mini|KPE-Lager bei der Alt-Trauchburg (2004) mini|Pfadfinder der KPE (2012) mini|Begegnung von deutschen und österreichischen KPE-Mitgliedern mit israelischen Pfadfindern (2018) Die Katholische Pfadfinderschaft Europas (KPE) ist ein katholischer Pfadfinderbund in DeutschlandDer Große Pauli. Pfadfinderbünde und -verbände in Deutschland, Band 2. Spurbuchverlag, Baunach 2012, S. 78. und Mitglied der Union Internationale des Guides et Scouts d’Europe (UIGSE). Innerhalb dieses Dachverbandes existiert auch ein österreichischer Verband, der den Namen Katholische Pfadfinderschaft Europas – Österreich (KPE-Ö) führt und der deutschen Organisation nahesteht.
Eng mit der KPE verbunden ist die päpstlich anerkannte und zur Jugendseelsorge beauftragte Kongregation der Diener Jesu und Mariens (Ordenskürzel SJM). Die KPE wirkt im Forum Deutscher Katholiken mit. Sie wurde dem Traditionalismus zugeordnet.David Berger: Der heilige Schein. Ullstein Verlag, 3. Auflage 2013, ISBN 3-550-08855-8 (Vorschau auf Google Books). Ihr wurden radikale Tendenzen vorgeworfen, was von ihr als unberechtigt dargestellt wurde. 2021 wurde sie von der Deutschen Bischofskonferenz als privater kanonischer Verein anerkannt.
Selbstdarstellung der KPE Inhalte Auf ihrer Website beschreibt die KPE ihre Arbeit wie folgt:
Im Gründungsjahr 1976 hatte die KPE in ihrem Schrifttum geäußert: „Als Laien nehmen wir für uns in Anspruch, einen Verband zu gründen, der fest auf dem Boden der Kirche steht (…) und die Texte des letzten Konzils anerkennt.“Günther Walter: Wo steht die Katholische Pfadfinderschaft Europas? In: Die Spur Nr. 2 (1976), S. 1–2, hier S. 1.
Die Bundesordnung nennt konkret fünf Erziehungsziele, welche die KPE mit ihrer Jugendarbeit erreichen will:
körperliche Entwicklung, handwerkliche Geschicklichkeit und Sinn für das Konkrete Bildung des Charakters und der Persönlichkeit Sinn für Nächstenliebe und den Dienst am Nächsten Sinn für Gott und die christliche Erziehung
Über die Beziehung zu anderen Verbänden heißt es, man „möchte mit den anderen Verbänden, Bünden und Bewegungen des christlichen und nicht-christlichen Pfadfinder- und Pfadfinderinnentums freundliche und brüderliche Beziehungen unterhalten, um gemeinsam im Geiste Baden-Powells und im Rahmen seines ursprünglichen erzieherischen Konzepts eine gerechtere und brüderliche Gesellschaft zu errichten“.
Sie gibt an, keine politische Jugendarbeit zu betreiben. In ihrem Schriftgut von 1978 bis 2017 finden sich allerdings Stellungnahmen zu jugend- und anderen politischen Themen wie Schulbildung,Günter Wondrak: Selig, die reinen Herzens sind. Besorgt von Günther Walter. Hrsg. von der Katholische Pfadfinderschaft Europas in der Fédération du Scoutisme Européen. Verlag „Hl. Pater Maximilian Kolbe“, Langen, 2. Auflage, Januar 1990. Einwanderung,Thomas Niggl: Deutschlands Zukunft. In: Pfadfinder Mariens, 2003/2, S. 3 f. Niggl stellte dort seinen Aussagen voran: „Die Deutsche Studiengemeinschaft (DSG) (Postfach 1701, 71207 Leonberg) hat darüber wertvolle Anregungen gegeben […]“ Deutschlandpolitik, Rechte Homosexueller,Andreas Hönisch: „Darum gab sie Gott ihren schmählichen Begierden preis.“ In: Pfadfinder Mariens. 2005/3, S. 1 ff. Globalisierung,Andreas Hönisch: Fatima 2007. In: Pfadfinder Mariens. 2007/4, S. 2. Gender-Mainstreaming Demokratie und Antisemitismus. Mit verschiedenen Projekten setze sich die KPE aktiv gegen Antisemitismus ein.
Symbolik und Tracht mini|Pfingstwallfahrt nach Altötting 1991 Das einheitliche Zeichen der KPE ist ein zentral mit goldener Lilie belegtes rotes Malteserkreuz. Auf der Flagge belegt es seinerseits mittig einen senkrecht hälftig geteilten, mastseitig weißen und flugseitig schwarzen Hintergrund.
