mini|hochkant=1.2| rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.8|Unterschrift Otto Bartning

Otto Bartning (* 12. April 1883 in Karlsruhe; † 20. Februar 1959 in Darmstadt) war ein deutscher Architekt und Architekturtheoretiker, der vor allem mit seinen Kirchenbauwerken bekannt wurde. Zu seinen umfangreichsten Projekten gehörte sein Engagement als Architekt auf der Insel Helgoland nach dem Zweiten Weltkrieg.https://www.helgoland.de/wissenswertes/kulturinsel-gestern-und-heute/kuenstler/otto-bartning/http://www.otto-bartning.de/anzeige_objekt.php?id=440 Die meisten noch vorhandenen Gebäude nach Bartnings Plänen stehen inzwischen unter Denkmalschutz.

Leben Otto Bartning wurde als jüngstes von fünf Kindern des Hamburger Kaufmanns Otto Bartning (1837–1911) und dessen Frau Jenny, geb. Doll, einer Tochter des evangelischen Theologen Karl Wilhelm Doll, Hier: „Enkel u. a. Otto Bartning (1883–1959), Architekt in Weimar u. Darmstadt.“Otto Bartning auf der Website der Familie Bartning geboren. Nach dem Abitur 1902 am Großherzoglichen Gymnasium in Karlsruhe begann er im Wintersemester des gleichen Jahres sein Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Charlottenburg. Zu seinen Lehrern zählte u. a. Julius Carl Raschdorff. Von 27. März bis 5. Dezember 1904 unternahm Bartning eine Weltreise (in der älteren Literatur fälschlicherweise auf 1902–1903 datiert) und setzte dann sein Studium in Berlin – und für ein Semester in Karlsruhe bei Hermann Billing, Max Laeuger und Karl Moser – fort. Gleichzeitig war er ab Ende 1905 freischaffender Architekt in Berlin. Otto Bartning beendete sein Studium ohne Abschluss (zum Zeitpunkt gibt es widersprüchliche Quellenangaben: 1908 oder 1907).

Noch als Student baute Bartning seine erste Kirche, die evangelische Friedenskirche in Peggau in der Steiermark. Dem folgten in der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg 17 weitere evangelische Kirchen in den überwiegend katholischen Donauländern, sogenannte Diasporakirchen. Der erste Kirchenbau Bartnings in Deutschland entstand 1909–1910 in Essen.

Ab 1912 war er Mitglied im Deutschen Werkbund, von 1919 bis 1923 gehörte er dessen Vorstand an. Zusammen mit Walter Gropius begründete er ab Ende 1918 die Bauhaus-Idee, formulierte weitgehend das Programm, war dann aber an der Gründung nicht beteiligt (Alleingang von Gropius). Bartning zählte zu den Begründern der Architektenvereinigung Der Ring. 1922 erregte sein (nicht ausgeführter) expressionistischer Entwurf einer Sternkirche Aufsehen,Details zum Sternkirchen-Entwurf 1928 wurde er mit dem Bau der Stahlkirche auf dem Ausstellungsgelände der Pressa in Köln international bekannt. Nach dem Umzug des Bauhauses nach Dessau war Bartning 1926–1930 Direktor der neu gegründeten Staatlichen Bauhochschule Weimar. Nach dem Sieg der NSDAP in Thüringen 1930 musste er diese Funktion an Paul Schultze-Naumburg, den politischen Zögling des thüringischen NS-Ministers und späteren Reichsinnenministers Wilhelm Frick, abgeben.Hans Prolingheuer: Hitlers fromme Bilderstürmer. Kirche & Kunst unterm Hakenkreuz. Köln 2001, ISBN 3-920862-33-3, S. 330, Anm. 232. Danach war er vorwiegend wieder in Berlin tätig, unter anderem war er an der Errichtung der Siemensstadt beteiligt. 1943 arbeitete er an der Restaurierung der Heiliggeistkirche in Heidelberg.T. Heuss: Zur Einführung. In: Planen und Bauen im neuen Deutschland. Köln/Opladen 1960.

Bartning gehörte in den 1920er Jahren zu den Teilnehmern an den Colpacher Gesprächen, die eine deutsch-französische Verständigung fördern sollten. Er wohnte jedoch in dieser Zeit in Berlin-Schöneberg, unter anderem in der Friedrich-Wilhelm-Straße 6a.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bartning Leiter der Bauabteilung des Evangelischen Hilfswerks in Neckarsteinach. Unter seiner Leitung legte das Hilfswerk mit Unterstützung ausländischer Kirchen zwei Serienkirchenprogramme auf. Bartning entwarf drei Typen von Notkirchen, von denen 43 in ganz Deutschland gebaut wurden, insbesondere dort, wo Flüchtlinge und Vertriebene aufgenommen worden waren.Sigrid Hoff: Ein moderner Kirchenvater. Otto Bartning war Vordenker der Bauhaus-Bewegung und maßgeblich im Kirchenbau engagiert. In: Christ in der Gegenwart, 2017, Jg. 69, S. 183. In einem Folgeprogramm wurden weitere, jetzt kleinere Kirchengebäude in den drei Typen Gemeindezentrum, Diasporakapelle und Haus der Kirche errichtet.

