Die Kirche der Gottesmutter von Częstochowa (Tschenstochau; ) in Lipie in der polnischen Woiwodschaft Westpommern – dem einstigen Arnhausen in Hinterpommern – ist ein in seinen Grundmauern wohl bereits 1462 im gotischen Baustil errichteter SakralbauDiecezja Koszaliński-Kołobrzeska, Informacje o parafii/Lipie. aus Feld- und Ziegelsteinen. Die Pfarrkirche war bis 1945 evangelisch und ist seit 1946 römisch-katholisch.
Geographische Lage Lipie liegt im nordöstlichen Bereich der Woiwodschaft Westpommern an einer Nebenstraße, die die Kreisstädte Białogard (Belgard) und Świdwin (Schivelbein) über Rąbino (Groß Rambin) miteinander verbindet. Rąbino ist die nächste Bahnstation an der Bahnstrecke Stargard Szczeciński–Gdańsk.
Die Kirche steht im westlichen Dorfbereich nahe der Hauptstraße und unweit des Flüsschens Mogilica (Muglitz).
Kirchengebäude Bau und Baugeschichte Im Jahre 1462 sollen die Grundmauern der zu Ehren der hl. Gertrud von Nivelles geweihten KircheArtikel Arnhausen. In: Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Augsburg 1996. entstanden sein. Feld- und Ziegelsteine bildeten das Mauerwerk des im gotischen Baustil errichteten Gebäudes, das in der Zeit seines Bestehens mehrfachen An- und Umbauten unterworfen war – wie das Kirchenschiff bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, das in der jetzigen Form wohl im Jahre 1586 entstand. Hierauf deuten die kaum noch lesbaren Worte an der Südseite des Kirchturms …PASTOR. ECC…1586Die Kirche zu Arnhausen. In: Manfred Pleger: Die Kirchengemeinden und Kirchen im Kirchenkreis Belgard in Hinterpommern. Laboe, 2008, S. 181–182 und 390.Georg Schmidt: Die Familie von Manteuffel. Stamm Polzin und Arnhausen des pommerschen Geschlechts. Berlin 1915, S. 54. eines Setzsteins hin, die auf den nicht mehr erkennbaren Namen des Pastors, dann aber auf den Bauherrn hinweisen, wobei an den Gutsbesitzer Eccard (auch: Egkart) von Manteuffel gedacht wird, der 1613 in der Kirche beigesetzt wurde. Im Jahre 1816 wurde an der Ostseite ein Chorschluss angebaut.
mini|links| Setzstein mit Inschrift
Der Kirchturm hat ein spitzbogig geschlossenes Portal, das nach außen viermal und nach innen einmal rechtwinklig abgesetzt ist. In den obersten Turmgeschossen befinden sich zwei Paar flachbogig überwölbte Blenden bzw. Fenster auf jeder Seite. Kirchenschiff und Turm haben ein einfaches Sockelgesims. Die Fenster sind mit Stichbögen überwölbt. Auf der Südseite befindet sich eine mit gekuppelten Rundbögen überdeckte Blende in der Wand. Das Südportal der Kirche ist ohne Profilierung.
Im Kircheninnern enden die Strebepfeiler unter dem Hauptgesims und sind einmal seitlich und nach vorne abgeschrägt. Die Ausstattung ist heute sehr schlicht. Bereits vor 1945 war sie sehr einfach gehalten. Damals stand die Kanzel über dem Altar und war von 1782 datiert. Sie hatte in den Füllungen aus Holz geschnitztes barockes Blattornament. Ein schmuckloses kleines Gestühl an der Tür hatte die Inschrift: Die Fr. Past. Engelcken hat diesen Stull Gott zu Ehren anno 1731 erbauen lassen.Gemeint ist die Ehefrau des Pastors Christian Immanuel Engelken, der von 1730 bis 1738 an der Kirche amtierte. Zur Ausstattung der Kirche gehörte ferner ein Abendmahlskelch, der 1532 von Else von Manteuffel gestiftet worden war.
mini|Empore mit Orgel
Im Jahre 1891 erhielt das Gotteshaus eine neue Orgel, nachdem es innen mit einem neuen Anstrich versehen worden war.Gustav Knaak: Von den Kirchen in Arnhausen. In: Manfred Pleger: Die Kirchengemeinden und Kirchen im Kirchenkreis Belgard in Hinterpommen. Laboe 2008, S. 182–183.
Nach 1945 wurde das gesamte Kirchengebäude mit einem grauen Putz versehen. Das Dach, anfangs mit Blech versehen, wurde neu mit Ziegeln eingedeckt.
mini|Innenansicht der Kirche
Der Altarraum der Kirche wird heute von zwei seitlichen Apostelfiguren und einem Christusbild an der Chorwand gesäumt. Auf der linken Seite steht ein Bild der Gottesmutter von Tschenstochau, zu deren Ehren das Kirchengebäude 1946 geweiht wurde. Der Altar besteht aus einer auf einem Stein aufgesetzten Tischfläche. Die Kanzel auf der rechten Seite scheint das umgearbeitete Stück von 1782 zu sein. Das Kirchengestühl wurde erneuert, die alten Vorgängerbänke ersetzt. Ein Messingleuchter hängt an der Saaldecke mitten im Kirchenschiff.
