mini|Der englische König Eduard I. huldigt dem französischen König Philipp IV. Französische Miniatur aus dem 15. Jahrhundert Der Französisch-Englische Krieg von 1294 bis 1298 (französisch: Guerre de Guyenne, englisch: French War of 1294-1298) war ein militärischer Konflikt zwischen England und Frankreich. Der Krieg, in dem es zu Kämpfen und Feldzügen in der Gascogne und in Flandern kam, blieb militärisch unentschieden. Erst 1303 konnte schließlich ein Friedensvertrag geschlossen werden, in dem die Besitzstände zu Beginn des Krieges bestätigt wurden.
Ursachen Ausgangslage Ursache des Konflikts war der Streit um die südwestfranzösische Gascogne, die als Teil des Herzogtums Aquitanien ein Rest des angevinischen Reiches im Besitz der englischen Könige war. Im Vertrag von Paris von 1259 hatte der französische König Ludwig IX. den Besitz des englischen Königs anerkannt, gleichzeitig erkannte der englische König Heinrich III. den französischen König als seinen Lehnsherrn an. Zwar kam es an den Grenzen der Region mehrmals zu kleinen Gefechten zwischen französischen und englischen Vasallen, die von den jeweiligen Oberherren unterschiedlich geahndet wurden, doch nach dem Vertrag von Paris kam es zunächst zu keinen größeren Streitigkeiten zwischen den englischen und französischen Königen. Im Vertrag von Amiens 1279 erhielt der englische König Eduard I. sogar das Agenais, wie es bereits im Vertrag von Paris vereinbart worden war. Letztlich konnten die französischen Könige ein englisches Gebiet in Frankreich nicht tolerieren, doch der Ausbruch des offenen Konfliktes geschah dennoch unerwartet.Michael Prestwich: Edward I. University of California, Berkeley 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 376
Konflikte zwischen englischen und französischen Seeleuten Die eigentliche Ursache waren vermutlich Gewalttätigkeiten von Seeleuten aus den englischen Cinque Ports und von der Besatzung eines Schiffes aus dem aquitanischen Bayonne, als diese 1292 in der französischen Normandie an Land gingen. Als Vergeltung unternahmen Seeleute aus der Normandie einen Überfall auf die Region an der Mündung des Gironde, dazu sollen englische und irische Schiffe auf See von französischen Schiffen angegriffen worden sein. Diese Angriffe störten den Handel zwischen England und Frankreich, so dass der französische König Philipp IV. 1293 in Bordeaux erklären ließ, dass er die Angriffe ausdrücklich verboten hätte. Dennoch gingen die Angriffe auf englische Schiffe weiter, und am 15. Mai 1293 wurde ein großer englischer Konvoi, der aus Portsmouth kam, bei Kap Pointe de Saint-Mathieu vor der Bretagne von Schiffen aus der Normandie angegriffen. Danach kam es zu einer weiteren Seeschlacht, die von beiden Seiten offenbar gezielt gesucht wurde. Unter großen Verlusten blieben dabei die englischen Seeleute siegreich.Michael Prestwich: Edward I. University of California, Berkeley 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 377
Gescheiterte diplomatische Bemühungen zur Beilegung des Konflikts Der französische König verlangte auf Druck seines Bruders, Karl von Valois, die umgehende Freilassung der gefangen genommenen französischen Seeleute, während die englischen Behörden die Angelegenheit vor ihre Gerichte bringen wollten. Noch im Mai 1293 reiste eine hochrangige englische Gesandtschaft, geführt von Edmund of Lancaster, dem Bruder des Königs, und von Henry de Lacy, 3. Earl of Lincoln nach Paris, um einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Ihnen folgte im Juli eine zweite Gesandtschaft, der mehrere erfahrene Juristen, darunter Bischof Richard of Gravesend von London, Roger Brabanzon und William Greenfield angehörten. Sie schlugen vor, dass der englische König die Franzosen, die durch englische Seeleute geschädigt worden waren, entschädigen würde, alternativ sollte eine aus je zwei Franzosen und Engländern gebildete Kommission einen Kompromiss finden