Die Reichsabtei St. Maximin ( (um 1000) oder Imperialis et exempta abbatia Sancti Maximini (17. Jh.) u. ä.) war das größte und einflussreichsteElisabeth Adams: (PDF) In: Eine Stadt im Mittelalter. Trier im Mittelalter – ein Stadtführer für Groß und Klein, S. 44 (Projektstudie zum mittelalterlichen Trier an der Universität Trier im Wintersemester 2002/03.) Abgerufen am 30. Januar 2007 der vier früheren Benediktinerklöster in Trier und eines der ältesten Klöster Westeuropas. Erhalten sind von der Bausubstanz noch das Eingangsportal des Klosters und die Kirche aus dem 17. Jahrhundert, die heute als Sporthalle einer katholischen Privatschule und als Konzertraum genutzt wird.

Unter der Kirche ist für Gruppenführungen ein antikes Gräberfeld mit über 1000 Sarkophagen zugänglich.

Geschichte mini|links|Westfront der Klosterkirche mini|links|Kirche von 1684: Ansicht vom Petrisberg (Osten) mini|links|Abtei St. Maximin (Mitte) und St. Paulin (li.) vor der Stadtmauer (re. u.). Stich von 1646, wohl nach einer Ansicht von 1548 oder 1550Matthäus Merians Stich von 1646 ähnelt stark dem Holzschnitt von Trier von 1548 in Sebastian Münsters Cosmographiae Universalis (Titel: Situs & figura antiquissimae & praecipuae Medioniatricum ciuitatis Treuirensis), die als die erste authentische Stadtansicht von Trier gilt. Zwar ist Merians Ansicht detaillierter als der Holzschnitt, bildet aber bauliche Veränderungen, die zwischen 1548 und 1646 vorgenommen wurden (z. B. an der Konstantinsbasilika) nicht ab. Vergleich den mini|links|Abbildung von St. Maximin auf dem Trierer Gerichtsbild von 1589 mini|links|Stich der Abtei St. Maximin mini|links|Die Benediktinerabtei im 18. Jahrhundert Bis zur Säkularisation Das Kloster wurde der Legende nach durch den Bischof Maximin von Trier im 4. Jahrhundert gegründet. Nachdem Bischof Maximin während einer Reise von Konstantinopel nach Poitiers 346 gestorben war, wurden 353 durch seinen Nachfolger seine Gebeine nach Trier überführt. Die Klosterkirche war zunächst eine Johanneskirche und wurde später nach dem Gründer umbenannt.

Als gesichert gilt, dass im 4. Jahrhundert auf dem nördlichen Gräberfeld des römischen Trier (siehe Augusta Treverorum) ein christliches Grabgebäude erbaut wurde. An der Grabstätte wurde im 6. Jahrhundert eine Benediktinerabtei gegründet, die später zur Reichsabtei wurde.

Das Kloster wurde am 5. April 882 durch die Normannen zerstört. 899 zog sich Regino von Prüm, vorher Abt von Prüm, in das Kloster St. Maximin in Trier zurück. 909 wurde Eberhard von Franken Laienabt des Klosters. 937 wurde von St. Maximin aus das Mauritiuskloster in Magdeburg besiedelt. In den Jahren 942 bis 952 erfolgte unter Abt Hugo der Wiederaufbau der 933 eingestürzten alten Kirche.Heinrich Beyer: Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien, Band 2, Coblenz: Hölscher, 1865, S. 197 (Online-Ausgabe)

Vom 10. bis Mitte des 12. Jahrhunderts waren die Grafen von Luxemburg Vögte der Abtei, unter anderen: Siegfried I. († 28. Oktober 998) Heinrich IV. (* 1112; † 14. August 1196 in Echternach)

Der Versuch Albero von Montreuils, die reichsunmittelbare Abtei St. Maximin unter seine Jurisdiktion zu beugen, misslang. 1140 gewährte der Papst den Mönchen eine Bestätigung ihrer Exemtion. Im 13. Jahrhundert erfolgte nach einem Brand der Wiederaufbau nach dem alten Grundriss.

Die Reichsunmittelbarkeit des Klosters war lange umstritten und wurde durch Kurtrier (das politische Herrschaftsgebiet des Erzbischofs von Trier) angefochten. 1669 unterwarfen sich Abt und Konvent endgültig unter Verzicht auf die Reichsunmittelbarkeit der kurtrierischen Landeshoheit.

