mini|Stadtpläne des Falk-Verlags mit der Patentfaltung

Der Falk-Verlag war ein auf Stadtpläne und Landkarten spezialisierter Verlag. Er wurde im Herbst 1945 von Gerhard Falk in Hamburg gegründet und war bis 1996 in Familienbesitz. Nach dem Verkauf an den Bertelsmann-Konzern gab dieser den Falk-Verlag 1998 an die MairDumont-Gruppe. Das Unternehmen wurde zum 30. August 2012 Teil von MairDumont.Amtsgericht Stuttgart: Eintrag zur Löschung der FALK Content & Internet Solutions GmbH & Co. KG, 10. September 2012Amtsgericht Stuttgart: Eintrag zur Verschmelzung der FALK CIS Management GmbH in die MairDumont GmbH & Co. KG, 3. September 2012Amtsgericht Stuttgart: Eintrag zur Verschmelzung in die MairDumont GmbH & Co. KG, 3. September 2012

Geschichte Die Legende besagt, dass Gerhard Falk versuchte, sich 1945 im zerstörten Hamburg zurechtzufinden und sich dabei über einen unhandlichen Stadtplan der Großstadt ärgerte. Dabei kamen ihm zwei Ideen, die zu einem völlig neuartigen Produkt führten: Die parabolische Projektion (sog. Hyperboloid-Projektion) erlaubte es, innerhalb des Stadtplans gleitend den Maßstab zu ändern. Die im Zentrum liegende Innenstadt mit ihren engen Straßen wurde hierbei größer dargestellt als die Randbezirke. Im Nachkriegsdeutschland war es äußerst schwierig, Papier zum Bedrucken zu organisieren. Diese Projektion half, Papier zu sparen, da nur ein kleineres Format bedruckt werden musste. Eine für Falk 1948 patentierte Falttechnik erlaubte es dem Benutzer, sich in dem Plan zurechtzufinden, ohne diesen komplett zu entfalten.Espanet (Suche des Europäischen Patentamts), Abrufbar am 4. Oktober 2020. Obwohl der Plan immer noch auf einem einzigen Blatt gedruckt ist, kann man damit in alle Richtungen blättern. Die Falk-Pläne wurden bis in die 1990er Jahre manuell von Heimarbeitern gefaltet, erst seit den 1990er Jahren wurden Automaten zur maschinellen Faltung der gängigsten Größen eingesetzt. Entwickelt wurde die Maschine von Alfred Vogtländer; sie war ebenfalls durch Patent geschützt.

Dank dieser Neuerungen, aber auch dank einer durchdachten Marketing-Strategie (so wurde zum Beispiel stets der Begriff Falkplan verwendet, um den Stadtplan untrennbar mit dem Firmennamen zu verknüpfen) wuchs der Verlag schnell und stieg zum führenden Stadtplanproduzenten Europas auf, der Karten der größten Städte Deutschlands, aber auch der wichtigsten Hauptstädte Europas und von New York, Rio de Janeiro u. a. im Programm hatte.

Außerdem fertigte das Kartographische Institut Falk G.m.b.H. unter I. Siedentop Atlas-Karten, die auch vom Falk-Verlag verlegt wurden. So erschien um 1948 dort z. B. Falk's kleiner Welt-Atlas mit 27 Karten verschiedener Maßstäbe (1:190.000.000 bis 1:3.500.000) in einem in Leinen gebundenen Büchlein.Falk's kleiner Welt-Atlas. 1.–30. Tausend, Herstellung: Kartogr. Institut Falk G.m.b.H., Bearbeitung: Dr. I. Siedentop, Falk-Verlag, Hamburg 1

