Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung (kurz: FlBschftBMVg) ist ein Lufttransportverband der deutschen Luftwaffe in Geschwadergröße auf Regimentsebene. Ihr Auftrag ist der weltweite Transport von Soldaten und Material mit Langstreckenflugzeugen sowie der Transport des politisch-parlamentarischen Führungspersonals.
Geschichte mini|Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier (2. v. re.) 1966 nach der Ankunft mit einer Douglas DC-3 der Flugbereitschaft auf dem Flugplatz Kiel-Holtenau
Die Flugbereitschaft wurde am 1. April 1957 auf dem Fliegerhorst Nörvenich in Dienst gestellt. Sie war ursprünglich nur als kleine Lufttransportkomponente zur „Erledigung spezieller Aufträge“ im Bereich des Verteidigungsministeriums bestimmt. Im Juli 1959 wurde sie an den Flughafen Köln/Bonn verlegt und zunächst dem Lufttransportgeschwader 62 als 3. Staffel unterstellt. Seit April 1963 ist die Flugbereitschaft selbstständig, zunächst nur auf Gruppenebene, 1974 erhielt sie Geschwaderstatus.
Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung verfügte ab 1991 über zwei Airbus A310-304 mit VIP-Ausstattung, die aus dem Bestand der ehemaligen DDR-Fluggesellschaft Interflug stammten. Sie waren im Juni beziehungsweise Oktober 1989 ausgeliefert und im Mai 1991 von der Luftwaffe übernommen worden.
Mit Auflösung des Lufttransportkommandos (LTKdo) war die Flugbereitschaft ab dem 1. Juli 2010 truppendienstlich dem Kommando 1. Luftwaffendivision (Kdo 1. LwDiv) in Fürstenfeldbruck unterstellt. Nach der Auflösung der Division untersteht sie seit dem 1. Juli 2015 dem Luftwaffentruppenkommando. Die Einsatzführung für militärische Lufttransporte obliegt mit der Auflösung des LTKdo dem European Air Transport Command (EATC).
Im Dezember 2010 hatte die Lufthansa die erste von zwei A340-300 an die Flugbereitschaft der Bundeswehr übergeben. Die vierstrahligen Langstreckenmaschinen hat der Bund gebraucht von der Lufthansa übernommen. Ein Airbus A310-304 (Konrad Adenauer, ex DDR-ABA, D-AOAA, 10+21) wurde erst im Juni 2014 außer Dienst gestellt da sich zeigte, dass der Nachfolger A340 z. B. nicht für den Flug in die Mongolei geeignet war, da in der dortigen Hauptstadt Ulan Bator die Landebahn zu kurz für ihn ist und die Kanzlerin auf die A310 zurückgreifen musste.
Seit dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin 1998 wurden die Flüge für den parlamentarischen Bereich bereitgestellt, indem die benötigte Maschine mit Besatzung von Köln/Bonn nach Berlin verlegt wird. Mit Fertigstellung des Flughafens Berlin Brandenburg (IATA-Code BER) wurde dort am 21. Oktober 2020 ein provisorisches Regierungsterminal eröffnet; die Hubschrauber der Flugbereitschaft flogen vorerst weiter von Tegel.
Im Jahr 2017 wurde durch einen Bericht der Funke Mediengruppe bekannt, dass Generäle der Bundeswehr die Flugbereitschaft für ihre Dienstreisen genutzt haben sollen und zu diesem Zweck Ausbildungs- und Trainingsflüge arrangiert hätten. Bei der Überprüfung dieser Vorwürfe konnten im BMVg keine gravierenden Verstöße festgestellt werden. Generell sind Bundeswehrangehörige berechtigt, bei ohnehin stattfindenden Flügen mitzufliegen, jedoch nicht selbst die Flugbereitschaft kostenlos zu nutzen.
Wegen eines Komplettausfalls des Funksystems an Bord des Regierungsflugzeugs „Konrad Adenauer“ verpasste Angela Merkel den Auftakt des G20-Gipfels im November 2018, was neben anderen Pannen eine Debatte über die Flotte der deutschen Flugbereitschaft auslöste. Auch Bundespräsident Frank-Walter SteinmeierRegierungsflieger defekt – Steinmeier sitzt in Äthiopien fest in www.welt.de vom 30. Januar 2019 und Außenminister Heiko MaasPanne am Regierungsflieger - Heiko Maas verpasst Auftakt der UN-Sitzung in www.faz.de vom 1. April 2019 waren im Jahr 2019 von Pannen an Regierungsflugzeugen betroffen.
