mini|Wappen derer von Witzendorff Witzendorff, auch Witzendorf oder Wizendorf, ist der Name eines alten niedersächsischen Adelsgeschlechts. Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehörte zu den bedeutendsten Geschlechtern im Patriziat der Stadt Lüneburg und gelangte später vor allem in Herzogtum Lüneburg, aber auch in Mecklenburg, Lauenburg und Preußen, zu Besitz und Ansehen.
Geschichte Herkunft Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht im Jahre 1290 mit Johannes de Wizendorpe als Bürger zu Lüneburg.Lüneburgs ältestes Stadtbuch und Verfestungsregister im Lüneburger Ratsarchiv. Die ununterbrochene Stammreihe der Familie beginnt mit Christian van Witzendorpe, der ab 1360 in Wietzendorf urkundlich erscheint. Sein Sohn Christian erwarb 1383 das Bürgerrecht der Stadt Lüneburg.Christoph Franke at al.: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band XVI, Band 137 der Gesamtreihe GHdA, Limburg (Lahn) 2005, S. 298–299. Nach Johann Heinrich Zedler Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste (1748), Johann Christian von Hellbach Adels-Lexikon (1826) und dem Gothaischen Genealogischen Taschenbuch der Briefadeligen Häuser (1912) gehörten Mitglieder der Familie zeitweise auch zur Zirkelgesellschaft der Hansestadt Lübeck. Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 57, Leipzig 1748, Sp. 1992 f.Johann Christian von Hellbach: Adels-Lexicon oder Handbuch über die historischen, genealogischen und diplomatischen, zum Theil auch heraldischen Nachrichten vom hohen und niedern Adel. Band 2, Bernhard Friedrich Voigt, Ilmenau 1826, S. 765.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1912. Sechster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1911, S. 1045–1051.
Namengebendes Stammhaus des Geschlechts war die Ortschaft Wietzendorf, heute eine Gemeinde im Landkreis Heidekreis in der Lüneburger Heide im Land Niedersachsen. Die Ortschaft wird bereits 1058 erstmals in der Gründungsurkunde des Klosters Gozeka erwähnt.Wietzendorf.de (Hrsg.): Geschichte. In Wietzendorf besaß das Geschlecht der Wietzendorffer bis 1516 den Krepauhof, auch Crepauhof, vom Kloster Sankt Michaelis in Lüneburg als Lehn bzw. als Erbpacht. Auch das Ortswappen von Wietzendorf, dessen Führung 1937 genehmigt wurde, stammt von der Familie von Witzendorff ab. mini|Witzendorff-Wappen St.-Clemens-St.-Katharinen-Kirche (Seedorf)
Ausbreitung und Linien Ein Johann von Witzendorff soll 1445 von Papst Nikolaus V. als Ratsherr von Lüneburg eingesetzt worden sein. Hans von Witzendorff starb am 18. Juli 1475 als Ratsherr in Lüneburg. Sein gleichnamiger Sohn Hans († 1. November 1507) wurde ebenfalls Ratsherr sowie Sodmeister in Lüneburg. Dessen Sohn Hieronymus von Witzendorff (* 5. Juli 1493) wurde 1514 Sülfmeister der Lüneburger Saline und 1517 Ratsherr zu Lüneburg. Als einer der ersten trat er zum Protestantischen Glauben über und wurde 1533 Bürgermeister in Lüneburg. Er konnte Kaltenmoor käuflich erwerben und den Zehnt von Hagen, heute Neu Hagen, sichern. Hieronymus, er heiratete 1513 Anna Stötteroge aus dem Hause Lüdershausen (1494–1571), starb am 31. Mai 1556. Ihr gemeinsamer Sohn Franz wurde 1520 geboren. Franz war Erbherr auf Kaltenmoor, 1546 Sülfmeister und 1555 Barmeister. 1557 wurde er Ratsherr, 1561 Sodmeister und 1562 Bürgermeister von Lüneburg sowie Hauptmann in Bleckede.Johann Heinrich Büttner: Genealogiae oder Stamm- und Geschlechtregister der vornehmsten lüneburgischen adelichen Patriciengeschlechter. S. 297–305. Er starb am 25. Januar 1574 und wurde im Benediktinerkloster St. Michaelis zu Lüneburg bestattet. Mit dem Erwerb von Hagen, konnte er den Grundbesitz der Familie erweitern. mini|Epitaph für Heinrich von Witzendorff († 1617) in der Kirche St. Clemens und St. Katharinen in Seedorf Seine beiden Söhne Heinrich und Hieronymus, aus seiner Ehe mit Ursula Garlop (1527–1573), wurden die Stifter von zwei ersten Linien der Familie. Die vom älteren Sohn Heinrich von Witzendorff (1551–1617) begründete Line zu Kaltenmoor, Hagen und Göxe erlosch 1751. Heinrich, Herr auf Kaltenmoor und Hagen sowie Bürgermeister in Lüneburg kaufte Göxe bei Hannover.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1912 Sechster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1911, S. 1045–1051. Sein jüngerer Bruder Hieronymus von Witzendorff (* 1553) war Herr auf Vrestorf und Barmeister der Lüneburger Saline. Er wurde 1580 mit Kaltenmoor mitbelehnt und starb am 22. März 1606. Die Söhne aus seinen beiden Ehen stifteten zwei neue Linien.
