mini|hochkant|Selbstbildnis 1877 Peter Joseph Molitor (* 19. September 1821 in Koblenz; † 15. Mai 1898 in Oberlahnstein) war ein deutscher Maler der Düsseldorfer Schule.Christine Klaus: Peter Joseph Molitor (1821–1898) – ein Koblenzer Maler. Lebensdaten unter Verweis auf das Standesamt Koblenz, das Stadtarchiv Koblenz und das Zivilstandsregister.
Leben mini|Koblenz im Geburtsjahr Molitors Familie und Jugendzeit Molitor wurde als Sohn der Eheleute Peter Ferdinand Marcus Molitor aus Meudt (1772–1838) und Maria Anna (geborene Aleff) aus Koblenz geboren. Molitors Vater war Bäcker und hatte es in seinem Beruf durch Fleiß und Zuverlässigkeit zu Ansehen und einem gewissen Wohlstand gebracht. So erschien er schon 1804 als französischer Bürger im damaligen „Almanach d’adresses de la ville de Coblence“ als Besitzer des Hauses Kastorgasse 261 und erwarb in der Folgezeit bis 1828 drei weitere, in der Nachbarschaft gelegene Immobilien.Christine Klaus: Peter Joseph Molitor (1821–1898) – ein Koblenzer Maler. Angabe unter Verweis auf Handbuch für die Bewohner der Stadt Koblenz des Jahres 1828. 1825 bis 1837/38 war er Stadtrat in Koblenz.Katharina Thielen: Notablnpolitik in Koblenz. Partizipationschancen in der reaktionären Rheinprovinz (1815-1848), Trier 2020, S. 257.
Wahrscheinlich besuchte Peter Joseph Molitor die 1817 bis 1819 am Kastorhof Nr. 6 errichtete kleine Schule, die nach Plänen des Stadtbaumeisters Lassaulx entstanden war.Herbert Dellwing, Reinhard Kallenbach: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 3.2: Koblenz Innenstadt. Worms 2004, ISBN 3-86134-390-8, S. 154. Welche weiterführende Bildungseinrichtung der junge Molitor besuchte, oder welche besondere Ausbildung er in Koblenz erhielt, ist bisher nicht bekannt. Es wird angenommen, dass eine erkennbare künstlerische Veranlagung Molitors Förderung erfuhr, deren Finanzierung der Familie nicht schwer fiel. So wurden Molitor wahrscheinlich durch Privatunterricht Koblenzer Künstler die Grundlagen der Malerei vermittelt oder er nahm die Möglichkeit des Staates wahr, zugezogene Zeichenlehrer in Anspruch zu nehmen, die den Schulunterricht in preußischer Zeit übernahmen.
Gesellschaftliches Umfeld Das Leben der Familie fiel in eine Zeit, in der eine bemerkenswerte Anzahl Koblenzer einen künstlerischen Werdegang anstrebten, wohl auch aus dem Grund, weil das Kunstleben der Stadt stark durch Persönlichkeiten der bildenden Kunst dominiert wurde. Dieser Kunstenthusiasmus hatte schon in der kurfürstlichen Zeit des kunstliebenden Clemens Wenzeslaus begonnen, als dieser Ehrenbreitstein verließ und seine Residenz nach Koblenz verlegte. Wie damals setzte nun, nach kurzer Stagnation in der Franzosenzeit, in Koblenz erneut ein wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung ein, von dem auch die Mittelschicht der Bevölkerung erfasst wurde.
Von den umfangreichen Baumaßnahmen in der Provinzhauptstadt profitierte auch die Kultur. So entstand beispielsweise die städtische Bibliothek (1832) und der Bau der Städtisch-Langschen Gemäldesammlung (1835) des Joseph Gregor Lang, in dessen Sammlung sich möglicherweise schon Werke der Maler Januarius Zick, Conrad Zick, Benedikt Beckenkamp, Johann Baptist Bachta, Johannes Jakob Diezler oder die von Simon Meister befanden. Zudem hatten sich einflussreiche private Freundeskreise gebildet, die mit eigenen Mitteln kulturelle Dinge förderten. Einen Schwerpunkt bildeten dabei die Freunde der Familie La Roche, Johann Joseph Görres, Johann Claudius von Lassaulx oder die Familie von Franz Clemens Brentano.
Aufschlussreich ist auch, dass in dem 1829 in Düsseldorf gegründeten Kunstverein für die Rheinlande und Westphalen neun der Gründungsmitglieder aus Köln waren, dagegen aber dreizehn aus Koblenz.
