mini|hochkant|Friedrich Kayssler (1898)
Friedrich Martin Adalbert Kayssler, auch Friedrich Kayßler (* 7. April 1874 in Neurode, Niederschlesien; † 24. April 1945 in Kleinmachnow bei Berlin) war ein deutscher Schauspieler sowie Schriftsteller und Komponist.
Leben mini|hochkant|Lina Lossen und Friedrich Kayssler als Solvejg und Peer Gynt im Jahr 1913. Aufführung im Lessingtheater (Berlin). Foto: Becker und Maass mini|hochkant|Ehrengrab für Friedrich Kayssler und Helene Fehdmer auf dem Waldfriedhof Kleinmachnow Friedrich Kayssler besuchte in Breslau das Maria-Magdalenen-Gymnasium, studierte Philosophie in Breslau und München und begann seine Bühnenlaufbahn in Berlin bei Otto Brahm. Von dort ging er als Erster Liebhaber nach Görlitz, wo er seine erste Frau Luise, Mitglied des dortigen Theaters, kennenlernte und heiratete, war kurze Zeit in Halle und kam dann dauernd nach Berlin zurück.
Auf dem Breslauer „Magdalenäum“ lernte Kayssler im Sommer 1889 Christian Morgenstern kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, ebenso wie mit Fritz Beblo, mit dem zusammen er 1893 das Abitur machte. Morgenstern wurde der Patenonkel seines Sohnes Christian.
Er befreundete sich noch unter Otto Brahm mit Max Reinhardt, mit dem er gemeinsam die Schall und Rauch-Abende veranstaltete. Als Reinhardt 1905 das Deutsche Theater als Nachfolger Otto Brahms übernahm, wurde Kayssler Mitglied dieser Bühne, der von 1905 an auch Helene Fehdmer, seine zweite Gattin, angehörte; er hatte sie 1904 als Lola Montez in Josef Ruederers Morgenröte im Neuen Theater kennengelernt. 1913 verdiente er als Schauspieler bei der Literaria Film 3.000 Mark pro Monat ( Euro pro Monat).
Von 1918 bis 1923 war Kayssler Direktor der Volksbühne Berlin. Als Kayssler 1923 vorzeitig von der Direktion zurücktrat, hieß es im Nachrichtenblatt der Volksbühne Berlin, es habe „gewisse Auseinandersetzungen“ über einen „Vertrag, den Direktor Kayßler wegen eines einmonatigen Gastspieles am Theater in der Königgrätzer Straße ohne Zustimmung des Vereinsvorstandes abgeschlossen hatte“, gegeben. Kayssler habe sich „aus materiellen Gründen“Anonym (Siegfried Nestriepke): Neues in der neuen Spielzeit, in: Nachrichtenblatt der Volksbühne E.V. Jahrgang 1922/23, Heft 5, 1. Mai 1923, S. 1 f., hier S. 1 nicht zum Rücktritt von diesem Gastspiel bereitfinden wollen. Kayssler gastierte zusammen mit Helene Fehdmer viel im In- und Ausland und übernahm zahlreiche Filmrollen.
Am 15. Juni 1935 ernannte ihn Joseph Goebbels zum Mitglied des Reichskultursenats.
Nebenbei betätigte er sich auch als Schriftsteller. Er verfasste vorwiegend impressionistische Märchendramen und Lustspiele, trat aber auch mit Gedichten, Essays und Aphorismen an die Öffentlichkeit. 1938 spielte er eine Rolle in dem von Lothar Müthel inszenierten Struensee-Drama Der Sturz des Ministers des NS-Dramatikers Eberhard Wolfgang MöllerBerliner Theater. NZZ, 21. Februar 1938, Abendausgabe, Nr. 320. Nach dem Tode von Helene Fehdmer-Kayssler (1939) widmete er ihr das Buch Helene Fehdmer zum Gedächtnis (1942 im Verlag Rütten & Loening), in welchem er versuchte, unter Wiedergabe von Dialogen der meist von ihnen gemeinsam gespielten Rollen einen Umriss zu geben „des inneren Bildes ihrer Darstellungen und Gestalten“. 57 Bildtafeln sind dem Buch beigegeben, darunter Aufnahmen ihrer bildhauerischen Werke.
Friedrich Kayssler war einer von nur vier Theaterschauspielern, die auf der Gottbegnadeten-Liste als „unersetzliche Künstler“ aufgeführt wurden. Im Jahr 1944 erhielt er die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft.
Am 10. März 1944 starb sein Sohn Christian Kayssler, der ebenso ein erfolgreicher Schauspieler war, im Alter von 45 Jahren an Tuberkulose. Friedrich Kayssler wurde bei Kriegsende vor seinem Haus in Kleinmachnow von sowjetischen Soldaten erschossen. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Kleinmachnow.
