mini|hochkant=1.4|Feldsteinkirche Marsow (2015) Die Feldsteinkirche Marsow ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude im Ortsteil Marsow der Gemeinde Vellahn im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wurde im 14. Jahrhundert errichtet und gehört heute zum Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Geschichte mini|Feldsteinkirche Marsow mit nordseitiger Familiengruft von Schilden, Aufnahme vor 1900 Bereits im Jahr 1194 wurde ein Werner von Marsow als Zeuge im Isfriedschen Teilungsvertrag aufgeführt.MUB I.(1863) Nr. 154., S. 153, (Digitalisat). In der Folge wurden Familienangehörige in verschiedenen Urkunden der Bischöfe von Ratzeburg und der Grafen von Schwerin genannt.Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, III. Band, Schwerin 1899, S. 90–93, (Digitalisat). Das Dorf Marsow selbst fand erstmals im Ratzeburger Zehntregister von 1230 Erwähnung.Ludwig Hellwig: Das Zehntenregister des Bistums Ratzeburg. Die Ortschaften des Zehnten-Registers. In: MJB Nr. 69 (1904), S. 308, S. 323, S. 347, (Digitalisat). Die Kirche Marsow wurde nach dem Jahr 1341 auf einer romanischen Anlage erbaut. Dem Kirchenvisitation-Protokoll von 1534 zufolge hatte Marsow keinen eigenen Kirchherrn. Da der Kirchherr von Vellahn einen Teil seiner Einkünfte aus Marsow bezog, dürfte er auch dort zuständig gewesen sein. Dafür spricht auch, dass die Marsower Kirche als Filialkirche errichtet wurde und damit zum Kirchspiel Vellahn gehörte.

Das Patronat Nach der Reformation gewann das Patronat zunehmend an Bedeutung, auch dank des weniger straffen Umgangs mit der Kirchenordnung. Das Patronatsrecht war meist ein dingliches Recht, welches mit dem Besitz eines Rittergutes einherging, es war aber auch persönliches und vererbbares Recht. Sichtbares Zeichen des Patronats war das Patronatsgestühl im Altarbereich. Dem Patron oblag nicht nur der Erhalt der Kirche, er sorgte nebenher auch für den Unterhalt des Pfarr- und Schulhauses. Der Patron hatte aber nicht nur Pflichten, ihm stand das Recht zu, einen Kandidaten für das Pfarramt vorschlagen zu dürfen. Auch die Anstellung eines Lehrers, der meist die Funktion des Organisten und Küsters mit übernahm, war Aufgabe des Patrons.

Das Lehngut Marsow war von 1396 bis 1726 in Besitz der Familie von Züle. 1724 verstarb Ernst Heinrich von Züle ohne Erben zu hinterlassen, so fiel Marsow durch Erbschaft an seinen Bruder Friedrich von Züle. Er erteilte im Jahr 1726 der Witwe seines Bruders, Anna Maria von Pentz, die Zustimmung zum Verkauf des Lehngutes Marsow an Hofmeister Kurd von Lützow. Kurd von Lützow übernahm dann auch das Kirchenpatronat und die sich daraus ergebenden Kirchenbaulasten. Das Patronat verblieb in den Händen der Familie von Lützow bis 1798. Dann wurde Marsow an die Familie von Schilden verkauft, die den Besitz bis 1860 hielten. Während ihrer Patronatszeit wurde an der Nordseite der Kirche eine Familien-Grabkapelle errichtet. Nach dem Tode des preußischen Oberhofmeisters von Schilden, überließ dessen Erbe und Bruder die Güter Rodenwalde und Marsow dem späteren Oberhofmarschall Jaspar Friedrich von Bülow. So übernahm dieser auch das Patronat für die Marsower Kirche.

1871 verstarb der Gutsherr und sein Sohn Alexander von Bülow übernahm daraufhin die Verantwortung für die Güter und das Kirchenpatronat. So war auch weiterhin für den Erhalt der Kirche gesorgt. Noch im selben Jahr wurde auf seine Veranlassung hin die große Familien-Grabkapelle errichtet. Auch die Ausstattung der Kirche erfuhr einige Neuerungen, so wurde ein Harmonium angeschafft und später eine Orgel angekauft.

1901 verstarb Alexander von Bülow und Sohn Henning trat das Erbe seines Vaters an. Er ließ von 1911 bis Juni 1912 umfangreiche Erneuerungs- und Umbaumaßnahmen an der Marsower Kirche durchführen. Am 16. Juni 1912 konnte die erneuerte Kirche schließlich geweiht werden. Bis 1930 blieben die Güter Rodenwalde und Marsow in Besitz der Familie von Bülow. Neuer Besitzer wurde der deutschstämmige südafrikanische Geologe Hans Merensky, der den Gutsbesitz von Henning von Bülow erwarb.