Da es in der aufstrebenden preußischen Provinzhauptstadt Koblenz noch an einer Einrichtung der weiterführenden Ausbildungsstätte für die bildende Kunst fehlte, verließ Molitor 1837 als 16-Jähriger seine Heimatstadt Koblenz, um an der Düsseldorfer Kunstakademie, die sich seit 1826 unter der Leitung von Wilhelm Schadow zu einer der bedeutendsten Ausbildungsstätten in Europa entwickelte, seine Ausbildung fortzusetzen.Christine Klaus: Peter Joseph Molitor (1821–1898) – ein Koblenzer Maler.
Studium in Düsseldorf mini|Andreas Achenbach: Die alte Akademie in Düsseldorf, 1831 Das Studium an der Kunstakademie Düsseldorf durchlief ein Vierklassensystem, dessen Konzept Wilhelm Schadow 1828 publiziert hatte. Die Elementarklasse begann mit den Grundlagen der zeichnerischen Darstellung einfacher geometrischer Objekte, bis hin zur realistischen Wiedergabe der menschlichen Gestalt, um das erworbene Können in der folgenden Vorbereitungsklasse durch Kopierversuche vorhandener Werke der Kunstgeschichte, sowie in der Arbeit mit lebenden Modellen zu vertiefen. Dabei war es Schadow ein Anliegen, dass viel Wert auf die Förderung individueller Charakteristika eines jeden einzelnen seiner Schüler gelegt wurde. Nach Abschluss der „Klasse für ausübende Schüler“, in dieser fertigten sie nun eigene Entwürfe, wurden besonders begabten Schüler in die „Meisterklasse“ aufgenommen. Dies war eine wesentliche Neuerung Schadows, in der der Lehrer eine weniger leitende, als die einer beratenden Funktion übernahm. Hier aber konnte der Schüler, der früher nach Erwerb der Grundlagen die Akademie bereits verließ, von den Erfahrungen anderer profitieren.
Dazu kam es für Molitor erst eine geraume Zeit später. Sein Aufenthalt an der Akademie war nicht von langer Dauer. Er musste die Ausbildung bereits 1838 aus familiären Gründen abrupt unterbrechen, da in Koblenz seine Eltern, der Vater (Oktober 1838) und wenige Monate später seine Mutter (Mai 1839) verstarben. Anlässlich dieser Ereignisse zeigte sich, dass Peter Joseph Molitor nicht der einzige Nachkomme seiner Eltern war, denn es hieß „Das Elternhaus blieb zunächst im Besitz der Geschwister Molitor“.
Über die Zeit bis zu Molitors Wiederaufnahme seines Studiums an die Akademie 1841 wurde nichts bekannt. Zurückgekehrt in Düsseldorf setzte er sein Studium unter von Schadow und Karl Ferdinand Sohn, einem sehr angesehenen Porträtmaler jener Zeit, fort. Der inzwischen 20-jährige Molitor hatte auch eine ihm zusagende Fachrichtung gewählt und sich der Historienmalerei zugewandt. Er war in seinem Metier gewachsen und hatte durchweg, von den Anfängen 1837/38 bis zu seinem Austritt aus der Akademie im Herbst 1844, fast ausschließlich positive Beurteilungen seiner Lehrer erhalten.
Molitor erstmals als Auftragsmaler mini|Der Knabe Werner (1845) gilt als Erstlingswerk Molitors. Sein attestiertes Können hatte das Selbstbewusstsein des jungen Künstlers gestärkt, sodass er wohl 1845 ein erstes eigenes Gemälde, das Tafelbild Der Knabe Werner schuf, welches dann, bis in das 21. Jahrhundert den Altar der Wernerkapelle in Oberwesel zierte.Eduard Sebald u. a.: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 9: Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 2: Ehemaliger Kreis St. Goar, Stadt Oberwesel, Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hrsg.), Deutscher Kunstverlag 1977, ISBN 3-422-00576-5, S. 690 f.
Studien in München, Würzburg und Frankfurt Unterlagen des Münchener Stadtarchivs belegen Molitors Studienaufenthalt von Mitte Juli bis etwa Ende Oktober 1846 in der bayerischen Hauptstadt. Wahrscheinlich malte er dort auch das Bild Bauer mit Tonpfeife und Krug. Da es eigentlich nicht seinem bevorzugten Stil entsprach, soll es für ihn ein Experiment oder „Übungsstück“ gewesen sein, zu dem er sich von den Werken des flämischen Malers Adriaen Brouwer inspirieren ließ. Die 1836 neu eröffnete Pinakothek besaß 17 Spätwerke von ihm. Aus München soll er sich ins fränkische Würzburg abgemeldet haben, wo sich seine Spur zunächst verliert. Auch Nachforschungen bezüglich seiner in der Literatur häufiger erwähnten Aufenthalte in Frankfurt am Main bei Philipp Veit brachten bisher keine Ergebnisse. So bleibt Molitors Aufenthaltsort für den Zeitraum zwischen Herbst 1844 und seiner Rückkehr nach Koblenz um 1850 bis auf den Aufenthalt in München offen. In diese Zeit fällt ebenfalls das 1848 entstandene und eindeutig ihm zugeschriebene Ölbild Sintflut, dessen Schaffungsort wohl unbekannt bleiben wird.
