Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der irischen Fußballnationalmannschaft der Männer bei Europameisterschaften. Irland nahm dreimal an der Endrunde zur Europameisterschaft teil, schied dabei aber zweimal in der Vorrunde aus. 2016 gelang erstmals der Einzug in die K.-o.-Runde, die aber gegen Gastgeber Frankreich bereits im Achtelfinale endete.
Übersicht
Irland nahm 2016 erst zum dritten Mal an der Endrunde zur Europameisterschaft teil und überstand dabei erstmals die Gruppenphase. Zuvor scheiterten die Iren zweimal in den Gruppenspielen. In der ewigen EM-Tabelle reichte das vor der EM 2016 unter 28 geführten Mannschaften nur für Platz 21.
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1960 Frankreich nicht qualifiziert in der Vorausscheidung am späteren Dritten Tschechoslowakei gescheitert 1964 Spanien nicht qualifiziert im Viertelfinale am späteren Europameister Spanien gescheitert 1968 Italien nicht qualifiziert in der Qualifikation erneut an Spanien gescheitert, das sich aber auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte 1972 Belgien nicht qualifiziert in der Qualifikation an Italien gescheitert, das sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte 1976 Jugoslawien nicht qualifiziert in der Qualifikation an der UdSSR gescheitert, die sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte 1980 Italien nicht qualifiziert in der Qualifikation an England gescheitert 1984 Frankreich nicht qualifiziert in der Qualifikation am späteren Vizeeuropameister Spanien gescheitert 1988 BR Deutschland Vorrunde England, Niederlande, UdSSR 5. nach einem Sieg gegen England, einem Remis gegen den späteren Vizeeuropameister UdSSR und einer Niederlage gegen den späteren Europameister Niederlande als Gruppendritter ausgeschieden 1992 Schweden nicht qualifiziert in der Qualifikation an England gescheitert 1996 England nicht qualifiziert in den Relegationsspielen an den Niederlanden gescheitert 2000 Niederlande und Belgien nicht qualifiziert in den Relegationsspielen nach zwei Remis an der Türkei aufgrund der Auswärtstorregel gescheitert 2004 Portugal nicht qualifiziert in der Qualifikation an Russland und der Schweiz gescheitert 2008 Österreich und Schweiz nicht qualifiziert in der Qualifikation an Tschechien und dem späteren Vizeeuropameister Deutschland gescheitert 2012 Polen und Ukraine Vorrunde Kroatien, Spanien, Italien 16. nach Niederlagen gegen Kroatien, Italien sowie Weltmeister und Titelverteidiger Spanien als Gruppenletzter ausgeschieden 2016 Frankreich Achtelfinale Frankreich 15. Nach einem Remis gegen Schweden, einer Niederlage gegen Belgien und einem Sieg gegen Italien als zweitbester Gruppendritter für die K.-o.-Runde qualifiziert. 2021Europa nicht qualifiziert Irland sollte mit dem Aviva Stadium ursprünglich eine Spielstätte für drei Gruppenspiele und ein Achtel- oder Viertelfinalspiel stellen, wurde aber im April 2021 als Austragungsort gestrichen. In der Qualifikation scheiterte Irland an der Schweiz und Dänemark. In den Playoffs der UEFA Nations League, einer weiteren Qualifikationsmöglichkeit, scheiterten sie an der Slowakei. 2024Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Frankreich und der Niederlande gescheitert. 2028Vereinigtes Königreich/Irland
Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 An der ersten Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, wollte auch Irland teilnehmen. Weil sich 17 Teilnehmer angemeldet hatten, kam es zu einer Vorausscheidung zwischen zwei Teams, damit die Zahl von Mannschaften für das Achtelfinale auf sechzehn begrenzt wurde. Zu diesen Mannschaften gehörte Irland. Im Hinspiel gewann Irland am 5. April 1959 vor 37.000 Zuschauern in Dublin durch Tore von Liam Tuohy und Noel Cantwell mit 2:0. Das Rückspiel am 10. Mai 1959 in Bratislava konnte die Tschechoslowakei, die schon in der vierten Minute durch einen Strafstoß von Torwart Imrich Stacho in Führung ging und in der zweiten Halbzeit mit drei weiteren Toren alles klarmachte, aber mit 4:0 für sich entscheiden. So waren die Tschechoslowaken dank der besseren Tordifferenz für das Achtelfinale qualifiziert und erreichten später auch die Endrunde, bei der sie Dritter wurden.
