Ein Kinoerklärer war eine Person, die vor dem Aufkommen des Tonfilms die öffentlich gezeigten Stummfilme den Besuchern als zusammenhängende Darstellung möglichst dramatisch präsentierte. Es handelte sich um einen Beruf, zumindest jedoch um eine Tätigkeit Die Tätigkeit wurde häufig von stellungslosen Schauspielern, Rezitatoren und Conférenciers übernommen, vgl. Georg Herzberg: Der Kinoerklärer, in: Neue Filmwelt 1949 Nr. 1, S. 30; Friedrich von Zglinicki: Der Weg des Films. Geschichte der Kinematographie und ihrer Vorläufer. Berlin, Rembrandt Verlag 1956, S. 311. Ein spätes Zeugnis für das Wirken dieses Standes hat 1929 Charlie Roellinghoff (1897–1935) in seinem humoristischen Vortrag Der letzte Kinoerklärer der Nachwelt überliefert; er ist auf der Grammophonplatte Homocord 4-3256 (Matr. TC 1397/98) [im wax: A 17 08 29] erhalten. in Berlin. Beispielhaft berichtete die Schauspielerin Henny Porten über eine Szene aus dem Jahr 1910, in der sie als „treulos verlassene Braut vergeblich auf den Geliebten im Tiergarten wartete“: Fortsetzungsserie Das war und ist Berlin aus Neue Berliner Illustrierte (NBI) um das Jahr 1971, Teil 2. Der überlieferte Zeitungsausschnitt trägt kein Datum.
Wie sehr die Institution Kinoerklärer mit vergangenen Zeiten in Zusammenhang gebracht wird, zeigt folgender Bericht aus dem Berliner Tageblatt vom August 1932: Der letzte Kinoerklärer war gerade wegen der Umstellung auf Tonfilm entlassen worden.Joachim-Felix Leonhard: Medienwissenschaft: ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen, Teil 2. ISBN 9783110163261-Verlag Walter de Gruyter, 2001, S. 1114.
Einzelnachweise
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