Filmografie Stummfilme 1913: Welche sterben, wenn sie lieben – Regie: Carl Schönfeld 1915: Der Tunnel – Regie: William Wauer 1923: Fridericus Rex, 4. Teil: Schicksalswende – Regie: Arzén von Cserépy 1923: Die Liebe einer Königin – Regie: Ludwig Wolff 1924: Tragödie im Hause Habsburg – Regie: Alexander Korda 1924: Mutter und Kind – Regie: Carl Froelich 1924: Gräfin Donelli – Regie: G. W. Pabst 1925: Schicksal – Regie: Felix Basch 1925: Ein Lebenskünstler – Regie: Holger-Madsen 1926: Eine Dubarry von heute – Regie: Alexander Korda 1927: Feme 1929: Das brennende Herz
Tonfilme 1930: Zwei Welten – Regie: E. A. Dupont 1930: Zwei Menschen – Regie: Erich Waschneck 1930: Stürme über dem Mont Blanc – Regie: Arnold Fanck 1930: Der Mann, der den Mord beging – Regie: Kurt Bernhardt 1930: Das Flötenkonzert von Sans-souci – Regie: Gustav Ucicky 1931: Yorck – Regie: Gustav Ucicky 1931: Luise, Königin von Preußen – Regie: Carl Froelich 1931: Im Geheimdienst – Regie: Gustav Ucicky 1931: Der Hauptmann von Köpenick – Regie: Richard Oswald 1931: 24 Stunden aus dem Leben einer Frau – Regie: Robert Land 1932: Unter falscher Flagge 1932: Strafsache van Geldern – Regie: Willi Wolff 1932: Marschall Vorwärts 1932: Die elf Schill’schen Offiziere – Regie: Rudolf Meinert 1932: Das Schiff ohne Hafen – Regie: Harry Piel 1934: Gold – Regie: Karl Hartl 1934: Der ewige Traum – Regie: Arnold Fanck 1934: Peer Gynt – Regie: Fritz Wendhausen 1935: Der alte und der junge König – Regie: Hans Steinhoff 1935: Mazurka – Regie: Willi Forst 1935: Friesennot – Regie: Willi Krause 1935: Der höhere Befehl 1935: Das Mädchen vom Moorhof 1936: Eine Frau ohne Bedeutung – Regie: Hans Steinhoff 1937: Der Hund von Baskerville – Regie: Carl Lamač 1937: Zwischen den Eltern – Regie: Hans Hinrich 1937: Der zerbrochene Krug – Regie: Gustav Ucicky 1938: Verwehte Spuren – Regie: Veit Harlan 1938: Dreizehn Mann und eine Kanone – Regie: Johannes Meyer 1938: Anna Favetti – Regie: Erich Waschneck 1939: Der singende Tor – Regie: Johannes Meyer 1939: La casa lontana (italienische Fassung von Der singende Tor) 1940: Der Fuchs von Glenarvon – Regie: Max W. Kimmich 1940: Angelika – Regie: Jürgen von Alten 1940: Friedrich Schiller – Triumph eines Genies – Regie: Herbert Maisch 1940: Bismarck – Regie: Wolfgang Liebeneiner 1941: Der Strom – Regie: Günther Rittau 1944: Träumerei – Regie: Harald Braun 1945: Das Leben geht weiter (unvollendet) – Regie: Wolfgang Liebeneiner 1950: Sie sind nicht mehr – Regie: Werner Malbran (Kompilationsfilm)
Werke mini|Anzeige bei Erich Reiss (1918)
Texte Simplicius. Tragisches Märchen in fünf Akten. Bergemann & Haase, Berlin 1904Nachweis bei WorldCat (Abgerufen am 4. November 2015). Sagen aus Mjnhejm. Reiss, Berlin 1909. Schauspielernotizen. 2 Bände. Reiss, Berlin 1910–1914. Jan der Wunderbare. Ein derbes Lustspiel in 5 Bildern. Reiss, Berlin 1916. Zwischen Tal und Berg der Welle. Neue Gedichte. Reiss, Berlin 1917. Besinnungen. Aphorismen. Reiss, Berlin 1921. Stunden in Jahren Neue Gedichte. Reiss, Berlin 1924.
Kompositionen Zwölf Forstadjunktionaten. Galgenlieder von Christian Morgenstern. Zur Laute komponiert von Friedrich Kayssler.: Himmel und Erde; Das Nasobēm; Der Leu; Der Nachtschelm und das Siebenschwein; Das Hemmed; Der Schaukelstuhl auf der verlassenen Terrasse; Das Tellerhafte; Klabautermann; Gleichnis; Die Mittagszeitung; Korf erfindet eine Art von Witzen; Traum einer Magd
Literatur Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag von Paul List, Leipzig 1903, S. 501, (). Julius Bab: Friedrich Kayßler (= Der Schauspieler. Bd. 1/2, ). Reiß, Berlin 1920. Herbert Ihering: Von Josef Kainz bis Paula Wessely. Schauspieler von gestern und heute. Hüthig, Heidelberg u. a. 1942.
Otmar Eitner: Friedrich Kayssler (zum 60. Todestag). In: Breslauer Kreisblatt. Bd. 48, Nr. 6, 2005, , S. 24. Kayßler, Friedrich. In: Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1: A–K. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, , S. 897. C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 359. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 4: H – L. Botho Höfer – Richard Lester. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 330.
Weblinks
Friedrich-Kayssler-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Drama Kategorie:Lyrik Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Reichskultursenator Kategorie:Kabarettist (Deutschland) Kategorie:Mitglied der Reichsschrifttumskammer Kategorie:Mitglied der Reichsfilmkammer Kategorie:Mitglied der Sonderliste der Unersetzlichen Künstler Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann