Rattelsdorf (bambergisch: RaddlsdoafD. Fastnacht: Staffelstein, S. 286. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: rądļsdǫəf.) ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Bamberg, der zur Metropolregion Nürnberg zählt, der Hauptort der gleichnamigen Gemeinde und eine Gemarkung. Rattelsdorf liegt in der Region Oberfranken-West im unteren Itzgrund.

Geografie Durch das Gemeindegebiet fließen die Itz und der Main, die sich im äußersten Süden vereinigen. Die Bodenfläche besteht weitestgehend aus Acker- und Grünland auf ebenem Gelände. Diese wird im Westen durch den Daschendorfer Forst und im Nordosten durch den Breitengüßbacher Forst begrenzt, in denen das Gelände um rund 100 Metern ansteigt.

Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

mini|Ebing von Norden

Die Einöde Ziegenmühle ist eine Wüstung auf dem Gemeindegebiet von Rattelsdorf.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Busendorf, Daschendorfer Forst (Gemarkungsteil 3), Ebing, Höfen b.Rattelsdorf, Medlitz, Mürsbach und Rattelsdorf.

Die Gemarkung Rattelsdorf hat eine Fläche von 10,816 km². Sie ist in 2361 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4581,29 m² haben.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Itzgrund (Landkreis Coburg), Ebensfeld (Landkreis Lichtenfels), Zapfendorf, Breitengüßbach, Baunach, Reckendorf, Rentweinsdorf und Untermerzbach (beide Landkreis Haßberge, Unterfranken).

Geschichte Frühgeschichte „Im Maintal befinden sich um Rattelsdorf mehrere abgegangene Siedlungsflächen des frühen und hohen, teilweise gar erst des späten Mittelalters, Die Wüstung Schlammersdorf“ nordöstlich von Rattelsdorf beginnt zeitlich im 4. Jahrhundert. Weitere Funde belegen die Besiedlung während der Merowingerzeit und während des 8./9. Jahrhunderts. Das Fundspektrum von kleineren Ausgrabungen in den 1980er Jahren erbrachte einen hohen Anteil an sogenannter slawischer Keramik.

Bis zur Gemeindegründung Der Ort wurde 799/800 als „Ratolfesdorf“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Ratolf.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 183. Zwei Jahre nach Gründung des Klosters Michelsberg im Jahr 1017 war dieses in „Radolfosthorff“ begütert. In der Folgezeit wurde Rattelsdorf zum Klosteramt erhoben.D. Fastnacht: Staffelstein, S. 286ff.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Rattelsdorf aus 136 Anwesen. Das Hochgericht sowie die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Michelsberger Klosteramt Rattelsdorf. Das Kloster Michelsberg war Grundherr sämtlicher Anwesen (1 Schloß mit Wirtschaftshof, 1 Pfarrhaus, 1 Schulhaus, 3 Mahl- und Schneidmühlen, 119 Häuser, 1 Brauhaus, 1 Posthaus, 8 Gasthäuser), ausgenommen eines Hauses und einer Schmiede, die der Gemeinde gehörten.H. Weiß: Lichtenfels-Staffelstein, S. 96.

Im Jahre 1802 kam Rattelsdorf an das Kurfürstentum Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1812 der Steuerdistrikt Rattelsdorf gebildet. 1818 entstand die Ruralgemeinde Rattelsdorf. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Seßlach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ebern. Ab 1862 war das neu gebildete Bezirksamt Staffelstein (1939 in Landkreis Staffelstein umbenannt) für die Verwaltung zuständig und ab 1866 das neu gebildete Rentamt Staffelstein für die Finanzverwaltung (1919 in Finanzamt Staffelstein umbenannt, ab 1929 Finanzamt Bamberg-Land). Die Gerichtsbarkeit lag ab 1862 beim neu gebildeten Landgericht Staffelstein (1880 in Amtsgericht Staffelstein umbenannt, 1956 aufgelöst, bis 1972 Amtsgericht Lichtenfels).H. Weiß: Lichtenfels-Staffelstein, S. 163. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 10,806 km².

Bis 1972 gehörten auch Ebing sowie Busendorf mit Poppendorf und Medlitz mit Speiersberg und Hilkersdorf zum Landkreis Staffelstein. Die Gemeindeteile Höfen mit Höfenneusig und Freudeneck sowie Mürsbach mit Zaugendorf und Helfenroth gehörten jedoch bis 1972 zum Landkreis Ebern und damit zu Unterfranken.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1972 die Gemeinden Busendorf und Medlitz eingegliedert. Ebing, Höfen und Mürsbach kamen am 1. Mai 1978 hinzu.

