mini|Die ehemalige Synagoge nach der Sanierung im April 2023. Die Synagoge Kobersdorf ist ein neuromanisches Gebäude in der Marktgemeinde Kobersdorf im Burgenland. Die ehemalige Synagoge bis 1938 wird heute als Kulturzentrum genutzt und steht unter .
Geschichte mini|Geschichte (Straßenaushang, Tourismusverband Kobersdorf) Da der Ort Kobersdorf zu den Siebengemeinden zählte, wurde hier das Judentum schon vor dem Toleranzpatent geduldet. Die Jüdische Gemeinde Kobersdorf errichtete 1860 ihre Synagoge, die am 11. April 1860 zum Pessachfest eingeweiht wurde.Land kauft Synagoge Kobersdorf. In: burgenland.orf.at. 6. Juni 2019, abgerufen am 6. Juni 2019. 1938, im Zuge vom Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland, wurden die jüdischen Bewohner vertrieben und vernichtet und die Synagoge geplündert. Von der geplanten Sprengung wurde abgesehen und das Gebäude bis 1945 als Turnhalle und Heim der SA genutzt.Der Presse war es 1941 hervorhebenswert, dass in Kobersdorf der aufklärende Dokumentarfilm Der ewige Jude in mehreren Vorstellungen gezeigt wurde. – Siehe: Nach dem Krieg war die ehemalige Synagoge über Jahrzehnte dem Verfall preisgegeben. Mit einer Restaurierung wurde im Jahre 1976 begonnen. 1995 kaufte ein Verein die Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Wien ab, um das Gebäude als Kulturzentrum zu nutzen und als Baudenkmal zu erhalten. Eine Rückabwicklungsklage der IKG Wien wurde 2011 abgewiesen.
Im Jahre 2017 wurde in unmittelbarer Nähe der Synagoge ein Mahnmal zum Gedenken an die 219 vertriebenen und ermordeten Kobersdorfer Juden errichtet.Hausensteiner, Erwin: Die Entstehungsgeschichte des Mahnmales in Kobersdorf, 2017.alternativtext=Mahnmal zur Erinnerung an die vertriebene und ermordete jüdische Bevölkerung in Kobersdorf|mini|Mahnmal zur Erinnerung an die vertriebene und ermordete jüdische Bevölkerung in Kobersdorf
Im Jahr 2019 kaufte das Land Burgenland die Synagoge und begann nach einer einjährigen Planungsphase im Herbst 2020 mit der Generalsanierung, um die Synagoge als Veranstaltungsstätte und Mahnmal nutzen zu können. Sanierungsziel war die Herstellung des ursprünglichen Zustandes zum Eröffnungszeitpunkt im Jahr 1860. Dazu wurde das Gebäude bautechnisch intensiv untersucht und die zerstörten Luster anhand alter Fotografien rekonstruiert; die Wandfarben und die Fassade entsprechen dem historischen Original. Für den Betrieb als jüdisches Kultur- und Bildungszentrum war der Bau zusätzlicher Nebengebäude notwendig. Am 26. April 2022 wurde die renovierte Synagoge Kobersdorf wiedereröffnet.
Nach der Wiedereröffnung lag die thematische Ausrichtung der Veranstaltungen auf jüdischem Alltagsleben, wie Festen und Essgewohnheiten. Auch die heutige Nutzung von Synagogen als materielles sowie immaterielles Kulturgut wurde beleuchtet. Das Programm bietet auch historische Wanderungen durch das jüdische Kobersdorf an und ist Begegnungs- und Erinnerungsort für Überlebende der Shoa und deren Angehörige. Im Jahr 2022 besuchten die diversen Veranstaltungen fast 5.000 Besucher.
Der Schwerpunkt für das Jahr 2023 lag anlässlich 85 Jahre nach dem Anschluss Österreichs auf der Vertreibung und Ausgrenzung von Juden. Die burgenländische Landesregierung veranstaltete diesbezüglich Workshops für Schulklassen, welche die Synagoge besuchen konnten.
Im Sommer 2023 fand unter dem Titel „Für das Kind“ eine Ausstellung über die Rettung von jüdischen Kindern von Wien nach Großbritannien während der Jahre 1938/1939 statt.
Architektur Es handelt sich um ein rechteckiges Gebäude in neoromanischen Rundbogenformen mit Giebeldach. Der dreijochige Hauptraum wird durch vier schwere Eckpfeiler gehalten und ist mit sphärischem Gewölbe überwölbt. Der Thoraschrein war ostseitig eingelassen. Die Frauenempore umläuft hufeisenförmig den Hauptraum an drei Seiten und überdeckt westlich auch die Vorräume. Insgesamt ist der Innenraum etwa 200 m² groß und bietet maximal 140 Personen Platz.mini|Kobersdorfer Synagoge (oben: 2006, unten: 2016) mini|Lage im Bezug zu Schloss Kobersdorf. Die Synagoge liegt am linken Bildrand Literatur Adelheid Schmeller-Kitt: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Burgenland. Wien 1976, ISBN 3-7031-0401-5, S. 155. Judith Susanna Welz-Käsznar: Synagoge Kobersdorf. Revitalisierung. Verbliebene jüdische Geschichte im Burgenland. Diplomarbeit. Technische Universität Wien, Wien 2008, OBV.
Erwin Hausensteiner: Die ehemalige jüdische Gemeinde Kobersdorf. Geschichte der ehemaligen jüdischen Bewohner von Kobersdorf von den Anfängen im 16. Jahrhundert bis zur Vertreibung 1938. Buch mit etwa 240 Seiten, Kobersdorf 2008, . Josef Tiefenbach: Erhaltung und Verwaltung des kulturellen Erbes am Beispiel der Synagoge Kobersdorf oder wie man diese Aufgabe auch verstehen kann. In: Jakob Perschy (Hrsg.), Karin Sperl (Hrsg.): Fokus Burgenland – Spektrum Landeskunde. Festschrift für Roland Widder. Amt der Burgenländischen Landesregierung (Abteilung 7), Eisenstadt 2015, ISBN 978-3-901517-81-5, S. 491–498. Weblinks
Jüdische Gemeinde Kobersdorf In: Regiowiki.at Geschichte der Juden im Burgenland In: Regiowiki.at Hans Tesch: Vom jüdischen Tempel zum Waldfriedhof
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kobersdorf Kobersdorf Kategorie:Baudenkmal (Burgenland) Kategorie:Bauwerk in Kobersdorf Kategorie:Erbaut 1860 Kategorie:Judentum in Kobersdorf