hochkant|mini|Hans Tägert (1944) Hans Tägert (* 20. Mai 1908 in Kiel; † 2. Mai 1945 im Kattegat) war ein deutscher Privatrechtler.

Leben Tägert studierte Rechtswissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 1926 wurde er im Corps Suevia Tübingen aktiv.Kösener Corpslisten 1960, 129/894. Als Inaktiver wechselte er an die heimatliche Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), an der er im Dezember 1929 das Referendarexamen mit „gut“ bestand.

Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.731.491)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/44050683 und schloss sich auch dem Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund an. Die Assessorprüfung bestand er am 24. April 1934 mit „voll befriedigend“ am Kammergericht in Berlin.Personalbogen im Universitätsarchiv Göttingen. Die CAU promovierte ihn 1934 zum Dr. iur.Dissertation: Beiträge zur Theorie des Feststellungsvertrages. 1937 habilitierte er sich in Göttingen.Habilitationsschrift: Familienerbe in Friesland. Am 10. Dezember desselben Jahres gelang ihm die Umhabilitation für bürgerliches Recht und Handelsrecht nach Kiel.Digitale Bibliothek Universität Kiel Als 31-jähriger Privatdozent vertrat er 1939 an der Georg-August-Universität Göttingen den verwaisten Lehrstuhl von Julius von Gierke. Auf der Berufungsliste rangierte er hinter Hermann Krause. Seit Beginn des Überfalls auf Polen diente er bei der Kriegsmarine. Die Göttinger Ernennung zum planmäßigen Extraordinarius im Februar 1940 erhielt er auf einem Vorpostenboot. Seine Lehrtätigkeit in Rechtsgeschichte konnte er allerdings auch dann nicht regelmäßig wahrnehmen, als er am 1. November 1941 das Ordinariat erhalten hatte.Heinrich Becker (Hg.): Die Universität Göttingen unter dem Nationalsozialismus (1998)

Marine Als Kommandant des Minensuchbootes M 293 kam Tägert am 30. April 1945 von Kopenhagen nach Aarhus. In Begleitung von zwei U-Booten lief das Boot – aus unbekannten Gründen – am selben Abend wieder aus. Am Morgen des 1. Mai erreichte es einen Hafen der Insel Anholt. Kurz nach Mitternacht lief es wieder aus, „nordwärts“. 30 Flugzeuge der Royal Air Force griffen das Boot zwischen 7 und 8 Uhr an und versenkten es. Brief des Steuermanns Benz an die Witwe (Familienarchiv Tägert). Die Mehrheit der Besatzung und der Kommandant ertranken sechs Tage vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. Tägerts Leichnam wurde von schwedischen Fischern gefunden und in Göteborg begraben.

Hans Welzel, in Göttingen Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät, würdigte Tägert in der Fakultätssitzung am 7. Januar 1946.Brief an Tägerts Witwe vom 12. Januar 1946 (Familienarchiv Tägert) Ernst von Caemmerer, ebenfalls Kommandant eines Minensuchers, berichtete Tägerts Witwe 1946 über die Begegnung mit Tägert in Kopenhagen.Brief vom 21. Januar 1946 (Familienarchiv Tägert). Tägerts Vater, Konteradmiral Carl Tägert, überlebte seinen fast 37 Jahre alt gewordenen Sohn um ein Jahr.

Werke Die Geltendmachung des Drittschadens. Heide 1938.

Literatur Christina Wiener: Kieler Fakultät und ‚Kieler Schule‘. Die Rechtslehrer an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät zu Kiel in der Zeit des Nationalsozialismus und ihre Entnazifizierung. Nomos Verlag 2013. ISBN 978-3-8329-7884-6, S. 202. (Inhaltsverzeichnis) Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1940/41. Band 2, Walter de Gruyter, Berlin 1941, Sp. 901.

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