oder letztlich könnte der Streit dem Papst zur Schlichtung vorgelegt werden. Die Franzosen zeigten sich jedoch kompromisslos. Sie verlangten die Auslieferung der städtischen Beamten der Gascogne sowie die Stellung von hundert Bürgern aus Bayonne als Geiseln, was von den englischen Beamten in der Gascogne nicht befolgt wurde. Daraufhin bestellte der französische König im Oktober 1293 den englischen König Eduard I. als seinen Vasallen für Januar 1294 an seinen Hof, wo er sich für die Zwischenfälle verantworten sollte. Der englische König lehnte ein persönliches Erscheinen in Paris ab, doch im Januar 1294 machte Edmund of Lancaster, unterstützt von dem erfahrenen Beamten John de Lacy, in Paris einen neuen Vermittlungsversuch. In vertraulichen Verhandlungen schlug Edmund vor, dass sein verwitweter Bruder Eduard Philipps Schwester Margarethe heiraten solle. Als Zeichen seines guten Willens bot er an, dass Frankreich die Gascogne besetzen solle, um die öffentliche Meinung in Frankreich zu beruhigen, doch das Gebiet nach kurzer Zeit wieder an England zurückgeben solle. Der französische König widerrief dafür die Vorladung des englischen Königs. Die Franzosen nahmen das Angebot an, und im März 1294 reiste John de Lacy in die Gascogne, um alle Städte außer Bordeaux den Franzosen zu übergeben. Dann erklärte der französische König jedoch vor seinem Rat, dass er die Gascogne nicht wieder herausgeben würde und erneuerte die Vorladung des englischen Königs vor das französische Parlement.Michael Prestwich: Edward I. University of California, Berkeley 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 379 Das Parlement erklärte wegen des Nicht-Erscheines des englischen Königs am 19. Mai dessen Besitzungen in Frankreich für verwirkt. In einem auf den 20. Juni 1294 datierten Brief kündigte daraufhin Eduard I. seine Lehenstreue gegenüber dem französischen König auf. Doch erst Anfang August sandte er, da er Übergriffe der Franzosen auf weltliche Gesandte fürchtete, vier Mönche als Überbringer des Briefes nach Paris. Die Mönche wurden tatsächlich eingekerkert, ehe sie als Gesandte anerkannt wurden.
Damit war ein offener Krieg zwischen England und Frankreich unvermeidbar geworden. Die englische Diplomatie hatte vollständig versagt, doch offenbar waren die englischen Gesandten von Philipp IV. gezielt betrogen worden, der den offenen Krieg scheinbar nicht scheute.Michael Prestwich: Edward I. University of California, Berkeley 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 381
Der Krieg in der Gascogne von 1294 bis 1298 Vorbereitungen für den Feldzug Die Engländer traf der Krieg unvorbereitet, und die Vorbereitungen für einen Feldzug nach Südwestfrankreich nahmen einige Zeit in Anspruch. Für den 1. September berief Eduard I. sein Feudalheer nach Portsmouth, um von dort ein Heer nach Südwestfrankreich zu schicken. Zugleich plante er aber, Frankreich auch von den Niederlanden aus anzugreifen, weshalb er wohl schon im Juni Gesandte zum römisch-deutschen König Adolf von Nassau sandte. Dazu versuchte er, zahlreiche westdeutsche Fürsten, aber auch einige ostfranzösische Adlige für ein gegen den französischen König gerichtetes Bündnis zu gewinnen. Stillschweigend musste Eduard I. aber akzeptieren, dass die meisten seiner englischen Vasallen sich weigerten, als unbezahltes Feudalheer in seinen französischen Besitzungen zu kämpfen. Deshalb musste er Söldner anwerben, so dass erst um den 9. Oktober ein erstes englisches Heer von Portsmouth aus nach Südwestfrankreich aufbrechen konnte. Diese Vorhut stand unter dem Kommando des jungen, unerfahrenen Johann II. von der Bretagne, einem Neffen des Königs, dem jedoch der erfahrene Ritter John de St John zur Seite gestellt wurde. Diesem Kontingent sollte wenig später ein größeres Heer unter dem Kommando von Edmund of Lancaster folgen, während der König selbst ein weiteres Heer in die Niederlande führen wollte.