Die ersten Jahre 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg und während der Besatzung durch die Briten, begannen nach Erkundungen mit dem Fahrrad die Arbeiten zur Erstellung eines Stadtplans von Hamburg mit drei freien Mitarbeitern in den Räumen über einer Gaststätte in Hamburg-Hoheluft. 1946 konnte ein Büro in Hamburg-Winterhude genutzt werden. Im Juni erschien nach acht Monaten Arbeit mit einer Papierzuteilung und Genehmigung der britischen Besatzungsmacht die erste Auflage des Hamburg-Stadtplans in Hyperboloid-Projektion und mit Patentfaltung sowie einer Darstellung der total- und teilzerstörten Gebiete der Stadt in Grau- bzw. Rottönen sowie einem Verzeichnis der umbenannten Straßen, die nach ganz kurzer Zeit verkauft war. Innerhalb der ersten zwölf Monate wurden 70.000 Exemplare für jeweils 3 RM verkauft.A.J.M.: The Stadtpläne. In: British Zone Review, a Monthly Review of the Activities of the Control Commission for Germany (B.E.), Vol. 2 No. 10 vom 20. März 1948, S. 16 (englisch) (Zum 40-jährigen Verlagsjubiläum wurde dieses legendäre Zeitdokument 1985 als Faksimile nachgedruckt.) Im November erschien eine schematische Eisenbahn- und Straßenkarte „Schleswig Holstein Hamburg Hannover“, allerdings in konventioneller Leporellofaltung (11.46 Serial No. 11/5501). Im Dezember wurde der zweite Stadtplan (Hannover) fertiggestellt. 1947, Umzug ins Hamburger Kontorhausviertel (Sprinkenhof mit zunächst fünf Räumen an der Burchardstraße), Gründung einer Niederlassung in West-Berlin und eines Schwesterunternehmens in Den Haag; die Pläne von Hannover, Düsseldorf, Frankfurt (Main) und München erschienen, was durch die Einrichtung der wirtschaftlichen Bizone erleichtert wurde. Von Hamburg erschien erstmals die „Große Ausgabe“ als neugezeichneter und wesentlich umfangreicherer Plan. In der bei Falk üblichen Auflagenzählung entspricht dieser neue Plan der 6. Auflage. Der bisherige Hamburger Ur-Plan wurde weiter aktualisiert und nun als „Kleine Ausgabe“ vertrieben. Außerdem erschienen erste Sonderausgaben für die Hamburger Hochbahn AG. 1948, die ersten Pläne von Berlin (viersprachig) und Nürnberg erschienen im Frühjahr (Nürnberg: Andruck im Januar, Auflagedruck – zunächst 20.000 Exemplare – im Mai, 1. Ausgabe im Juni; Gesamtauflage 60.000 Exemplare); im Mai 1948 erschien mit Genehmigung der britischen Besatzungsmacht in einer Auflage von 30.000 Exemplaren eine Karte von Falks Lieblingsinsel Sylt mit einem Plan von Westerland, auf dem neben den Straßen jedes Haus mit seiner Nummer eingetragen war, daneben eine Aufstellung der Pensionen mit dem Namen des Hauses und seiner Adresse, ebenfalls waren auf dem Plan der Fahrplan der Inselbahn, die Fahrzeiten von zwei Schnellzügen von bzw. nach Hamburg sowie des HAPAG-Seebäderdienstes zwischen Hörnum und Cuxhaven bzw. Hamburg verzeichnet; die Belegschaft des Verlages bestand nun aus 35 Personen, alle unter 30 Jahre alt, es gab bereits 17 Kartentitel. Nach der Währungsreform erhielten immer mehr Titel einen robusten Hochglanz-Einband; vorher wurde einfacher bedruckter Karton verwendet. 1949, die ersten Auslandsstadtpläne erschienen (Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Rom), ebenso zwei Autokarten und der erste Autoatlas der neu gegründeten Bundesrepublik DeutschlandAngaben im Verzeichnis des Falk-Plans Hannover, 34. Ausgabe von August 1969, S. 34 1950, die erste Million Pläne waren verkauft worden; von Berlin erschien eine wesentlich erweiterte „Große Ausgabe“, die Kartenfläche war nach Süden erweitert worden. Mit Rom erschien der erste in Hamburg erstellte Auslands-Stadtplan. 1951, als erster außereuropäischer Stadtplan erschien São Paulo (für Brasilien, wo zu dieser Zeit viele Deutsche wohnten; Südamerika war wichtiger Handelspartner) 1952, der Welt-Seuchen-Atlas wurde im Auftrag der US-Navy unter der Leitung von Ernst Rodenwaldt hergestellt. 1953, Arbeiten am großformatigen Stadtplan Ruhrgebiet im Maßstab 1:50.000 sowie den Stadtplänen Rio de Janeiro und Kopenhagen begannen, 30 feste Mitarbeiter. Auf die bisher übliche Darstellung der „teil- und totalzerstörten Gebiete“ deutscher Großstädte wurde nun verzichtet. 