Aufgrund der langen Auseinandersetzung über die Reichsunmittelbarkeit und der damit zusammenhängenden unklaren Herrschaftsrechte sind aus dieser Zeit viele Quellen „als konkrete Beweismittel für ausgeübte Herrschaftspraxis eher erhalten [geblieben] als in in [sic] Gebieten mit unbestrittenen Hoheits- und Gerichtsrechten.“Rita Voltmer (7. Dezember 2000): St. Maximin bei Trier (Reichsabtei) – Hexenverfolgung. In: Gudrun Gersmann, Katrin Moeller & Jürgen-Michael Schmidt (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung. historicum.net (abgerufen am 30. Januar 2007) Davon hat etwa die Forschung über Hexenprozesse im Trierer Land profitiert: Aus St. Maximin liegen noch ca. 250 vollständige Prozessakten und mehrere Fragmente von Hexenprozessen sowie Listen über Besagungen (Anzeige anderer Hexen unter Folter) und Hinrichtungen vor, die für das Gebiet von St. Maximin eine zeitweilig „gut organisierte Hexenjagd“ belegen, wohingegen in Kurtrier fast alle Akten vernichtet worden sind.

1674 wurde das Kloster von französischen Truppen wiederum völlig zerstört. Unter Abt Alexander Henn wurde es in den Jahren 1680 bis 1684 vom Baumeister Hans N. Kuckeisen unter Erhalt gotischer Formen ein weiteres Mal neu aufgebaut. Der Aufbau wurde finanziert über Darlehen von Privatleuten. So ist zum Beispiel überliefert, dass Philipp Dictius-Dixen, Fährmann zu Schweich, 1674 dem Kloster St. Maximin 256 Reichstaler, später nochmals 200 Reichstaler, für den Wiederaufbau der Abteikirche lieh. Die Rückzahlung erfolgte erst 70 Jahre später an die Erben.Hans-Peter Bungert, Einwohnerbuch Schweich 1669 bis 1880, Großrosseln 1999.

1794 brachte der Benediktiner Sanderad Müller historische Handschriften und Urkunden vor den herannahenden französischen Truppen auf der rechtsrheinischen Seite in Schutz.

Äbte Johannes monachus Antiochenus: 349 legendarisch Memilianus: 634 (?) Basinus: 726 (?) Utilrad: 766 (?) Uerinolf: Ende des 8. Jh. Helysachar: um 815; † 836 Graf Adalard oder Alard, Laienabt: 853, 855 Waldo: 868, 879 Erkenbert: † 887 Megingaud, Graf im Mayenfeld, Laienabt: 887, 892 König Zwentibold, Laienabt: 892; † 900 König Conrad I., Laienabt: 906 Eberhard, Herzog von Franken, Laienabt: 909 Reginhar, Herzog von Lothringen, Laienabt: 912; † 915 oder 916 Giselbert, Herzog von Lothringen, Laienabt: 916, 934 Hugo oder Ogo: 934; † 948 Willer oder Willihar: 953; † 957 (?) Wiker: 959, 962; † 966 Asolf: 966, 967 Thiedfried: 967, 978 Ogo: 987 Folkmar oder Folmar: 990, 993 Oferad oder Ofterad: 992, 1006 Haricho: 1023 Johann: 1033, 1036 Bernhardus 1035–1037 Poppo, auch Abt zu Stablo und Malmedy: 1026, 1049 Theoderich: 1051, 1082 Heinrich: 1084, 1100 Folmai: 1101 Berengoz: 1107, 1125 Gerhard: 1129 (abgesetzt von Erzbischof Albero: 1140) Siger: 1140, 1063 Arnold: 1168 Conrad: 1177, 1200 Bartholomaeus: 1201, 1207 Anselm: 1208, 1212 1215–1231: Bartholomäus 1234–1258: HeinrichHeinrich Beyer: Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien / aus d. Quellen hrsg. von Heinrich Beyer, Bd. 3, Vom Jahre 1212 bis 1260 / von Leopold Eltester und Adam Goerz, Coblenz: Hölscher, 1874, S. 1117 (Online-Ausgabe) 1257–1284: Wildgraf Heinrich (Bruder des Erzbischofs Gerhard I. von Mainz) 1304–1352: Diedrich II. von Braunshorn, resignierte, gest. 1358 1352–1367: Otto von Gennep 1367–1411: Rorich von Eppelborn 1411–1449: Lampert von Praunheim-SachsenhausenAlfred Friese: Die Herren von Praunheim-Sachsenhausen, Erbschultheissen des Reiches in Frankfurt am Main: Besitz-, Sozial- und Kulturgeschichte einer reichsministerialen Familie des hohen und späten Mittelalters. Masch. Diss. 1952, S. 91f. (†) 1449–1452: Johann von Forst 1453–1482: Antonius Trubelius 1482–1483: Dietrich (Theoderich) von Sehlem 1483–1502: Otto von Elten 1502–1514: Thomas von Heusden 1514–1525: Vinzenz von Cochem 1525–1548: Johannes III. Schienen von Zell 1548–1556: Johann von Isenburg (Erzbischof und Kommendatarabt) 1556–1568: Petrus Reck aus Luxemburg 1568–1581: Matthias aus Saarburg 1581–1613: Reiner Biewer aus Trier 1613–1621: Nikolaus Hontheim aus Biewer, 1609 Koadjutor 1621–1623: Peter von Freudenburg 1623–1655: Johannes Agritius aus Reckingen 1655–1679: Maximin Gülich aus St. Vith, 1654 Koadjutor 1680–1698: Alexander Henn aus St. Vith 1698–1719: Nicetius Andreae aus Reckingen 1719–1731: Nikolaus Paccius aus Mayen 1731–1738: Martin Bewer aus Monschau 1738–1762: Willibrord Scheffer aus Luxemburg 1762–1796: Willibrord Wittmann aus Trier 1797–1802: Benedikt Kirchner aus Simmern, gest. 1813