Im Rahmen des Beitritts zur Multinational MRTT Unit wurde die Fähigkeit zur Luftbetankung und des qualifizierten Patientenlufttransports auf der Langstrecke der Strategic Aeromedical Evacuation an den neu aufgestellten Verband der NATO übertragen und ab Oktober 2020 der Airbus A310-304 MRTT nicht mehr als Tankflugzeug eingesetzt. Am 15. Juni 2022 ging der letzte Airbus A310-304 aus der Nutzung. Mit dem Airbus A400M beim LTG 62 und durch die Teilnahme an der Multinational MRTT Unit und dem dortigen Anteil von 4/9 an der A330 MRTT-Flotte (ausgedrückt in den nutzbaren Flugstunden) stehen der Luftwaffe jedoch diese Fähigkeiten weiter zur Verfügung.
Bereits am 12. April 2019 schloss das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit der Lufthansa Technik AG daraufhin einen Vertrag über die Lieferung von drei fabrikneuen Flugzeugen Airbus A350-900 ab. Nachdem eine deutsche Regierungsmaschine des Typs A340-300 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen 16+01 im August 2023 wegen technischer Mängel an den Auftriebsklappen, die sich nach einer Zwischenlandung nicht wieder einfahren ließen, auch nach einem Reparaturversuch nicht nach Australien fliegen konnte, kündigte ein Sprecher an, dass dieser Flugzeugtyp von der Flugbereitschaft vorzeitig ausgemustert werde. Die reguläre Ausmusterung war zum Jahresende 2023 vorgesehen. Das erste Flugzeug wurde ab dem 15. Februar 2024 versteigert.
Zur aktuellen Ausstattung der Flugbereitschaft der Bundeswehr u.a mit Flugzeugen des Typs Airbus A350-900 siehe den Abschnitt Luftfahrzeuge.
Aufgaben
Der Aufgabenbereich umfasst die Abwicklung des Staats-, Regierungs- und Parlamentsflugbetriebes – „weiße Flotte“ – (mit Airbus A350-900, Airbus A319CJ, Airbus A321, Bombardier Global 5000/6000 und Aérospatiale AS 532 Cougar) und den militärischen Lufttransport – „graue Flotte“ – (mit Airbus A321LR) sowie das Herstellen und Erhalten der Einsatzbereitschaft. Zu den Beschäftigten der Flugbereitschaft zählen auch die Lufttransportbegleiter, das militärische Gegenstück der Flugbegleiter.
Die Wartung der Flugzeuge erfolgt durch die Technische Gruppe der Flugbereitschaft wie auch der Lufthansa Technik.Der Spiegel: Ministerium prüft Wartungsfehler bei Lufthansa Technik; abgerufen am 16. August 2023Der Spiegel: Ist die Pannenserie der Regierungsjets normal?; abgerufen am 16. August 2023
Parlamentsflugbetrieb Die Inanspruchnahme der Flugbereitschaft ist in den „Richtlinien für den Einsatz von Luftfahrzeugen der Flugbereitschaft BMVg (Bundesverteidigungsministerium) zur Beförderung von Personen des politischen und parlamentarischen Bereichs“ geregelt. Folgender Personenkreis darf danach die Flugbereitschaft in Anspruch nehmen:
Der Bundespräsident, der Bundestagspräsident, der Bundesratspräsident, der Bundeskanzler, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesminister sowie die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag Sonstige Mitglieder des Bundestages auf Anforderung des Bundestagspräsidenten Die Parteivorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien Die Kanzlerkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien für die Zeit von zehn Wochen vor einer Bundestagswahl
Im Zusammenhang mit der Nutzung der Flugbereitschaft werden durch Medien, konkurrierende Parteien oder den Bundesrechnungshof immer wieder Vorwürfe der missbräuchlichen Nutzung erhoben. Selten lässt sich dies juristisch klar belegen. Oft führt aber bereits der Eindruck der ungerechtfertigten Privilegiennutzung zur privaten Übernahme der Kosten durch die Betroffenen. Auch Regierungsflüge sorgten bereits für Kritik. So haben einzig die sechs Regierungsflüge aus dem Kabinett Scholz zu Spielen der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 531.000 Euro gekostet.
Beobachtungsflüge Weiterhin wird ein Beobachtungsflugzeug im Rahmen des Vertrag über den Offenen Himmel in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr betrieben.