Franz von Witzendorff (1581–1627), der Sohn aus seiner ersten 1577 geschlossenen Ehe mit Dorothea Töbing (1559–1588) konnte Wülschenbrook, heute Wilschenbruch, im damaligen Amt Lüne, und Dachmünden erwerben. Franz wurde wie bereits viele seiner Vorfahren Bürgermeister von Lüneburg. Er starb am 28. September 1627 an der Pest. Die von ihm begründete Linie zu Wülschenbrook erlosch allerdings 1765. Sein Halbbruder, der Sohn von Hieronymus und dessen zweiter, 1591 geehelichter Frau Margarete Borcholten (1565–1649), Stats Friedrich von Witzendorff wurde am 10. Oktober 1594 in Lüneburg geboren. Auch er wurde 1624 Sülfmeister, 1631 Ratsherr und 1648 Bürgermeister von Lüneburg und mit Wülschenbrook mitbelehnt. Stats Friedrich erhielt zusammen mit seinem Halbbruder Franz und dessen Sohn Hieronymus von Witzendorff, Herr auf Wülschenbrook, von Kaiser Ferdinand III. am 6. September 1639 zu Wien den Reichsadelsstand mit einer Wappenbesserung. Am 17. September 1623 heiratete er in Lüneburg Anna von Elver (1600–1660), er starb am 21. November 1652 in seiner Heimatstadt.
Dietrich Wilhelm von Witzendorff, der Enkel von Stats Friedrich und Anna, wurde am 27. Januar 1661 in Lüneburg geboren. Sein Vater Franz Heinrich von Witzendorff (* 1625), Ratsherr seit 1658 und Bürgermeister ab 1660 von Lüneburg, konnte 1661 Vrestorf im Amt Winsen an der Luhe erwerben. Er dankte schon früh als Bürgermeister ab und trat auch 1662 von seiner Ratsherrenstelle zurück. Franz Heinrich lebte bis zu seinem Tod 1689 in aller Stille. Dietrich Wilhelms Mutter Ilsabe Sophie (1633–1676) war wie schon seine Großmutter eine geborene von Elver. Dietrich Wilhelm war ab 1694 Herr des gestifteten Fideikommisses Großzecher und Kleinberckenthins, letzteres wurde 1711 verkauft, und Pfandbesitzer auf Dobbin von 1694 bis Ende 1699. Zusätzlich konnte er 1697 Seedorf mit Hackendorf, Bresahn und Dargow (heute beides Ortsteile von Salem (Lauenburg)), Butz und Sterley im Herzogtum Lauenburg erwerben. Ab 1706 war Dietrich Wilhelm herzoglich holsteinischer Geheimrat und Domdechant des Hochstifts Lübeck sowie herzoglich braunschweig-lüneburger Hofgerichtsassessor und Landrat in Lauenburg. Er heiratete am 16. Februar 1695 Anna Maria von der Borch aus dem Hause Schönebeck († 1733), die Tochter des fürstlich braunschweigischen Obersten und Erbherren zu Schönebeck Friedrich von der Borch. Drei Söhne aus dieser Ehe teilten die Familie in drei Linien, von denen aber nur die zweite, mittlere Linie, bis in die heutige Zeit fortgesetzt werden konnte.