1954, Auftrag zur Herstellung eines Weltatlas für die Büchergilde Gutenberg, der Lichtsatz (zunächst mit Hohlux-Gerät) wurde eingeführt 1955, u. a. erschienen der Stadtplan Dortmund und ein Autoatlas Österreich, für ein Gutenberg-Lexikon wurden die thematischen Karten erstellt, die Foliengravur wurde erprobt und für die Neuherstellung eingeführt 1956, der völlig neu gezeichnete, umfangreichere Denkende Falk-Plan Hamburg erschien (Redaktionsschluss 1. Aufl. Dez. 1955), zahlreiche Stadtpläne waren in Arbeit, darunter auch London und Paris. Von Hamburg gab es mittlerweile vier verschiedene Kartentitel für jede Zielgruppe: der „Denkende“ Falkplan (DFP) mit dem gesamten Stadtgebiet vor allem für Behörden und Firmen (lt. Vorwort), die Große Ausgabe als klassischer Plan mit dem wesentlichen Stadtgebiet sowie Harburg und Bergedorf auf Beikarten, die kleinere „Volksausgabe“ (später als Touristplan bezeichnet) und „Der kleine Falkplan“, der gefaltet 8 × 10 cm groß war und auf dem Ur-Plan von 1946 basierte und somit nur das innere Stadtgebiet darstellte. 1957, der Autoatlas Europa entsprach dem aufkommenden Tourismus und Warenverkehr Für Industrie-Aufträge kleiner Karten(ausschnitte) wurde eine spezielle Faltung entwickelt und patentiert (Starfold); auch andere Karten konnten zu Werbezwecken als Sonderausgaben, auch mit zusätzlichen Aufdrucken und Einbänden, bestellt werden. 1959, die Stadtpläne St. Louis und New York sowie der US-Road-Atlas sollten neue Märkte in Nordamerika erschließen 1960, die Falk-Mondkarte mit der naturähnlichen Darstellung der von der Erde aus sichtbaren Seite erschien, außerdem u. a. die Stadtpläne der BRD-Hauptstadt Bonn, Wuppertal, Saarbrücken und der österreichischen Hauptstadt Wien. Im Oktober erschien für 2,50 DM unter der Verlags-Nr. 462 der sogenannte Falk Pilot-Plan Hamburg im gleitenden Maßstab 1:33.500–1:83.500, in dem das vereinfachte Straßennetz und die bebauten Teile Hamburgs und der näheren Umgebung in Grau dargestellt waren, dazu waren die Schienenstrecken, Parks, Wälder und vor allem zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten als Vignetten vom für Falk arbeitenden Graphiker Alfred Grobe gestaltet. Diese Vignetten wurden am Rand wiederholt und mit Texten von Frank J. Wagner erklärt. Es gab nun über 80 Verlagsprodukte und 75 Mitarbeiter. Die Titelcover der bisher individuell für jede Stadt gestalteten Falk-Pläne wurden vereinheitlicht: Hintergrund gelb, Wahrzeichen als s/w-Foto, Städtename weiß auf rotem Balken, rechter Rand cyanblau mit Straßenraster, Falk-Logo rechts oben. 1961, Falk wurde als Europas größter Stadtplan-Verlag bezeichnet, das Vertriebsnetz wurde mit Gebietsvertretern ausgebaut, die die Buchhändler, Tankstellen usw. in der jeweiligen Region belieferten 1962, nach der großen Sturmflut im Februar 1962 erschien im Mittelteil des beigehefteten Verzeichnisses in der 33. Auflage des patentgefalteten Stadtplanes Hamburg der sogenannte Falk Stadtspiegel, der journalistisch von Gertrud Schröder in verschiedenen Artikeln über Themen der Stadt (z. B. „Die große Flut …“, „1961: 1 848 000 Hamburger!“, „Was kostet eine Wohnung in Hamburg?“ und „Hamburg am Abend …“). In der 35. Auflage vom August 1963 des Hamburg Stadtplans war ein Stadtspiegel des zweiten Jahrgangs eingeheftet. Diese Stadtspiegel sollten in den Stadtplänen der 30 größten Städte erscheinen. Der in der 21. Auflage des Stadtplans Frankfurt eingeheftete Stadtspiegel berichtete im Juli 1962 mit folgenden Artikeln: „1961 beschlossen: Unterpflasterbahn!“, „Banken – Messen – Großbetriebe“, „Universität mit 7.800 Studenten“ und „Tips für fremde Autofahrer!“, aber auch die Frage „Was kostet eine Wohnung?“ wurde beantwortet.

Zeittypisch wurde für die Falk-Pläne mit prägnanten Sprüchen geworben: „Nicht verlaufen, Falk-Plan kaufen“ oder „Planlos läuft er durch die Stadt, weil er keinen Falk-Plan hat“.

In den Niederlanden stellte die Schwesterfirma Stadtpläne (mit orangefarbener Bebauung) und Autokarten für den niederländischen und belgischen Markt her, die ebenfalls unter dem Markennamen „Falk“ vertrieben werden.

Der Stadtatlas von Hamburg („Elfha“-Plan) wurde von einem anderen kartographischen Betrieb übernommen und in Buchform fortgeführt sowie in den folgenden Jahren erweitert.

Die vom Falk-Verlag ebenfalls entwickelte Weltzeituhr (1965) bestand aus einem sich drehenden, von innen teilweise beleuchteten Zylinder, auf dem eine Weltkarte in winkeltreuer Mercator-Projektion mit Darstellung der Zeitzonen abgebildet war. Beleuchtet wurde die entsprechend des Sonnenstandes jeweils bestrahlte Seite, wobei die Jahreszeiten berücksichtigt gewesen sein sollen.

Weiterer Ausbau in den 1960er und 1970er Jahren