Militärischer Lufttransport Bei der Flugbereitschaft ist die sogenannte „Drehscheibe Wahn“ in der Luftwaffenkaserne Wahn am Flughafen Köln/Bonn, für den gesamten Lufttransport angesiedelt. Von hier aus wird der Umschlag und Transport von sämtlichem Material und Personal ins Ausland koordiniert und zum Großteil abgefertigt.
Standorte Flughafen Köln/Bonn Die Flugbereitschaft hat ihren Sitz am militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn (direkt angebunden an die Luftwaffenkaserne Wahn), wo alle Transportflugzeuge und die Geschwaderführung stationiert sind. Die Bundesregierung hält derweil weiter am Bau des Regierungsflughafens am Flughafen Berlin Brandenburg bis 2032 fest, dies führt dazu, dass der militärische Teil des Flughafens Köln/Bonn auch mittelfristig ein wichtiger Stützpunkt der Bundeswehr für den Lufttransport und Sitz der Flugbereitschaft sein wird.
Lufttransportgruppe am Flughafen Berlin-Brandenburg Regierungsterminal Im Oktober 2008 wurde bekanntgegeben, dass die weiße Flotte für den Staatsflugbetrieb zum Flughafen Berlin Brandenburg umziehen soll, sobald am dortigen Flughafenneubau die Voraussetzungen geschaffen wurden.schnell und modern – die Flugbereitschaft BMVg, Luftwaffe.de, erschienen am 22. Oktober 2008, abgerufen am 11. Oktober 2011. „[Es] ist beabsichtigt, den politisch/parlamentarischen Flugbetrieb der Flugbereitschaft ab 2012 über den BBI abzuwickeln.“ Dazu sollte im Norden des Flughafens in der Nähe der bestehenden Flughafenterminals des alten Flughafen Berlin-Schönefeld ein repräsentatives Terminal sowie die für die Flugbereitschaft notwendigen Infrastrukturen erstellt werden. Bedingt durch die Verzögerungen beim Bau des neuen Flughafens, mussten die für Bau und Umzug geplanten Termine aber bereits mehrfach verschoben werden. Der Umzug nach Schönefeld sollte, mit Stand Dezember 2016, frühestens im zweiten Halbjahr 2018 stattfinden, da dann das provisorische Regierungsterminal hätte fertig sein sollen. Die Fertigstellung des 350 Millionen Euro teuren regulären neuen Regierungsairports in Schönefeld war für 2024 geplant. Im September 2019 wurden Pläne bekannt, möglicherweise auf den Bau eines neuen Regierungsterminals zu verzichten und ein Interims-Terminal, das für 70 Mio. Euro errichtet wurde, langfristig zu nutzen. Das neue Regierungsterminal sollte erst 2034 fertiggestellt werden. Bis dahin können maximal drei Maschinen aus der 18 Luftfahrzeuge umfassenden BMVg-Flotte und zwei Regierungsflugzeuge von Staatsgästen anderer Nationen auf dem Flughafen Berlin Brandenburg geparkt werden. Im Oktober 2020 begann der politisch-parlamentarische Flugbetrieb auf dem neuen Interims-Regierungsterminal. Die Bundesregierung teilte im Oktober 2022 mit, kein neues Regierungsterminal zu bauen. Die bisherige Zwischenlösung soll stattdessen zur Dauerlösung werden. Die anderen Teile des Regierungsflughafens sollen aber weiterhin gebaut werden und dann zusammen mit dem bisherigen Interims-Regierungsterminal genutzt werden. Der Umzug der Flugbereitschaft ist für 2032 geplant.
Hubschrauberstaffel Bis Oktober 2025 war die Hubschrauberflotte am militärischen (Nord-)Teil des Flughafens Berlin-Tegel beheimatet. Im Oktober 2025 ist sie zum Flughafen Berlin Brandenburg umgezogen. Die Bundeswehr wird das Gelände in Tegel voraussichtlich jedoch weiter militärisch nutzen.
Gliederung Stab Flugbereitschaft BMVg Stab Fliegende Gruppe 1. Lufttransportstaffel (Global 5000, Global 6000) 2. Lufttransportstaffel (A319, A321, A350) Stab Technische Gruppe 2. Technische Staffel (A319, A321, A350, Global 5000, Global 6000) Flugplatzstaffel Lufttransportgruppe (LTGrp) in Berlin-Schönefeld
Anteile Cougar in der Kaserne Tegel unterstehen dem Abgesetzten Bereich BER, beinhaltet aber sowohl das fliegende Personal wie auch das technische, so dass der Flugbetrieb sichergestellt werden kann.
Kommandeure