Sankt Peter-Ording ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.
Geographie Geographische Lage Sankt Peter-Ording liegt im Südwesten der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein. Ein Teil der Gemarkung befindet sich im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Sankt Peter-Ording hat vier Ortsteile – Böhl, Bad, Dorf (Süd) und Ording. Im amtlichen Wohnplatzverzeichnis Schleswig-Holstein 1987 werden auch Wittendün als Ortsteil und Brösum als Dorf genannt. Dieses befindet sich als Straßendorf südlich von der Tümlauer Bucht.Zur Lage und Dorftyp vgl. auch
Nachbargemeinden Direkt angrenzende Gemeindegebiete sind:
Geologie mini|Der Strand von St. Peter um 1895 mini|Düne bei St. Peter
Charakteristisch für Sankt Peter-Ording ist der weitläufige Strand. Er erstreckt sich auf einer Länge von bis zu zwölf Kilometern und (bei Niedrigwasser) auf bis zu zwei Kilometer Breite im Westen des Ortes. Seine Größe ist historisch durch die küstennahe Anlandung zweier Sandbänke, des Hitz- und Hochsichtsandes, an das Festland entstanden. Diese zählten zu den heute noch existierenden sogenannten Außensänden des Nordfriesischen Wattenmeeres. Daran schließt sich vor den Ortsteilen Bad und Ording ein Dünengürtel an. Ein weiterer Dünengürtel erstreckt sich binnendeichs vom Ortsteil Böhl bis in den Bereich zwischen Bad und Ording. Er wurde ab 1826 auf weiten Strecken nachträglich bewaldet, um den Sandflug zu bremsen. Hier befindet sich auch die mit 16,6 Meter über NHN höchste natürliche Erhebung der Gemeinde, Maleens Knoll.
Vor dem Deich hat sich vom südlichen Ortsende bis hinter die Seebrücke eine Salzwiesenlandschaft ausgebildet. Da sie weder beweidet wird noch mit Grüppen versehen ist, hat sie eine besondere ökologische Bedeutung.Uwe Dierking: Die Kreuzkröten im Vorland von St. Peter-Ording. In: Umweltbundesamt und Nationalparkverwaltungen Niedersächsisches Wattenmeer/Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Hrsg.): Umweltatlas Wattenmeer. Bd. 1: Nordfriesisches und Dithmarscher Wattenmeer. Eugen Ulmer, Stuttgart 1998/1999, ISBN 3-8001-3491-8, S. 130–131. Im Gegensatz zu anderen Salzwiesen an der Nordseeküste gibt es hier zahlreiche kleine Tümpel und Pfützen. Im landnäheren Teil werden sie nur noch gelegentlich und nicht einmal mehr jedes Jahr von Salzwasser überflutet, so dass sich hier – heute ungewöhnlich direkt in Nordseenähe – Amphibien wie Grasfrosch, Moorfrosch und Erdkröte angesiedelt haben und sich Kreuzkröten regelmäßig fortpflanzen.
Der Tidenhub beträgt am Ort bis zu drei Meter.
Landwärts wird die natürliche Oberfläche durch west-östliche ehemalige Strandwälle und den dazwischen liegenden Marschenboden geprägt.
Klima Wie für Küstenregionen typisch, herrscht auch in Sankt Peter-Ording Seeklima mit milden Wintern und kühlen Sommern. Windstärken von 7 bis 10 sind keine Seltenheit.
Das Inselklima, insbesondere die Luft an Dünen und Strand, die der Salzwiese und die des Waldes, enthält wertvolle Aerosole, darunter Natriumchlorid und Iod. Zusätzlich sorgt der niedrige Allergengehalt für eine reine Luft.
Diese besonderen Eigenschaften und die klimatischen Wechselwirkungen werden zur Thalassotherapie genutzt.
Ein Aufenthalt in Sankt Peter-Ording soll den Stoffwechsel und das Herz-Kreislauf-System stärken sowie die körpereigene Kortisonproduktion anregen.