Bartning gründete 1946 gemeinsam mit Eugen Gerstenmaier den Evangelischen Siedlungsdienst zum Siedlungsbau. Er war auch maßgeblich an der Wiederbegründung des Deutschen Werkbundes beteiligt. Ab 1950 führte er mit dem Architekten Otto Dörzbach eine Bürogemeinschaft. Ende dieses Jahres war er nach Darmstadt gezogen und residierte fortan in einem Flügel des Ernst-Ludwig-Hauses auf der Mathildenhöhe. Im gleichen Jahr wurde er zum Zweiten Vorsitzenden des Deutschen Werkbundes und zum Präsidenten des Bundes Deutscher Architekten (BDA) gewählt. 1953 wurde die Otto-Bartning-Stiftung mit Sitz in Darmstadt gegründet.

Bartning starb 1959 in Darmstadt, wo sich auch sein Nachlass im Universitätsarchiv der Technischen Universität Darmstadt befindet. Otto Bartning wurde auf dem Alten Friedhof in Darmstadt bestattet (Grabstelle: I Mauer 23).

mini|Das Grab von Otto Bartning und seiner Ehefrau Cläry geborene Fuchs auf dem Alten Friedhof in Darmstadt

Bartning war seit 1909 mit Cläry (Klara) Fuchs (13. November 1878 – 12. November 1966) verheiratet. Das Paar hatte drei Kinder: Marianne verehlichte Hartmann (1910–2006), Peter (1913–1942) und Sibylle (geb. 1917). Theodor Heuss, der mit Bartning befreundet war, schätzte an ihm die „Begegnung rationaler Verständigkeit mit innerer Poesie“.

Ehrungen 1924: Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Albertus-Universität in Königsberg für die gelungene Entwicklung des Skelettbaus für die sakrale NutzungMichael Koch, Hans Leopold Zollner: Bartning, Otto. In: Badische Biographien, NF 2 (1987), S. 14–16. + Landeskundliches Informationssystem Baden-Württemberg, auf: leo-bw.deJörg Rehm, Sabrina Kronthaler: Sakralbau in Zeiten des Mangels. Otto Bartnings Notkirchenbauprogramm (PDF-Datei; 34,8 MB), auf: cyriakkapelle.deKarin Berkemann: Otto Bartning, auf: strasse-der-moderne.de 1952: Ehrendoktorwürde der Ingenieurwissenschaften der Technischen Hochschule Aachen für sein Engagement in der Technischen Kommission zum Wiederaufbau Helgolands 1953: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 1958: Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main 1958: Ernst-Reuter-Medaille in Silber der Stadt Berlin 1958: Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 1958: Stern zum Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland Im Berliner Hansaviertel, an dessen Wiederaufbau er beteiligt war, ist 1960 nach ihm die Bartningallee benannt worden. Im Karlsruher Stadtteil Knielingen wurde 2009 eine Straße nach ihm benannt. In Darmstadt-Kranichstein wurde eine Straße nach Otto Bartning benannt. Auf der Insel Helgoland wurde auf dem Oberland eine Straße nach Otto Bartning benannt.https://www.helgoland.de/wissenswertes/kulturinsel-gestern-und-heute/kuenstler/otto-bartning/

Werk Bauten (Auswahl) mini|Altlutherische Kirche in Essen-Moltkeviertel, erste Bartning-Kirche in Deutschland mini|Wasserturm, Zeipauer Dachstein- und Braunkohlenwerke AG in Zeipau (Niederschlesien)

Die 1928 auf der Ausstellung Pressa in Köln vorgestellte doppeltürmige Stahlkirche machte Bartning international bekannt. Hinzu kamen die nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Bartning-Notkirchen.