EM 1964 Vier Jahre später wollten schon mehr Mannschaften als 1960 teilnehmen, daher wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde vorgeschaltet. Irland musste gegen Island antreten und gewann das Heimspiel mit 4:2, so dass ein 1:1 im Rückspiel reichte, um das Achtelfinale zu erreichen. Hier trafen sie auf Österreich und konnten nach einem torlosen Remis in Wien durch ein dramatisches 3:2, bei dem sie den Siegtreffer erst in der 89. Minute erzielten, das Viertelfinale erreichen.Irland - Österreich 3:2 (1:1) Im Viertelfinale gegen Spanien kam dann aber das Aus, beide Spiele wurden verloren: 1:5 in Spanien und 0:2 im Rückspiel vor eigenem Publikum. Spanien wurde dann Ausrichter der Endrunde und gewann erstmals den Titel.
EM 1968 Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Irland musste gegen Europameister Spanien, die Tschechoslowakei und die Türkei antreten. Irland startete mit einem torlosen Remis gegen den Titelverteidiger und gewann dann gegen die Türkei, verlor dann aber drei Spiele. Der Sieg im letzten Spiel in der Tschechoslowakei brachte den Iren daher nichts mehr, verhinderte aber die EM-Teilnahme der Tschechoslowakei. So wurde Spanien Gruppensieger, scheiterte dann aber im Viertelfinale an Weltmeister England.
EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnte sich Irland auch nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Titelverteidiger Italien, Österreich und Schweden gelang den Iren nur ein Remis gegen Schweden im ersten Spiel, danach wurden alle Spiele verloren, so dass Irland am Ende Letzter wurde. Gruppensieger Italien scheiterte dann überraschend im Viertelfinale an Belgien, das die Endrunde danach ausrichten durfte und Dritter wurde.
EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen, Irland scheiterte wieder bereits in der Gruppenphase, diesmal an der Sowjetunion, aber wesentlich knapper als zuvor. Die Türkei und die Schweiz landeten auf Platz 3 und 4. Dabei gewann Irland alle Heimspiele, erreichte in der Türkei ein 1:1 und verlor in der Schweiz und der UdSSR jeweils nur mit einem Tor Differenz. Damit hatten sie zwar die meisten Tore erzielt und die wenigsten Gegentore kassiert, die UdSSR hatte aber einen Punkt mehr auf dem Konto. Sie scheiterte dann allerdings im Viertelfinale am späteren Europameister Tschechoslowakei, der den Titel im Elfmeterschießen gegen Titelverteidiger Deutschland gewann. Don Givens wurde immerhin mit den acht in der Qualifikation erzielten Toren Torschützenkönig des gesamten Wettbewerbs.
Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 In der Qualifikation für die Europameisterschaft in Italien, die erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen wurde, trafen die Iren in der Gruppe auf Dänemark, England, Nordirland und Bulgarien. England setzte sich souverän mit sieben Siegen und einem Remis ohne Niederlage durch und war damit als Gruppensieger für die Endrunde qualifiziert. Irland konnte nur die Heimspiele gegen Dänemark und Bulgarien gewinnen, gegen England und den Nachbarn Nordirland reichte es in den Heimspielen nur zu Unentschieden. Ein weiteres Remis wurde im ersten Spiel in Dänemark erreicht. Die anderen drei Auswärtsspiele wurden verloren, so das am Ende nur Platz 3 herauskam. England erreichte als Gruppensieger die Endrunde, schied dort aber in der Vorrunde aus.
EM 1984 In der Qualifikation für die EM 1984 in Frankreich mussten die Iren in Gruppe 7 gegen Spanien, die Niederlande, Island und Malta antreten. Die Iren gewannen nur jeweils beide Spiele gegen Island und Malta, erreichten im Heimspiel gegen Spanien ein 3:3, verloren aber die restlichen Spiele, so dass am Ende wieder nur Platz 3 erreicht wurde. Gegen Malta gelang aber mit einem 8:0 der höchste Länderspielsieg der Iren.
