thumb|Zollikofer 1773 (Anton Graff) Georg Joachim Zollikofer (* 5. August 1730 in St. Gallen; † 22. Januar 1788 in Leipzig) war ein schweizerisch-deutscher Theologe und Kirchenliederdichter.

Leben Zollikofer war Sohn des Rechtsgelehrten David Anton Zollikofer aus dem Geschlecht der Zollikofer von Altenklingen auf Schloss Altenklingen und dessen Ehefrau Anna Elisabeth Högger. Nach dem Besuch der Gymnasien von St. Gallen und Frankfurt am Main begleitete er den Sohn des Frankfurter Buchhändlers Bernus auf dessen Grand Tour durch die Niederlande. Ab 1751 studierte Zollikofer an den akademischen Gymnasien in Bremen und Hanau sowie an der Universität in Utrecht und kehrte 1753 wieder in seine Heimatstadt zurück.

1754 übernahm er eine Predigerstelle in der reformierten Gemeinde Murten im heutigen Kanton Freiburg, verließ die Gemeinde jedoch bereits nach einer einjährigen Tätigkeit. Von dort aus wurde er in die Gemeinde Monsheim (Rheinhessen) versetzt. Dort lernte er im Hause der Familie von La Roche seine spätere Ehefrau Susanna Regina Le Roy kennen.

Am 6. März 1758 wurde Zollikofer Pfarrer in einer Gemeinde in der 1699 von den Hugenotten gegründeten Exulantenstadt Neu-Isenburg. Im gleichen Jahr wechselte er Ende April nach Leipzig, wo er seine Lebensstellung als Pfarrer der reformierten Gemeinde fand. Am 13. August 1758 hielt er in Leipzig seine Antrittspredigt.

Als seine Ehefrau nach einigen Jahren starb, verehelichte sich Zollikofer bald darauf 1780 mit Henrike Sechehaye.

Da die Tätigkeit in einer nicht übermäßig großen Gemeinde ihm Zeit für andere Tätigkeiten ließ, bildete er bald eine besondere Begabung für die Ausbreitung aufklärerischen Gedankengutes heraus. Als Denis Diderot im Jahre 1773 nach Sankt Petersburg fuhr, um einer Einladung der russischen Zarin Katharina die Große nachzukommen, traf er am 2. September 1773 in Leipzig mit Zollikofer zusammen. Zudem engagierte sich Zollikofer auch als Übersetzer, so für die beiden Bände von Partick Brydones Briefroman ‹Reise durch Sicilien und Malta› vom Englischen ins Deutsche (Verlag Johann Friedrich Junius, Leipzig 1774 und weitere Auflagen).

In der vom Luthertum geprägten Stadt Leipzig wurde Zollikofer ein gefeierter Prediger, und immer wieder soll eine große Zahl von Theologiestudenten der Universität in seine Gottesdienste gekommen sein, um seine berühmten Predigten zu hören.

Zollikofer ist der Textdichter des Kirchenliedes Laß mich, o Herr, in allen Dingen (EG 414).

Im Alter von fast 58 Jahren starb Georg Joachim Zollikofer am 22. Januar 1788 in Leipzig. Im Ortsteil Volkmarsdorf wurde ihm zu Ehren eine Straße benannt.

Siehe auch Liste der Kirchenliederdichter

Literatur

Werner Raupp: Art.: Zollikofer, Georg Joachim, in: Heiner Schmidt: Quellenlexikon zur deutschen Literaturgeschichte. Bibliography of Studies on German Literary History. Personal- und Einzelwerkbibliographien der internationalen Sekundärliteratur 1945–1990 zur deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. 3., überarb., erweit. Auflage. Band 34. Verlag für Pädagogische Dokumentation, Duisburg 2003, ISBN 3-930551-34-9, S. 353. Werner Raupp: Art. Zollikofer, Georg Joachim (1730–1788), in: The Dictionary of Eighteenth-Century German Philosophers. General Editors Heiner F. Klemme, Manfred Kuehn, Bd. 3, London/New York 2010, S. 1324–1325. Georg Joachim Zollikofer im Internet Archive Georg Joachim Zollikofer auf den Seiten der Zollikofer-Stiftung

Kategorie:Person um Denis Diderot Kategorie:Reformierter Geistlicher (18. Jahrhundert) Kategorie:Reformierter Theologe (18. Jahrhundert) Kategorie:Kirchenlieddichter Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (18. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Schweiz) Georg Joachim Kategorie:Schweizer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1730 Kategorie:Gestorben 1788 Kategorie:Mann Kategorie:Person des Christentums (Leipzig)