Geschichte mini|Et gah uns wol up unse olen dage(„Es gehe uns gut auf unsere alten Tage“) mini|Die Kirche von St. Peter um 1895 mini|Ording um 1895 Sankt Peter-Ording setzt sich aus mehreren ehemals getrennten Ortsteilen zusammen. Der Name des Dorfes St. Peter geht erstmals aus einer urkundlichen Erwähnung von 1373 hervor. Zuvor hieß der Ort Ulstrup. Der Name der Kirche St. Peter wurde später als Ortsname verwendet, weil Ulstrup durch Versandung viel Land verloren hatte. Es ist belegt, dass bereits die Friesen und Wikinger in diesem Bereich siedelten. Süderhöft/Böhl gab seine Eigenständigkeit nach der Sturmflut von 1553 auf und wurde mit Sankt Peter vereinigt. Der jetzige Ortsteil Ording wird als „Urden“ 1445 in einer Streitschrift erwähnt.AG Ortschronik, Heft 24 "0rding", Seite 11
Ording und Sankt Peter vereinigten sich kirchlich bereits 1863, während die kommunale Zusammenlegung zu Sankt Peter-Ording erst am 1. Januar 1967 stattfand. Am 26. April 1970 wurde die Gemeinde Teil des neuen Kreises Nordfriesland. Bis dahin hatte sie zum damaligen Kreis Eiderstedt gehört.
Durch den ständigen Sandflug konnte sich in Sankt Peter-Ording nur wenig professioneller Fischfang etablieren, da durch die Verwehungen kein Hafen angelegt werden konnte. Auch die Landwirtschaft, von der die Bevölkerung vor dem Tourismusboom überwiegend lebte, warf oftmals nicht genug ab, da die Ländereien häufig versandeten, durch Überflutungen versalzten oder in Sturmfluten ganz verloren gingen. Ording büßte so 400 Demat, etwa 200 Hektar ein.
Wegen dieser Bedingungen war die Zahl der Armen in der Bevölkerung groß. Sogenannte Hitzlöper suchten auf den Sandbänken und in den Prielen nach Bernstein, versorgten sich mit Krabben, Muscheln und Plattfischen, sammelten Strandgut. Wertvolle Gegenstände wurden dem Strandvogt wegen der geforderten Abgaben oftmals unterschlagen. Auch gestrandete Schiffe fielen der Strandräuberei zum Opfer.
Insbesondere die Wanderdünen machten den Bewohnern früher zu schaffen. So mussten die Ordinger zweimal ihre Kirche aufgeben, nachdem sie sich zuvor über Jahrzehnte regelmäßig den Weg zum Gottesdienst freischaufeln mussten. Die Bepflanzung der Dünen begann 1826 noch auf Anweisung des dänischen Königs, der bis 1864 über das Herzogtum Schleswig herrschte. Die Grenze bildete damals der Fluss Eider. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg gehörten ab dem Jahr 1867 die Gemarkungen Sankt Peter und Ording zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein.
Im Jahr 1872 wurden in Ording die ersten zahlenden Übernachtungsgäste verzeichnet. Als Gründungsdatum des heutigen Seebades gilt das Jahr 1877, in dem in den Dünen des heutigen Ortsteils Bad das erste Hotel erbaut wurde. 1913 wurde das erste Sanatorium errichtet. Ein halbes Jahrhundert später wurden weitere Rehabilitationseinrichtungen erbaut, nachdem 1953 eine starke Jodsolequelle gefunden worden war und 1958 die staatliche Anerkennung als Nordseeheil- und Schwefelbad erfolgt war.
Der erste der charakteristischen Pfahlbauten auf dem Strand wurde 1911 errichtet und nannte sich „Giftbude“, weil es dort wat gift („etwas gibt“). Unter Kennern war insbesondere Cognac damit gemeint. Auch die Verkehrsanbindungen wurden nach und nach verbessert. 1926 entstand die erste Seebrücke zwischen dem Ortsteil Bad und der vorgelagerten Sandbank; 1932 folgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz durch die Verlängerung der Bahnstrecke von Husum nach Garding bis nach Ording. Eine bessere Straßenanbindung nach Süden wurde 1973 durch die Errichtung des Eidersperrwerkes ermöglicht.
Sankt Peter-Ording war Drehort mehrerer Film- und Fernsehproduktionen, unter anderem für Jan Delay – Irgendwie, irgendwo, irgendwann, Scooter – One (Always Hardcore), Gegen den Wind, Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer und Jetzt oder Nie. 2011 wurden im Ortsteil Bad an der Seebrücke Außenaufnahmen für den Film Rubbeldiekatz (Regie Detlev Buck) gedreht; dabei kamen rund 200 Komparsen zum Einsatz.
Politik Gemeindevertretung
Bei der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 wurden insgesamt 17 Sitze vergeben. Von diesen erhielten die Allgemeine Wählergemeinschaft Sankt Peter-Ording und die CDU fünf Sitze, die Grünen drei Sitze, die SPD zwei Sitze und die FDP und Pfau jeweils einen Sitz.
Bürgermeister Nach dem Rücktritt des parteilosen Jürgen Ritter im März 2024 wurde Ende Juni desselben Jahres der fraktionslose Boris Pfau zum Bürgermeister gewählt.https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/St-Peter-Ording-Boris-Pfau-gewinnt-Stichwahl-ums-Buergermeister-Amt,stichwahlsanktpeter100.html
Wappen Das Wappen und die Flagge wurden am 11. Juli 1967 genehmigt.
Blasonierung: „In Blau zwei schräggekreuzte goldene Schlüssel mit den voneinander abgekehrten Bärten nach oben; zwischen den Schlüsselbärten rechts ein sechsstrahliger goldener Stern und links eine einwärts gekehrte goldene Mondsichel nebeneinander.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]
Der Inhalt des Wappens nimmt die Figuren des Kirchspielsiegels von St. Peter auf. Auf dem ältesten Siegel des Kirchspiels von 1376 sind neben den Bildzeichen die Ortsnamen „Ulstorp“ und „Utholm“ zu lesen. Ursprünglich lag die dem heiligen Petrus geweihte Kirche auf der Insel Utholm. Die Attribute des Apostels, die Schlüssel, verweisen zugleich auf den Schutzpatron der Fischer und Seefahrer. Die blaue Schildfarbe bezieht sich auf die unmittelbare Lage an der Nordsee, das Gold der Figuren auf den Strand. Blau und Gold sind zugleich die Farben des Landesteils Schleswig. Stern und Mondsichel werden auch mit der 1445 verlorenen Marienkapelle von Süderhöft und mit St. Nikolai in Ording in Verbindung gebracht.AG Ortschronik, Heft 2, Seite 3 f.
Das Wappen wurde von dem Brunsbütteler Heraldiker Willy „Horsa“ Lippert gestaltet.
Flagge Die Flagge zeigt im Liek eines blauen Feldes, das oben und unten je von einem sehr schmalen weißen und einem etwas breiteren roten Streifen begrenzt wird, die Schlüssel, den Stern und die Mondsichel wie im Wappen.
Kultur und Freizeit
mini|Pfahlbau am Strand bei Hochwasser, nach Beginn der Ebbe
mini|Zugang zum Strand und den Pfahlbauten über die Seebrücke
Wahrzeichen sind die Pfahlbauten am rund zwölf Kilometer langen Sandstrand und der Leuchtturm in Sankt Peter-Böhl.
Sankt Peter-Ording verfügt über ein modernes Freizeit- und Erlebnisbad mit großer Saunalandschaft – die Dünen-Therme. Sie wird mit Nordseewasser, verteilt auf über 1000 m² Wasserfläche, betrieben.
An den fünf Badestellen Böhl, Süd/Dorf, Bad, Ording und FKK/Ording-Nord stehen rund 1400 Strandkörbe. Über „Hotspots“ stehen im Strandkorbbereich Ording und in Teilbereichen des Strandparkplatzes von Ostern bis Ende September registrierungspflichtige Wireless-LAN-Zugänge zur Verfügung.
Im Ortsteil Sankt Peter-Bad führt vom Deich an Buhne 1 bis zu dem Pfahlbau mit Restaurant „Arche Noah“ eine 1095 Meter lange Seebrücke. An den Seebrückenvorplatz schließt sich in südlicher Richtung eine etwa ein Kilometer lange Strandpromenade an. Diese enthält einen Fitness- und Motorikbereich, Themenspielplätze, ein erlebbares Biotop und einen „Familientreff“ (ein Spielhaus für alle Jahreszeiten).
In Sankt Peter-Ording gibt es drei Kirchen. Dies sind die beiden evangelisch-lutherischen Kirchen St. Peter im Ortsteil Dorf (erbaut um 1200) und St. Nikolai in Ording (erbaut 1772), sowie die römisch-katholische Kirche St. Ullrich (erbaut 1957).
Tierpark Der „Westküstenpark“ zeigt eine Vielzahl heimischer und exotischer Tiere, unter anderem eine Seehundanlage (Robbarium).
Museen und Ausstellungen mini|Museum der Landschaft Eiderstedt in der Olsdorfer Straße In Sankt Peter-Ording ist das Museum der Landschaft Eiderstedt und das Nordseebernsteinmuseum beheimatet. Außerdem kann im Nationalpark-Haus der Schutzstation Wattenmeer eine Ausstellung über das Wattenmeer mit elf Meerwasseraquarien besucht werden.
Ausstellungen aus der reichhaltigen Kunstsammlung der Gemeinde sind im Kunsthaus Wittendün zu besichtigen. Die Kunstinitiative Sankt Peter-Ording präsentiert alljährlich im Juli und August eine Kunstausstellung in der Strandkorbhalle Hungerhamm.Raum für Kunst in St. Peter-Ording. Verein Kunstinitiative St. Peter-Ording e. V., abgerufen am 18. Januar 2021.
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