Hans-Ulrich Buchwald (* 20. Dezember 1925 in Breslau; † 18. Februar 2009 in Hannover) war ein deutscher Maler, Grafiker, Keramiker, Bühnenbildner und Maskenbauer. Sein Gesamtwerk umfasst ca. 10.000 Zeichnungen, Holz- und Linolschnitte, Gemälde, Keramiken, Holzskulpturen und Masken. Es ist geprägt durch eine Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen. Buchwald fühlte sich der klassischen Moderne verpflichtet, die er aber erst nach dem Krieg kennenlernte. Er ließ sich inspirieren von George Grosz, Pablo Picasso, Edvard Munch, August Macke, Franz Marc, Oskar Schlemmer, Fernand Léger, suchte aber auf diversen Gebieten nach einem eigenen Stil. mini|Selbstbildnis des Künstlers Hans-Ulrich Buchwald

Leben Erste Impulse Buchwalds Großvater war Maler, ebenfalls sein Onkel Alfred Ferdinand Buchwald. Auch sein Vater war der Bildenden Kunst zugetan, ergriff aber aus finanziellen Gründen den „Brotberuf“ Koch, eröffnete Anfang der zwanziger Jahre ein Gourmetrestaurant in Breslau, in dem Künstler, Literaten, Theaterleute und deren Bewunderer verkehrten. Einige Maler verkehrten sogar im Haus Buchwald wie Otto Mueller („Zigeunermüller“). Als Hans-Ulrich zur Welt kam, musste der Vater das Lokal schließen, unterstützte den Sohn aber auf jede erdenkliche Weise bei der Entwicklung seiner früh erkennbaren künstlerischen Begabung. Er schickte ihn auf die Waldorfschule. Als die Weltanschauungsschule 1940 von den Nazis geschlossen wurde, beantragte der Vater eine Sondergenehmigung zum Besuch der Werkkunstschule für den 15-Jährigen und der junge Buchwald erhielt einen Platz in der Klasse für Gebrauchsgrafik bei Rump. Zwei Jahre später wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen, kurze Zeit später zum Militär. Er geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde 1947 wieder entlassen. In dieser Zeit beschäftigte er sich weiter mit Malerei und Zeichnen. mini|Rohrfederzeichnung Straßenszene in Hameln

Studium der Malerei, Ehe und Berufstätigkeit Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft und einem kurzen Aufenthalt in Köln ließ er sich in Hameln nieder. Alles, was er in seiner Jugendzeit gemalt und gezeichnet hatte, war verloren gegangen. Der 22-Jährige erhielt kostenlosen Malunterricht bei Josef Apportin und lernte die Gründer des Hamelner Kunstkreises, Rolf und Charlotte Flemes sowie Hans Seutemann kennen. Der Hamelner Kunstkreis vermittelte ihm Reisestipendien nach Marokko und Schweden, die er ausgiebig für Übungen in Aquarell und Zeichnen nutzte. 1950 bis 1952 ließ er sich „den letzten Schliff“ von Erich Rhein an der Werkkunstschule Hannover verpassen. Als 1952 aus dem Hamelner Kunstkreis der Kunstverein „Arche“ wurde, wurde auch Buchwald zur Mitgliedschaft eingeladen. Dann verlegte er seinen Wohnsitz nach Hildesheim und arbeitete vier Jahre lang (1952–1956) als Bühnenbildner am Stadttheater. Die Erfahrungen dieser Zeit kamen später seinem „Scharniertheater“ zugute, sie schlugen sich aber auch in seinen Grafiken nieder. 1956 heiratete er die Kunsterzieherin Hella Feyerabend (1915–2000)Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten: vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 2. (https://univerlag.uni-goettingen.de/handle/3/isbn-978-3-86395-504-5), die er bei Erich Rhein kennengelernt hatte. Dann nahm er eine Stelle als Zeichner der Paläontologischen Abteilung am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover an und blieb dort bis zu seinem Vorruhestand 1980. Das Paar mietete eine Wohnung in Hannover, in der beide bis an ihr Lebensende wohnen blieben. Hella Feyerabend brachte ihre Tochter Gundel mit in die Ehe. Hella und Hans-Ulrich Buchwald bekamen zwei weitere Töchter, Marianne (geb. 1957) und Luise (geb. 1959), die auch künstlerisch tätig wurden.

Das künstlerische Schaffen Zeichnungen Buchwald hat ständig seine Fähigkeit zum zeichnerischen Erfassen der Welt verfeinert. Selbst aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft sind einige Zeichnungen erhalten geblieben. In den 1940er-Jahren und Anfang der 1950er-Jahre hat Buchwald viel mit Kohle, Bleistift und Rohrfeder gearbeitet, um Alltagseindrücke, Tiere aus dem Zoo oder Landschaften in Zeichnungen festzuhalten.