Demografie Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs der Markt von 3983 auf 4630 um 647 Einwohner bzw. um 16,2 %.

Gemeinde Rattelsdorf Jahr 1987 1995 2000 2007 2010 2013 2016 2019 2023Einwohner 3987 4406 4566 4531 4478 4568 4595 4609 4591HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2023 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 973 1276 1285 1307 1330Quelle

Ort Rattelsdorf (=Gemeinde Rattelsdorf bis zur Gebietsreform) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987Einwohner 754 945 830 807 796 772 732 728 735 715 697 662 635 662 672 666 707 720 708 1064 1113 1011 1094 1112 1692Häuser 144 143 144 141 146 143 156 187 405Quelle

Religion Laut Zensus am 9. Mai 2011 sind 78,6 % der Einwohner römisch-katholisch und 11,4 % evangelisch-lutherisch. 10,0 % haben eine andere Religion oder sind konfessionslos.

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2023 Hans-Jürgen Scheerbaum (CSU), der sich mit 68,8 % in der Stichwahl gegen seinen seit 2005 amtierenden Vorgänger Bruno Kellner (VU) durchsetzte. Dieser folgte auf den seit 1990 amtierenden Gerhard Jäger (SPD).

Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2002 ergaben folgende Sitzverteilungen: +Partei/ListeSitze2020201420082002 Ebinger Liste4444 CSU 4444 SPD 2333 Vereinigtes Umland3332 Rattelsdorfer Zukunft3––– Christliche-Wähler-Union Rattelsdorf–222 Christlich-Bürgerliche-Wählergruppe–––1

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot gestreift mit aufgelegtem Wappen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler

St. Peter und Paul (Rattelsdorf) Burgstall Freudeneck Turmhügel Schlosshügel (Helfenroth)

Freizeit SpVgg Rattelsdorf, 1998/99 spielte die Basketballabteilung in der 2. Bundesliga Monsterpark Rattelsdorf, ein Baumaschinenmuseum

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gibt vier Brauereien: die Schwanenbräu in Ebing, die Brauerei Endres in Höfen, die Sonnenbräu in Mürsbach und die Brauerei Fischer in Freudeneck (die kleinste Ortschaft im Landkreis Bamberg, die eine Brauerei hat). In allen vier Brauereigaststätten gibt es fränkische Bier- und Brotzeitspezialitäten. Im Gemeindeteil Medlitz bestand bis 1986 die Brauerei Schwarzer Adler und im Gemeindeteil Mürsbach bis 2002 die Brauerei Feiler.

2022 gab es 615 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort, 2054 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort und 72 Arbeitslose. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei Betriebe, im Bauhauptgewerbe sieben Betriebe. 2020 bestanden 37 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1632 Hektar.

Freiwillige Feuerwehren Freiwillige Feuerwehren gibt es in Busendorf, Ebing, Hilkersdorf, Höfen, Medlitz, Mürsbach, Rattelsdorf und Zaugendorf.

Verkehr Rattelsdorf hatte zwischen dem 1. Oktober 1913 und dem 28. September 1975 einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Breitengüßbach–Dietersdorf. Vorübergehend war auch der Bau eines Verkehrslandeplatzes nördlich von Rattelsdorf auf Landkreisebene im Gespräch. Entsprechende Pläne wurden aber nach Bürgerprotesten inzwischen fallen gelassen.

Die Bundesstraße 4 führt nach Lahm (10 km nördlich) bzw. nach Breitengüßbach zu einer Anschlussstelle der Bundesautobahn 73 (4 km südlich). Die Kreisstraße BA 32/LIF 8 führt nach Ebing (1,3 km südöstlich) bzw. nach Unterbrunn (4,5 km nordöstlich). Die Kreisstraße BA 39 führt über Höfen nach Baunach zur Bundesstraße 279 (4,5 km südwestlich).

Bildung 2023 gab es folgende Einrichtungen: vier Kindertageseinrichtungen mit 255 Plätzen und 213 Kindern eine Volksschule mit 171 Schülern

Söhne und Töchter des Marktes Carl Fraas (1810–1875), deutscher Agrarwissenschaftler Steffen Hamann (* 1981), deutscher Basketball-Nationalspieler

Literatur

Thomas Gunzelmann: Rattelsdorf im Bild historischer Karten und Pläne. In: HBL 16 1+2/2004, S. 53–66 (PDF)

Weblinks

Website Markt Rattelsdorf (PDF; 1,24 MB)

Einzelnachweise

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