Die Algérie ( für „Algerien“) war ein französischer Schwerer Kreuzer, der als Einzelschiff in Brest am 21. Mai 1932 vom Stapel lief. Das Schiff war der siebente Schwere Kreuzer der französischen Marine. Sie wurde mit verbessertem Panzerschutz gegenüber den Vorgängerbauten auch als Antwort auf die Schweren Kreuzer der italienischen Zara-Klasse konstruiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie bis zur Kapitulation Frankreichs 1940 im Atlantik und Mittelmeer eingesetzt, hauptsächlich zur Jagd auf deutsche Handelsstörer und als Geleitschutz. 1942 wurde sie in Toulon von ihrer Besatzung versenkt.
Entwurfsgeschichte Nachdem der erste französische Entwurf für einen schweren Kreuzer, die Duquesne-Klasse, zugunsten einer hohen Geschwindigkeit fast vollständig auf Panzerschutz verzichtet hatte, wurde beim folgenden Entwurf (Suffren-Klasse) die Maschinenleistung verringert und dafür die Panzerung verstärkt.Jordan, Moulin: French Cruisers. S. 54. Verbesserte Bautechniken und eine vorteilhaftere Auslegung der Vertragsbedingungen von Washington führten beim dritten und vierten Schiff der Klasse (Foch und Dupleix) zu Einsparungen bei der Standardverdrängung, die einer weiteren Verbesserung des Panzerschutzes zugutekam.Jordan, Moulin: French Cruisers. S. 69, 74, 79. Diese Entwicklung wurde bei der Algérie fortgeführt.
Ein Grund hierfür war, dass in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg die schiffbauliche Entwicklung große und schnelle Zerstörer mit Geschützkalibern zwischen 12 cm und 13 cm hervorbrachte. Außerdem baute die italienische Marine schnelle Kreuzer mit 15,2-cm-Geschützen (Condottiere-Typ). Während im Rahmen der Vertragsbedingung ein Schutz gegen 20-cm-Artillerie von allen Marinen als unmöglich angesehen wurde, lag eine zumindest teilweise wirksame Panzerung gegen Geschütze mit Kalibern bis 15 cm im Bereich des Möglichen. Sie wurde auch als wichtig angesehen, da deren Granaten an ungepanzerten Rümpfen erheblich schwerere Schäden anrichten würden als die Zerstörergeschütze des Ersten Weltkrieges mit Kalibern zwischen 8,8 cm und 10,5 cm.John Jordan: Warships after Washington. Seaforth Publishing, Barnsley 2011, ISBN 978-1-84832-117-5, S. 142.
Außerdem veralteten in den späten 1920er Jahren die vorhandenen Schlachtschiffe zusehends. Dies galt insbesondere für die der französischen und italienischen Marinen. Das Wettrüsten der Seemächte konzentrierte sich auf Schwere Kreuzer, die teilweise als die neuen Hauptkampfschiffe angesehen wurden.John Jordan: Warships after Washington. Seaforth Publishing, Barnsley 2011, ISBN 978-1-84832-117-5, S. 108f.
Die ersten Überlegungen der französischen Marine für einen Nachfolger der Dupleix gingen von einer inkrementellen Verbesserung des Panzerschutzes aus (Entwurf C4). Angestrebt wurde, dass der Seitenpanzer einen Schutz gegen 15,5-cm-Granaten auf Kampfentfernungen über 15 km bieten sollte, die Deckpanzerung auf Kampfentfernungen unter 20 km. Allerdings war unklar, wo der dafür benötigte Gewichtsanteil herkommen sollte. Außerdem schützte der interne Panzerkasten der Dupleix und Foch im Gegensatz zu dem sonst üblichen Seitenpanzer nicht die Wasserlinie der Schiffe, was eine Beeinträchtigung der Schwimmfähigkeit durch Granattreffer viel wahrscheinlicher machte. Die französische Marine entschied sich daher zu einem vollständig neuen Entwurf.Jordan, Moulin: French Cruisers. S. 82. Dieser sollte auch eine Antwort auf die schwer gepanzerten Schiffe der italienischen Zara-Klasse darstellen.
