Wołczyn [] (deutsch Konstadt; früher auch Constadt) ist eine Kleinstadt in der Stadt- und Landgemeinde Wołczyn in der Woiwodschaft Opole (Oppeln) in Polen.

Geographie Wołczyn liegt im Kreuzburger Land, rund 12 Kilometer nordwestlich von Kluczbork (Kreuzburg O.S.) und 46 Kilometer nordöstlich von Opole an der Brinica (Brinnitze), einem Nebenfluss des Stober. Durch den Ort verläuft die Landesstraße Droga krajowa 42. Wołczyn liegt an der Bahnstrecke Kluczbork–Wrocław mit dem Haltepunkt Wołczyn.

Geschichte mini|Theresia-von-Lisieux-Kirche mini|Neogotische Mariä-Empfängnis-Kirche

Aus einem Dokument Herzog Heinrichs III. von Schlesien vom 22. Januar 1261 geht hervor, dass der bis dahin „großer Wald“ genannte Ort mit Neumarkter Recht versehen und fortan Fürstenthal genannt wurde. 1293 erfolgte die Erwähnung als Kunstadt, 1294 dann als Cunzinstadt. Im Norden der Stadt, am Standort der heutigen evangelischen Kirche, befand sich eine Raubritterburg, die am 17. Januar 1461 von Herzog Konrad X. dem Weißen von Oels und Breslauer Bürgern eingenommen und geschleift wurde.

1564 hielt die Reformation Einzug und Konstadt wurde protestantisch.

1742 fiel die Stadt mit dem Großteil Schlesiens an Preußen und wurde 1816 dem Landkreis Kreuzburg O.S. zugeteilt, der bis 1820 dem Regierungsbezirk Breslau und danach dem oberschlesischen Regierungsbezirk Oppeln angehörte.

1845 bestand die Stadt Konstadt aus insgesamt 132 Häusern. In der Vorstadt befanden sich 41 meist hölzerne Häuser. Im gleichen Jahr lebten in Konstadt 1449 Menschen, davon 1187 evangelisch, 102 katholisch und 160 jüdisch. Um 1850 errichtete die jüdische Gemeinde eine Synagoge.Jüdische Gemeinde Konstadt 1868 erhielt Konstadt Anschluss an die Oberschlesische Eisenbahn mit der Bahnstrecke Kluczbork–Wrocław. 1890 lebten in Konstadt 2525 Menschen.

1904 erhielt Konstadt eine Gasanlage und eine erste Straßenbeleuchtung. 1912 wurde das Krankenhaus erbaut. 1933 lebten in Konstadt 3616, 1939 wiederum 3779 Menschen. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde die örtliche Synagoge in Brand gesteckt. Die Reste des Gebäudes wurden wenig später abgetragen. Ende Januar 1945 erreichten die ersten Kriegshandlungen die Stadt. Nach Einmarsch der Roten Armee am 21. Januar 1945 war die Stadt zu ca. 40 % einschließlich der Siegessäule zerstört.Geschichte der Stadt (polnisch)

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Konstadt 1945 wie der größte Teil Schlesiens unter polnische Verwaltung. Nachfolgend wurde der Ort in Wołczyn umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. 1950 wurde es der Woiwodschaft Oppeln eingegliedert. 1999 kam der Ort zum neu gegründeten Powiat Kluczborski (Kreis Kreuzburg).

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen von Konstadt:Quellen der Einwohnerzahlen: 1817: – 1830: – 1775, 1782, 1810, 1824, 1855, 1861: – 1910:

Jahr Einwohner 1775 805 1782 783 1810 1075 1817 1035 1824 1169 1830 1321 1844 1449 Jahr Einwohner 1852 1584 1861 1723 1890 2525 1910 3644 1933 3616 1939 3779

Politik

Städtepartnerschaften Haßloch (Deutschland)

Sehenswürdigkeiten mini|Ostseite des Rings Theresia-von-Lisieux-Kirche Die katholische Theresia-von-Lisieux-Kirche wurde zwischen 1770 und 1799 als protestantisches Gotteshaus errichtet. Bereits 1315 wurde an gleicher Stelle eine Kirche erwähnt. Die spätbarocke Saalkirche wurde zum Teil aus den Steinen des ehemaligen Konstädter Schlosses erbaut. 1831 wird an der Westseite der Glockenturm angebaut. Zwischen 1899 und 1901 erfolgte eine Verlängerung des Langhauses in Richtung Osten. Der Ausbau erfolgte nach einem Entwurf H. Poelzig. Im Inneren befindet sich eine Rokokoorgel, die 1784 errichtet wurde.Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 1027–1028

Mariä-Empfängnis-Kirche Die römisch-katholische Mariä-Empfängnis-Kirche an der ul. Kościelna wurde zwischen 1859 und 1862 im Stil der Neogotik erbaut. Leitender Architekt war der Breslauer Architekt Alexis Langer. 1917 wurde ein Teil der Glocken eingeschmolzen.Geschichte der Mariä-Empfängnis-Kirche (polnisch)

Weitere Sehenswürdigkeiten Evangelisch-Augsburgische Kirche an der ul. Byczyńska Jüdischer Friedhof an der ul. Byczyńska Ring mit Wohnhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert Historischer Wasserturm Stadtpark Empfangsgebäude des Bahnhofes Wołczyn

Verkehr mini|Bahnhofsgebäude Wołczyn Wołczyn hat mit den Halten Wołczyn und Wierzbica Górna an der Bahnstrecke Kalety–Wrocław Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Gemeinde Die Stadt-und-Land-Gemeinde Wołczyn umfasst neben der namensgebenden Stadt weitere Dörfer mit insgesamt 13.785 Einwohnern (2016).

Söhne und Töchter der Stadt Karl Wolfgang von Frankenberg und Ludwigsdorf (1730–1791), preußischer Generalmajor, Ritter des Ordens Pour le Mérite Christian Moritz Alexander von Frankenberg und Ludwigsdorf (1732–1794), preußischer Generalmajor Emil Luebeck (1848–1905), deutscher Althistoriker und Gymnasiallehrer Helmut Hofmann (1907–2006), deutscher Architekt und Künstler Frida Brock-Oley (1910–unbekannt), deutsche Politikerin und Frauenfunktionärin

Literatur Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 240–241.

Weblinks

Website der Gemeinde

Einzelnachweise Vgl. Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865 Vgl. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845

Kategorie:Gmina Wołczyn Kategorie:Ort der Woiwodschaft Opole