Der Landkreis Germersheim ist eine Gebietskörperschaft im Südosten von Rheinland-Pfalz. Sitz der Kreisverwaltung und zugleich bevölkerungsreichste Kommune ist die gleichnamige verbandsfreie Stadt Germersheim. Der Landkreis umfasst 31 Ortsgemeinden, die zum großen Teil Verbandsgemeinden angehören.
Geographie Lage Der Rhein (Oberrhein) bildet die östliche Kreisgrenze und die Landesgrenze zu Baden-Württemberg, mit Ausnahme eines Teils der Insel Elisabethenwörth und des Brückenkopfs bei Germersheim, die als rechtsrheinische Gebiete zum Landkreis gehören. Die Lauter ist größtenteils die südliche Grenze, welche auch die Staatsgrenze zu Frankreich ist. Der Landkreis liegt vollständig im Rheingraben. Er gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar und zum grenzüberschreitenden Eurodistrikt PAMINA.
Nachbarkreise und -städte Angrenzende Kreise und kreisfreie Städte sind:
Geschichte Der Landkreis Germersheim geht auf das am 1. April 1818 vom bayerischen König Maximilian I. gebildete Landkommissariat Germersheim zurück, das 1862 zum Bezirksamt und 1939 in den Landkreis Germersheim überführt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Landkreis Teil der französischen Besatzungszone. Die Errichtung des Landes Rheinland-Pfalz wurde am 30. August 1946 als letztes Land in den westlichen Besatzungszonen durch die Verordnung Nr. 57 der französischen Militärregierung unter General Marie-Pierre Kœnig angeordnet.Verordnung Nr. 57 vom 30. August 1946, bezüglich der Schaffung eines rhein-pfälzischen Landes. In: Amtsblatt des französischen Oberkommandos in Deutschland, Nr. 35 vom 20. August 1946, S. 291 f., Digitalisat der Deutschen Nationalbibliothek: Es wurde zunächst als „rhein-pfälzisches Land“ bzw. als „Land Rheinpfalz“ bezeichnet; der Name „Rheinland-Pfalz“ wurde erst mit der Verfassung vom 18. Mai 1947 festgelegt..
Der Verwaltungsbezirk selbst wurde im Laufe seiner Geschichte kaum verändert. Einzige Grenzkorrektur im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform war die Eingemeindung von Hayna nach Herxheim am 16. März 1974, das dadurch den Landkreis verließ und Bestandteil des Landkreises Landau-Bad Bergzabern (seit 1978: Landkreis Südliche Weinstraße) wurde. Ab Ende der 60er-Jahre verringerte sich die Gemeindeanzahl geringfügig: Ober- und Niederlustadt wurden am 7. Juni 1969 zur Gemeinde Lustadt zusammengelegt, Sondernheim wurde am 22. April 1972 nach Germersheim eingemeindet und Büchelberg, Maximiliansau sowie Schaidt schlossen sich am 10. Juni 1979 auf freiwilliger Basis der Stadt Wörth am Rhein an.
Einwohnerstatistik mini|hochkant=1.2|Bevölkerungspyramide für den Kreis Germersheim (Datenquelle: Zensus 2011)
Jahr Einwohner Quelle 1864 50.980 1885 53.066 1900 52.796 1910 56.958 1925 57.437 1939 63.467 1950 67.515 1960 76.200 1970 92.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 100.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 109.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1992 2000 123.400 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 2002 2010 124.838 2016 128.205 2020 136.396 , abgerufen am 10. März 2020
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren im Jahr 2022 34,9 % der Einwohner katholisch, 22,4 % evangelisch, und 42,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 22. März 2026 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Mai 2026 hatten 30,3 % die katholische Konfession und 19,7 % die evangelische. 50 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Rheinland-Pfalz Gemeindestatistik, abgerufen am 18. Juni 2026
Im Jahr 1871 waren von insgesamt 52.286 Einwohnern im damaligen Bezirksamt Germersheim 33.077 katholisch (63,3 %), 18.129 evangelisch (34,7 %) und 1069 jüdisch (2,0 %). Von den übrigen 11 Personen waren 8 Mennoniten und 3 Reformierte.Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 64 f.
Politik Landräte Dem Bezirksamt Germersheim stand ein Bezirksamtmann vor, vergleichbar einem Landrat. Ab 1. April 1920 lautete die Amtsbezeichnung Bezirksoberamtmann.