Mit der Enteignung der Gutsbesitzer 1945/46 war auch die Zeit des Patronats endgültig beendet.

Heutige Kirchgemeinde In der Filialkirche Marsow wurden alle 2 bis 4 Wochen Gottesdienste abgehalten.Franz Schildt: Die Gemeinde Vellahn zu Anfang des 18. Jahrhunderts. In: MJB Nr. 47 (1882), S. 242–250, (Digitalisat). Wenn in der Filialkirche keine Gottesdienste stattfanden, gingen die Marsower zu den Sonntagsgottesdiensten in die Vellahner Kirche. In Hof Marsow lebten im frühen 18. Jahrhundert elf Bauern, drei Kossaten, drei Handwerker und drei Viehhirten. Von den Marsower Bauern gehörten zwei der Pfarre zu Vellahn und einer der Kirche zu Marsow. Einige der Bauern standen zudem in Diensten des Barons von Lützow.

Vellahner Pastoren Namen und Jahreszahlen bezeichnen die nachweisbare Erwähnung als Pastor.Gustav Willgeroth: Die Mecklenburgisch-Schwerinschen Pfarren seit dem dreißigjährigen Kriege. Wismar 1925.Friedrich Schlie: Das Gut und Filial-Kirchdorf Marsow. 1899, S. 90–93. erwähnt 1325 Hinrich von Thun 1501–1534 Heinrich Merzmann, Pleban zu Vellahn 1626–1629 Jonas Warnke 1635–1640 Conrad Rokentrog (Reichentrog) 1641–1659 Johann Rossow 1659–1687 Johann Beverin 1688–1696 Paul Richter 1697–1707 Jonas Rentz 1708–1735 Gottfried Dolch 1737–1783 Friedrich Georg Siggelkow 1783–1833 August Wilhelm Friedrich Koch 1834–1854 Ludwig Theodor Justus Tarnow 1854–1889 Johann Tapp 1889–1906 Rudolf Karsten 1906–1928 Helmut Scheven 1928–1935 Bernhard Schmaltz 1935–1946 Rudolf Radtke 1946–1952 Helmut Rux 1952–1973 Hermann Koch aus Pritzier 1992–2001 Dietrich Neumann 2003–2003 Katrin Kühl 2004–2009 Thomas Cremer 2011 aktuell Christian Lange

Das Kirchengebäude Das Aussehen der Kirche hat sich in den Jahren 1911 und 1912 bedeutend verändert. So gab es vorher keinen Turm und auch die Giebel waren ohne bekrönende Zierde. Im Inneren schlossen das Langhaus und der Chorraum oben mit einer flachen Holzdecke ab. Bemerkenswert sind die gotischen Schildbögen im Langhaus, sie stammen noch aus der Frühzeit des Kirchenbaues und erwecken den Anschein eines Gewölbeansatzes. Der Eingangsbereich der Westseite unterlag hingegen bereits vor den Umbauarbeiten einigen Veränderungen, so ließ sich ein teils vermauertes großes Spitzbogenportal erkennen. Eine auf der Nordseite angesetzte Feldstein-Grabkapelle der Familie von Schilden wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Langhaus und Chor Das Langhaus erschließt sich über das Hauptportal auf der Westseite. Der eingezogene Chorbau erschließt sich zudem über den Seiteneingang an der Nordseite und den kleinen vorgesetzten Eingangsvorbau an der Südseite.

Die einschiffige rechteckige Kirche wurde aus behauenen Feldsteinen errichtet.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Mecklenburg-Vorpommern. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2000, S. 338. Sie besteht aus einem eingezogenen Rechteckchor und einem Langhaus, dass mit Kreuzgratgewölben eingewölbt wurde. Beide haben Satteldächer und an den Ecken der Ostseite des Chores befinden sich zudem Strebepfeiler. Den Westgiebel des Langhauses schmücken fünf gestaffelte Blendnischen, die nach oben hin mit Backsteinrundbögen abschließen. In zwei dieser Blendnischen finden sich zudem Schlitzfenster, welche mit Bleiverglasung versehen sind. Der Ostgiebel ist ebenso mit Blendnischen verziert, diese sind zum Giebelgipfel hin ansteigend gestuft. Den Ostgiebel des Langhauses bekrönt außerdem ein kleiner Giebelreiter. Auf dem Dach des Chores findet sich ein Kreuz als Bekrönung.