Glocken Die Arnhausener Kirche hatte ursprünglich ein Geläut von zwei Glocken.Gustav Knaak: Die Kirchenglocken in Arnhausen. In: Manfred Pleger: Die Kirchengemeinden und Kirchen im Kirchenkreis Belgard in Hinterpommern. Laboe 2008, S. 183–184. Die größere von ihnen (acht Zentner schwer, Durchmesser: 90 cm) wurde 1616 gegossen. Sie hatte folgende Inschrift: Margareta v. Blankenb. Egkardt Manteuffel s. nachgelassene Witwe, nebst ihren Söhnen Christian George Churt und Egkart Gebröder Manteuffel die Patronen. Ernst Johann Krüger Pastor. Godt Der Here schop mi. Joachim Karstede ghodt mi.de Segen des Hern si bi mi.anno 1616.
Die kleinere Glocke (viereinhalb Zentner schwer) war ein Werk des Glockengießermeisters Strehl in Kolberg (polnisch: Kołobrzeg) aus dem Jahre 1852. Ihre Inschrift lautete: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Patron der Kirche Hermann Müller. Pastor Fritz Schmidt. Sie wurde am 10. Juni 1917 zum letzten Male geläutet und in der darauffolgenden Woche nach Polzin (polnisch: Połczyn-Zdrój) abgeliefert, um eingeschmolzen und für Munitionszwecke missbraucht zu werden.
Im Jahre 1925 erhielt die Kirche Ersatz. Auf Wunsch der Arnhausener Gemeinde fertigte Glockengießermeister Schilling im thüringischen Apolda eine neue Glocke. Sie wurde am Erntedanktag (4. Oktober) 1925 im Gottesdienst geweiht. Ihre Inschrift lautet: Land, Land, Land, höre des Hern Wort!.
Heute besteht das Geläut wieder lediglich aus einer Glocke. Die andere fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer.
Kirchengemeinde mini|hochkant|Statue des aus Arnhausen gebürtigen Bischofs Erasmus von Manteuffel
Vorreformatorisch Bereits in vorreformatorischer Zeit war Arnhausen ein Kirchdorf mit einem dazugehörigen weitflächigen Kirchspiel. Der Ort gehörte zum Bereich des Bistums Cammin. Der letzte Bischof dieser Diözese vor Einführung der Reformation in Pommern war der aus Arnhausen gebürtige Erasmus von Manteuffel-Arnhausen (um 1475–1544).
Evangelisch Kirchengeschichte Etwa im Jahre 1538 traten die Bewohner Arnhausens zum lutherischen Bekenntnis über. Damals war der noch 1519 als Kaplan im Jungfrauenkloster in Köslin (polnisch: Koszalin) tätige Benedikt Zarne (auch: Sarnow, Zorn) Pfarrer an der St.-Gertrud-Kirche in Arnhausen. In seine Dienstzeit fiel auch der Um- bzw. Neubau der Kirche im Jahre 1568.
Bis zum Jahre 1945 bestand die Pfarrei in ArnhausenArnhausen. In: Der Kreis Belgard. Aus der Geschichte eines pommerschen Heimatkreises, hrsg. vom Heimatkreisausschuß Belgard-Schivelbein in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Celle, Celle, 1989, S. 348–349.Karl-Eberhard Albinius: Die evangelischen Kirchengemeinden, ihre Pfarrer und Kirchen (1988). In: Der Kreis Belgard. Aus der Geschichte eines pommerschen Heimatkreises, hrsg. vom Heimatkreisausschuß Belgard-Schivelbein in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Celle. Celle, 1989, S. 775–795. mit ihrem weitflächigen Kirchspiel.Ernst Müller: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. II. Teil: Der Regierungsbezirk Köslin. Stettin 1912, S. 8–10. Neben dem Pfarrort wurden drei weitere Filialkirchen betreut, die jeweils eine eigene Kirchengemeinde bildeten: Langen (polnisch: Łęgi), Retzin (Rzecino) und Zwirnitz (Świerznica). Jede Kirchengemeinde hatte ihr eigenes Patronat: in Arnhausen zuletzt die 44 Teilbesitzer des Gutes, in Langen, Retzin und Zwirnitz die jeweilige Gutsherrschaft. Das Pfarrwahlrecht allerdings lag allein beim Patronat in Arnhausen.
Die Pfarre in Arnhausen mit ihren Filialgemeinden war bis 1945 Teil des Kirchenkreises Belgard (polnisch: Białogard) in der Kirchenprovinz Pommern der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Das Konsistorium der Provinz Pommern befand sich in Stettin.