Buchwalds Bestreben war es, alles, was ihm vor Augen kam, lebensecht und zugleich typisierend mit einer schwungvollen Strichführung aufs Papier zu werfen. Bei stundenlangen Zoobesuchen fertigte er Tierstudien an. Seine Sujets entnahm er oft auch dem Alltag der Menschen. Dabei orientierte er sich auch an Vincent van Gogh und dessen Ansatz, gerade das vermeintlich „unansehnliche“ Alltagsleben der einfachen Menschen zu würdigen. So zeichnete Buchwald Kriegsgefangene und Musiker, Menschen bei der Kartoffelernte, in der Fabrik oder bei der Müllabfuhr, auf dem Markt beim Ein- und Verkaufen, auf der Straße und im Automobil. mini|Drei Kunden in einem Frisiersalon

Holz- und Linolschnitte Dass Buchwald sich intensiv dem Holzschnitt und dem Linolschnitt zugewandt hat, ist auf dem Boden einer besonders geschichtsträchtigen, bis ins 15. Jahrhundert reichenden, spezifisch deutschen Kunsttradition zu sehen. In der Verteilung von Hell und Dunkel und in der Entwicklung von Fläche und Raum folgte Buchwald zunächst Gestaltungsprinzipien der großen Expressionisten. Die ersten Anregungen für seine Holzschnitttechnik bekam Buchwald auf der Kunstgewerbeschule Hannover bei E. Rhein. Anfangs folgte er stilistisch den Expressionisten, die die komplizierte Welt oft holzschnittartig reduziert haben. Das sperrige Material zwingt zu strenger Form. In der Verteilung von Hell und Dunkel und in der Entwicklung von Fläche und Raum sind Einflüsse von Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Frans Masereel und Edvard Munch unverkennbar. Als Buchwald den Linolschnitt für sich entdeckte, konnte er dem weicheren Material – nach Meinung der Klassiker nicht für künstlerische Darstellung geeignet – viel stärker seine zeichnerischen Qualitäten aufdrücken. Statt großflächiger Arbeitsweise erlaubt der Linolschnitt einen differenzierten Umgang mit Formen, Schraffuren, gebogenen Linien, Rastern und ornamentaler Linienführung. Durch seine raffinierte Strichtechnik, mit der Buchwald seine Bilder mit feinen Liniennetzen durchzog, zeigte er sich als Meister der Schnittkunst. Ihm gelangen großformatige Linolschnitte, die wie Zeichnungen wirken. Rüdiger Joppien notiert über den Grafiker: „Selbstauferlegte Beherrschung und Disziplinierung der Mittel sind die bestimmenden Faktoren in Buchwalds Graphikverständnis. Buchwald weiß um die Strenge und Sprödigkeit seines Werkstoffes, doch sind es diese Eigenschaften, die ihn zu ständiger formaler Variation und zur Erkundung neuer graphischer Ausdrucksmöglichkeiten anregen, so, als wolle er beweisen, wie viel aus diesem Material herauszuholen sei.“Rüdiger Joppien in: Hans-Ulrich Buchwald. Graphik. Druckhaus Quensen KG. Lamspringe 1974. In seinen Holz- und Linolschnitten ging Buchwald zwar vom Gegenständlichen aus, verfremdete aber die Sujets oft surrealistisch bis hin zu mythologischen Figuren. So zeigte er immer wieder das ursprünglich Animalische des homo sapiens, machte die Tiergestalt des Menschen sichtbar, die als vitale Kraft oder als subtile Bedrohung daherkommt wie etwa als Minotaurus. mini|Diskuswerfer beim Wurf