Chronologische Übersicht von Bauten und Entwürfen:Für ein komplettes Werkverzeichnis der Sakralbauten siehe Immo Wittig: 53 Jahre Kirchenbau 1906–1959. Werkverzeichnis der Sakralbauten Otto Bartnings. In: „Ich habe mein Leben lang Kirchen gebaut.“ Zur Erinnerung an Otto Bartning. In: Arbeitsstelle Gottesdienst, 2009, Band 23, S. 60–78 (). 1906–1908: evangelische Friedenskirche mit Pfarrhaus in Peggau (Steiermark, Österreich) 1908: evangelische Auferstehungskirche (Projekt) mit Pfarrhaus in Rottenmann (Steiermark, Österreich) 1908: Bethaus in Selzthal (Steiermark) 1909: evangelische Bergkirche Schenkenhan in Bad Wurzelsdorf () 1910: Altlutherische Kirche am Moltkeplatz in Essen 1910–1911: Friedenskirche in Leibnitz (Steiermark, Österreich) 1910: Wohnhaus Pommer in Pichl am Mondsee (Oberösterreich) 1911–1912: evangelisches Gemeindezentrum Lutherburg in Neustadt an der Tafelfichte () 1911–1912: Evangelische Kirche Graslitz 1911–1912: Wohnhaus für Ernst von Simson in Berlin-DahlemAbbildungen in: H. de Fries (Hrsg.): Moderne Villen und Landhäuser. 3. Auflage. Wasmuth, Berlin 1925, S. 93–98. 1912: Wohnhaus für Dr. Hartmeyer in Weidlingau (seit 1938 Stadtteil von Wien) (Österreich) 1912: evangelische Heilandskirche in Krems an der Donau (Österreich) 1913: Wohnhaus Hessel in Berlin-Grunewald 1912–1913: Landhaus für Robert Friedlaender-Prechtl in Berlin-Dahlem, Miquelstraße 90 1912–1914: evangelische Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumskirche in Nassengrub (, Ortsteil von Aš, Tschechien) 1914: Wohnhaus für Robert von Simson in Berlin-Dahlem, Im Dol 48 1921–1922: Wohnhaus Otto Goetz in Köln-Marienburg (zerstört)Abbildungen in: H. de Fries (Hrsg.): Moderne Villen und Landhäuser. 3. Auflage. Wasmuth, Berlin 1925, S. 99–100 mini|hochkant|1922: Grabmal der Familie Aschaffenburg, gelegen im Bunten Garten von Mönchengladbach 1922: Grabmal Aschaffenburg in MönchengladbachErnst Pollak: Der Baumeister Otto Bartning. Unser Lebensgefühl gestaltet in seinem Werk., 1926, 35 Seiten 1922: Idealentwurf (Modell) einer Sternkirche (nicht ausgeführt)mini|Tuchfabrik Schmitz 1923: Tuchfabrik Gebr. Aschaffenburg in Mönchengladbach, ehemals Tuchfabrik Aschaffenburg, an der Sachsenstraße 30 mini|Haus Wylerberg 1921–1924: Wohnhaus Schuster, genannt Haus Wylerberg, bei KleveAbbildungen in: H. de Fries (Hrsg.): Moderne Villen und Landhäuser, 3. Auflage, Berlin: Wasmuth 1925, S. 101–102.Walter Müller-Wulckow: Deutsche Baukunst der Gegenwart. Wohnbauten und Siedlungen. Königstein i.T., Langewiesche 1929, S. 28, S. 31. 1923–1925: Wasserturm, Direktorenwohnhaus (zerstört)Walter Müller-Wulckow: Deutsche Baukunst der Gegenwart. Wohnbauten und Siedlungen. Königstein i.T., Langewiesche 1929, S. 21f., 122. u. a. für die Zeipauer Dachstein- und Braunkohlenwerke AG in Zeipau (Niederschlesien) (seit 1945 Szczepanów, Gemeinde Iłowa, Polen) 1924: Ladenausbau Franz Lieck und Heider in Berlin 1924: Treppenhaus in Friedland (Schlesien) 1924: Gutshof in Merkelsdorf in Böhmen 1924–1925: Handwerkersiedlung Gildenhall 1925–1926: Kreiskinderheim am Ruppiner Seezeitgenössische Abb. in: Walter Müller-Wulckow: Deutsche Baukunst der Gegenwart. Bauten der Gemeinschaft. Langewiesche Verlag, Königstein (Taunus) / Leipzig 1929, S. 22. 1925: Wohnhaus Metzger bei Potsdam 1925: Bürohaus für das Deutsche Rote Kreuz in Berlin 1926: Deutscher Pavillon für die Mailänder Messe, Mailand (Italien) 1926–1928: Siedlungsbauten in Berlin-Schöneberg 1927–1928: Kinderklinik des Rittberg-Krankenhauses in Berlin-LichterfeldeDie Kinderklinik des Rittberghauses vom Roten Kreuz in Berlin-Lichterfelde. In: Die Form, Jg. 4, 1929, S. 138–144 (Digitalisat). 1927–1928: Verwaltungsgebäude der Elektro-Thermit GmbH in Berlin-Tempelhof mini|Langer Jammer in der Berliner Großsiedlung Siemensstadt 1927–1930: Wohnungsbauten in der Berliner Wohngroßsiedlung Siemensstadt 1928: Pressa-Kirche (auch: Stahlkirche) auf der Internationalen Presseausstellung Köln 1928 (Pressa) (1931 nach Essen als Melanchtonkirche verlegt, 1943 beschädigt und 1947 die verbliebene Stahlkonstruktion verschrottet)zeitgenössische Abb. in: Walter Müller-Wulckow: Deutsche Baukunst der Gegenwart. Bauten der Gemeinschaft. Langewiesche Verlag, Königstein (Taunus) / Leipzig 1929, S. 99f. 1928: evangelische Christuskirche mit Gemeindezentrum in Brandenburg an der Havel in der Walzwerksiedlung 1928–1929: Musikheim (später: Kleist-Theater) in Frankfurt (Oder), Gerhart-Hauptmann-Straße 3/4