Eine Reduktion der Antriebsanlage der Dupleix von drei Wellen mit 90.000 PS auf zwei Wellen mit 84.000 PS allein hätte eine Gewichtsersparnis von nur 150 t erbracht. Als die Algérie entworfen wurde, standen aber zuverlässige Antriebsanlagen zur Verfügung, die bei höheren Dampfdrücken arbeiteten, was eine Gewichtseinsparung auch ohne Leistungsverlust erlaubte. Allerdings bestanden Bedenken, die Wellen mit 42.000 PS Entwurfsleistung zu belasten, insbesondere, da die französische Marine das Forcieren der Maschinen erlaubte. Bei einer Zwei-Wellen-Anordnung war daher mit einer maximalen Leistungsbelastung von 50.000 PS pro Welle zu rechnen. Gegen eine Wiederholung der Drei-Wellen-Anordnung der Suffren-Klasse sprach, dass die Mittelwelle die innere Anordnung komplizierter machte. Deshalb kehrte man trotz des höheren Raum- und Gewichtsbedarf zu einer Antriebsanlage mit vier Wellen zurück, die auf Grund der geringeren Leistung und der moderneren Auslegung immer noch 430 t leichter als die der Dupleix und fast 940 t leichter als die der Duquesne-Klasse war.Die Gewichtsdifferenzen in Bezug auf den Antrieb folgen aus den Tabellen in Jordan, Moulin: French Cruisers, auf S. 44, 72, 110. Die entsprechenden Angaben im Text auf S. 82, 107 sind teilweise widersprüchlich.
Der Verzicht auf ein erhöhtes Vorschiff sparte weitere 80 t, allerdings auf Kosten einer etwas geringeren Seetüchtigkeit. Auf die abwechselnde Anordnung von Kessel- und Maschinenräumen wurde ebenfalls verzichtet, Kessel- und Maschinenräume wurden jeweils gruppiert. Dies verkürzte die Maschinenräume und damit den zu schützenden Bereich um 7,5 m. Die gewählte Anordnung war anfälliger gegen Gefechtsschäden, auf Grund des stark verbesserten Schutzes erschien dies jedoch vertretbar. Letztlich war der konventionelle Panzergürtel der Algérie weniger hoch als der interne Panzerkasten der Foch und Dupleix, was nochmals 370 t sparte.
Durch diese Maßnahmen konnte gegenüber der Dupleix das Panzergewicht um 482 t gesteigert werden, davon 224 t beim Schutz der Hauptartillerie und 258 t bei der Rumpfpanzerung.Jordan, Moulin: French Cruisers, Vergleich der Tabellenangaben auf S 72 und S. 100.
Der Auftrag für die Algérie erging im August 1930 an die Marinewerft Brest, wo am 13. März 1931 der Kiel gelegt wurde.
Technik links|mini|Algérie, Identifikationskarte der US-MarineDie Karte ist in einigen Details nicht korrekt (Katapulte, Panzeranordnung)
Die Algérie war 186,2 m über alles und 180 m zwischen den Loten lang, 20 m breit und hatte bei Normalverdrängung einen Tiefgang von 6,45 m. Wie bei allen schweren Kreuzern der französischen Marine wurde die Standardverdrängung mit 10.060 t angegeben. Die Normalverdrängung betrug 10.950 t, die maximale Verdrängung 13.677 t.
Der Rumpf war in Längsspantenbauweise ausgeführt. Seitenpanzer und die Seitenschotts längs der Antriebsanlage und der Munitionskammern trugen zur Festigkeit des Rumpfs bei. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Klassen Schwerer Kreuzer wies die Algérie keine Probleme in Bezug auf die Festigkeit auf.
Die Algérie war das erste größere französische Kriegsschiff, das in größerem Umfang geschweißt war. Dies betraf die Trennwände, aber auch Teile der tragenden Elemente sowie der Schiffshülle und des Oberdecks. Panzerung und die wichtigsten Teile der tragenden Elemente waren weiterhin genietet. Trennwände waren aus Gewichtsgründen aus Duraluminium gefertigt.
Der Rumpf des Schiffs schloss nach oben mit einem Glattdeck ab. Ungewöhnlich war der Seiteneinfall (engl. „tumblehome“) der Schiffsseiten, d. h. der Rumpf wurde nach oben schmaler. Diese Rumpfform war möglicherweise gewählt worden, um die Breite des Unterwasserschutzes (siehe unten) zu maximieren.
Die Hauptgeschütztürme waren vorn und achtern paarweise überhöht aufgestellt. In Längsrichtung zwischen den Türmen erstreckte sich ein Schutzdeck. Auf diesem aufgesetzt waren – von vorn nach achtern – der Kommandoturm, ein einzelner Schornstein, ein Scheinwerferturm und direkt vor den hinteren Geschütztürmen der Hauptmast.
Antrieb Der Antrieb bestand aus fünf ölbefeuerten Dampfkesseln, die vier Sätze Getriebeturbinen speisten, welche wiederum auf vier Schrauben mit einem Durchmesser von 3,6 m wirkten. Die Anlage war für eine Leistung von 84.000 PS und eine Geschwindigkeit von 31 kn entworfen. Bei einer Probefahrt am 2. Februar 1934 erreicht die Algérie mit 93.230 PS eine Geschwindigkeit von 32,9 kn; Wasserverdrängung und sonstige Bedingungen bei dieser Fahrt nennt die Quelle nicht.