Erfolgreicher englischer Feldzug 1294 Die englische Vorhut unter Johann von der Bretagne und John de St John überfiel auf der Seereise nach Südwestfrankreich zunächst die Gegend um Kap Saint-Mathieu und die Île de Ré, ehe sie die Gironde-Mündung erreichte. Dort eroberten sie ohne große Gegenwehr Castillon, Macau, Bourg und Blaye. Ein Angriff auf das inzwischen ebenfalls von Frankreich besetzte Bordeaux wurde von den Verteidigern abgewiesen, worauf die englische Flotte weiter die Garonne hinaufsegelte. Podensac und Rions ergaben sich ohne Gegenwehr, und erst dort gingen die Truppen an Land. Während Johann von der Bretagne mit William Latimer in Rioms blieb, zog St John mit einem Teil der Armee nach Süden, wo sich ihm am 1. Januar 1295 Bayonne ergab. Damit waren die raschen, hauptsächlich mit Hilfe der Flotte durchgeführten englischen Angriffe äußerst erfolgreich gewesen. Die erwartete Ankunft der größeren Armee unter Edmund of Lancaster verzögerte sich jedoch, weil Eduard I. die Truppen erst zur Niederschlagung des im September 1294 begonnenen Aufstands in Wales benötigte.
Französischer Gegenangriff von 1295 Gegen diese englischen Angriffe führte Karl von Valois im März 1295 einen Gegenangriff. Während er Rioms belagerte, vereinbarte John Giffard, der Kommandant von Podensac, die Übergabe der Stadt. Giffard handelte den Abzug der englischen Garnison aus, während er die Einwohner der Stadt der Rache der Franzosen überließ. Diese ließen 50 Bürger durch Hängen hinrichten. Um die aufgebrachten Bewohner von Rioms zu beruhigen, ließ Ralph Gorges, der Marshall der englischen Armee, Giffard vor Gericht stellen. Dies führte jedoch zu einer Revolte unter den englischen Truppen, vor der Johann von der Bretagne und zahlreiche Ritter auf die Schiffe der englischen Flotte flüchteten. Daraufhin konnten die Franzosen ohne große Gegenwehr Rioms erobern, wobei mehrere englische Ritter, darunter Thomas de Turberville, gefangen genommen wurden. Weiter südlich musste Hugh de Vere nach tapferer Verteidigung Saint-Sever übergeben, doch nachdem das französische Hauptheer weitergezogen war, konnten die Engländer die Stadt rasch zurückgewinnen. Im Sommer 1295 aber waren nur noch die Region um Bayonne sowie die belagerten Städte Bourg und Blaye an der Gironde im Besitz der Engländer.
Der Seekrieg im Ärmelkanal Im Sommer 1295 heuerte der französische König Schiffsbauer aus Genua an, um eine Flotte aufzubauen und um damit einen Seekrieg gegen englische Häfen zu führen. Dover wurde angegriffen und ging teils in Flammen auf, während ein Angriff auf Winchelsea dank einer Flotte aus Yarmouth abgewehrt werden konnte. Die angespannte Situation wurde durch die Aufdeckung des Verrats von Thomas Turberville verschärft. Dieser war angeblich aus französischer Gefangenschaft entkommen und nach England zurückgekehrt. Dann wurde ein Brief von ihm abgefangen, in dem er Details über die englische Verteidigung nach Frankreich senden wollte. Turberville, der als Ritter des königlichen Haushalts das Vertrauen des Königs besessen hatte, wurde hingerichtet. König Eduard I. hatte bereits Ende 1294 den Bau von 30 Galeeren zur Verteidigung der südenglischen Küste angeordnet. Nun verstärkte er die Truppen in Südengland. Er war zwar zu einem Frieden bereit, da er gerade erst den Aufstand in Wales niedergeschlagen hatte und zudem ein Konflikt mit Schottland drohte. Er war jedoch nicht bereit, seine jüngst gewonnene Vormacht über die britischen Inseln durch den Verlust der Gascogne zu gefährden.
Weitere Kämpfe in der Gascogne