1. Linie Der älteste Sohn Hieronymus Friedrich von Witzendorff, geboren am 11. Dezember 1695 in Lüneburg, übernahm von seinem Vater den Fideikommiss auf Großzecher. Er war Herr auf Seedorf und bis 1730 auf Groß Thurow. Hieronymus Friedrich wurde königlich britischer Landrat in Lauenburg und begründete die erste Linie. Er starb am 6. Juni 1742 in Lübeck. Aus seiner Ehe mit Christiane Luise Friederike von Jasmund (1708–1758) ging Sohn Adolf Friedrich hervor. Adolf Friedrich von Witzendorff, geboren zu Lübeck am 23. Oktober 1737, stand der als Drost und Kammerjunker in herzoglich mecklenburg-strelitzer Diensten. Er starb am 27. Dezember 1772 auf seinem Gut Groß Zecher. Von seinen fünf Kindern, zwei Söhnen und drei Töchtern, aus seiner 1762 zu Neustrelitz geschlossenen Ehe mit Dorothea Sophie von Behm (1735–1774), konnte nur der jüngste Sohn die Linie fortsetzen. mini|Erbbegräbnisstätte von Witzendorff in Seedorf Der älteste Sohn Georg Friedrich Theodor (* 1763) starb bereits 1787 als Student in Leipzig. Die drei Schwestern waren zunächst Kanonissen im Kloster Medingen. Das Kloster wurde 1559 in ein Damenstift umgewandelt und erhielt im Laufe der Zeit Rechte an der Lüneburger Saline, aber auch am Zoll, an Mühlen und an der Schifffahrt auf der Ilmenau. Zahlreiche Nonnen waren Töchter von Lüneburger Patrizierfamilien, die mit ihrem reichen Hausstand in den Konvent eintraten und so den Besitz des Klosters mehren konnten. Die älteste Tochter Friederike Sophie Christine Albertine (* 1764) heiratete später den nachmaligen königlich hannoverischen Oberforstmeister Christian von Seebach. Nach ihrem Tod 1797 heiratete er noch im gleichen Jahr ihre jüngere Schwester Albertine Sophie Christiane von Witzendorff (1769–1824). Aus der ersten Ehe ging Christian von Seebach hervor, der den Beruf seines Vaters fortführte. Die zweitälteste Schwester Elisabeth Friederike Karoline (* 1766) starb als Kaplanin 1817 im Kloster Medingen. Die Linie fortsetzen konnte Karl Gotthard Hieronymus von Witzendorff, der jüngste Sohn Adolf Friedrich und Dorothea Sophie, der am 29. Dezember 1771 zu Großzecher geboren wurde. Er wurde nach dem Tod seines älteren Bruders Fideikommissherr auf Großzecher sowie Herr auf Seedorf und Webelsfelde (heute Ortsteil von Mühlen Eichsen). Karl Gotthard Hieronymus, er starb am 17. Januar 1841, heiratete am 30. Juli 1815 die Schwester seines Schwagers Henriette Luise Adelheit von Seebach (1799–1878). Das Paar hatte neun Kinder.
Drei Kinder starben bereits früh, noch vor ihren Eltern. Die älteste Tochter Luise Ida Albertine (1819–1848) wurde Chanoinesse im Kloster Medingen. Von ihren Brüdern erbte der Älteste Wilhelm August Maximilian von Witzendorff (* 3. Oktober 1822), Herr auf Seedorf, den Fideikommiss zu Großzecher. Er heiratete 1847 in Hannover eine entfernte Verwandte, Adelheit Sophie von Witzendorff (1827–1882), mit der er eine Tochter hatte. Ella Adelheit Ottilie Marie von Witzendorff (* 1848), die einzige Tochter, wurde nach ihrer Heirat 1867 mit dem großherzoglich mecklenburg-schweriner Kammerherren und Oberhofmeister Alexander Graf von Bassewitz, ebenfalls Oberhofmeisterin am großherzoglich mecklenburg-schweriner Hof. Wilhelm August Maximilian starb am 6. Februar 1849 in Wiesbaden. Seine Frau Adelheit Sophie ging 1853 eine zweite Ehe mit Otto von Kahlden, Herr auf Krumke und Heiligendamm sowie preußischer Rittmeister a. D., ein. Wilhelm August Maximilians jüngerer Bruder Ottokar Hartwig Christian von Witzendorff, er wurde am 30. Mai 1824 auf Gut Großzecher geboren, erhielt nach dem Ableben seines Bruders den Fideikommiss und wurde Herr auf Webelsfelde und Seedorf. Ottokar Hartwig Christian stand als Kammerherr und Landschaftsrat in preußischen Diensten und wurde Ehrenritter des Johanniterordens. Seine 1868 geschlossene Ehe mit Ida Auguste Karoline Lindemann (* 1852) blieb kinderlos. Die Lindemanns waren eine wohlhabende Gasfabrikantenfamilie in Schwerin. Ein Lindemann heiratete 1848 auch die jüngste Schwester Emma Auguste Christiane von Witzendorff (1828–1894), diese Ehe blieb ebenfalls kinderlos. Mit dem Tod von Ottokar Hartwig Christian am 1. Februar 1890 starb diese Linie im Mannesstamm aus. Nach seinem Tod wurde seine Witwe Herrin auf Seedorf. Sie errichtete dort als Herrenhaus das Schloss Seedorf genannte Gebäude im Stil der Neorenaissance.
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