1862–1867Joseph Megele (war zuvor seit 1853 Landkommissär des Landkommissariats Germersheim) 1867–1884Emmerich von Moers 1884–1907Gustav Ott (Liberale Vereinigung)Gustav Ott rückte 1890 für den verstorbenen Karl von Alwens in den Bayerischen Landtag (Kammer der Abgeordneten, die zweite Kammer der Bayerischen Ständeversammlung) nach und war ab 1899 Mitglied der Liberalen Vereinigung. 1904 schied er aus dem Parlament aus. 1901–1903Friedrich Rösinger (als Geschäftsaushilfe) 1903–1904Wilhelm Eller (als Geschäftsaushilfe) 1907–1920Eduard Stumm 1920–1924Karl MüllerZur Zeit der Autonomen Pfalz (1919 bis 1924) als die Verhältnisse sehr unübersichtlich waren. Müller war wohl erster Bezirksoberamtmann. Die genaue Amtszeit ist unklar, so werden für 1920/21 z. B. auch die Assessoren Weibel und Neu und der Amtsverweser Reuter genannt. 1924Karl Rieth 1924–1930Wilhelm Keiler 1930–1933Josef Endres 1933–1934Walther Beckenkamp 1934–1937Stumm 1937–1939Ludwig Schmitt (NSDAP; war anschließend bis 1945 Landrat) Quelle: Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germersheim, Band 1.
Seit 1939 steht dem Landkreis ein Landrat vor: 1939–1945Ludwig Schmitt (NSDAP; war zuvor seit 1937 Bezirksoberamtmann von Germersheim) 1942–1945Hermann Schug (in Vertretung, Landrat im Kreis Speyer)Ludwig Schmitt wurde in der Zeit vermutlich nach Lothringen abkommandiert, blieb aber de jure Landrat in Germersheim. Wann er wieder zurückkehrte, ist unbekannt. 1945Jakob Rösch (Regierungsoberinspektor, kommissarisch) 1945–1953Friedrich Jüllig 1953–1969Georg Weiß (1953/54 kommissarisch) 1969–1976Walter Hoffmann 1976–1991Joachim Stöckle (CDU) 1991–2001Gottfried Nisslmüller (SPD) 2001–2024Fritz Brechtel (CDU) 2024–Martin Brandl (CDU) Quelle: Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germersheim, Band 1.
Kreistag Der Kreistag des Landkreises Germersheim besteht aus 46 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählten Kreistagsmitgliedern und dem Landrat als Vorsitzendem.
Wegen der Besonderheiten des rheinland-pfälzischen Wahlsystems bei den Kommunalwahlen (personalisierte Verhältniswahl) sind die angegebenen prozentualen Stimmanteile als gewichtete Ergebnisse ausgewiesen, die das Wahlverhalten nur rechnerisch wiedergeben.
Die letzten Kommunalwahlen führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Kreistag (n. k. = nicht kandidiert):Wahlband Kommunalwahlen 2019 - Kreise und Bezirkstag - Endgültige Ergebnisse auf wahlen.rlp.de
Parteien und Wählergruppen %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014CDU36,41731,21540,618AfD19,7913,566,03SPD16,6820,0926,612FWG13,4610,5510,85 GRÜNE9,2413,668,04FDP4,025,833,62 Die PARTEI 0,6 0 2,5 1 n. k. n. k. DIE LINKE. n. k. n. k.2,812,61 REP n. k. n. k. n. k. n. k. 1,8 1 Gesamt100,046100,046100,046 Wahlbeteiligung in %63,761,956,3
Wappen und Flagge
Der Landkreis Germersheim führt ein Wappen sowie eine Hiss- und Bannerflagge.
Partnerschaft Zum polnischen Landkreis Krotoszyn besteht eine Partnerschaft.Aus Kreis und Region: Partnerkreis Krotoszyn feiert 15. Jahrestag der Landkreisbildung - Delegation zu Festakt eingeladen. Germersheimer Stadtanzeiger #47/2013, 22. November 2013, S. 30.
Gemeinden (Einwohner am ) mini|Lage des Landkreises Germersheim in der Metropolregion Rhein-Neckar
Verbandsfreie Städte:
Verbandsangehörige Ortsgemeinden und Städte, gegliedert nach ihrer Zugehörigkeit zu den Verbandsgemeinden:
Die Gemeinden und Gemeindeteile siehe: Liste der Orte im Landkreis Germersheim
Denkmäler
Natur- und Landschaftsschutz
Der Landkreis Germersheim weist eine vielfältige Naturlandschaft auf, die durch die Nähe zum Rhein, die Rheinauen sowie zahlreiche Feucht- und Waldgebiete geprägt ist. Der Natur- und Landschaftsschutz nimmt im Kreisgebiet eine bedeutende Rolle ein und dient dem Erhalt ökologisch wertvoller Lebensräume sowie dem Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten.