Die Fenster der Langhausseiten sind mit zweibahnigen Spitzbögen und Rundfenster versehen, deren Stabwerk auf der Innenseite von in Stein gearbeiteter Taustabverzierung geschmückt wird. In den Längsseiten und dem Ostgiebel des Chores finden sich zudem zweibahnige rundbogige Fenster. Mittig der Längsseiten des Chores ist außerdem ein schmales rundbogiges Fenster angeordnet. An der Nordseite ist eine dieser Fensteröffnungen mit einem Flachrelief ausgekleidet, in dem das Wappen der Familie von Bülow eingearbeitet wurde. mini|hochkant|Eingangsvorbau mit Mosaik im Tympanon (2015)

Eingangsvorbau Der an der Westseite vorgesetzte Eingangsvorbau wurde aus gequaderten Feldsteinen errichtet und kam erst während der Umbauarbeiten von 1912 hinzu. Das Eingangsportal mit seinem spitzbogigen verjüngenden Gewände und dem Tympanon bilden hier den schmuckvollen Mittelpunkt.

Das Tympanon wird von einem prachtvollen Glasmosaik geschmückt, in ihm wird Jesus darstellt, flankiert vom Alpha und Omega. Die künstlerische Gestaltung orientiert sich an der vom Symbolismus geprägten romanischen Malerei. Das schmuckvolle Glasmosaik entstammt dem Atelier der Deutschen Glasmosaik-Gesellschaft Puhl & Wagner.Festschrift zur Kirchweihe vom 16. Juni 1912, Aufstellung der am Umbau beteiligten Unternehmen und Handwerker. Bemerkenswert zudem der Türsturz, ein auf Konsolen ruhender behauener Granitstein.

Bemerkenswert auch die massive Doppelflügeltür aus Eichenholz, mit ihren formschönen geschmiedeten Beschlägen. An der Schlagleiste ist diese Tür mit Schnitzwerk verziert.

Nach dem Durchschreiten des Portales gelangt man in die kleine Vorhalle, wo die beiden flankierenden Schlitzfenster für das natürliche Licht sorgen.

Erwähnenswert auch der leicht vorgesetzte Giebel mit seinem schmalen rundbogigen Durchbruch.

Das Satteldach bildet den oberen Abschluss des Vorbaues.

Turm Der Turm, ein rechteckiger Giebelturm, welcher am Westgiebel des Langhauses herausragt. Dieser Turm wurde während der Umbauarbeiten in den Jahren 1911/12 errichtet. Das Fachwerk des Turmes ist mit Backsteinausfachungen versehen, wobei die Ausfachungen entstehungszeitlich mit Oberputz versehen waren. Taustabverzierungen zieren die Eckständer des viereckigen Fachwerkturmes. Der Giebelturm wurde zudem mit einer oktogonalen Laterne ausgestattet, deren mit Taubstabverzierungen versehenen hölzernen Eckstiele heute von Kupferabdeckungen geschützt werden. Mit der gebauchten Haube, auch Welsche Haube genannt, schließt der Turm nach oben hin ab. Bemerkenswert auch die Bekrönung der Haube, welche von Turmkugel, Wetterhahn und vergoldetem Kreuz gebildet wird.

Innengestaltung und Ausstattung Das Kirchenschiff ist auf jeder Seite mit zwei spitz auslaufenden Schildbögen versehen, die den Anschein eines Gewölbeansatzes erwecken. Während der umfassenden Instandsetzung der Kirche wurden 1912 der Chor und das Langhaus, die bis dahin von einer flachen Balkendecke überspannt waren, mit einer Rabitz-Gewölbekonstruktion und einer Spritzputzdecke überwölbt.Elke Kunert: Marsow, Dorfkirche, Wandmalereien. 2008 S. 179. Altar mini|hochkant|Kindersegnung Jesu, Andachtsbild von 1580 (2015) Der auf einem hölzernen Sockel ruhende Altar bildet das Zentrum des Chorraumes.

Generalmajor Thomas Friedrich von Züle auf Zühr stiftete 1725 den im Barockstil gefertigten Altaraufsatz, dessen Mittelpunkt ein in Öl gemaltes Kruzifix bildete. Während des Umbaues von 1912 gestaltete der Kunstmaler Willi Schomann den bildlichen Bereich neu. Die ornamentalen Darstellungen gehören größtenteils noch zur entstehungszeitlichen barocken Ausstattung.