Pfarrkirche St. Franziskusrahmenlos|250px|Foto West-Fassade zur Straßenseite mit Pfarrhaus-Anbau (rechts) Adresse Berlin-Friedrichshagen, Scharnweberstraße 9/10 Baumeister Maurer Thieme, Architekt Paul Franke Konfession römisch-katholisch Gemeinde St. Josef Aktuelle Nutzung GemeindekircheGebäude Baubeginn April 1906 Einweihung 7. Oktober 1906 Erneuerungen 1950–1952 (Wiederaufbau nach Kriegszerstörung); Ende 20. Jahrhundert Stil Neugotik Maße Länge: 20 m Breite: 10 m
Die Pfarrkirche St. Franziskus ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude der Römisch-Katholischen Kirche im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick, Ortsteil Friedrichshagen, genau genommen eine Kapelle. Im Jahr 1906 eingeweiht, wurde sie im Zweiten Weltkrieg zu rund 50 Prozent zerstört. Die Kapelle konnte in den Jahren 1950 bis 1952 neu aufgebaut und wieder eingeweiht werden.
Seit dem Jahr 2003 ist sie eine Filialkirche der Köpenicker Gemeinde St. Josef im Dekanat Treptow-Köpenick.
Geschichte
Vorgeschichte und Bau eines Gotteshauses
Friedrichshagen, im 19. Jahrhundert ein Vorort von Berlin, hatte Einwohner verschiedener Konfessionen. Die Katholiken fanden sich unter dem Seelsorger Christoph Karst aus Cöpenick zusammen. Er gab ab November 1894 in den Friedrichshagener Volksschulen (katholischen) Religionsunterricht. Im Jahr 1898 gründeten sie den Katholischen Arbeiterverein Friedrichshagen, dessen Fahne im Jahr 1901 geweiht wurde. Am 17. Januar 1904 fand ein erster Gottesdienst in einem gemieteten Raum der Drahtzaunfabrik auf der Seestraße statt. Gleichzeitig erwarb die Gemeinde vom Eigentümer Lerche am 1. August 1904 ein Baugrundstück an der Scharnweberstraße 9/10, auf dem eine Kapelle nebst einem Wohnhaus für den Geistlichen errichtet werden sollte. Aus den Sitzungsprotokollen des Kirchgemeindevorstands geht hervor, dass die angekaufte Fläche „77 ar 90 qm“ (= 7.790 m2) groß war und dafür 20.000 Mark aufgebracht wurden.
Der Bauauftrag wurde am 27. März 1906 an Maurermeister Thieme aus Friedrichshagen vergeben, als Bauleiter war der Baumeister Paul Franke aus Berlin eingesetzt.Anmerkung zum Namen des Baumeisters/Architekten: auf der Homepage von St. Josef (Berlin-Köpenick) dekanat-koepenick.de findet sich der Hinweis, dass Paul Franke die Pläne ausgearbeitet hat (der schon zuvor das Gotteshaus in Köpenick entwarf). In der Friedrichshagener Chronik wird auf einem eingeklebten Vorblatt der Baumeister Francke, Berlin (ohne Vornamen, aber mit "ck") genannt. Im Berliner Adressbuch des Jahres 1907 gibt es den Reg. Baumeister a. D. Carl Francke in Charlottenburg (damals noch selbstständige Stadt), aber zwei Paul Franke direkt in Berlin. Das ist die realistischere Variante, zumal Friedrichshagen in der Bauzeit zur Pfarrei Coepenick gehörte. Die Grundsteinlegung und der erste Spatenstich durch den Geistlichen Karst erfolgten am 18. April 1906, und bereits am 7. Oktober 1906 weihte Erzpriester Wilhelm Frank aus der St.-Pius-Gemeinde Berlin das kleine Gotteshaus ein.
mini|links|Historische Ansichtskarte aus Anlass der Kirchweihe 1907
Erster hier wirkender Seelsorger wurde Johannes Kandler, der zuvor in Ratibor (Provinz Oberschlesien) als Kaplan tätig gewesen war. Kandler wechselte jedoch zum 24. April 1907 nach Preußisch-Krawarn (seit 1945 Krowiarki in Polen), sodass Fürstbischof Georg Kardinal Kopp den Kaplan Carl Schittko aus Oppeln nach Friedrichshagen berief. Zur ersten Ausstattung der Kirche gehörten ein Marienbildnis, ein Harmonium, ein Kelch, Messgewänder und ein Kreuzweg, angefertigt vom „Bureaubeamten“ Maximilian Krancher und vom Franziskanerpater Blasius Padberg am 8. März 1908 geweiht. Alle diese Gegenstände zur Abhaltung des Gottesdienstes wurden mit privaten Spendengeldern finanziert. Eine weitere Spende des Pfarrers und Landtagsabgeordneten Carl Abramski aus Oppeln in Höhe von 100 Mark ermöglichte den Ankauf eines heiligen Grabes, was die vollständige Zeremonie der Karwoche sicherte. Während einer ersten sehr erfolgreichen Heiligen Volksmission (15. bis 22. November 1908) wurde die Statue einer Gottesmutter geweiht. Weil sich auch ein Franziskus-Lesezirkel etabliert hatte,Chronik, S. 5. darf geschlussfolgert werden, dass die neue Kirchenfiliale, damals noch dem Pfarrverband Cöpenick zugeordnet, den Namen des Heiligen Franziskus erhalten hatte; ein Nachweis oder Datum dazu findet sich nicht in der Chronik.Aus einem in der Chronik eingehefteten Brief vom 18. Dezember 1938 geht hervor, „dass keine Kirchenakten vorhanden sind“.