Besonders hervorzuheben sind die großflächigen Auenlandschaften entlang des Rheins, die nicht nur als Biodiversitäts-Hotspots gelten, sondern auch wichtige Funktionen im Hochwasserschutz übernehmen. Zu den geschützten Gebieten im Landkreis zählen unter anderem die Naturschutzgebiete Hördter Rheinaue, Bienwald und das Klingbachtal-Kaiserbachtal. Diese Areale bieten seltenen Arten wie z. B. dem Eisvogel, der Bechsteinfledermaus oder verschiedenen Orchideenarten einen Rückzugsraum.
Neben den Naturschutzgebieten bestehen mehrere Landschaftsschutzgebiete sowie Biotopverbundsysteme, die eine Vernetzung ökologisch bedeutsamer Flächen fördern. Die Pflege und Entwicklung dieser Schutzgebiete erfolgen häufig in Zusammenarbeit mit regionalen Umweltverbänden, landwirtschaftlichen Betrieben und der Unteren Naturschutzbehörde. Ziel ist eine nachhaltige Nutzung der Landschaft unter Berücksichtigung ökologischer Belange.
Darüber hinaus erfüllt der Naturraum im Landkreis Germersheim auch eine wichtige Funktion als Naherholungsgebiet. Lehrpfade, Beobachtungstürme und geführte Exkursionen, unter anderem durch den NABU oder lokale Umweltinitiativen, leisten einen Beitrag zur Umweltbildung und fördern das Bewusstsein für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen.
Aktuell über zwei Dutzend ausgewiesene Schutzgebiete beherbergt der Landkreis Germersheim und ein Großteil des überregionalen Landschaftsschutzgebiets Pfälzische Rheinauen liegt in dessen Verwaltungsbereich.
Verkehr Straßen Durch das südliche Kreisgebiet führt die Bundesautobahn 65 Karlsruhe-Ludwigshafen. Mehrere Bundesstraßen und Kreisstraßen durchziehen das Kreisgebiet, darunter die mehrspurig ausgebaute Bundesstraße 9 Karlsruhe-Speyer und die Bundesstraße 272.
Bei Germersheim (Rudolf-von-Habsburg-Brücke) und bei Wörth (Rheinbrücke Maxau) führen zwei Brücken über den Rhein.
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen GER zugewiesen. Es wird durchgängig bis heute ausgegeben.
Schienenverkehr Hier eröffnete die Pfälzische Maximiliansbahn-Gesellschaft im Jahre 1855 die Strecke von Neustadt an der Haardt über Landau in der Pfalz–Winden (Pfalz) bis ins elsässische Weißenburg. Von ihr zweigt seit 1864/65 die Bahnstrecke Winden–Karlsruhe ab, die von Maximiliansau durch die Stadt Karlsruhe erbaut worden war.
Die Kreisstadt Germersheim erhielt 1864 ihre erste Bahnverbindung durch die Pfälzische Ludwigsbahn von Schifferstadt über Speyer her. Sie wurde erst 1876 bis Wörth weitergeführt und zwar durch die Pfälzische Maximiliansbahn, die auch die weiteren Bahnen im Kreis errichtete:
1870 von Winden nach Bad Bergzabern 1872 von Germersheim nach Landau 1876 von Wörth nach Lauterburg im Elsass 1877 von Germersheim über den Rhein nach Bruchsal (Bruhrainbahn) 1905 von Speyer nach Neustadt
Damit hatte das Schienennetz im heutigen Landkreis eine Ausdehnung von 92 km erreicht. Davon wurden für den Personenverkehr dauerhaft die folgenden Strecken stillgelegt: 1956: Speyer – Schwegenheim – Neustadt (8 km; Meterspur) 1984: Landau – Zeiskam – Germersheim (11 km) Zeitweise waren noch drei weitere Linien (mit 19 km im Landkreis) betroffen, welche jeweils zu Teilen im benachbarten Landkreis Südliche Weinstraße bzw. im Elsass verlaufen. Diese wurden jedoch inzwischen wieder reaktiviert. Es handelt sich um den Verkehr auf den Strecken nach Bad Bergzabern (10 km), Weißenburg (rund 15 km) und Lauterburg (gut 10 km).