zuständigen Bischöfen. 1762 hatte die Provinz 27 Niederlassungen; in Kurbayern umfasste sie 586 Patres, 97 Kleriker, 173 Laienbrüder und 8 Laiennovizen, wie der Provinzial in einer Aufstellung für den Staat angab. Mit den Brüdern in den sieben Klöstern außerhalb Kurbayerns dürften über 1000 Franziskaner zur Bavaria gehört haben.Raynald Wagner: Zur Geschichte der Bayerischen Franziskanerprovinz von 1625 bis 1802. In: Bayerische Franziskanerprovinz (Hrsg.): 1625 – 2010. Die Bayerische Franziskanerprovinz. Furth 2010, S. 6–29, hier S. 21. In manchen Jahren traten 20 bis 25 Klerikernovizen in die Provinz ein, so dass die Zahl der Studienhäuser für den Ordensnachwuchs vermehrt wurden. Die Brüder waren hauptsächlich in der Seelsorge tätig und übernahmen Predigt- und Aushilfstätigkeiten in der Pfarrseelsorge und gründeten und betreuten Bruderschaften bei ihren Klosterkirchen. Insbesondere propagierten sie die Verehrung des Kreuzwegs und weihten zwischen 1730 und 1750 über tausend Kreuzwege in Kirchen ein. Die Franziskaner wirkten als Beichtväter und Prediger in mehreren Frauenklöstern und waren Beichtväter für Bischöfe und Adelige. Die Domprediger am Freisinger Dom kamen in jener Zeit aus den Reihen der Franziskaner. Sie betreuten die Wallfahrten in Altötting, Neukirchen, Amberg und Freystadt, während die Volksmission überwiegend von Jesuiten ausgeübt wurde. Insgesamt, so errechnete der Provinzhistoriker Bernardin Lins, leisteten die Brüder zwischen 1752 und 1861 jährlich im Durchschnitt 7234 Predigten, 2123065 Beichten, 606 Katechesen und 1316 mal Sterbebeistand. Die meisten Klöster waren stark in der Armenspeisung engagiert; mit der Krankenbetreuung und Sterbebegleitung hatten die Klöster eigene Brüder, Operarii genannt, beauftragt. In den Wirren der Österreichischen Erbfolgekriege verlor die Provinz in den Jahren 1742 und 1743 134 Brüder bei der Pflege von Kranken.Raynald Wagner: Zur Geschichte der Bayerischen Franziskanerprovinz von 1625 bis 1802. In: Bayerische Franziskanerprovinz (Hrsg.): 1625 – 2010. Die Bayerische Franziskanerprovinz. Furth 2010, S. 6–29, hier S. 19ff.24–27.

Mehrere Laienbrüder der Provinz waren Baumeister, Handwerker und Architekten. So war es der Provinz möglich, zeitweise zwei oder drei Klöster gleichzeitig zu bauen. Die Brüder Hugolin Partenhauser († 1681) und Philipp Plank († 1720) leiteten den Bau von jeweils fünf bis sieben Klöstern. Andere Brüder schufen als Schreiner die Altäre der neuen Klosterkirchen.

Im Bildungsbereich beschränkte sich die Provinz auf die philosophisch-theologische Ausbildung des eigenen Ordensnachwuchses. Die Bavaria unterhielt in dieser Zeit keine Schulen und Gymnasien, im Gegensatz etwa zur Saxonia, die am Ende des 18. Jahrhunderts 12 Gymnasien besaß. Nur ganz vereinzelt traten Mitglieder der Provinz als Wissenschaftler hervor wie der Moraltheologe und Kirchenrechtler Anaklet Reiffenstuel (1641/2–1703) und der Dogmatiker Dalmatius Kick (1721–1769), der von 1753 bis 1756 auch Provinzial der Bavaria war. Die philosophischen und theologischen Kurse erfolgten in lateinischer Sprache in mehreren Konventen der Provinz, die Lektoren hatten in der Regel kein Studium an einer ordensexternen Hochschule absolviert. Lediglich die Studienhäuser in Freising und Ingolstadt hatten eine Bedeutung über die Provinz hinaus und wurden 1685 von der Ordensleitung als Studium generale anerkannt, in Freising ließ von 1691 bis 1713 auch die Diözese Freising ihre Priesteranwärter ausbilden. Die Lehre musste sich gemäß der Provinzstatuten an dem mittelalterlichen scholastischen Franziskaner Johannes Duns Scotus orientieren. Kein Mitglied der Provinz wurde selig- oder heiliggesprochen.Raynald Wagner: Zur Geschichte der Bayerischen Franziskanerprovinz von 1625 bis 1802. In: Bayerische Franziskanerprovinz (Hrsg.): 1625 – 2010. Die Bayerische Franziskanerprovinz. Furth 2010, S. 6–29, hier S. 27ff.

Säkularisation In der Regentschaft von Kurfürst Maximilian III. Joseph kam es zunehmend zu Eingriffen des Staates in die Belange der Kirche und auch der Franziskanerprovinz. Der Geistliche Rat des Kurfürsten untersagte am 3. Juli 1769 den Franziskanern die Seelsorge in Frauenklöstern, mit Dekreten vom 2. November und 30. Dezember 1769 wurde das Almosensammeln verboten, die Verbindungen zu Klöstern außerhalb Kurbayerns und zur Leitung des Gesamtordens wurden untersagt, Oberenämter durften nur von in Kurbayern geborenen Brüdern ausgeübt werden und die Zahl der „Ausländer“ in den Konventen wurde beschränkt. Insgesamt sollte die Zahl der Provinzmitglieder auf 400 reduziert werden.