Die Deutsche Handelsbank AG (DHB) war ein 1956 gegründetes Kreditinstitut im Berliner Bankenviertel, das vor allem in der Außenhandelsfinanzierung tätig war. 2001 ging die Bank in der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) auf.

Aufgaben und Geschichte Das Institut war „eine vom Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik beauftragte staatliche Bank für die Valutaabwicklung der sich aus den Außenhandelsbeziehungen mit kapitalistischen Ländern (Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet, NSW) ergebenden bankmäßigen Geschäfte“. Diese Bank entsprach somit in der DDR dem rechtlichen Status eines Devisenausländers und stand damit außerhalb der Kontrollhoheit des Finanzministeriums der DDR.

Aktieninhaber war zunächst die Deutsche NotenbankBundesarchiv. Beständeübersicht des Bundesarchivs und des BStU-Archivs. Bundesarchiv: 1.11.12 Deutsche Handelsbank AG (DHB), abgerufen am 14. April 2015. und ab 1968 hielten an der Deutschen Handelsbank AG die Staatsbank der DDR 64 Prozent der Anteile, das DDR-Außenhandelsunternehmen VEB „Metallurgiehandel GmbH“ in Berlin 14,06 Prozent, die „Heimelectronic Verwaltungs-GmbH“ in Berlin 10,31 Prozent, die Berliner „Kali-Bergbau-Handelsgesellschaft mbH“ 5,63 % und die Auslands- und Rückversicherungs-AG der DDR (DARAG) in Berlin 1 Prozent. In: Focus. Nr. 47 vom 21. November 1994, abgerufen am 14. April 2015. Seit 1972 nutzte die Kommerzielle Koordinierung – zuletzt unter Leitung von Alexander Schalck-Golodkowski – die Deutsche Handelsbank als Hausbank Schalck-Golodkowski Schriftgut gebunkert Der Spiegel 26/1991 vom 24. Juni 1991, abgerufen am 14. April 2015. für die Abwicklung ihrer Auslandsgeschäfte.Schalck Deckname Ikarus. In: Der Spiegel. 39/1991 vom 23. September 1991, abgerufen am 14. April 2015. Generaldirektor der DHB war Feodor Ziesche (* 14. Juli 1927).Gabriele Baumgartner, Dieter Hebig (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. 1945–1990. Band 2: Maassen – Zylla. K. G. Saur, München 1997, ISBN 3-598-11177-0, S. 1046 (books.google.de).

Ein Teil der bei Geschäften vom Bereich Kommerzielle Koordinierung und dem Ministerium für Staatssicherheit erwirtschafteten Devisen landete auf dem sogenannten Honecker-Konto und dem sogenannten Mielke-Konto bei der Deutschen Handelsbank und wurde zur Versorgung der SED-Elite in Wandlitz verwendet.Peter Krewer: Geschäfte mit dem Klassenfeind. Die DDR im innerdeutschen Handel 1949–1989. Trier 2008, S. 216 ff., 299.

Spezielle Konten Besondere Konten bei der Deutschen Handelsbank (DHB) waren:

0528 – das sogenannte Mielke-Konto, Kontostand am 1. Dezember 1989 38 Mio. DM; seit 1972 für Sondergeschäfte der KoKo-Hauptabteilung I genutzt.Kontenkarten der Deutschen Handelsbank Konto 0528-60-011-027. Band 4 im Bundesarchiv (deutsche-digitale-bibliothek.de).Reinhard Buthmann: Die Arbeitsgruppe Bereich Kommerzielle Koordinierung (MfS-Handbuch). [Hrsg.] BStU. Berlin 2004. S. 12 (bstu.bund.de). 0584 – Sonderkonto zur Unterstützung ausländischer Parteien und Organisationen (Disponibler Parteifonds der SED); beispielhafte Abflüsse waren z. B. 1988 12,0 Mio. DM für die DKP-Zeitung Unsere Zeit (UZ), oder 1987 10 Mio. US-$ an die Sandinisten in Nicaragua u. v. a. 0628 – das sogenannte Generalsekretärs-Konto, auch Honecker-Konto, eingerichtet am 29. März 1974; laut Schalcks Erinnerungen war der Kontostand im Dezember 1989 ca. 2,2 Mrd. DM. Auf dem Konto waren die bundesdeutschen Gelder aus Familienzusammenführungen und Häftlingsfreikäufen gesammelt. Das Konto wurde insbesondere zur Sicherung der Zahlungsbilanz der DDR, Linderung von akuten Warenengpässen durch NSW-Importe, z. B. Untertrikotagen, Kaffee, Getreide, Pkw u. v. a. eingesetzt.DDR-Lexikon, Abschnitt Deutsche Handelsbank AG Konto 0773 der Waffenhandelsfirma Imes im Bereich der Koko, das von Manfred Seidel, dem Stellvertreter von Schalck-Golodkowski, verwaltet wurde.

Privatisierung durch die Treuhandanstalt Ende 1990, kurz nach der Deutschen Wiedervereinigung, sollte die Deutsche Handelsbank zügig privatisiert werden. Zunächst bekam die BHF-Bank – für 2/3 der Anteile der Deutschen Handelsbank – für 370 Millionen Mark den Zuschlag, zog sich jedoch zurück. Laut dem Nachrichtenmagazin Focus waren „Umstände bekannt geworden, die einer Vertragsunterzeichnung im Wege standen. Gerüchte über dunkle DHB-Geldgeschäfte machten die Runde.“ Am 13. November erwarb dann die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) den 2/3-Anteil für lediglich 225,28 Millionen Mark. In: Focus. Nr. 47 vom 21. November 1994, abgerufen am 14. April 2015. Die verbliebenen 30 Prozent hielt die Treuhandanstalt. Ab 1990 bis 1995 übernahm Peter Schüring den Vorsitz des Vorstands der Deutschen Handelsbank AG.Profil Peter Schüring, Bloomberg Business, abgerufen am 14. April 2015.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel schrieb 1991: Der macht keinen Fehler. In: Der Spiegel. 19/1991 vom 6. Mai 1990, abgerufen am 14. April 2015.

Am 1. Juli 1992 übernahm die Deutsche Handelsbank 10 Prozent der Anteile von der Kühne + Nagel International AG mit der Begründung, Kühne & Nagel verkauft Anteil. In: Handelsblatt. Nr. 126 vom 3. Juli 1992. und verkaufte im Mai 1994 ihr Aktienpaket beim Kühne + Nagel-Börsengang.Kühne & Nagel bietet zu 912,60 DM, Börsengang in Frankfurt und Zürich / Deutsche Bank zieht positive Ergebnisentwicklung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 103 vom 4. Mai 1994.

Im März 2001 wurde bekannt, dass die Deutsche Handelsbank rückwirkend zum 1. Januar 2001 mit der BfG Bank AG verschmolzen wurde, der Geschäftsbetrieb eingestellt und die Betriebsorganisation aufgelöst wird.Rückwirkend zum 1. Januar 2001. Deutsche Handelsbank wird auf BfG verschmolzen. In: Handelsblatt. 16. März 2001, abgerufen am 14. April 2015.

Literatur Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 13/73 vom 29.11.1995. S. 06422. Die Übernahme des ostdeutschen Bankensystems – Ein Milliardengeschäft für westdeutsche Großbanken. In: ICARUS, Zeitschrift für soziale Theorie und Menschenrechte. Jg. 4, 1998/3. Abb. Aktie Deutsche Handelsbank AG, Freunde historischer Wertpapiere.

Einzelnachweise

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