Im Mai 1909 übernahm Carl Schittko eine andere Kirchenaufgabe, in Friedrichshagen folgte ihm Kuratus Max Fiedler. Im Jahr 1911 wurde die Kirche in Friedrichshagen samt ihren Filialen Erkner, Hirschgarten, Rahnsdorf, Fichtenau, Schöneiche und Klein-Schönebeck aus dem Köpenicker Pfarrverband entlassen. Im gleichen Jahr erhielt die Friedrichshagener Gemeinde eine großzügige Spende, die auf einem Testament des im Ort verstorbenen Offiziers der päpstlichen Leibgarde Josef Mascher beruhte. 20.000 Mark waren demzufolge für den Bau und den Betrieb eines Altersheims vorgesehen, direkt für die katholische Gemeinde waren 2.000 Mark bestimmt. Außerdem schenkte der Paramenten-Verein München der Gemeinde einen Altarkelch, der Paramentenverein Münste spendete einen Traghimmel und „Frau Exzellenz Halley“ finanzierte drei Leviten-Gewänder. Mitglieder der Gemeinde zimmerten zwei zusammenlegbare Altäre. Die Immobilie in der Scharnweberstraße ging am 8. August 1913 in das Eigentum der zuvor zur Kuratie erhobenen Pfarrei über. Am 23. Februar 1913 wählten die Mitglieder einen ersten Gemeindevorstand.Chronik, S. 6/7. Am Himmelfahrtstag des Jahres 1914 weihte Max Fiedler die neue Kirchenempore in der Kapelle ein, wo nun der Kirchenchor seinen Platz fand. Die Gemeinde hatte sie vom ortsansässigen Zimmerer Manz für 1200 Mark herstellen lassen.Chronik, S. 8.
Von 1922 bis 1933
Das Gotteshaus in der Scharnweberstraße wurde im Berliner Adressbuch erstmals 1922 ausgewiesen, nachdem Friedrichshagen als Teil von Köpenick in die Stadtgemeinde Groß-Berlin aufgenommen worden war.
Für die Erneuerung der Innenausstattung der Kapelle kaufte der Kirchenvorstand während der Inflationszeit 1923 für 1,2 Millionen Mark von der Lichtenberger DreifaltigkeitskircheAnmerkung: Der Bezirk Lichtenberg erstreckte sich anfangs bis fast an die Warschauer Straße, weshalb die Dreifaltigkeitskirche dazu gehörte. Erst seit 1938 kam der Bereich zum Verwaltungsbezirk Friedrichshain. ein gebrauchtes Harmonium. Ebenfalls im Jahr 1923 war die Innengestaltung der Franziskuskapelle mit vier Fresken vollendet: die vom Kunstmaler Karl Trill aus Friedrichshagen mit Unterstützung von Malermeister Wilhelm Rüter aus Karlshorst geschaffenen Bilder zeigten Szenen aus dem Leben des heiligen Franziskus. In der Chronik heißt es dazu:
Pfarrer Max Fiedler wechselte im Februar 1924 durch Verfügung des Kardinals Bertram an die katholische St. Antonius-Kirche in Oberschöneweide., abgerufen am 20. März 2015. Dafür hatte die Kirchgemeinde Friedrichshagen Melchior Grossek als Kaplan berufen, der auch Künstler und Schriftsteller war. Grossek blieb bis 1938 in diesem Amt.Biografisches von Melchior Grossek auf scherenschnitt.org; abgerufen am 20. März 2015. Seine feierliche Amtseinführung am 17. Februar 1924 nahm der „Geistliche Rat Herr Erzpriester Hermann Josef Szillus“ aus Neukölln vor.Chronik, S. 11/12.
Wegen ständiger Feuchtigkeit im Kirchengebäude und im angrenzenden Pfarrhaus ließ die Gemeinde im Jahr 1927 die bisherige Kohleheizung gegen eine Zentralheizung austauschen. Die Finanzierung der von der Firma Carl Peschke aus Berlin ausgeführten Arbeiten erfolgte größtenteils aus dem Vermögen des Groß-Berliner Gesamtverbands.Chronik, S. 14/15.