Bei den Kesseln handelte es sich um von Indret gebaute Schmalrohrwasserkessel mit Überhitzern, die mit einer Dampftemperatur von 325 °C und einem Druck von 27 bar arbeiteten. Sie standen in drei direkt hintereinander angeordneten Kesselräumen. Die beiden vorderen Räume beherbergten je zwei Kessel nebeneinander, im dritten Kesselraum stand ein etwas größerer Kessel (Heizfläche 1.515 m² gegenüber 885 m²). Außerdem befand sich dort ein kleinerer Hilfskessel, der Dampf für Winden, die Heizung etc. lieferte. Die Abzüge aller Kessel waren in einem Schornstein zusammengefügt.
Hinter den Kesselräumen schlossen die beiden Maschinenräume an. In jedem standen zwei Turbinensätze, der vordere Maschinenraum beherbergte die Turbinen für die Außenwellen. Jeder Turbinensatz bestand aus einer Hoch-, einer Mittel- und einer Niederdruckstufe, die auf ein einfaches Untersetzungsgetriebe wirkten. Die Hoch- und die Mitteldruckstufe waren Impulsturbinen vom Typ Rateau-Bretagne. Die Niederdruckstufe war eine Reaktionsturbine vom Parsonstyp, in die die Stufe für Rückwärtsfahrt integriert war. Jeder Turbinensatz hatte eigene Kondensatoren und Schmiermittelpumpen und konnte so autonom arbeiten.
Es konnten 3.190 t Treibstoff mitgeführt werden. Damit sollte eine Reichweite von 4.000 Seemeilen bei 27 kn und von 8.000 Seemeilen bei 15 kn erreicht werden.laut Mike J. Whitley: Kreuzer im Zweiten Weltkrieg. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01842-X, S. 60: 1.900 t Treibstoff normal, 2.935 t maximal, Reichweite 5.000 Seemeilen bei 15 kn.
Unter Fahrt erhielt das Schiff die elektrische Energie aus vier Turbogeneratoren. Zwei standen auf dem Unterdeck zwischen den vorderen Türmen, die beiden anderen im vorderen Maschinenraum. Jeder der Generatoren leistete 300 Kilowatt. Im Hafen, d. h. wenn kein Dampf aus der Antriebsanlage zur Verfügung stand, dienten zwei Dieselgeneratoren von je 100 kW Leistung der Stromversorgung. Sie befanden sich hinter dem Schornstein in den Aufbauten.
Die Algérie hatte ein Ruder mit einer Fläche von 24,8 m².
Bewaffnung Geschütze Die Algérie erhielt wie alle ihre Vorgänger acht 20,3-cm-Geschütze Modèle 1924 mit einer Kaliberlänge von L/50 in vier Zwillingstürmen als Hauptbewaffnung. Die Türme entsprachen im Wesentlichen denen der Vorgängerklassen. Geringfügige Änderungen waren wegen des durch die Panzerung verursachten höheren Gewichts notwendig, weshalb sie die neue Bezeichnung Modèle 1931 erhielten.Naval Weapons: France – 203 mm/50 (8″) Model 1924 (engl.)
Es standen drei Typen panzerbrechender Granaten und zwei Typen Sprenggranaten mit Gewichten zwischen 119 kg und 134 kg zur Verfügung. Bei Mündungsgeschwindigkeiten zwischen 820 m/s und 850 m/s betrug bei einer Erhöhung von 45° die maximale Reichweite je nach Granattyp zwischen 28 km und 31,4 km.
Als schwere Luftabwehr und zur Bekämpfung leichter Oberflächenziele erhielt das Schiff zwölf 10-cm-L/45-Geschütze Modèle 1930 in sechs Doppellafetten Modèle 1931. Diese waren an den beiden Schiffseiten eingebaut. Die Lafette hatte einen 5 mm starken Schutzschild. Die Geschützrohre hatten eine gemeinsame Rohrwiege und konnten bis maximal 80° erhöht werden. Die Geschütze verschossen Patronenmunition (Patronengewicht 22 kg bis 24 kg) und wurden mit einem federbetriebenen Ansetzer geladen, was eine Schussfolge von 10 Schuss pro Rohr und Minute erlaubte.
Es standen eine 13,5 kg schwere Sprenggranate („OEA – Obus Explosif en Acier“; Mündungsgeschwindigkeit 780 m/s) und eine 15 kg schwere panzerbrechende Granate zur Verfügung („OPf – Obus de Perforation“; Mündungsgeschwindigkeit 765 m/s), außerdem eine Leuchtgranate („OEcl – Obus Eclairant“). Die Sprenggranate diente mit einem Zeitzünder der Luftabwehr. Die maximale Schussweite betrug 15,8 km, die maximale Schusshöhe bei der Flugabwehr 10 km.
Mit diesem Geschütz führte die französische Marine nach dem 7,5-cm-Geschütz und dem 9-cm-Geschütz das dritte schwere Flak-Kaliber bei ihrer Kreuzerflotte ein.