Die von der KPE verwendeten, nach Stufe und Geschlecht sowie Funktion unterschiedlichen Kluften und Abzeichen entsprechen den Regeln des internationalen Dachverbandes UIGSE-FSE.
Pfadfinderinnen sowie Wölflingsjungen tragen ein hellblaues Klufthemd, Jungen ab der Pfadfinderstufe ein Hemd in Khaki. Jungen/Männer tragen Klufthosen, Mädchen/Frauen Kluftröcke, beides in marineblau. Die Farbkombination des Halstuchs richtet sich nach der Stammeszugehörigkeit. Ab der Raider(innen)zeit wird ein einheitliches braunes Halstuch getragen (in der Farbe des Franziskanischen Ordensgewandes). Führer(innen) tragen das Halstuch des Stamms, in dem sie tätig sind, die Bundesführung ist am blauen Halstuch mit den Europasternen erkennbar.
Geschichte mini|Stamm Maria Schutz, Pfadfinderinnen 1990 Primär durch Kontroversen relevant gewordene geschichtliche Vorgänge werden auch im Abschnitt Unterstützung, Kritik und Stellungnahmen behandelt.
Seit 1976 Die KPE wurde am 15. Februar 1976 in Fortbach bei Ilschhausen (Hessen) gegründet.KPE in Jahreszahlen. Katholische Pfadfinderschaft Europas e.V., abgerufen am 25. März 2026. Ihre ersten Mitglieder kamen aus der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), die nach ihrer Ansicht die klassische Pfadfinderarbeit und das katholische Glaubensleben vernachlässigt habe.Andreas Hönisch: Warum die Gründung der Katholischen Pfadfinderschaft Europas notwendig war. In: Die Spur, Nr. 1 (1976), S. 10–12. Maßgeblich an der Neugründung beteiligt waren Günther Walter und Andreas Hönisch, der zu jener Zeit noch Angehöriger der Jesuiten war (später SJM).
1977 wurde die Pfadfinderschaft von der Fédération du Scoutisme Européen (FSE), dem Vorgänger der UIGSE, als Vollmitglied aufgenommen. Am 13. März 1977 gründeten KPE, Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD) und Deutscher Pfadfinderverband (DPV) den Deutschen Pfadfinderring (DPR), der sich als Alternative zum Ring deutscher Pfadfinderverbände verstand und eine internationale Vertretung seiner Mitgliedsverbände anstrebte. 1996 hat sich der Deutsche Pfadfinderring aufgelöst.
Seit 1980 mini|Günther Walter, ein Gründer der KPE, Bundesfeldmeister von 1976 bis 2005 und Verfasser mehrerer KPE-Schriften 1980 wurde der UIGSE, dem Dachverband der KPE, der Beraterstatus beim Europarat als regierungsunabhängige, internationale Jugendorganisation zuerkannt.Vom Europarat anerkannt. In: Die Spur, Nr. 21 (1980), S. 32.
1984 nahm sie am 1. Eurojam der UIGSE bei Châteauroux in Frankreich mit 5.000 Pfadfinderinnen und Pfadfindern teil.5000 Pfadfinder beim Eurojam. In: Pfadfinder Mariens, 9/4 (1984), S. 1–2.
Nach eigenen Angaben aus dem Jahr 1986 hatte KPE-Bundeskurat Andreas Hönisch zahlreiche Jugendliche, die die Priesterweihe anstrebten, zum Engelwerk geschickt. Dessen Kreuzorden sei die einzige Ordensgemeinschaft, die er den Pfadfindern der KPE empfehlen könne. Im selben Jahr erörterte Hönisch mit Ingo Dollinger, dem Rektor der Engelwerk-Hochschule Institutum Sapientiæ im brasilianischen Anápolis, Pläne zur Gründung einer weiteren Ordensgemeinschaft;Nachruf: H.H. Dr. Ingo Dollinger. In: Diener Jesu und Mariens, Der Ruf des Königs, 2. Quartal 2017, S. 35. anwesend waren ferner die sich zur Mitgliedschaft im Engelwerk bekennenden Priester Heinrich Morscher und Richard Pühringer.Heiner Boberski: Das Engelwerk: Ein Geheimbund in der katholischen Kirche? Otto Müller Verlag, Salzburg 1990, ISBN 978-3-7013-0781-4, S. 233, 253.Es gibt auch Donaten im Kreuzorden, die ihre Engelwerk-Mitgliedschaft bestreiten und als „alter Angelus“ (anderer Engel) geführt werden. Siehe hierzu Konstitutionen des Kreuzordens, Abschnitt A 12,2–12,4 und Statut für die Donaten (X,10,6). Zitiert in Heiner Boberski: Das Engelwerk: Theorie und Praxis des Opus Angelorum. Otto Müller Verlag, Salzburg, 1993, ISBN 3-7013-0854-3, S. 80–81. Beide gehörten außerdem seit 1985 dem Kreuzorden im Engelwerk an, von dem sich Morscher laut Heribert Bastel, Superior des Collegium Sanctissimae Trinitatis in Mayerling 1988 und etwas später auch Pühringer, in seinem Fall vorläufig bis zum Beginn seiner Seelsorgertätigkeit für die Kreuzschwestern, wieder getrennt haben sollen.Heiner Boberski: Das Engelwerk: Theorie und Praxis des Opus Angelorum. Otto Müller Verlag, Salzburg, 1993, ISBN 3-7013-0854-3, S. 238. Am 30. Mai 1988 wurde von Hönisch und drei KPE-Pfadfindern die eng mit der KPE verbundene Gemeinschaft der Diener Jesu und Mariens gegründet.Heiner Boberski: Das Engelwerk: Theorie und Praxis des Opus Angelorum. Otto Müller Verlag, Salzburg, 1993, ISBN 3-7013-0854-3, S. 247.
1986 verließen einige Gruppen die KPE, da sie „die extremen religiöse Ansichten in der KPE […] für nicht mehr tragbar“ hielten, und gründeten einen eigenen Pfadfinderbund, die Europapfadfinder Sankt Michael. Dieser wurde im Bistum Würzburg am 22. Juli 1986 als privater Verein von Gläubigen anerkannt.
Zwischen 1981 und 1995 kam es in Petersdorf (Schwaben) zu Auseinandersetzungen um die Jugendarbeit der KPE, als Ingo Dollinger dort Pfarradministrator im Ortsteil Alsmoos war. Der Konflikt wurde auch überregional bekannt und in der breiten Öffentlichkeit besprochen. In den Jahren 2000–2012 wurden vier KPE-Mitglieder aus der Gruppe in der örtlichen Pfarrei zu Priestern geweiht.
Seit 1990 Im Januar 1990 kritisierte die KPE die damals übliche Form des schulischen Sexualkundeunterrichts mit seiner „schrankenlosen Behandlung dieses Themenbereichs“ und der „‚wertneutralen‘ Erläuterung aller Verhütungsmittel.“ Dies stelle eine „seelische Vergewaltigung von Kindern“ dar. In solchen Fällen könne den Kindern „nur geraten werden, den Unterricht zu boykottieren oder die Schule sofort zu verlassen sowie einen anderen Erzieher oder Seelsorger zu verständigen, wenn der Lehrer damit anfängt. Ihr müßt nur Mut haben.“ Gleichzeitig wurde ein Aufklärungsunterricht an der Schule grundsätzlich bejaht. Er müsse „mit großer Vorsicht und Behutsamkeit gehalten werden.“ Das Ziel sei, „Achtung vor dem eigenen Leib und der Geschlechtlichkeit des Menschen zu wecken.“ Die Hauptverantwortung für die Aufklärung der Kinder liege bei den „Eltern, die in erster Linie dazu berufen sind, diese Aufgabe zu übernehmen.“ Die damals „modernen Aufklärungsschriften“ seien nicht geeignet gewesen, in diese Wertschätzung einzuführen. Darum hieß es weiter: „Sollte euch von der Schule so etwas aufgedrängt werden, so gebt es zurück oder zerreißt das Zeug!“ Im Hinblick auf eine damalige Empfehlung des Kultusministeriums in Stuttgart an die Schulen, das vom Pharmakonzern Organon, einem der ersten Hersteller von Antibabypillen, finanzierte Theaterstück „Sehnsucht nach Bang Yai“ zu besuchen, gab der Text an, man müsse sich erst daran gewöhnen, „daß der demokratische Staat die Gewissen eines Teils seiner Bürger in einen Maß belastet, daß Widerstand zu Gebote steht.“ Mit der Ablehnung einer wertindifferenten Sexualaufklärung und der Behauptung einer Option auf Nichtteilnahme am schulischen Sexualkundeunterricht gab die KPE die Position der katholischen Kirche wieder.Kongregation für das Katholische Bildungswesen: Orientierung zur Erziehung in der menschlichen Liebe. Hinweise zur geschlechtlichen Erziehung. 1. November 1983, Nr. 16, 19, 37, 62, 70, 76 u. a.Charta der Familienrechte vom Heiligen Stuhl an alle Personen, Institutionen und Autoritäten vorgelegt, die mit der Sendung der Familie in der heutigen Welt befasst sind. 22. Oktober 1983, Artikel 5, besonders Absatz c. In Deutschland wurde die Pflicht zur Teilnahme am Sexualkundeunterricht mehrmals rückwirkend vom Bundesverfassungsgericht und 2011 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bestätigt.