Im Juni 1929 wurden im Altarraum die Glasgemäldefenster Mariä Verkündigung und Christi Himmelfahrt eingebaut, die die Fresken ablösten. Die Fenster entstanden nach einer Idee des Pfarrers Grossek in der Werkstatt des jungen Künstlers Carl Busch. Der gesamte Chorraum wurde bei dieser Gelegenheit umgestaltet und neu ausgemalt. Das mittlere Altarfenster wurde zugemauert und diente nun als Altarnische mit einem sehr plastisch wirkenden aufgemalten Kruzifix. Die Arbeiten konnten aus Rücklagen und Spenden der Gemeinde bezahlt werden.
In der Zeit des Nationalsozialismus
Ein neuer Altar, der Marienaltar mit einer Skulptur der Madonna aus der Werkstatt des Bildhauers Adam Winter aus Mainz wurde am 1. Oktober 1934 in der Kapelle geweiht.
Die Friedrichshagener Gemeinde hatte 1936 neue Kreuzwegtafeln beim Künstler Max Mehmann in Osnabrück anfertigen lassen, die einzeln von Gemeindemitgliedern gestiftet wurden. Ein für diese Holzschnitte entstandener Geldüberschuss ermöglichte es der Pfarrgemeinde, vier Fenster des Kirchenschiffs erneuern zu lassen. Dazu lieferte Kirchenmaler Hannes Schulz die Entwürfe, die Firma Wichmann in Berlin führte die Darstellungen aus. Und schließlich wurde das gesamte Kircheninnere einschließlich der Franziskus-Gemälde erneuert. Am 4. April 1937 „stand die Kirche in ihrem neuen Gewande fertig da“.
Das Gotteshaus wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs zweimal von Brandbomben getroffen. Der erste Abwurf 1944 verursachte am Kirchengebäude keinen nennenswerten Schaden, beim Pfarrhaus entstand im Dachgebälk ein Brand, der jedoch gelöscht werden konnte. Als am 26. Februar 1945 weitere Brandbomben auf Friedrichshagen niedergingen, erhielten sowohl die Kirche als auch das Pfarrhaus volle Treffer. Der entstehende Großbrand erfasste schließlich die Gebäude vollständig, die ausbrannten und zu Ruinen wurden. Gerettet wurden laut Chronik „das Allerheiligste“ (Gewänder und Geräte aus der Sakristei) sowie die Kassenbücher, „die Schriftstücke der letzten Jahre“ sowie die Borromäusbücherei und einige Möbel aus dem Pfarrhaus.Chronik, S. 31.
Der Pfarrer kam daraufhin bei Familie Rüthning in der Störitzseestraße 13 unter. Dort konnten auch an zwei Wochentagen die Messopfer-Feier sowie Taufen und Hochzeiten stattfinden. Für Gottesdienste stellte die evangelische Kirche ihre Kapelle auf dem Friedhof zur Verfügung.Chronik, S. 32.
Nachkriegsperiode und Wiedererrichtung der Kirche mini|Wohnhaus Bölschestraße 30
Der Pfarrer erhielt im Mai 1945 eine Dienstwohnung in einem Bürgerhaus der Bölschestraße 30, wo auch ein Gottesdienstraum provisorisch eingerichtet werden konnte. Außerdem stand ab 1946 an Wochentagen und später auch an Sonntagen die Kapelle des St.-Antonius-Krankenhauses, das wegen der Beschlagnahme aus Karlshorst nach Friedrichshagen verlegt worden war, für Gottesdienste zur Verfügung.Chronik, S. 36.
Die Gemeinde kümmerte sich zugleich um den Wiederaufbau der Kapelle. Bereits 1946 legte der Diozösan-Baurat Felix Hinssen Baupläne vor, die das Bischöfliche Ordinariat genehmigte. Doch die städtischen Behörden stellten die beantragten Baugenehmigungen mehrfach „auf spätere Zeit zurück“. Als ein im Jahr 1949 vom Bezirksamt Köpenick durchgeführtes Baugutachten einen Zerstörungsgrad von 50 Prozent ergab, wurde der Gemeinde der vollständige Abbruch der Ruine empfohlen. Der Kirchenvorstand protestierte dagegen beim Magistrat von Berlin und erreichte, dass die kleine Kirche für das folgende Jahr für einen Wiederaufbau vorgesehen wurde. Und so erteilten die städtischen Behörden tatsächlich am 2. September 1950 die Erlaubnis zum Wiederaufbau. Die Firma J. Hohn aus Oberschöneweide erhielt den Ausführungsauftrag und am 8. Oktober legte Prälat Max Fiedler den Grundstein für den Wiederaufbau und weihte ihn. Im folgenden Jahr ging es wegen einer (nicht näher genannten) Verfügung des Berliner Magistrats nur schleppend voran, eine Fertigstellung zu Ostern 1952 (11. bis 13. April) wurde in Aussicht genommen. Schon am 1. April konnte Pfarrer Erhard Golisch das Pfarrhaus wieder beziehen, am 15. April 1952 konsekrierte Bischof Wilhelm Weskamm den Kirchenneubau, der sich architektonisch von seinem Vorgänger stark unterscheidet.Chronik, S. 36/37. In der entsprechenden Urkunde heißt es dazu: