Demokratisches Wochenblatt. Organ der Deutschen Volkspartei, ab 5. Dezember 1868 Demokratisches Wochenblatt. Organ der Deutschen Volkspartei und des Verbandes Deutscher Arbeitervereine und ab dem 14. August 1869 Demokratisches Wochenblatt. Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei. Die Zeitung erschien vom 4. Januar 1868 bis zum 29. September 1869 in 96 Ausgaben.

Gegründet wurde die Zeitung von Wilhelm Liebknecht, August Bebel und Otto Freytag.Demokratisches Wochenblatt. Nr. 1 vom 4. Januar 1868. Verantwortlicher und besoldeter Redakteur war Wilhelm Liebknecht. Carl Hirsch wurde zeitweilig Mitredakteur.Demokratisches Wochenblatt. Nr. 14 vom 3. April 1869, S. 8; Demokratisches Wochenblatt. Organ der Deutschen Volkspartei und des Verbandes Deutscher Arbeitervereine. Leipzig 1869. Unveränderter Fotomechanischer Nachdruck der Originalausgabe. Zentralantiquariat der Deutschen Demokratischen Republik, Leipzig 1969, S. 194. Die Zeitung wurde jeden Sonnabend als Wochenzeitung und ab der Nummer 35 vom 28. August 1869 zweimal wöchentlich (Mittwoch und Sonnabend) herausgegeben. Zusätzlich wurden Beilagen gedruckt.

Bis zur Nummer 13 vom 27. März 1869 wurde die Zeitung von Carl Wilhelm. VollrathVollrath, Carl Wilhelm. In: Helga Brandt: Biographische Skizzen von Leipziger Arbeiterfunktionären. Dokumentation zum 100. Jahrestag des Sozialistengesetzes 1878–1890. Akademie-Verlag, Berlin 1978, S. 257–259. in Leipzig gedruckt und verlegt. Danach war Friedrich Thiele der Drucker und Verleger. Die Auflage betrug ca. 2000 ExemplareInge Werchan u. a.: Das Werk von Marx und Engels in der Literatur der deutschen Sozialdemokratie (1869–1895). Bibliographie. Dietz Verlag, Berlin 1979, S. 492. davon ca. 1400 Abonnenten.„Über 700 Abonnenten“. Liebknecht an Engels 28. Januar 1868. (Wilhelm Liebknecht. Briefwechsel mit Karl Marx und Friedrich Engels. S. 87.)Demokratisches Wochenblatt. Mit einer Einleitung von Heinrich Gemkow und Ursula Hermann. Leipzig 1868. S. I.

Demokratisches Wochenblatt Entstehung Das Demokratische Wochenblatt wurde als Parteiorgan der Deutschen Volkspartei gegründet und sollte gleichzeitig Informationen aus den Arbeitervereinen publizieren. August Bebel beschrieb das in seinen Erinnerungen so: .August Bebel: Aus meinem Leben. Erster Teil., Dietz Verlag, Berlin 1983, S. 156–157 (=August Bebel. Ausgewählte Reden und Schriften. Band 6)

Ab Dezember 1868 war die Zeitung Nachfolgeorgan der Deutschen Arbeiterhalle. Organ der Vereinstages Deutscher Arbeiter-Vereine herausgegeben von Johann Peter Eichelsdörfer (1829–1889).Deutsche Arbeiterhalle. 1. Juni 1867 bis 4. Dezember 1868. Vereinstag, Mannheim 1867–1868. (Reprint J. H. W. Dietz Nachf., Bonn 1980.)