Arbeiten in Koblenz, Aachen und Kapellen Um 1850 muss Molitor nach Koblenz zurückgekehrt sein, da er in den Adressbüchern der Stadt bis 1856 als Wohnungsnehmer im Castorhof Nr. 9 verzeichnet wurde. An dieser Adresse entstand im Jahr seiner Rückkehr das Porträt Frau Mainzer, ein Bild, das vom Stil her an seinen Lehrer Sohn aus der Düsseldorfer Zeit erinnert. Man vermutet bei dem Titel des Bildes einen Zusammenhang mit einem Werk Simon Meisters, dessen 1833 entstandenes Gemälde den Buchdruckermeister Johan Wilhelm Mainzer darstellt. mini|Alfred Rethel: Einzugs Karls des Großen 774 in Pavia, 1851 Auf Vermittlung Ernst Degers, für den er später arbeitete, half Molitor im Sommer 1851 Alfred Rethel, seinem Studienkollegen von der Düsseldorfer Akademie, bei einer Auftragsarbeit in Aachen. Dieser war seit 1847 mit der Ausmalung des Kaisersaales im Aachener Rathaus beauftragt worden. Nun, bei den Arbeiten am vierten Bild des Zyklus – später allgemein als Karlsfresken bezeichnet – offenbar erkrankt, hatte Rethel unter Kollegen nach Hilfe gesucht. Diese vierte Szene, eine Darstellung, die den historischen Einzug von Karl dem Großen nach erfolgreicher Belagerung von Pavia zeigte, war die letzte Arbeit Rethels und entstand in Zusammenarbeit mit Molitor.Christine Klaus: Peter Joseph Molitor (1821–1898) – ein Koblenzer Maler. Angaben unter Verweis auf die Korrespondenz Alfred Rethels mit seinem Bruder Otto Rethel (März 1851) und seiner Braut (August 1851). In: Josef Ponten: Alfred Rethels Briefe. Eine Auswahl. Berlin 1912, S. 151–153 und 165. Die restlichen vier Bilder des geplanten Zyklus entstanden nach Rethels Entwürfen durch Joseph Kehren, der ebenfalls an der Düsseldorfer Akademie ausgebildet worden war.
Zurück in Koblenz lernte er seine spätere Frau Amalia Schneider, die Tochter des Hofzimmermeisters Jakob Franz Schneider kennen, die er am 2. Mai 1854 heiratete. Er zog mit ihr und seiner 1856 geborenen Tochter Maria ein Jahr später nach Kapellen (heute Koblenz-Stolzenfels), wo der gemeinsame Sohn Franz am 17. September 1857 zur Welt kam. Molitors Umzug kam jedoch nicht von ungefähr. Er stand in Zusammenhang mit einem Angebot Degers, diesem bei der Ausmalung der Schlosskapelle zu Stolzenfels zu assistieren.
Diese 1857 bei Deger begonnenen Arbeiten, der selbst schon seit 1851 im Auftrag Friedrich Wilhelm IV. an religiös geprägten Wandmalereien in der Schlosskapelle zu Stolzenfels arbeitete und dieses Werk um 1859/60 vollendete, sieht man heute als eine Form des in der Düsseldorfer Akademie aufgekommenen Meisterklassensystems, in dem Molitor in der Klasse Degers von 1854 bis 1858 geführt wurde.
Rückkehr nach Düsseldorf mini|Wilhelm Schreuer: Heitere Runde im Malkasten Nach Vollendung der Arbeiten in der Schlosskapelle Stolzenfels verließ Molitor erneut den Raum Koblenz und zog mit seinen Angehörigen nach Düsseldorf. Er nahm in der Stadt seiner Ausbildung für lange Jahre seinen festen Wohnsitz ein. Hier kam im Mai 1860 das dritte Kind der Eheleute Molitor zur Welt, sein Sohn Ferdinand Josef. Noch im gleichen Jahr wurde er Mitglied in dem 1848 in Düsseldorf gegründeten Künstlerverein Malkasten, zu dessen inhaltlicher Gestaltung Mitglieder der Maler und Bildhauer mit ihrer künstlerischen Gestaltung beitrugen. Dokumente dieser Zeit schildern Molitor als lebensfrohen geselligen Menschen. Sein Arbeitsfeld lag aber weiterhin überwiegend im Raum seiner Heimatstadt Koblenz, die aufgrund der technischen Fortentwicklung seit dem Jahr 1858 über die linksrheinische Eisenbahntrasse schnell erreichbar geworden war.
Großprojekt Arenberg mini|St. Nikolaus (Koblenz-Arenberg), Molitor als Simon von Cyrene mit roter Mütze