Die Brüder Schellenberg ist ein deutscher Stummfilm aus dem Jahr 1926 von Karl Grune mit Conrad Veidt in einer Doppelrolle. Das Drehbuch schrieb Grune zusammen mit Willy Haas nach dem gleichnamigen Roman von Bernhard Kellermann.
Handlung Die Zwillinge Michael und Wenzel Schellenberg sind zwei komplett unterschiedliche Charaktere, haben aber beide in der Sprengstofffabrik des Fabrikanten Raucheisen einen Arbeitsplatz gefunden. Wenzel ist charakterlich wie mental das absolute Gegenteil zu Michael. Als kleiner Sekretär beim alten Raucheisen ist er nur um sein eigenes Fortkommen bemüht, während Michael weit über den eigenen Tellerrand hinausschaut und stets um das Wohlergehen anderer bemüht ist. Trotzdem verlieren beide eines Tages ihren Job: Wenzel wegen einer kleinen Verspätung, die der Alte nicht durchgehen lässt, Michael, der als Ingenieur einige Verantwortung trägt, weil er es nicht länger mit seinen Moralvorstellungen in Einklang bringen kann, Massenvernichtungswaffen herzustellen. Dann kommt es zu einer gewaltigen Explosion im Werksgelände, und über 200 Arbeiter verlieren dabei ihr Leben.
Dieses Ereignis wird zum zentralen Wendepunkt im Leben der Brüder Schellenberg. Während Wenzel fortan nur noch schnell zu viel Geld kommen will und deshalb an der Börse zu spekulieren beginnt, möchte Michael seine karitative Ader ausleben, und seine Kraft den Armen, Verzweifelten und anderen hilfsbedürftigen Menschen widmen. Als Ingenieur hat er das Wissen, wie man für Arbeitslose eine humane Siedlungsstätte hochzieht. Wenzels Genusssucht führt auch im Privatleben zu manchen Verirrungen. Er lernt die arbeitslose Schauspielerin Jenny Florian kennen und lieben, deren Freund Georg bei der Fabrikexplosion schwer verletzt wurde, und verschafft der jungen, hübschen Frau ein Theaterengagement. Alsbald aber lässt er von ihr ab und wendet sich der kalten Esther Raucheisen zu, der etwas bizarren Tochter seines ehemaligen Chefs. Die porzellanhafte Erscheinung Esther ist eine dunkle Seele und durch ebensolche Geschäfte ihres Geliebten Kaczinsky in Schwierigkeiten geraten.
Esther und Wenzel ergänzen sich ideal, sie sind beide berechnend, kalt und nicht wirklich zu tiefen Emotionen imstande. Wenzel verspricht Esther, dass er ihr helfen werde, wenn sie ihn im Gegenzug heirate. Die berechnende Fabrikantentochter willigt ein … und die Ehe wird ein höchst liebloses Unterfangen. Denn die unnahbare Esther verweigert ihrem Parvenu-Ehemann die ehelichen Pflichten und setzt ihr Verhältnis mit dem Ganoven Kaczinsky heimlich fort. Eines Tages erfährt Wenzel von dem anhaltenden Betrug, und es kommt zu einer Katastrophe: In Rage erwürgt der gehörnte Wenzel seine treulose Gattin und verfällt dem Wahnsinn. Nach der Mordtat wird er in einen vergitterten Irrenanstaltswagen fortgebracht. Währenddessen hat die von ihm verlassene Jenny ein heimeliges Plätzchen in Michaels Siedlungskolonie gefunden. Zum Schluss wandert Wenzel im Büßergewand durch eine verschneite Landschaft in Richtung Siedlungsanlage, um dort Abbitte zu leisten.
Produktionsnotizen Die Brüder Schellenberg entstand von September 1925 bis Januar 1926 auf dem UFA-Freigelände von Neubabelsberg. Der Film passierte die Zensur am 11. März 1926 und wurde am 22. März 1926 im Berliner Ufa-Palast am Zoo uraufgeführt. Ein Jugendverbot wurde ausgesprochen.
Die Filmbauten entwarf Karl Görge, Helmar Lerski sorgte durch den Einsatz des Schüfftan-Verfahrens für die Spezialaufnahmen der im November 1925 entstandenen Szenen mit dem Fabrikband. Ernö Rapée dirigierte Werner Richard Heymanns Kinokomposition bei der Premiere. Heymann gab hier sein Filmdebüt, für den 18-jährigen Werner Fuetterer war dies seine erste Beschäftigung beim deutschen Film.
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