Seit 1903 war die Kirchengemeinde Groß Rambin (polnisch: Rąbino) von Arnhausen aus mitzuversorgen. Hier wurden spezielle Pfarrvikare eingesetzt, in der NS-Zeit Hilfsprediger der Bekennenden Kirche, die der damalige Pfarrer Egbert Zieger kommen ließ. Das führte zu Konflikten mit dem von den Deutschen Christen dominierten Konsistorium sowie mit dem Belgarder Superintendenten.Johannes Zitzke: Der Kirchenkampf in Pommern. In: Manfred Pleger: Die Kirchengemeinden und Kirchen im Kirchenkreis Belgard in Hinterpommern. Laboe 2008, S. 29–39. Vor 1945 oblag der Pfarre in Arnhausen die Betreuung von 3.858 Gemeindegliedern, von denen 1.718 zu Groß Rambin und 2.140 zu Arnhausen (Arnhausen: 960; Langen: 462, Retzin: 508, Zwirnitz: 210) gehörten.Hans Glaeser (Swantow): Das Evangelische Pommern. II. Teil: Behörden, Kirchen, Pfarrstellen, geistliche, Anstalten und Vereine. Stettin 1940. Wegen des bereits frühen Militäreinsatzes aller jungen Pfarrer im Kirchenkreis entstand auch in Arnhausen/Groß Rambin eine Vakanz. Hier übernahm die Pfarrfrau Gerda Zieger mit besonderer Erlaubnis der Kirche und später auch der russischen und polnischen Verwaltung den Dienst ihres Mannes.Gerda Zieger: Erlebte „Kirchengeschichte“ der Pfarrfrau in Arnhausen von September 1939 bis März 1945 (1985). In: Der Kreis Belgard. Aus der Geschichte eines pommerschen Heimatkreises, hrsg. vom Heimatkreisausschuß Belgard-Schivelbein in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Celle. Celle 1989, S. 1042–1044 (gekürzt) und in: Dai Schulteknüppel für die Lande, Belgard, Schivelbein und Bad Polzin, Nr. 61 (Weihnachten 2010/Neujahr 2011), S 61–64 (ungekürzt).
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung machten kirchliche Arbeit im Pfarrbezirk Arnhausen fast unmöglich. Heute lebt hier eine fast ausnahmslos katholische Bevölkerung. Evangelische Kirchenglieder sind jetzt der Pfarrei in Koszalin zugeordnet. Sie gehört zur Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen und betreut auch die regelmäßigen evangelischen Gottesdienste (teilweise in deutscher Sprache), die in der Georgenkirche in Białogard (Belgard) stattfinden.
Kirchspielorte Bis 1945 waren in die Pfarrei Arnhausen einschließlich des Pfarrvikariats Groß Rambin eingepfarrt:
Ortsname Kirchengemeinde Ortsname Kirchengemeinde Arnhausen (Lipie) Arnhausen (Lipie) Jeseritz (Jezierzyce) Arnhausen (Lipie) Battin (Batyń) Groß Rambin (Rąbino) Karlsruh Arnhausen (Lipie) Ganzkow (Gąsków) Groß Rambin (Rąbino) Klein Rambin (Rąbinko) Groß Rambin (Rąbino) Glötzin (Głodzino) Groß Rambin (Rąbino) Langen Langen (Łęgi) Granzin (Gręzino) Retzin (Rzecino) Passentin Arnhausen (Lipie) Groß Rambin (Rąbino) Groß Rambin (Rąbino) Retzin Retzin (Rzecino) Groß Wardin (Wardyń Dolny) Langen (Łęgi) Röhlshof Arnhausen (Lipie) Heyde (Modrzewiec) Arnhausen (Lipie) Zwirnitz Zwirnitz (Świerznica)
Pfarrer Bis 1945 amtierten an der St. Gertrudkirche in Arnhausen als evangelische GeistlicheGustav Knaak: Die Pastoren in Arnhausen. In: Manfred Pleger: Die Kirchengemeinden und Kirchen im Kirchenkreis Belgard in Hinterpommern. Laboe 2008, S. 183.
Benedikt Zarne, 1519/1574 Johann Krüger, 1602 Jakob Engelke, bis 1640 Erasmus Thamm, seit 1640 Martin Moltzan, bis 1694 Joachim Christian Engelken, bis 1710 NN. Falckenhagen, 1719 Johann Christian Crisenius,bis 1729 Christian Immanuel Engelken, 1730–1738 Andres Reineck, 1738–1780 Karl Friedrich Stiege, 1778–1787 Johann Christian Löhr, 1787–1811 David Friedrich Wilhelm Sellnow, 1811–1827 Friedrich Schmidt, 1829–1870 Albrecht Schmidt, 1870–1911 Gustav Knaak, 1911–1932 Egbert Zieger, 1933–1945
Kirchenbücher Kirchenbuchunterlagen aus der Zeit vor 1945 sind nicht mehr vorhanden.
Katholisch mini|Das Pfarrhaus in Lipie, das auch schon vor 1945 als Pfarrhaus diente
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