Aufbau der Ausgaben Jede Ausgabe beginnt mit einer von Wilhelm Liebknecht verfassten „Politischen Uebersicht“. Außerdem enthalten viele Ausgaben die Rubrik „Vororts- und Arbeiter-Angelegenheiten“, in denen über die deutschen Arbeitervereine durch kurze Korrespondenzen aus den Vereinen berichtet wird. Regelmäßig wurden Artikel über die aktuellen Beschlüsse der Internationalen Arbeiterassoziation abgedruckt. Korrespondenzen aus Berlin,Verfasser war möglicherweise Robert Schweichel, der 1868 von Leipzig nach Berlin verzogen war. London,Rubrik Aus England. Johann Georg Eccarius an Wilhelm Liebknecht [August 1860] abgedruckt in: Wilhelm Liebknecht. Briefwechsel mit deutschen Sozialdemokraten. S. 258–259; Demokratisches Wochenblatt. Organ der Deutschen Volkspartei und des Verbandes Deutscher Arbeitervereine. Leipzig 1869. Unveränderter Fotomechanischer Nachdruck der Originalausgabe. Zentralantiquariat der Deutschen Demokratischen Republik, Leipzig 1969, S. 197 Anmerkung ***. WienRubrik Aus Deutsch-Oesterreich. Siehe dazu auch die 14 Briefe Heinrich Oberwinders an Wilhelm Liebknecht. Sie sind abgedruckt in Wilhelm Liebknecht. Briefwechsel mit deutschen Sozialdemokraten. S. 227–254. und New YorkDie Beiträge stammen vermutlich von Sigfrid P. Meyer und August Vogt. (Wilhelm Liebknecht: Zwei Pioniere. In: Die Neue Welt. 1900, Nr. 17, S. 131–134. Abgedruckt in: Wilhelm Liebknecht. Erinnerungen eines Soldaten der Revolution. Zusammengestellt und eingeleitet von Heinrich Gemkow. Dietz Verlag, Berlin 1976, S. 309–321.) finden sich in vielen Nummern, sogar eine aus China.Chinesische Briefe. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 42 vom 22. September 1869. In vielen Ausgaben wurden unter der Überschrift „Weiße Sklaven“ besonders schwere Willkürhandlungen von einzelnen Unternehmern beschrieben. Großen Wert legte die Redaktion auf Berichte über die Aktivitäten der gerade entstehenden Gewerkschaftsbewegung. Buchbesprechungen gibt es relativ wenige. Anzeigen werden in jeder Ausgabe gebracht. Sie enthalten hauptsächlich Anzeigen für befreundete Zeitungen und gelegentlich auch für einzelne Bücher. In wenigen Ausgaben finden sich Todesanzeigen.So für Moritz Thilo aus Crimmitschau. (Demokratisches Wochenblatt. Nr. 40 vom 15. September 1889) Nekrologe erschienen für Ernest Jones,Demokratisches Wochenblatt. Nr. 6 Beilage vom 6. Februar 1869. Theodor OlshausenDemokratisches Wochenblatt. Nr. 18 vom 1. Mai 1869. und für den Vorsitzenden der amerikanischen National Labor Union William H. Sylvis sogar eine ganze Beilage.[Johann Georg Eccarius]: Tod des Präsidenten der Nationalen Arbeiter-Union der Vereinigten Staaten. In: Demokratisches Wochenblatt. Beilage Nr. 34 vom 21. August 1869. (Siehe dazu auch Documents of the first International. 1868–1870. Minutes. o. J. Lawrence & Wishart, London, S. 447.) In der Rubrik „Briefkasten“ antwortete Liebknecht auf kleine Anfragen seiner Leser. In wenigen Ausgaben wurden Gedichte, in der Regel ohne Verfasserangabe, abgedruckt. Gelegentlich wurden auch Hilferufe abgedruckt. So z. B. der von Isaak Rülf von israelitischen Gemeinde Memel.Nothruf aus Memel. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 31 vom 31. Juli 1869.

Inhalt Wie aus den Untertiteln der Zeitung hervorgeht, das es drei Phasen der organisatorischen Ausrichtung der Zeit. Unter dem Titel Unser Programm schrieb Liebknecht in der ersten Ausgabe der Zeitung: „Festhaltend an dem wohlbewährten Chemnitzer Programm […] werden wir die demokratischen Grundsätze auf allen Gebieten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens bis zu den äußersten Consequenzen verfechten. Was insbesondere die beiden brennendsten Tagesfragen betrifft, die Deutsche und die Arbeiter-Frage, so erstreben wir einen deutschen Volksstaat, der alle Stämme des großen Vaterlandes (selbstverständlich auch die Deutsch-Oesterreicher) unter dem gemeinsamen Banner der Freiheit vereinigt, und werden Krieg auf Leben und Tod führen gegen jene verderbliche Politik, deren Endziel die Vergrößerung Preußens und die Verkleinerung Deutschlands ist. In der sozialen Frage werden wir rücksichtslos eintreten für die Rechte der Arbeit und mit aller Macht für die ökonomische Befreiung der Arbeiterklasse wirken.“ Das am 19. August 1866 beschlossene Programm wurde am 4. Juli 1868 vollständig erstmals im Wochenblatt veröffentlicht.Programm der demokratischen Partei in Sachsen. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 27 vom 4. Juli 1868. „Dieß ist das oftgenannte ‚Chemnitzer Programm‘, um dessen Veröffentlichung wir wiederholt ersucht worden sind; es wurde unmittelbar nach Beendigung des Bismarck'schen Krieges am 19. Aug. 1866 von der Landesversammlung der sächsischen Demokratie entworfen und einstimmig angenommen.“ Das Demokratische Wochenblatt ließ Johann Jacoby zu Wort kommen,Johann Jakoby zum demokratischen Programm. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 23 Beilage vom 6. Juni 1868. oder auch einen Bergarbeiter.Zur Bergarbeiterfrage. Von einem Bergarbeiter. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 11 vom 14. März 1868 und Nr. 13 vom 28. März 1868. Es wurde an die Märzrevolution erinnertMärzgedanken. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 13 vom 28. März 1868. und Liebknecht setzte sich mit dem preußischen Polizeirat Wilhelm Stieber und dessen neuerlichen Versuchen auseinander, Geheimagenten in die Arbeitervereine einzuschleusen.Noch ein preußischer Spion. In: Demokratisches Wochenblatt.Nr. 17. vom 25. April 1868; Noch ein preußischer Spion. Nr. 18. vom 2. Mai 1868; Stieberisches. Nr. 19 vom 9. Mai 1868; Stieberisches. Nr. 20 vom 16. Mai 1868; Stieberisches. Nr. 22 vom 30. Mai 1868; Stieberisches. Nr. 24 vom 13. Juni 1868; Stieberisches. Nr. 26 vom 27. Juni 1868. Bebels wichtigster Beitrag in dieser Periode in dem Wochenblatt war sein Aufruf zur Gründung von Gewerksgenossenschaften und die Veröffentlichung der „Musterstatuten für Deutsche Gewerksgenossenschaften“,Demokratisches Wochenblatt. Nr. 48 Beilage vom 28. November 1858. die Beschlüsse des fünften Vereinstages der deutschen Arbeitervereine in Nürnberg vom September 1868 umsetzten.Die Protokolle des Vereinstages wurden in den Nummern 37 bis 39 und Nummer 41 Beilage veröffentlicht.