EM 1988 Nach der verpassten Qualifikation für die WM 1986 übernahm der Engländer Jack Charlton, einer der WM-Helden von 1966 das Traineramt bei den Iren. Er suchte gezielt nach in Großbritannien geborenen Spielern irischer Abstammung, die nur geringe Chancen hatten, in die britischen Nationalmannschaften aufgenommen zu werden, da sie oft bei Vereinen der zweiten englischen Liga spielten. Mit diesen Spielern baute Charlton eine neue Mannschaft auf. Für die Europameisterschaft in Deutschland konnte sich Irland damit erstmals qualifizieren. In einer sehr ausgeglichenen Gruppe mit Bulgarien, Belgien, Schottland und Luxemburg, in der nur Luxemburg kein Spiel gewann, wurde Irland dank der Schützenhilfe der Schotten Gruppensieger. Obwohl die Schotten sich nicht mehr qualifizieren konnten, spielten sie in Bulgarien auf Sieg und gewannen mit 1:0. Damit hatten die Iren, die nur in Bulgarien verloren hatten, am Ende einen Punkt mehr als die Bulgaren.
In Deutschland wurden sie in eine Gruppe mit den Niederlanden, England und der UdSSR gelost. Das Auftaktspiel mussten die Iren gegen die Engländer bestreiten und da die Engländer seit 1949 nicht mehr gegen Irland verloren hatten, galt England als Favorit. In der 6. Minute gelang den Iren aber das 1:0 durch den in Schottland geborenen Ray Houghton, das die Iren dann bis zum Schluss verteidigten, wodurch Charlton in Irland zur Kultfigur wurde. Im zweiten Spiel gegen die UdSSR gingen die Iren nach 39 Minuten durch Ronnie Whelan in Führung, konnten diese aber nur bis zur 75. Minute verteidigen. Das 1:1 brachten sie dann aber über die Zeit. Damit führten Irland und die UdSSR vor dem letzten Spieltag die Gruppe punkt- und torgleich an und ein Remis im letzten Spiel gegen die Niederländer hätte zum Halbfinaleinzug gereicht. Die Iren hielten auch 82 Minuten lang das 0:0, dann gelang Wim Kieft der 1:0-Siegtreffer für die Niederländer. Da die UdSSR gegen England gewann, wurde sie Gruppensieger und die Niederländer, die das erste Spiel gegen die UdSSR mit 0:1 verloren hatte, wurde Zweiter. Im Finale trafen dann beide erneut aufeinander und die Niederländer konnten sich für die Auftaktniederlage revanchieren und gewannen zum ersten Mal einen bedeutenden Titel. Irland verabschiedete sich als Gruppendritter vor England für 24 Jahre von der EM-Bühne, konnte sich unter Charlton aber auch erstmals für eine WM qualifizieren. Dort scheiterten erreichten sie sogar das Viertelfinale, wo sie an Gastgeber Italien scheiterten.
EM 1992 In der Qualifikation für die EM 1992 traf Irland dann wieder auf England sowie Polen und die Türkei. Die Iren verloren zwar kein Spiel, konnten aber nur beide Spiele gegen die Türken gewinnen, die alle Spiele verloren, die vier anderen Spiele endeten aber Remis. Da die Engländer außer gegen die Türken auch ihr Heimspiel gegen Polen gewannen, hatten sie am Ende einen Punkt mehr als die Iren und fuhren zur EM. Dort scheiterten sie aber in der Gruppenphase der letztmals mit acht Mannschaften ausgetragenen Endrunde.
Endrunden mit 16 Teilnehmern EM 1996 Für die EM 1996 in England, die erstmals mit 16 Mannschaften ausgetragen wurde, mussten sich die Iren gegen Portugal, Nordirland, Österreich, Lettland und Liechtenstein qualifizieren. Die Iren starteten mit vier Siegen und zwei Unentschieden, verloren dann beide Spiele gegen Österreich, ehe gegen Lettland ein weiterer Sieg gelang. Am letzten Spieltag verloren sie dann mit 0:3 in Portugal. Damit waren sie schlechtester Gruppenzweiter der acht Gruppen und mussten gegen den siebtplatzierten Gruppenzweiten, die Niederlande um den letzten Startplatz bei der EM-Endrunde spielen. Das Spiel wurde auf neutralem Platz in Liverpool ausgetragen und mit 0:2 verloren. Nach dem Spiel, seinem 93. auf der irischen Trainerbank, trat Jack Charlton als Trainer der Iren zurück. Sein Nachfolger wurde Mick McCarthy.
EM 2000