Historisches Eigentum der Abtei in der Umgebung Zahlreiche Urkunden dokumentieren die Entwicklung der Besitzungen der Abtei in der Umgebung (in Klammern Ersterwähnung): Weimerskirch (723 von Karl Martell dem Kloster geschenkt), Kenn, Laubuseschbach, Münsterappel (alle 893 von Arnolf von Kärnten dem Kloster als Hofgut geschenkt), Guntersblum (897 von Zwentibold als Besitz des Klosters bestätigt), Mamer (960 dem Kloster geschenkt), Norheim (962 im Tausch), Tiefenthal (Rheinhessen) (1051), Uhler (1200; in der Urkunde der Reichsabtei als owilre erwähnt), Hosten (frühes 13. Jahrhundert), Burg Rittersdorf (1263 als Besitz der Abtei), Kretz (1273), Dankerath (1276).

Die Reichsabtei St. Maximin war seit frühester Zeit in Luxemburg (Stadt) begütert. Ihr Vogt, Graf Siegfried I., Gründer der Stadt und des Landes Luxemburg, erwarb 963 von ihr einen römischen Wachturm an der Kreuzung zweier Fernstraßen, den er zur Burg Lucilinburhuc ausbaute, welche die Keimzelle der heutigen Stadt ist.Melanie Völker: Stadtgesichter – Luxemburg. BoD – Books on Demand, 2012, ISBN 3-8482-0200-X, S. 6; (Digitalscan) Auch nach Gründung von Stadt und Land blieb die Abtei mit einer Niederlassung dort präsent, dem sogenannten Refugium St. Maximin, das heute als Luxemburger Staatsministerium dient, nachdem es lange Zeit das Außenministerium beherbergte.

Nutzung seit der Säkularisation mini|Truppen der 1. US-Infanteriedivision in der Maximin-Kaserne im November 1918. mini|Festakt zur 150-Jahr-Feier des Kolpingwerks DV Trier in St. Maximin (2008) Nach der Säkularisation des Klosters 1802 wurde der Bau umgestaltet und als Kaserne (Maximinkaserne), Garnisonkirche, Gefängnis und Schule genutzt. Zu diesem Zweck wurden in der Kirche Zwischenwände und -decken eingezogen, im östlichen Teil zur Einrichtung der Garnisonkirche aber bereits 1876 wieder entfernt. In dem als Garnisonkirche eingerichteten Teil baute man neugotische Fenster ein. Die oberen Geschosse der beiden Türme waren abgerissen und durch einfache Pyramidendächer ersetzt worden. Seit 1871 waren Teile des 7. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 69 dort in Garnison, andere Teile lagen disloziert in der Agneten-, Goeben- und in der Palastkaserne. 1899 belegte das Triersche Feldartillerie-Regiment Nr. 44 einen Teil des Gebäudes. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der größte Teil der noch vorhandenen Klostergebäude abgerissen, die ehemalige Abteikirche blieb aber erhalten.

Nach der kurzzeitigen Belegung durch Einheiten des amerikanischen Expeditionskorps in Europa (American Expeditionary Forces, Europe), übernahmen die Franzosen 1919 die Kaserne und benannten sie um in „Quartier Verdun“. Das französische 41. Artillerie-Regiment (41 °Régiment d’artillerie de Champagne, 41° RAC) lag dort bis zum 31. Dezember 1928 in Garnison. Den östlichen Teil des ehemaligen Kirchenschiffes nutzten auch die Franzosen als Garnisonkirche. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude kurzzeitig durch die Wehrmacht mit dem Infanterie-Regiment 125 belegt und der Rest der Abteibauten wurde in Folge von Bombenangriffen zerstört.Adolf Welter: Trier in der Besatzungszeit 1918–1939. Petermännchen-Verlag der Trierer Münzfreunde, Trier 1992, ISBN 3-923575-11-4, S. 16.