Bebel, der für die Rubrik Vororts- und Arbeiterangelegenheiten verantwortlich war, erweiterte ab 1869 diesen Teil der Zeitung.Z. B. Nr. 5 Extrabeilage vom 30. Januar 1869; Adolph Kröber: Die soziale Stellung der Brauerei-Arbeiter. In: Nr. 9 Beilage vom 27. Februar 1869 und Nr. 13 Beilage vom 27. März 1869. Carl Hirsch setzte sich ausführlich mit einigen Dogmen der Lassalleanern in seinem vierteiligen Artikel Die indirekten Steuern und der Aftersozialismus auseinander. Mit der Erweiterung des 1850 verfassten Werkes von Eccarius („Die Schneiderei in London oder der Kampf des großen und kleinen Kapitals“) vertiefte die Redaktion die ökonomischen Ansichten von Marx bei ihren Lesern. Die Redaktion grenzte sich stärker von der Fortschrittspartei ab.Fortschrittspartei und Volkspartei. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 5 vom 30. Januar 1869; Nationaleliberale Arbeiter-Beglücker. in Nr. 12. vom 20. März 1869. Bei der sächsischen Landtagswahl vom 4. Juni 1869 enthielt sich die Volkspartei, weil der größte Teil der Arbeiter vom Wahlrecht gewählt zu werden ausgeschlossen wurde.Die sächsischen Landtagswahlen und die Enthaltung der Volkspartei. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 23 vom 5. Juni 1869. Verstärkt betrieben Bebel und Liebknecht die Auseinandersetzung mit Schweitzer.Bebel: An Herrn Dr. Schweitzer in Berlin und Liebknecht: Ueber die politische Stellung der Sozial-Demokratie insbesondere mit Bezug auf den Norddeutschen „Reichstag“. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 27 vom 3. Juli 1869.

Am 17. Juli machte das Demokratische Wochenblatt mit einem Aufruf zu dem „allgemeinen deutschen sozial-demokratischen Arbeiter-Congreß“ im August 1869 in Eisenach auf.Demokratisches Wochenblatt. Nr. 29 vom 17. Juli 1869. Gleichzeitig wird eine Serie „Contra Schweitzer-Hatzfeld (Mende)“ mit Zuschriften von Lesern weiter fortgeführt. Am 31. Juli veröffentlicht das Blatt „Programm und Organisationsvorlage für den allgemeinen deutschen sozial-demokratischen Congreß in Eisenach am 7., 8. und 9. August 1869“.Demokratisches Wochenblatt. Nr. 31 Beilage. Bereits am 14. August wurde auf der Titelseite „Der Volksstaat. Organ der sozial-demokratischen Arbeiterpartei“ ab 1. Oktober angekündigt und in den weiteren Ausgaben das Protokoll und das Programm des Eisenacher Parteitages im Wortlaut gedruckt. Liebknecht fasste die Ergebnisse zusammen: „Der Eisenacher Congreß bezeichnet einen Wendepunkt in der Entwicklungsgeschichte des deutschen Proletariats. Vor 8 Tagen waren wir eine Anzahl Sozialdemokraten, heute sind wir eine sozialdemokratische Partei. […] Kein Paktiren, kein Friede mit den Feinden. Stets zur Versöhnung bereit mit den irregeleiteten Brüdern, die noch verstrickt sind in die Lügennetze eines schaam- und gewissenlosen Abenteurers. Thue jeder seine Schuldigkeit!“Politische Uebersicht. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 33 vom 14. August 1869.

Bekannte Mitarbeiter mini|Wilhelm Liebknecht August BebelBibliografie seiner Beiträge für das „Demokratische Wochenblatt“ in: August Bebel. Ausgewählte Reden und Schriften. Band 1. 1863 bis 1878. Bearb. von Rolf Dlubek und Ursula Hermann. Dietz Verlag, Berlin 1970, S. 696–702.