Der Bühnenbildner als Grafiker Buchwalds Hildesheimer Bühnenbildnerzeit hat auch auf seine Graphiken abgefärbt. Oft sind die Bilder wie Bühnen konzipiert: im Hintergrund oder über der Szene bauschen sich Vorhänge, die Zentralperspektive wird benutzt, um den wichtigsten Akteur in die Mitte zu stellen, Wände oder Käfiggitter bilden den Hintergrund der Bühne, auf der das dargestellte Geschehen präsentiert wird. Das alles gibt seinen Graphiken oft etwas Theatralisch-Barockes, die Protagonisten stellen sich selbst dar. Für die Selbstdarstellung braucht man Zuschauer, auch wenn es das eigene Spiegelbild ist… „Seine Linienführung, seine expressiven Abkürzungen, Vereinfachungen und Übertreibungen, seine ornamentgeladenen, spannungsreich, dichtgedrängten Bildspiegel, sein einerseits bis in metaphysische Tiefen vordringender und andererseits bis hart an die Grenzen des Skurrilen, eher noch in surrealistische Bereiche vorstoßender Ausdrucksstil, ist ganz im eigenen Wesen Buchwalds selbst gegründet. Sein Gestaltetes ist das getreue Spiegelbild seiner selbst... Seine Werke teilen sich dem Betrachter in eben der Weise mit, wie Buchwald sich selbst in der persönlichen Begegnung zeigt: gedanklich und verbal überladen… tiefsinnig hintergründig, immer liebenswürdig, zuvorkommend, hilfsbereit, tolerant und von großer Herzensgüte, dabei phantasiereich und stets positiv bejahend.“Ludwig Schreiner in: Hans-Ulrich Buchwald: Holz- und Linolschnitte, Arte Factum Verlagsgesellschaft mbH. Nürnberg 1987, S. II f Neben Buchwalds monumentalen Grafiken, die vielfach auf mythologische Motive zurückgreifen, ist zu sehen, dass er auch ein Vertreter der kritischen Grafik war. Da bekommt ein Schreiberling aus einer Behörde von Buchwald einen Hundekopf verpasst, um seine bürokratische Prinzipienreiterei im Umgang mit den Antragstellern zu demaskieren. Da ist die Dame, deren Katzenliebe so weit geht, dass sie das Tier wie einen Hut spazieren führt. Da hockt die Schuhkäuferin ängstlich vor dem Kunden, den sie mit seinem herablassenden Auftreten wie einen Raubvogel wahrnimmt. Nicht nur in Linolschnitten, auch in manchen Aquarellen Buchwalds kommt immer wieder die Kehrseite der menschlichen Existenz, das Spiegelbildliche, das Seitenverkehrte und Schräge des Menschen zum Vorschein. Mit solchen Bildern leistete Buchwald auch einen Beitrag zur „Kritischen Grafik“, die ja in den 1970er- und 1980er-ahren eine neue Blüte erlebte, nicht zuletzt in Hannover, etwa mit WP Eberhard Eggers und Hans-Georg Kanitz.

Aquarelle Auf den Umgang mit Pinsel und Farbe legten die Maler des Kunstkreises Hameln großen Wert. Eine gute Möglichkeit für den werdenden Künstler, seinen Umgang mit Ölfarben und seine Aquarelltechnik zu verfeinern. Gerade die vom Kunstkreis Hameln gesponserten Schiffsreisen nach Schweden oder Nordafrika erlaubten Buchwald, seine Aquarelltechnik weiterzuentwickeln. Zugleich entstanden diese Aquarelle in Urlaubsstimmung, in einer sonnigen Atmosphäre von Freiheit und Entdeckerfreude. Die Leichtigkeit des Seins schwingt in seinen Aquarellen mit. Buchwald selbst sprach von „fröhlicher Gegenständlichkeit“. Er erinnerte sich: „Meine Aquarelle entstehen oft in den Ferien, im Hotel, in Millionärsstimmung“.Rudolf Jüdes: Hans-Ulrich Buchwald, Hannover. 1991, S. 11. Trotz der entspannten Stimmung, in der die Aquarelle meist entstanden, wurden sie mit großer Meisterschaft ausgeführt. Es gibt so gut wie keine Übermalungen. Und Buchwald beherrschte die Technik, das weiße Papier durch Weglassen von Farbe in das Bild einzubeziehen, vermutlich sogar ohne Maskierflüssigkeit zu benutzen.

Zu den Themen wäre zu sagen, dass sich mit der Zeit auch die Modelle auf seinen Aquarellen veränderten. Zwar tauchten immer wieder Motive von Schiffsreisen und Strandurlauben auf, von marokkanischen Basars und Parklandschaften, aber immer öfter auch Stadtmotive wie elegante Damen vor dem Modesalon oder dem Hutladen, im Café oder am Buffet, Autos in Paris oder auf der „Blauen Brücke“, Rollschuhläufer und Fußballspieler. Und obwohl Buchwald immer noch vom Gegenständlichen ausging, wurden die Dargestellten zunehmend typisiert und verschmolzen teilweise sogar mit der Architektur der Umgebung. mini|Weserfähre Haje vor dem Dorf

Rudolf Jüdes, Hannoverscher Publizist und Herausgeber mehrerer Künstlerbiografien im Steintor Verlag, schrieb:

Ölbilder mini|Elegant Lady with a red blouse